Billig-Airlines: Schnäppchen oder Risiko?
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Billig-Airlines: Schnäppchen oder Risiko?

Bild: Foto: Johann Jaritz, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Mit schon rund zehn Euro lassen sich die verschiedensten unterhaltsamen Dinge kaufen: einen Kinobesuch in der Abendvorstellung – Popcorn inklusive –, eine leckere Pizza mit Extra-Belag, ein neu erschienenes Taschenbuch oder eine Flugreise in einer regulären Passagiermaschine auf die Britischen Inseln, Italien oder Frankreich. Wie bitte? Jawohl, den fast lächerlich günstigen Luft-Trip machen junge, freche Fluggesellschaften möglich. Ryanair, Easyjet, Germania und Co. haben sich mit ihrer aggressiven Preispolitik am europäischen Zivilflugmarkt bereits ihr Nischendasein gesichert. Bieten die Spottpreis-Fluggesellschaften allerdings denselben Service und Sicherheitsstandard wie die bewährten Linien?

Provinznester werden Flugdrehscheibe

Sparen, Sparen, Sparen – dieses Motto könnte auf jedem Ticket der “jungen Wilden” Ryanair, Easyjet und Konsorten stehen. Weil die Fluggesellschaften vorwiegend von kleinen Regionalflughäfen aus operieren und gnadenlos bei Service und Personalkosten sparen, sind Flugreisen zum Schnäppchenpreis möglich. Als Klassenprimus gilt die irische Line Ryanair: Als den Iren der Frankfurter Flughafen in Punkto Start- und Landegebühren zu teuer wurde, wählte man als neue Basis das über 100 Kilometer entfernte Örtchen Hahn im Hunsrück aus, wo die US-Airforce einst einen Flugplatz unterhielt.

Dieser dient Ryanair nun als Flugverkehrsknotenpunkt in Deutschland. Von dort aus starten die Passagierjets nach England, Irland, Schottland, Norwegen, Frankreich und Italien – und zwar mit spartanischem Service: Essen und Getränke kosten an Bord extra, VIP-Lounges, Vielfliegermeilen und sonstige Gutscheine und Vergünstigungen sind für Ryanair Fremdwörter. Kostet einfach zu viel und ist im Grunde genommen “unnötiger Schnickschnack”, wie es Ryanair-Boss Michael O'Leary immer wieder gern betont, wenn man danach fragt, wie er seine Firma in die Gewinnzone geflogen hat.

Bundeskartellamt als mächtiger Verbündeter

Geld sparen können die Billig-Fluglinien ebenfalls an Werbekosten: Durch ständige Streitereien vor dem Kadi mit der Lufthansa machen Germania und Ryanair regelmäßig Schlagzeilen und ihr Bekanntheitsgrad steigt rapide. Im März 2002 musste die Kranich-Airline gegen Germania eine schwere Schlappe hinnehmen, nachdem das Bundeskartellamt und das Oberlandesgericht Berlin Lufthansa untersagt hatten, Inlands-Verbindungen günstiger als für 134 Euro zu verkaufen. Grund: Bei einem günstigeren Angebot wäre Germania, die ihr Ticket mit 99 Euro beziffert hat, aus dem Wettbewerb gedrängt worden.

Anscheinend haben die Billig-Airlines nicht nur die Behörden, sondern auch die Politik auf ihrer Seite: Ihren Erfolg haben die günstigen Fluglinien zudem einem Beschluss der Europäischen Kommission zu verdanken, der den Inlandsflugmarkt stark liberalisierte und eine verkrustete Struktur aufbrechen wollte, in der die großen Gesellschaften ihre Machtposition ausbalanciert hatten.

Wie bucht man bei Ryanair und Co.?

Antwort: In der Regel nur über das Internet. Auch auf diese Weise kann beim Vertrieb bzw. Verkauf gespart werden. Bei Ryanair (bei easyJet läuft's übrigens fast genauso) wählt der Kunde über die Website zunächst aus, wo die Reise beginnt (in Deutschland ab Hahn, Lübeck, Friedrichshafen, Karlsruhe, Erfurt, Laarbruck/Niederrhein, Leipzig, Berlin sowie im österreichischen Salzburg), danach fragt ein Menü ab, wohin die Tour gehen soll und wie die Reisetermine sind. Es kann bis zu einem knappen Jahr im Voraus gebucht werden.

