Vielfach umstritten: Die Falkland-Inseln
Die Falkland-Inseln liegen im Südatlantik etwa 500 km vor der argentinischen Küste. Rund um die beiden Hauptinseln (Fläche: ca. 12000 qkm) East und West Falkland, die wie Zwillinge nebeneinander liegen und auf denen heute knapp 3000 (1996: 2564 Ew.) Einwohner meist britischer Abstammung leben, gruppieren sich etwa 200 kleinere Inseln. Hauptwirtschaftszweige sind Schafzucht und Fischerei. Zum britischen Kolonialbesitz in der Region gehören außerdem noch die unbewohnten “Falkland-Dependenzen” (u.a. Südgeorgien, die Südshetlands und das antarktische Graham-Land), auf die Argentinien ebenfalls Anspruch erhebt.
Bereits die Entdeckung der Inseln ist umstritten. 1690 nahm ein Brite die Inseln unter dem Namen “Falkland Sound” in Besitz, die erste Besiedlung aber erfolgte nach der Expedition des Franzosen Bougainville im Jahr 1764, der die Inseln “Malouines” nannte. Auf der Westinsel entstand kurz darauf eine britische Siedlung. Nachdem zunächst die Franzosen die Inseln gegen eine Entschädigung an Spanien abgetreten hatten, erkannte auch Großbritannien im Jahr 1771 unter einem Eigentumsvorbehalt die spanische Souveränität über die “Malvinas” an. Nachdem Argentinien seine Unabhängigkeit erklärt hatte, wurden die Inseln 1820 von Argentinien in Besitz genommen. Zwölf Jahre später (1832/33) eroberten die Briten die Falklands – und behielten sie bis heute. Völkerrechtlich ist diese Zugehörigkeit aber umstritten. Denn das Dekolonisationsgebot gebietet eine Rückgabe der Inseln an Argentinien. Dagegen steht das Selbstbestimmungsrecht der Inselbevölkerung, die sich Großbritannien zugehörig fühlt. Völkerrechtlich ist der Konflikt also nicht zu entscheiden – er verlangt eine politische Lösung.
Stachel im Fleisch der Argentinier
In Argentinien herrschte seit 1976 eine Militärdiktatur. Von den USA gestützt, stieß die Junta in der eigenen Bevölkerung auf breite Ablehnung. Politisch tat sie sich durch brutale Repressionen hervor, wirtschaftlich verfolgte sie eine extreme Freihandelspolitik. Die Folgen: explodierende Auslandsschulden, steigende Arbeitslosigkeit und zunehmende Verwahrlosung breiter Bevölkerungsschichten. Um das Volk hinter sich zu vereinen, besannen sich die Militärs auf einen alten Stachel im Fleisch der Argentinier. Am 19. März hissten sie die argentinische Flagge auf der unbewohnten “Falkland-Dependenz” Südgeorgien. Die spektakuläre Besetzung der “Malvinas” am 2. April, so hofften die Militärs, würde in der argentinischen Bevölkerung patriotische Gefühle wecken und von der Lage im eigenen Land ablenken. Eine Welle der Begeisterung schien das Kalkül zunächst zu bestätigen. Doch die Junta hatte die Rechnung ohne die britische Regierung gemacht.
Thatcher reagiert “eisern”
Ähnlich wie Argentinien stand auch die britische Regierung innen- und wirtschaftspolitisch unter Druck: Die Abkehr von der nachfrage-orientierten Wirtschaftspolitik durch die konservative Partei, die Streichung von Subventionen und rigiden Privatisierungen, verbunden mit einer gesetzlichen Schwächung der Gewerkschaften, hatten viele Briten in wirtschaftliche Not und Arbeitslosigkeit gestürzt. Unter der Regierung der konservativen Margaret Thatcher stiegen die Lebenshaltungskosten, und die Kluft zwischen Arm und Reich wuchs. Viele Briten waren auf Zweitjobs angewiesen, auch Rentner mussten vielfach wieder arbeiten. Die Invasion fremder Truppen in britisches Hoheitsgebiet kam also auch der “eisernen Lady” gelegen, um innenpolitisch Terrain zu gewinnen und die schlechte Stimmung im Land zu wenden.
