Der Weinturm von Margreid
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Der Weinturm von Margreid

Bild: Foto: Lukas Beck, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Auf der Fahrt entlang der Südtiroler Weinstraße leuchten die Weinberge in einem derart strahlenden Herbstrot, dass wir fast schon ein wenig berauscht sind. Als wir in Margreid ankommen, weist uns sogleich ein Wegweiser Richtung Lageder.In der Vinothek im Paradeis im „Casòn Hirschprunn“ ist Mundschenk Hansi Piger gerade dabei, zwei Interessierten die Unterschiede zwischen Vernatsch und Lagrein zu erläutern. "Ich hol die Frau Brigitta", sagt er im harten Akzent der Südtiroler und ist schon verschwunden. Kurz darauf steht Brigitta Pouustinen vor uns: Die waschechte Finnin ist auf einer Weltreise 1988 schließlich nach Südtirol gekommen – und geblieben. Nicht zuletzt der Liebe wegen. "Folgen Sie mir", bittet sie uns, "Ich zeige Ihnen das Weingut Tòr Löwengang“.Das 1666 gebaute Anwesen ist seit 1855 im Besitz der Familien Lageder. Seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wird hier Wein produziert. 1995/96 hat Alois Lageder auf dem alten Gemäuer einen spektakulären Neubau errichten lassen. "Es ist unser Weinturm", sagt Brigitta Pouustinen, "ein echtes Niedrigenergiehaus mit Solarzellen auf dem Dach und einer Photovoltaikanlage, die den wesentlichen Teil des Strombedarfs deckt". Schließlich erklärt sie uns noch, warum das kleinste Weinbaugebiet Italiens so vielfältig ist: "Im Norden schützen uns die Alpen vor den kalten Winden und von Süden her strömen mediterrane Einflüsse ins weite, offene Etschtal. Hinzu kommen Hanglagen zwischen 230 und 1.000 Metern und unterschiedlichste Kleinklimazonen mit stark mediterranen und alpinen Einflüssen."

Eine "finnische" Weinführung

Auf der Fahrt entlang der Südtiroler Weinstraße leuchten die Weinberge in einem derart strahlenden Herbstrot, dass wir fast schon ein wenig berauscht sind. Als wir in Margreid ankommen, weist uns sogleich ein Wegweiser Richtung Lageder.

In der Vinothek im Paradeis im „Casòn Hirschprunn“ ist Mundschenk Hansi Piger gerade dabei, zwei Interessierten die Unterschiede zwischen Vernatsch und Lagrein zu erläutern. "Ich hol die Frau Brigitta", sagt er im harten Akzent der Südtiroler und ist schon verschwunden. Kurz darauf steht Brigitta Pouustinen vor uns: Die waschechte Finnin ist auf einer Weltreise 1988 schließlich nach Südtirol gekommen – und geblieben. Nicht zuletzt der Liebe wegen. "Folgen Sie mir", bittet sie uns, "Ich zeige Ihnen das Weingut Tòr Löwengang“.

Das 1666 gebaute Anwesen ist seit 1855 im Besitz der Familien Lageder. Seit den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wird hier Wein produziert. 1995/96 hat Alois Lageder auf dem alten Gemäuer einen spektakulären Neubau errichten lassen. "Es ist unser Weinturm", sagt Brigitta Pouustinen, "ein echtes Niedrigenergiehaus mit Solarzellen auf dem Dach und einer Photovoltaikanlage, die den wesentlichen Teil des Strombedarfs deckt". Schließlich erklärt sie uns noch, warum das kleinste Weinbaugebiet Italiens so vielfältig ist: "Im Norden schützen uns die Alpen vor den kalten Winden und von Süden her strömen mediterrane Einflüsse ins weite, offene Etschtal. Hinzu kommen Hanglagen zwischen 230 und 1.000 Metern und unterschiedlichste Kleinklimazonen mit stark mediterranen und alpinen Einflüssen."

Weinbau im Einklang mit der Natur

Mittlerweile stehen wir im obersten Stockwerk des Löwengangs. Hier liegen Büros und Besprechungszimmer. Im lichtüberfluteten Zentrum thronen drei mächtige gläserne Kuben, in denen sich unterschiedlichste Böden aus den Weinbergen der Umgebung befinden und Weinpflanzen wachsen. Die Kuben sind Teil einiger Kunstprojekte, die für den Kunstliebhaber und –förderer Alois Lageder im und rund um den Neubau entstanden sind.