Nachdem man sich für eine Verbindung entschieden hat, erfolgt die übliche Registrierung. Entweder kann per Kreditkarte bezahlt werden – dann fallen allerdings unerfreuliche vier Euro Bearbeitungsgebühr an – oder man bucht mit Scheck oder Lastschriftverfahren. Wem das Internet nicht sicher genug ist, erreicht Ryanair ebenfalls über eine Buchungs-Hotline.

Per Online-Reservierung oder Hotline wird dem Kunden eine Buchungsnummer zugewiesen. Die muss dann bei der Abfertigung am Terminal in Verbindung mit einem gültigen Ausweis vorgelegt werden.

Wer am Flughafen übrigens seine Nummer verliert oder vergessen hat, darf nicht mit an Bord. Ebenso hart bleibt Ryanair bei Rückerstattungen oder Änderungen des Flugziels – sie sind einfach nicht zulässig, wie die Website verrät.

Schnäppchen-Flieger: Wo liegt der Haken?

Verärgerte Kunden berichten allerdings auch über viele Frusterlebnisse, wenn die Flüge zu Billigstpreisen einfach nicht mehr zu bekommen sind. Auch spottbillig sind die Discounter-Fluglinien nicht immer: Tarife für Wochenendflüge und Feiertage sind deutlich höher als günstigere Flüge während der Werktage. Außerdem gilt wie im übrigen Airline-Business: Je häufiger eine Verbindung täglich geflogen wird, desto billiger ist sie. So kostet in der Regel ein Flug nach London-Stansted weniger als ein Trip nach Perpignan oder Pisa, der dann plötzlich mit rund 150 Euro zu Buche schlägt.

Noch eine bittere Pille: Für Anschlussflüge sind Billig-Fluggesellschaften gänzlich ungeeignet. Weil die meisten der Airlines von Regionalflughäfen aus abheben, müssen Reisende mit einer möglicherweise umständlichen Anreise mit dem eigenem Pkw oder nicht immer verlässlichen öffentlichen Verkehrsmitteln rechnen.

Allen Kritikern zum Trotz: Der Flug zum absoluten Dumping-Preis – unter Umständen sogar fast kostenlos, wenn ein Jet nicht ausreichend gefüllt ist – ist möglich: Entweder wortwörtlich als Lastminute-Angebot oder weil man frühzeitig gebucht hat.

Thema Sicherheit

Sparen die Schnäppchen-Fluglinien ebenfalls an der Qualität ihrer Reisejets und checken sie ihre Maschinen aus Kostengründen etwa nur quartalsmäßig? Nein: Die Sicherheit der Maschinen und die Wartungsintervalle sind auf dem üblichen, hohen Standard. Der Transport findet bei Ryanair und Co. weder in Frachtmaschinen mit Stehplätzen noch in Wellblech-Kisten Typ “Tante Ju” statt: Außer, dass es keine Gratis-Beköstigung während des Flugs und keine Sitzplatzreservierung und keine Business-Class gibt, unterscheiden sich die Passagierjets der günstigen Linien nicht von den Maschinen der großen Konkurrenz. Da die Nahflug-Discounter ohnehin selten länger als eine Stunde unterwegs sind, nehmen viele Kunden diesen mangelnden Service in Kauf.

Die Zukunft der Billigflieger

Der Boom der Schnäppchen-Airlines in Europa ist keine wirkliche Novität in der Branche: Die USA erlebten bereits in den 1980er Jahren eine Liberalisierung des Inland-Flugverkehrs. Auch dort sprossen mehrere Billig-Anbieter wie easyJet aus dem Boden. Kleinere Flughäfen rissen sich damals zwischen Seattle und Boston darum, Start- und Landeplatz der neuen Airlines zu sein und investierten Millionen Dollar. Doch nach wenigen Jahren fusionierten in den USA zahlreiche Billig-Airlines mit großen Airlines, wechselten schließlich doch zu großen internationalen Airports oder gingen einfach Pleite.

Auf der anderen Seite sehen Branchenkenner für Ryanair und andere Dumping-Fluggesellschaften große Chancen für die Zukunft. Als Gewinner steht in jedem Fall der Kunde da: Entweder nutzt er die Spottpreis-Angebote von Ryanair, easyJet und Germania oder er bleibt bei den “großen” Linien, die sich gezwungen sehen, selbst günstigere Angebote auf den Markt zu werfen.

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