Chiles Norden - Altiplano und die Atacama-Wüste
Lagunen und Vulkane, Salzseen und Geysire, fruchtbare Täler und Thermalquellen setzen Akzente in der rauen Landschaft der Altiplano, einer Hochebene inmitten der Andenkordillere. Wie bunte Tupfen liegen Hochandendörfer inmitten der Hochmoore und Feuchtgebiete. Die Aymará-Indianer sind die Ureinwohner dieser Region, Hochlandkirchen aus dem 16. Jahrhundert erinnern zugleich an die spanischen Eroberer.
Die Atacama-Wüste erstreckt sich zwischen der Küstenkordillere und dem Hauptstrang der Anden. Sie gilt als die trockenste Gegend der Welt. Hier wachsen kaum Pflanzen, stattdessen bilden bizarre, ausgewaschene Steine, Sanddünen und buntes Vulkangestein faszinierende Reliefs. Die Atacama-Wüste birgt manchen archäologischen Schatz, der durch die Wüstenhitze konserviert wurde: 7.800 Jahre alte Mumienfunde, Ruinen alter Indianerstätten und Geoglyphen - überdimensionale Scharrbilder an den Wüstenhängen, die hier vor Urzeiten von Indianern in den Fels geritzt wurden.
Die nördlichste Stadt des Landes ist Arica, die "Stadt des ewigen Frühlings". Trotz Trockenheit blühen Hibisken in der ganzen Stadt, denn das Wasser kommt über ein Leitungssystem frisch aus den Anden. Auch San Pedro de Atacama ist eine kleine Oase inmitten der Wüste. Sie liegt auf 2.430 Meter Höhe am Rande eines großen Salzsees. Die Häuser des 1.000-Seelen-Dorfes bestehen lediglich aus Lehm und Kakteenholz. Von hier gelangt man zum Valle de la Luna, einer einzigartigen Mondlandschaft mit bizarren Farben und Gesteinsformen. Besonders beeindruckend sind die blubbernden Fumarolen von El Tatio, mit 4.500 Metern das höchstgelegene Geysirfeld der Welt.
Die unter Denkmalschutz stehenden Geisterstädte "Humberstone" und "Santa Laura" zeugen vom Salpeterboom zur Jahrhundertwende. Die Blütezeit des Salpeterabbaus dauerte bis in die 20er und gab der Stadt Iquique ihr heutiges Gesicht: Prachtvolle Gebäude der europäischen Handelskontore, das Belle-Epoque-Theater und die viktorianischen Holzhäuser an der Plaza Prat. Die Grünflächen sind sogar in europäischer Erde verwurzelt, die als Ballast von den Salpeterschiffen aus der Alten Welt mit gebracht wurde. Eine weitere Attraktion ist die Kupferstadt Chuquicamata, wo der größte Kupfertagebau der Welt betrieben wird. Besichtigungen der Mine führen bis in 700 Meter Tiefe.
Die Mitte - Zentralküste und Santiago de Chile
Das malerische Valparaíso, das Seebad Viña del Mar oder die Küstensiedlung Isla Negra, in der Literaturnobelpreisträger Pablo Neruda eines seiner charismatischen Häuser errichtete: An der Zentralküste befinden sich die wichtigsten Seehäfen, Badeorte und Touristenzentren. Hier kann man Gleitschirmfliegen, Golfen oder einfach nur am Strand relaxen.
Etwa 100 Kilometer von den Traumstränden entfernt liegt die Hauptstadt Santiago de Chile. Sie wurde 1541 vom spanischen Hauptmann Pedro de Valdivia am Ufer des Mapocho-Flusses gegründet. Santiago gehört zu den Finanzmetropolen Lateinamerikas und besitzt das größte kulturelle Angebot in ganz Chile: Ballett, Theater, Künstlerkneipen und eine exquisite Restaurantszene. Außerdem liegt Santiago mitten im Herzen des chilenischen Weinanbaus. Die verwendeten Reben wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eingeführt - und sind weltweit die einzigen, die der Reblaus-Plage entkommen sind.
