Budapest: Die Donaumetropole
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Budapest: Die Donaumetropole

Bild: Foto: Willy Pragher, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Die Blütezeit der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn im 19. Jahrhundert, auch "das goldene Zeitalter der Baumeister" genannt, haben das heutige Stadtbild entscheidend geprägt. Damals entstanden die prachtvollen Brücken über die Donau, die breiten Boulevards, die Ring- und Radialstraßen; schließlich wollte man um keinen Preis hinter der ersten Reichshauptstadt Wien zurückstehen.

Maskenball der Stile

Die Blütezeit der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn im 19. Jahrhundert, auch "das goldene Zeitalter der Baumeister" genannt, haben das heutige Stadtbild entscheidend geprägt. Damals entstanden die prachtvollen Brücken über die Donau, die breiten Boulevards, die Ring- und Radialstraßen; schließlich wollte man um keinen Preis hinter der ersten Reichshauptstadt Wien zurückstehen.

Der alte, durch Barock und Neoklassizismus bestimmte Stadtkern am Pester Donauufer wurde rigoros geschleift, weil er als zu klein und verspielt galt. Überall entstanden monumentale Bauwerke, die nicht selten die Elemente vergangener Stilepochen trugen. Der "Maskenball der Stile" wird durch Neorenaissancebauten, wie Staatsoper und Akademie der Wissenschaften, komplettiert. Zu dieser Vielfalt gesellen sich prachtvolle Jugendstilhäuser, deren reine Formen und leuchtende Farben bis heute größte Bewunderung hervorrufen.

Burgpalast von Sigismund

Wie eine gewaltige Galeere aus Stein thront Budapests 1,5 km langes historisches Zentrum mit dem Burgpalast über den Ufern der Donau. König Sigismund, der später deutscher Kaiser wurde, errichtete im 15. Jahrhundert an Stelle einer schlichten Festung mit Wohnturm einen mauergeschützten Palast, in den er seine Residenz verlegte. König Matthias Corvinus erweiterte die stattliche Anlage im Stil der Renaissance. Als der Burgberg 1541 kampflos in die Hände der osmanischen Belagerer fiel, zeigten sich die neuen Herren von der Pracht des Königshofes überwältigt. Im "Kisil Elma" (Goldener Apfel) durfte auf Befehl des Sultans keiner seiner Statthalter residieren. Nach fast 150-jähriger Osmanenherrschaft eroberte 1686 ein christliches Heer das gut befestigte Buda, und zahlreiche Bauwerke sanken in Schutt und Asche. Nachdem die Ruinen abgetragen waren, befahl Kaiserin Maria Theresia den Bau eines ansehnlichen Schlosses, das der Wiener Hofbaumeister Jean-Nicolas Jadot 1770 fertig stellte. Während der Straßenschlachten zwischen Aufständischen und kaiserlichen Truppen 1849 erneut beschädigt, wurde die "Hofburg" Ende des 20. Jahrhunderts im Stil der Neorenaissance umgestaltet und erweitert. Über dem Hauptportal erhebt sich seither eine mächtige Zentralkuppel in den strengen Formen des Neoklassizismus. Als die Rote Armee im Februar 1945 den von der deutschen Wehrmacht verteidigten Burgberg einnahm, gab es dort kein einziges unversehrtes Gebäude mehr. Beim Wiederaufbau der Hofburg, in der heute Nationalgalerie, Historisches Museum und das Museum der Neuzeit untergebracht sind, wurden wertvolle Reste der ursprünglichen Burganlage, darunter Albrechtskeller, Stumpfer Turm und der Rittersaal mit seinen burgundischen Kalksteinplastiken, freigelegt und in die Anlage einbezogen.

Matthiaskirche mit farbigen Ziegeldach

Das Zentrum des Burgviertels wird beherrscht von der Matthiaskirche mit dem farbigen Ziegeldach. Das ursprünglich im 13. Jahrhundert unter König Béla IV. im gotischen Stil erbaute Gotteshaus wurde in den folgenden Jahrhunderten mehrfach umgebaut und erweitert. Der 80 m hohe Matthiasturm wurde 1470 unter König Matthias Corvinus erbaut. In der Türkenzeit (1541-1686) wurde die Kirche zur Moschee umfunktioniert. Ihr Inneres wurde im 19. Jahrhundert im neogotischen Stil neu gestaltet. Die Matthiaskirche diente als Krönungskirche der ungarischen Könige und war auch im Jahr 1867 Schauplatz der Krönungszeremonie des Habsburger Kaisers Franz Joseph I. und seiner von den Budapestern enthusiastisch verehrten Gemahlin Elisabeth (Sissi). Vor der reich ornamentierten Kirche mit dem hohen Matthias- und dem kleineren Béla-Turm stehen eine barocke Dreifaltigkeitssäule und an ihrer Südfront das bronzene Reiterstandbild des heiligen Stephan. Dieser Ururenkel des Fürsten Árpád, im Jahre 1000 oder 1001 zum ersten König von Ungarn gekrönt, war es, der die sesshaft gewordenen Magyaren christianisierte.

