Das Walchenseekraftwerk
Reisen

Das Walchenseekraftwerk

Bild: Foto: Lukas Beck, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Kennen Sie die Sage vom Waller im Walchensee? Im bayerischen Oberland zählt sie zu den wohl bekanntesten Erzählungen. Ein riesiger Fisch, ein Waller, so erzählen sich die Leute, hause auf dem Grund des Gewässers, südlich von München. Und - mit dem sei nicht zu spaßen. Ein junger Bursche, der als Taucher den See hätte ergründen wollen, sei ihm einst begegnet, dem riesigen Fisch mit einem weit aufgerissenen Rachen. Und ein Bauer aus Sachenbach beschrieb ihn 1855 als „riesiges Tier mit rollenden Augen, so groß wie Feuerräder“. Eine Art bayerische Nessy also. Die Leute waren davon überzeugt, dass dieser Waller sich in den Schwanz beiße und so den Kesselberg umspanne. Würden die Bewohner des Oberlandes vom Glauben abfallen, so ließe der Fisch los und die ganze Gegend bis hin zur Landeshauptstadt würde in den Fluten des Walchensees versinken. Die Sorge, sich den Zorn des Seeungeheuers zuzuziehen war groß, von 1450 bis 1805 wurde täglich in einer Gruftkapelle eine Messe gelesen, um Schlimmes zu verhindern. Zudem soll regelmäßig ein Mann durch München geritten sein, der das Volk ermahnte, für den Waller zu beten.

Kennen Sie die Sage vom Waller im Walchensee? Im bayerischen Oberland zählt sie zu den wohl bekanntesten Erzählungen. Ein riesiger Fisch, ein Waller, so erzählen sich die Leute, hause auf dem Grund des Gewässers, südlich von München. Und - mit dem sei nicht zu spaßen. Ein junger Bursche, der als Taucher den See hätte ergründen wollen, sei ihm einst begegnet, dem riesigen Fisch mit einem weit aufgerissenen Rachen. Und ein Bauer aus Sachenbach beschrieb ihn 1855 als „riesiges Tier mit rollenden Augen, so groß wie Feuerräder“. Eine Art bayerische Nessy also. Die Leute waren davon überzeugt, dass dieser Waller sich in den Schwanz beiße und so den Kesselberg umspanne. Würden die Bewohner des Oberlandes vom Glauben abfallen, so ließe der Fisch los und die ganze Gegend bis hin zur Landeshauptstadt würde in den Fluten des Walchensees versinken. Die Sorge, sich den Zorn des Seeungeheuers zuzuziehen war groß, von 1450 bis 1805 wurde täglich in einer Gruftkapelle eine Messe gelesen, um Schlimmes zu verhindern. Zudem soll regelmäßig ein Mann durch München geritten sein, der das Volk ermahnte, für den Waller zu beten.

Pionier des Fortschritts

Und dann kam Oskar von Miller: Pionier des Fortschritts, Ingenieur und Mitglied des Reichsrats der Krone Bayerns. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts trieb ihm die Idee um, dem verschlafenen Land der Petroleumlampen und Pferde-Trambahnen die Elektrizität zu schenken. Und er wusste auch schon genau wie: er wollte den Höhenunterschied von 200 Metern zwischen Walchen- und Kochelsee zur Gewinnung elektrischer Energie nutzen. Sicher gab es Leute im Bayernland, die begeistert waren von einer solch wegweisenden Idee. Doch es gab auch Kritiker. Vor allem die Bewohner des oberen Isartals wehrten sich heftig gegen einen derartigen Eingriff in die Natur. Schließlich erinnerten sie sich: im Walchensee haust ein Ungeheuer mit dem nicht zu spaßen ist. Ihm könnte der Bau eines solchen Kraftwerkes derart gegen den Strich gehen, dass es mit seiner Schwanzflosse München unter Wasser setzt. Im Gegensatz dazu trieb die Regierung ganz andere Bedenken um, warum sie nicht sofort den Plänen zustimmte. Sie fragte sich ernsthaft: Wohin mit all dieser elektrischen Energie?

Oskar von Miller gab allerdings weder etwas auf alte Sagen über gefährliche Fische noch teilte er die Bedenken der Politiker. Gegen Ende des Ersten Weltkrieges hatte er sich endlich durchgesetzt. Am 21. Juni 1918 beschloss der Bayerische Landtag den Bau des Walchenseekraftwerkes. Dessen Turbinen wurden erstmals im Januar 1924 in Betrieb genommen. Zeitgleich wurde das Bayernwerk gegründet. Um den Turbinen genügend Zufluss zu sichern, wurde der Walchensee zusätzlich zu den natürlichen Zuflüssen mit Wasser aus der Isar und dem Rißbach gespeist. Das Kraftwerk war der Beginn einer Epochenwende. Über 1100 Kilometer Leitungen wurden mit Strom beschickt. Bayern konnte als erster deutscher Flächenstaat eine landesweite Stromversorgung aufweisen. Mit dem Kraftwerk im Loisachtal wurde so nicht nur Geschichte geschrieben, es eröffnete dem Freistaat auch die Möglichkeit, sich zu einem modernen Industriestandort zu entwickeln. Noch heute ist das Walchenseekraftwerk mit einer durchschnittlichen Jahreserzeugung von 320.000.000 kWh eines der größten Hochdruckspeicher-Kraftwerke Deutschlands. Und: Den Waller scheint das nicht zu stören.

Mehr aus Reisen

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Reisen.

Alle Reisen-Artikel
Der Ursprung der Neujahrsnacht: Vom Papst zum globalen Feuerwerk
Reisen

Der Ursprung der Neujahrsnacht: Vom Papst zum globalen Feuerwerk

26. Oktober 2026

Vom kirchlichen Gedenktag des Papstes Silvester I. über germanische Rauhnachtsbräuche bis zum modernen Feuerwerk – die Silvesternacht vereint jahrhundertealte Traditionen, Aberglauben und die weltweite Freude am…

Urlaub in Indien auf besondere Weise
Reisen

Urlaub in Indien auf besondere Weise

14. Oktober 2026

Indien ist ein vielseitiges Reiseziel, das mit einer reichen Kultur, historischen Bauwerken und abwechslungsreichen Landschaften begeistert. Aufgrund seiner Größe bietet der Staat jede Menge Abwechslung für einen…

Unabhängige Landgänge auf Kreuzfahrten: Die individuelle Hafenzeit erfolgreich gestalten
Reisen

Unabhängige Landgänge auf Kreuzfahrten: Die individuelle Hafenzeit erfolgreich gestalten

30. September 2026

Das Einlaufen in einen neuen Hafen markiert für viele Kreuzfahrtpassagiere den Höhepunkt des Tages. Sobald die Gangway freigegeben ist, beginnt die wertvolle Zeit an Land. Immer mehr Reisende entscheiden sich bewusst…

Entdecke das Urlaubsglück direkt nebenan: Warum Holland das perfekte Reiseziel ist
Reisen

Entdecke das Urlaubsglück direkt nebenan: Warum Holland das perfekte Reiseziel ist

17. September 2026

Wer an Traumurlaub denkt, hat oft weit entfernte Inseln oder stundenlange Flüge im Kopf. Dabei liegt eines der vielseitigsten und schönsten Reiseziele direkt vor der Haustür. Die Niederlande begeistern seit Jahrzehnten…

← Zurück zu ReisenZur Startseite