Die Entwicklung der Touristikbranche
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Die Entwicklung der Touristikbranche

Bild: Foto: Kora27, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Der Tourismus ist zum Big Business geworden: Nach Schätzung des Internationalen Währungsfonds hat der internationale Tourismus mit Einnahmen von rund 500 Milliarden US-Dollar im Jahr 1998 die Autoindustrie als größte Exportindustrie abgelöst. Gleichzeitig schwappt eine Konsolidierungswelle durch die Branche: Wenige große Konzerne kontrollieren das Geschäft und fassen Organisation, Transport und Unterbringung der Urlauber zusammen, um in allen drei wichtigen Segmenten der Touristik mitzuverdienen. Die zunächst voneinander unabhängigen Reiseveranstalter, Hotelketten und Fluglinien werden unter ein Dach gezwungen, um im umkämpften Markt Profit zu garantieren.

Drei Segmente unter einem Dach

Der Tourismus ist zum Big Business geworden: Nach Schätzung des Internationalen Währungsfonds hat der internationale Tourismus mit Einnahmen von rund 500 Milliarden US-Dollar im Jahr 1998 die Autoindustrie als größte Exportindustrie abgelöst. Gleichzeitig schwappt eine Konsolidierungswelle durch die Branche: Wenige große Konzerne kontrollieren das Geschäft und fassen Organisation, Transport und Unterbringung der Urlauber zusammen, um in allen drei wichtigen Segmenten der Touristik mitzuverdienen. Die zunächst voneinander unabhängigen Reiseveranstalter, Hotelketten und Fluglinien werden unter ein Dach gezwungen, um im umkämpften Markt Profit zu garantieren.

Der Druck, die verschiedenen Bereiche zusammenzufassen und die Aktivitäten der Reisenden von Abfahrt bis Rückankunft zu steuern, hat sich nun erhöht. Terroranschläge und globale Wirtschaftsflaute haben der Reiselust einen empfindlichen Dämpfer verpasst: Weltweit ist die Zahl der Reisenden im Jahr 2001 erstmals rund ein Prozent auf 688 Millionen Urlauber zurückgegangen, rechnet die Welt-Tourismus-Organisation vor für die Branche eine neue Situation. Nun wird mit umso härteren Bandagen gekämpft, und die Einzelbereiche der Touristik erleben einen umso rascheren Wandel.

Reiseveranstalter: Mit Pauschalreisen zum Erfolg

Die Erfolgsstory der Reiseveranstalter begann vor 160 Jahren, als der Brite Thomas Cook, heute Namensgeber für Europas zweitgrößten Reiseveranstalter, im Jahr 1841 die erste Pauschalreise anbot. 500 Zugreisende reisten gemeinsam von Loughborough nach Leicester, um an einem Treffen von “Mäßigkeitsvereinen teilzunehmen der danach aufkommende Reisehunger ließ dagegen jede Mäßigkeit vermissen. Bereits vier Jahre später organisierte Cook Pauschaltouren zur Weltausstellung nach Paris inklusive Europa-Rundreise: Mit diesen Angeboten war das Konzept, kostengünstig per Gruppenreise die Welt zu entdecken, geboren.

Zwei Weltkriege unterbrachen eine Erfolg versprechende Entwicklung, bis der Versandhaus-Unternehmer Josef Neckermann das Konzept während des Wirtschaftswunders der 50er Jahre auch in Deutschland populär machte. Unter dem Motto, Urlaub für jedermann zu ermöglichen, legte er seinem Versandhaus-Prospekt einen Prospekt für Gruppenreisen nach Spanien, Tunesien und Jugoslawien bei. Im Jahr 1965 hat die “Neckermann und Reisen GmbH (NUR) bereits 36 Millionen Mark Umsatz und meldet 70 000 Buchungen. Die NUR-Manager richten 70 eigene Reisebüros in Deutschland ein und buchen große Kapazitäten an Hotelbetten und Charterflugsitzen womit sie bei Hotelketten und Fluglinien Einfluss gewinnen und Mengenrabatt erzielen.

1968 ist NUR in Deutschland Branchenprimus und wird 1975 von der Karstadt AG übernommen. 1997 gründen Karstadt und der Luftfahrtanbieter Lufthansa die C&N-Touristik, in die sie neben NUR auch den Ferienflieger Condor integrieren. Der inzwischen unter dem Namen Thomas Cook bekannte Konzern ist Beispiel dafür, wie verschiedene Marktsegmente zu einem schlagkräftigen Konzern zusammengeführt werden können.