Fischerbastei - das Wahrzeichen der Stadt

Am östlichen Ende des Burgbezirks, hinter der Matthiaskirche am Steilhang zur Donau, befindet sich das Wahrzeichen der Stadt, jenes Bauwerk, zu dem die meisten Budapest-Besucher strömen: die um die Jahrhundertwende in neoromanischem Stil errichtete Fischerbastei. Auf den ersten Blick meint man eine Wehranlage zu erklimmen, aber oben angelangt, zeigt sie sich als gewaltig große Aussichtsterrasse aus weißem Sandstein, geradezu ideal, um an heiteren Tagen die Sonne über Budapest zu genießen. Von hier aus hat man den schönsten Blick auf das Parlament, die Kettenbrücke (1839-1849 als erste steinerne Donaubrücke Budapests errichtet), den Donaukorso und die Innerstädtische Pfarrkirche. Der Name Fischerbastei rührt von den Fischern her, die während der Türkenkriege die einst vorhandene Stadtmauer an dieser Stelle zu verteidigen hatten.

Thermalbäder mit heilender Wirkung

Budapest ist die einzige Großstadt der Welt, aus deren Grund mehr als 100 Thermalquellen und Brunnen sprudeln und die mit fast 50 Bädern aufwarten kann. Täglich fließen aus den Quellen 50 Millionen Liter Wasser mit einer Temperatur von 20 bis 76 °C in die öffentlichen Bäder der Stadt. Um die heilende Wirkung des Wassers wussten schon die alten Römer. Die Blütezeit der Badekultur fällt allerdings in die 145 Jahre, die auf die Eroberung Budapests durch die Osmanen im Jahre 1541 folgten. Nach der Rückeroberung des Landes durch die christlichen Streitmächte 1686 ließen die Türken mehrere intakte Bäder in der verödeten Stadt zurück.

Drei davon sind heute noch in Betrieb. Das eine ist das auch Königsbad genannte Király-Bad unterhalb des Burgberges. Den Bau des Bades begann 1565 Arslan Pascha. 1570 ließ Pascha Szokoli (Sokollu) Mustafa das von vier Kuppeln bekrönte Bauwerk fertig stellen. Am Fuße des 235 m hohen, steil zur Donau abfallenden Gellértberges stehen unweit der Elisabethbrücke zwei türkische Bäder. Es handelt sich um das mit einem wunderschönen Kuppelsaal ausgestattete Raizen-Bad und das Rudas-Bad, das "Bad mit den grünen Säulen", wie die Türken es nannten. Sie gehen eigentlich auf römische Badehäuser zurück, sind aber 1566 vollkommen umgebaut worden. Gespeist werden das Rudas- und das kleinere Raitzen-Bad von Thermalquellen, die aus dem Gellértberg fließen.

Auch das Gellért-Bad im 1918 eröffneten Hotel Gellért bezieht sein Heilwasser aus diesen Quellen. Erbaut sind Hotel und Bad im Jugendstil, der sich in der ungarischen Metropole als hinreißendes Spiel mit osmanischen und anderen orientalischen Motiven in leuchtenden Farben präsentiert, wofür gerne bunte Ziegel und Kacheln verwendet wurden. Das Gellért-Bad, das in den 1920er und 1930er Jahren bei der internationalen High-Society ungemein beliebt war, zeigt sich mit seinem farbigen Fliesenboden, den reich verzierten Wänden und seinen Säulen unter gewölbtem Glasdach wie ein Traum aus Tausendundeiner Nacht.

Und ein bisschen Kunst ...

Zahlreiche Galerien und mehr als 40 Museen, die teilweise internationales Niveau haben, erwarten den Budapest-Besucher. Die wechselvolle Geschichte des Landes wird hier greifbar, und die europäische Kunst kommt ebenfalls nicht zu kurz.

Das Ungarische Nationalmuseum ist in einem wunderschönen klassizistischen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert untergebracht. Es dokumentiert die Geschichte der Ungarn von der Landnahme bis 1849. Die Stephanskrone und die anderen kostbaren Krönungsinsignien sind im Prunksaal des Museums ausgestellt.

Im Museum der Bildenden Künste findet man außer einer ägyptischen und antiken Abteilung eine sehenswerte Galerie Alter Meister mit der "Esterházy-Madonna" von Raffael. Berühmt ist die Sammlung spanischer Malerei, die bedeutendste außerhalb des Madrider Prados. Außerdem birgt das Museum eine beachtliche Skulpturensammlung und eine grafische Sammlung.

Südlich des Heldenplatzes, dessen Blickfang das halbkreisförmige Milleniums-Denkmal mit der 36 m hohen Jubiläumssäule ist, liegt die von Albert Schickedanz in neoklassizistischem Stil errichtete Kunsthalle. Das Museum gilt als Ungarns wichtigstes Forum für Wechselausstellungen zeitgenössischer Kunst.

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