Chilenische Inselwelten
Von den Osterinseln mit ihren enormen Moai-Statuen hat man sicher schon gehört, auch die subtropischen Robinson-Crusoe-Inseln gehören zu Chile. Das Eiland mit dem geheimnisvollen Namen Chiloé zählt jedoch zu den eher unbekannten Regionen des Landes. Chiloé ist nach Feuerland die zweitgrößte Insel Südamerikas. Zerklüftete Fjorde und saftig-grüne Wiesen prägen das Antlitz des Archipels.
Entdeckt wurde das "Möwenland" im Jahr 1567 von dem spanischen Eroberer Martin Ruiz. Zu dieser Zeit lebten hier Mapuche- und Chono-Indianer. Erst im 18. Jahrhundert wurde die Insel durch spanische Jesuiten kolonisiert. Davon zeugen heute noch rund 150 Holzkirchen im inseltypischen Baustil. Die Bekannteste, "San Francisco", ist zugleich Wahrzeichen der Inselhauptstadt Castro. Sie wurde 1906 errichtet und wirkt mit ihrem orange-violetten Anstrich fast schon kitschig. Holz spielt überhaupt eine große Rolle in der Inselarchitektur: Die Palafites - bunte, hölzerne Pfahlbauten - bieten malerische Anblicke.
Araukanien - der "Kleine Süden"
Fruchtbarer Boden, eine Kette kleiner Seen und Vulkankegel: Gletscherschmelzen und Vulkan-Eruptionen gaben dem so genannten "Kleinen Süden" zwischen dem Fluss Biobió und Puerto Montt sein Gesicht. Noch heute ist es die vulkanisch aktivste Gegend Chiles. Das macht sie zum Zentrum für Abenteurer und Naturliebhaber.
In den Nationalparks gedeihen noch die tausendjährigen Wälder der Araukarie ein schirmähnlicher Baum, der einst weite Teile des Südens bedeckte. Hier und auf dem Vulkan Villarrica finden Trekkingfans ihr Revier. Raftinganhänger und Kanuten paddeln über die zahlreichen Flüsse, die das Land Richtung Pazifik durchziehen. Doch trotz aller Ursprünglichkeit bleibt der Einfluss deutscher Kolonisten nicht verborgen: "Typisch deutsche" Architektur und sattgrüne Viehweiden prägen das Land, in dem einst das kriegerische Volk der Mapuche regiert hat. Heute leben die Ureinwohner in Reservaten.
Patagonien - der südlichste Süden
Patagonien, der Südzipfel Amerikas: Hier schlängelt sich auf etwa 1.200 Kilometern die berühmt-berüchtigte Carretera Austral entlang. Die "Südstraße" erstreckt sich von Puerto Montt bis nach Villa O'Higgins zu den patagonischen Eisfeldern; Vulkane, Urwälder, Fjorde und menschenleere Seen liegen an der berühmten Schotterpiste dicht an dicht. An ihrer Hauptachse finden sich etwa ein Dutzend Nationalparks und Naturreservate. Rafting, Kajak, Bergsteigen oder Mountain-Biken - die Landschaft in Patagonien ist eine exzellente Kulisse für viele Outdoor-Sportarten.
Von Puerto Aisén und Chacabuco aus fahren Schiffe zur Laguna San Rafael, einer Bucht mit einem riesigen Gletscher. 60 Meter hoch und drei Kilometer breit ist dieser Gigant, das Highlight einer jeden Chile-Reise. Die kleinen Boote fahren direkt vor das Eis das Knirschen der gefrorenen Massen geht durch Mark und Bein. Krönender Abschluss für jeden Touristen ist der "Whisky on the rocks" mit tausendjährigem Gletschereis. Eine weitere Attraktion an der Carretera: Der eisige Lago General Carrera, Chiles größter See. Bis nach Argentinien reicht er und heißt dort Lago Buenos Aires. Die schmalen Serpentinen um den See herum bieten spektakuläre Ausblicke auf Inseln, bewaldete Hänge und blaugrünes Wasser.