TUI und Thomas Cook: Strammer Übernahmekurs

In Deutschland beherrscht der weltgrößte Reisekonzern TUI AG (vormals Preussag) den Markt, gefolgt von Thomas Cook und Rewe Pauschaltouristik (IST, Jahn, Meiers Weltreisen). Die drei Branchenführer haben die vergangene Wintersaison mit einem Umsatzminus abgeschlossen und treiben nun die Fusionswelle in der Branche weiter voran: Sie wollen an allen Gliedern der Wertschöpfungskette Organisation, Flug, Unterbringung, Service mitverdienen, um sich in einem rauer werdenden Markt ihre Anteile zu sichern.

Wegen des strammen Übernahmekurses der Marktführer sinkt die Zahl der unabhängigen Reiseveranstalter. Die Reisebüros bieten den entscheidenden Zugang zum Kunden, über sie lassen sich Touristikströme lenken und verwalten. Von den knapp 48 Milliarden Mark Umsatz, die die rund 15 000 Reisebüros in Deutschland im Jahr 1999 erwirtschaftet haben, gingen gerade einmal elf Prozent auf die unabhängigen Reisebüros zurück. Damit werden die Reisebüros in Deutschland mehr und mehr zu den Vertriebstöchtern der beherrschenden Reisekonzerne. Auf diese Weise haben die Konzerne auch die Möglichkeit, ihre Angebote durch gezielte Ergänzungen und Änderungen am Standardangebot auf individuelle Bedürfnisse maßzuschneidern und als Studien-, Luxus- oder Wellnessreisen zu verkaufen. Bereits jede zweite Reise, schätzen Branchenkenner, wird im Pauschalpaket gebucht.

Risiken abwälzen

Die Integrationsstrategie der Veranstalter lässt sich am Beispiel der TUI AG skizzieren, die mit dem Kauf der britischen Thomson Travel zum weltgrößten Reiseanbieter aufgestiegen ist. TUI-Kunden buchen in Deutschland Reisen bei TUI, airtours oder LTUR, in England bei Travel House oder Lunn Poly. Sie fliegen aus Deutschland mit Hapag Lloyd und aus England mit Britannia ab, bevor sie am Urlaubsziel die nur zum Teil TUI-eigenen Hotels nutzen.

Der Touristikriese begrenzt sein eigenes Hotelbetten-Kontingent, um flexibel zu bleiben und in Zeiten der Flaute Risiken an Dritte abwälzen zu können. “In der Hauptsaison belegen wir mehr als eine Million Betten pro Tag, davon sind nur 150 000 unsere eigenen, sagt TUI-Chef Michael Frenzel erleichtert. Wenn ein Urlaubsziel nicht mehr gefragt ist, kann der Konzern rasch seine Kapazität herunterfahren, und Hotelbetten bleiben zunächst nur bei den Partnern leer. “Yield Management heißt diese Anpassung auf eine sich verändernde Nachfrage. Durch eigene Ertragssteuerungssysteme wird auch die Auslastung der konzerneigenen Flieger ständig kontrolliert notfalls werden Routen und Angebote zusammengelegt und der Nachfrage angepasst. Da nur rund 60 Prozent der TUI-Gäste im konzerneigenen Flieger reisen, bleibt auch in schwachen Zeiten genug Luft, um für eine hohe Auslastung an Bord zu sorgen. Auch hier wird eine Nachfrageschwäche zunächst an die Partner weitergegeben.

Hotels: Hohe Rendite, großes Risiko

Hotelketten sind daher den Veranstaltern immer stärker ausgeliefert: Frei bleibende Hotelbetten können nicht gelagert oder verlagert werden, das Geschäft ist gelaufen. Damit tragen die Hotels das größte Risiko, sind mit acht bis 15 Prozent Umsatzrendite jedoch auch das attraktivste Segment in der Touristikbranche. Das Charterflugsegment erzielt fünf bis zwölf Prozent, während es die Veranstalter auf ein bis zwei Prozent Rendite bringen. Die Auslastung zumindest der konzerneigenen Hotels hat damit für die Reiseriesen Priorität: Notfalls werden Familien durch Rabatte gelockt.

