Klare Zeichen der Erwärmung
"Gletscher sind Mahnmale des Klimawandels: Sie reagieren besonders schnell und stark auf die Veränderungen des globalen Klimas", erklärt Huber. Dem Gletscherbericht zufolge ist die Gesamtfläche der bayerischen Gletscher seit 1820 von 4,0 auf 0,7 Quadratkilometer zusammengeschrumpft. Nur für den Höllentalferner auf der Zugspitze bestünde Hoffnung auf eine längere Lebensdauer - dank seiner Lage und dem enormen Eisvolumen. Auch sein Nachbar, der nördliche Schneeferner könnte es über das Jahr 2020 hinaus schaffen. Der südliche Schneeferner aber werde zu diesem Zeitpunkt längst vollständig geschmolzen sein.
Gebirge sind klimaintensive Gebiete
Nach einer Klimastudie des Deutschen Wetterdiensts für Bayern und Baden-Württemberg wird sich die Zahl der Sommertage mit Temperaturen über 25 Grad in Süddeutschland von derzeit 32 auf 50 pro Jahr erhöhen, heiße Tage über 30 Grad wird es doppelt so viele geben wie bisher, während die Wintertage mit Temperaturen um den Gefrierpunkt um ein Viertel abnehmen und sich die Tage mit Minusgraden halbieren. Wird es in den Alpen um drei Grad wärmer, so haben die Schweizer Glaziologen berechnet, dann würde nur noch zehn Prozent des einstigen Gletschereises übrig bleiben. Steigt die Temperatur gar um fünf Grad, „dann wären die Alpen eisfrei“, sagt Michael Zemp von der Universität Zürich. In den vergangenen 120 Jahren sind die Temperaturen im Alpenbereich um mehr als zwei Grad Celsius angestiegen, doppelt so schnell wie durchschnittlich auf der Erde. „Die Gebirge gehören zu den besonders klimaintensiven Gebieten. Selbst geringe Veränderungen machen sich sofort und mit erheblichen Folgen bemerkbar“, sagt Professor Wolfgang Seiler, Leiter des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung in Garmisch-Partenkirchen.
Veränderter Wasserhaushalt
Der Gletscher Schneeferner "schwitzt". Obwohl Mitarbeiter der Zugspitzbahn jedes Frühjahr mit Schneeschaufeln versuchen, Schlimmstes zu verhindern. Und obwohl man Bayerns Riesen in den Sommermonaten mit Planen zudeckt, um sein Eis vor der Sonne zu schützen. Dem Gletscher fließen seine Wasser unaufhaltsam davon. 35 Millionen Liter an heißen Tage – das entspricht etwa dem täglichen Wasserverbrauch einer Stadt wie Augsburg mit einer viertel Million Einwohner. Oder anders ausgedrückt: an solchen Tagen nimmt der Gletscher in seiner Dicke um zehn Zentimeter ab. „Das Klima wandelt sich noch viel schneller als wir gedacht hatten“, sagt Seiler, „ und die Folgen sind verheerend.“
Große Schuttareale werden durch das schnelle Abschmelzen der Gletscher freigelegt, Gestein, das Täler und Siedlungen gefährden kann. Wenn der Permafrost auftaut, kommen die Berghänge in Bewegung: Felsstürze wie zuletzt am Eiger, Geröll- und Schlammlawinen sind die Folge. Der Wasserhaushalt verändert sich, der Abfluss aus den Gletschergebieten ist stark angestiegen, eine langfristige Trinkwasserreserve ist in Gefahr.
Häufig Hochwasser
Nach dem jetzigen wissenschaftlichen Kenntnisstand ist davon auszugehen: Unabhängig von den Ergebnissen der internationalen Klimaschutzanstrengungen wird es bis zum Ende des Jahrhunderts in Süddeutschland und besonders im Alpenraum immer wärmer. Während jetzt noch ein Drittel des Niederschlags in den Alpen als Schnee fällt, sind es Ende des Jahrhunderts nur noch ein Sechstel. Sintflutartige Regenfälle mit Muren und Hochwassern wechseln sich mit anhaltenden Trockenperioden ab, die Fischbeständen, Wasserversorgung und Kraftwerksbetrieben zu schaffen machen werden. „Wenn es regnet, wird es intensiver regnen“, sagt Professor Seiler, „was wir bislang als Jahrhundert-Hochwasser wahrgenommen haben wird alle zehn Jahre stattfinden.“
Skifahren adé?
Die Auswirkungen derartiger Klimaveränderungen sind mit erheblichen ökologischen, ökonomischen und sozialen Folgen verbunden. Durch das Schmelzen der Gletscher sei vermehrt mit alpinen Gefahren, der Gefährdung der Trinkwasserspeicher und mit Hochwasser zurechnen, erklärt Marcel Huber. Zudem bestünde eine akute Bedrohung für Wildbäche, Bergwälder sowie die Tier- und Pflanzenwelt. In Zusammenarbeit mit dem Deustchen Alpenverein werde nun intensiv an dem Projekt "Nachhaltiger Bergsport" gearbeitet. Denn Naturtourismus dürfe keinesfalls die Lebensräume von Tieren und Pflanzen beeinflussen!