"Besonderen Wert legen wir hier auf einen umweltschonenden Weinbau“, erläutert Brigitta Pouustinen, „und der bestimmt neben der Sorte, der Qualität und der Lage den Wert der Trauben. Schädlinge und Krankheiten bekämpfen wir mit natürlichen Mitteln – mit Kompost, Stallmist und Rizinusschrot". Wir staunen und befinden uns bereits auf der nächsten Ebene des Weinturms, auf der die Trauben von oben zur weiteren Bearbeitung verteilt werden. "Durch den Höhenunterschied können die Trauben weitestgehend ohne Pumpen oder andere mechanische Beförderungsmitteln gekeltert werden. Sozusagen im freien Fall.", sagt unsere charmante Finnin, und ergänzt: "Der Weißwein kommt direkt in die Presse, der Rotwein in die Maschine zum Umwälzen." Entlang an riesigen Edelstahl-Tanks mit 100 bis 136 Hektolitern Fassungsvermögen steigen wir weiter hinab und lassen uns die Abfüllanlage erläutern, mit der bis zu 3.000 Flaschen Wein in der Stunde und insgesamt rund 2 Millionen Flaschen jährlich abgefüllt werden können. Und hier erfahren wir auch, dass Alois Lageder immer nur neue Flaschen und zum Verschließen ausschließlich Naturkorken verwendet.

Im untersten Stockwerk angekommen, ist es auffallend frisch. Eine Felswand arbeitet als natürliche Klimaanlage. Drei metallene Pressen stehen mitten im Raum. "Nach der Vergärung reifen unsere Weine entweder in den Tanks oder dort nebenan", sagt Brigitta Pouustinen. Nur einige Schritte weiter, stehen wir in einem herrlichen Raum voller Barrique-Fässer. "Elf Monate lang lagert hier unser Chardonnay Löwengang", hören wir und Jens zwinkert mir zu.

Lagrein, Krafuss und ein süßer Roter

"Nun müssen Sie aber durstig sein!", sagt sie und bringt uns wieder zurück in die Vinothek im Paradeis. Hansi Piger hat bereits den Tisch gedeckt und so kann die Verkostung beginnen.

Auf einen fruchtig-frischen Goldmuskateller folgt ein feiner Grauburgunder (Pinot Grigio). Erwartungsgemäß bin ich vom Cuvée „Contest Hirschprunn“ besonders eingenommen.

Der Cuvèe aus Pinot Grigio, Chardonnay und anderen Trauben ist frisch und kräftig, komplex und dennoch harmonisch – herrlich! Bei den Roten sind wir uns schnell einig, dass der "Lagrein" von 2003 – eine für Südtirol typische Traube mit intensiven, fruchtigen Aromen, aus denen Kirsche und Zwetschke hervorstechen – eine Wucht ist. Der "Pinot Nero Krafuss" überzeugt durch seine zurückhaltende Eleganz mit Beeren, Gewürzen und Holztönen, der "Casòn Hirschprunn" 2002 ist ein tiefroter, äußerst vielschichtiger Cuvée aus Merlot, Cabernet Sauvignon, Lagrein, Syrah und weiteren Trauben. Ein kraftvoller, saftig-süßer Wein mit atemberaubendem Abgang.

Die größte Überraschung aber kommt zum Schluss: der rote Dessertwein „Margreid Moscato Rosa“. Während er in der Nase geradezu beißt, ist er im Geschmack von ausgewählter Süße und feinen, fruchtigen Nuancen. Grandios!

Nach gut zwei Stunden müssen wir allerdings aufbrechen – was nicht nur mir sichtlich schwer fällt. Die Rückfahrt über die Weinstraße erlebe ich wie einen farbigen Rausch. Als Petra auf die Brenner-Autobahn abbiegt, weiß ich, dass es nun bald wieder nüchterner zugeht. Vier Tage Südtirol sind vorbei: Und es war beinahe zu schön, um wahr zu sein.

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