Das Gebiet der heutigen Länder Peru und Bolivien war das Kernland der andinen Hochkulturen mit intensivem (Terrassen-) Feldbau, Haustierhaltung und einer straff und hierarchisch organisierten Gesellschaftspyramide. Diese Kultur hatte sich seit dem 1. Jahrtausend v.Chr. herausgebildet. Zwar gab es keine Schrift, aber eine hoch entwickelte Kunst und eine ausgefeilte Stadt- und Tempelarchitektur. Zu den handwerklichen Fähigkeiten gehörten die Herstellung von Textilien aus Baumwolle und Wolle sowie die Verarbeitung von (Edel-)Metallen wie Gold, Silber und Kupfer und die Herstellung von Bronzelegierungen zu Schmuckzwecken.
Gold, Silber und Gas
Als Anfang des 16. Jahrhunderts die Spanier in die Region vordrangen, hatte das Reich der Inka sich auf das Territorium aller anderen andinen Hochkulturen zwischen Südkolumbien und Nordchile ausgedehnt. Den Spanier Francisco Pizarro, der das Inkareich 1532/33 von Panama aus eroberte, lockten auch und vor allem Gold und Silber. Dass Spanien das Vizekönigreich Peru bald als seine wertvollste Kolonie ansah, lag am peruanischen Gold und an den ergiebigen Silbervorkommen von Potosi im heutigen Bolivien, die bis Ende des 18. Jahrhunderts die Quelle des spanischen Reichtums bildeten. Der Bevölkerung vor Ort, die in den Stollen schuftete, kam davon nichts zugute.
Heute befindet sich in Peru die größte Goldmine Südamerikas – die von einem US-Unternehmen betrieben wird – und das Land gehört bei Silber, Zink, Blei, Zinn und Kupfer zu den führenden Förderländern der Welt. Auch in Bolivien werden diese Edelund Basismetalle abgebaut; außerdem verfügt der Staat nach Venezuela über die zweitgrößten Erdgasvorkommen Südamerikas. Dennoch leben knapp zwei Drittel der Bevölkerung in Armut, die meisten von ihnen Indigenas.
Schwere Entwicklungshemmnisse
Wie viele Staaten Lateinamerikas experimentierten auch Peru und Bolivien in den vergangenen Jahrzehnten mit wechselnden ökonomischen Strategien – von der Öffnung für internationale Investitionen im Zeichen des Neoliberalismus auf der einen bis hin zur Verstaatlichung auf der anderen Seite. Beide Länder sind aber gewissermaßen auch Symbole für eine Ausbeutung, von der neben einer kleinen Elite im Land vor allem fremde Konzerne profitierten. So bescherte der Anfang des 21. Jahrhunderts einsetzende massive Preisanstieg für Rohstoffe Peru Wachstumsraten wie seit Jahrzehnten nicht mehr, ohne dass sich an den Lebensbedingungen der Bevölkerungsmehrheit Grundlegendes geändert hätte; im Gegenteil, die sozialen Spannungen verschärften sich sogar noch.
Bolivien verstaatlicht Energiesektor
Die bolivianische Regierung dagegen verstaatlichte 2006 – zum dritten Mal nach 1937 und 1969 – den Energiesektor und ließ die 56 Erdöl- und Erdgasförderstätten ausländischer Unternehmen von der Armee besetzen. Die zwölf betroffenen ausländischen Konzerne wurden allerdings nicht enteignet, sie mussten nur akzeptieren, dass die Gewinne zwischen ihnen und dem Staat anders verteilt werden. Der Anteil des Landes Bolivien wurde auf den beiden größten Gasfeldern von bisher 50 auf 82% erhöht, bei den kleineren wurde er auf 60% festgelegt. Auch die Verstaatlichung der Bergbau- und Hüttenindustrie wurde 2007 in Angriff genommen. Die Kritik, ausländische Konzerne beuteten nur die Rohstoffe aus, ohne in die Infrastruktur der Region zu investieren, ist zwar pauschal, aber im Prinzip berechtigt (im Gasförderland Bolivien verfügen z.B. viele Haushalte nicht einmal über einen Gasanschluss). Doch Entwicklungstheoretiker sehen noch andere Gründe dafür, dass viele rohstoffreiche Länder bettelarm sind: Rohstoffvorkommen übten auf die Politik oft genug falsche Anreize aus. Der Abbau nicht erneuerbarer Ressourcen verführe dazu, ihre Begrenztheit zu verdrängen und nicht in eine nachhaltige industrielle Entwicklung zu investieren.
Zudem führten die staatlichen Lizenzen, die zum Abbau von Rohstoffen in den allermeisten Fällen erforderlich sind, zu einer unkontrollierbaren Korruption, ohnehin nach Einschätzung vieler Experten die Ursache dafür, dass Länder wie Peru und Bolivien vielerorts in Armut und Unterentwicklung versinken. Statt die Gewinne aus dem Rohstoffabbau ausschließlich in den – staatlichen oder privaten – Konsum fließen zu lassen bzw. als Almosen an Arme zu verteilen, wären nachhaltige Investitionen in Bildung, Infrastruktur, Industrie und in die effektive Nutzung der Rohstoffvorkommen und die Pflege der Förderanlagen notwendig.