Nachdem der UN-Sicherheitsrat schon am Tag nach der Besetzung mit der Forderung nach sofortigem Abzug der argentinischen Streitkräfte gescheitert war, schickte die konservative Premierministerin am 5. April ihre Marine auf See. Ihr Außenminister Lord Carrington trat aus Protest zurück. In der britischen Bevölkerung löste der Einsatz eine Welle des Patriotismus aus. “Falkland-Shops” verkauften noch Monate nach dem Ende der Kämpfe Kriegssouvenirs. Die USA übrigens, die beiden Kontrahenten gegenüber Bündnisverpflichtungen hatten, gaben nach erfolglosen Vermittlungsbemühungen ihre neutrale Haltung auf und schlugen sich ganz im Sinne der “special relationships” auf die Seite Großbritanniens.
Ein kurzer und blutiger Krieg
Die britischen Einheiten zogen einen Radius von 200 Meilen rund um die Falkland-Inseln und erklärten das Gebiet zur Kriegszone. Südgeorgien, das außerhalb dieser Zone liegt, nahmen sie bereits am 25. April 1982 ein. Im Mai kam es zu massiven militärischen Auseinandersetzungen um die beiden Hauptinseln. Zu Wasser, zu Lande und aus der Luft wurde vor allem der Hauptort Stanley auf der Ostinsel angegriffen. Bei den Seegefechten wurde eine Reihe von Kriegsschiffen zerstört. Dabei wurde schnell die Überlegenheit der britischen Streitkräfte deutlich.
Am 14. Juni schließlich kapitulierten die argentinischen Truppen in Stanley. Nach offiziellen Angaben beider Seiten waren den Kämpfen 712 Argentinier und 265 Briten zum Opfer gefallen. Einige hundert argentinische Soldaten wurden noch knapp einen Monat nach der Kapitulation (11. Juli) gefangen genommen. Die britische Souveränität wurde wiederhergestellt. Gekostet hat der Krieg umgerechnet knapp zwei Milliarden Euro für Großbritannien und mehr als 1,1 Milliarden Euro für Argentinien.
In Argentinien gab die militärische Niederlage der Junta den entscheidenden Stoß zum Rückzug von der Macht. Doch auch die demokratischen Folgeregierungen beharrten zunächst auf den historischen Besitzansprüchen. Im Oktober 1986 dehnte Großbritannien die Sperrzone um die Inseln aus, was zu einer erneuten Konfrontation der beiden Staaten führte.
Falkland heute: Entspannung in Sicht
Eine Entspannung im Verhältnis zwischen Argentinien und Großbritannien brachte erst der Amtsantritt des peronistischen argentinischen Präsidenten Carlos Menem 1989: Beide Länder nahmen wieder diplomatische Beziehungen auf, 1995 schlossen sie sogar ein Abkommen zur gemeinsamen Nutzung der Erdöl-Vorkommen zwischen den Falkland-Inseln und dem argentinischen Festland. Die geplante Erdölförderung ist nur lukrativ, wenn die ehemaligen Kriegsparteien effektiv zusammenarbeiten. Möglich wurde das Abkommen durch die sogenannte “Regenschirm-Formel”, die die Frage nach der Souveränität über die Inseln ausklammerte.
Allerdings zeichnen sich Meinungsverschiedenheiten zwischen der Falkland-Bevölkerung und der britischen Regierung ab, die an den erwarteten Einkünften beteiligt werden will. Andererseits ist die Inselbevölkerung auch an einem tragfähigen Kompromiss zwischen Argentinien und Großbritannien interessiert: Eine stabile Kooperation würde längerfristige Fischereiabkommen anstelle der jährlich zu erneuernden Lizenzvergabe ermöglichen. Allein die Vergabe dieser Fischereilizenzen sichert der Falkland-Bevölkerung eine lukrative Einnahmequelle.