Obwohl die Buchungen auf Mallorca, einst der Deutschen liebsten Ferieninsel, in diesem Jahr um rund 20 Prozent eingebrochen sind, schaffte die TUI-eigene Hotelkette Riu durch diese Strategie immerhin noch 60 Prozent Auslastung. Ökosteuer, vier Prozent Teuerung und die Fußball-WM, die viele Deutsche lieber daheim erleben wollten, haben dafür gesorgt, dass bislang fast jedes zweite Bett auf der Insel leer blieb. Die Veranstalter geben den Druck in diesem Fall an ihre Hotelpartner weiter und fordern weitere Preisnachlässe: Aus dem bei Auslastung hochprofitablen Zweig kann in Zeiten der Flaute schnell ein Geldgrab werden.

Ketten setzen auf Economy – Online mit viel Potenzial

Auch in der Hotelbranche selbst wird Größe immer wichtiger: Der Trend geht zu großen, internationalen Ketten. Der Name zählt, der Wiedererkennungswert soll den Kunden binden und das internationale Netzwerk Kosten sparen. 75 Prozent aller Hotels in den USA sind in der Hand großer Hotelketten wie Choice, Bass, Cendant oder Accor. Die größte deutsche Hotelkette Dorint AG ist von der Accor-Gruppe inzwischen überholt worden: Accor expandiert aggressiv und etabliert zudem Niedrigpreis-Hotels wie Etap und Ibis, die besonders in der Wirtschaftsflaute bei Geschäfts- und Ferienreisen Gäste locken. Die standardisierten Economy-Hotels bieten trotz günstiger Preise noch Renditemargen von mehr als zehn Prozent. Mehr als 300 Economy-Hotels will die Accor-Gruppe bis Ende nächsten Jahres in Deutschland fertig gestellt haben.

Ist der Name einer Hotelkette wie Ibis oder Dorint erst einmal etabliert, wird auch die Vermarktung über Internet leichter. Der Kunde weiß in der Regel, was ihn erwartet, und greift auf die bekannte Marke zurück. Bislang macht der Anteil der Online-Buchungen in Deutschland erst etwas mehr als ein Prozent der Reiseumsätze aus ein bekannter Name und ein einfaches Buchungssystem werden in dem Wachstumsmarkt die entscheidenden Komponenten sein, schätzen Experten. Dies dürfte dazu führen, dass ähnlich wie im Reiseveranstalter-Segment die Großen noch größer werden.

Fluggesellschaften: Wachsen und Eingliedern

Dass auch Fluggesellschaften notgedrungen nach ihrem rasanten Wachstum unter das Dach eines großen Konzerns flüchten, lässt sich am Beispiel von Deutschlands größtem Ferienflieger Condor skizzieren. 1955 wird die Fluggesellschaft der Thomas Cook AG gegründet und startet den Betrieb mit drei Propellermaschinen sieben Jahre später hat die Lufthansa ihren Anteil auf 95 Prozent aufgestockt und befördert bereits 32.000 Fluggäste. 1969 werden die Propellermaschinen durch Jets ersetzt, Langstreckenflüge werden möglich auf die weiter steigende Passagierzahl reagiert Condor 1971 mit der Inbetriebnahme des “Jumbo.

Die Zahl der Passagiere steigt um 50 Prozent auf 1,1 Millionen Gäste. Mit knapp 300 Millionen Mark Umsatz ist Condor weltweit die erfolgreichste Charterflug-Gesellschaft. 1989 geht Condor eine Allianz mit Turkish Airlines ein und zählt im Jahr 1993 erstmals mehr als fünf Millionen Passagiere. 1997 wird Condor schließlich in die C&N-Touristik (heute Thomas Cook) integriert: Seit diesem Sommer starten die ersten Condor-Maschinen unter dem Namen des europaweit zweitgrößten Reisekonzerns. Big is beautiful auch in diesem Marktsegment.

Die Terroranschläge vom 11. September sorgten bei den Fluggesellschaften nicht nur für einen Einbruch bei den Buchungszahlen, sondern nach Ansicht zahlreicher Airlines auch für eine Verzerrung des Wettbewerbs. Die US-Regierung überwies amerikanischen Airlines Beihilfen in Milliardenhöhe, und auch der Swissair-Nachfolger Swiss ließ sich vom Schweizer Staat Starthilfe geben.

Langsam beruhigen sich die Gemüter bei der Konkurrenz, da auch die Passagierzahlen wieder ansteigen: Die Lufthansa hat inzwischen zehn ihrer 43 zunächst stillgelegten Maschinen wieder eingesetzt, und die Zahl der Sitzplätze wurde gegenüber dem Winterflugplan wieder um sieben Prozent erhöht. Im Gegensatz zu Hotelketten können Flugveranstalter flexibel reagieren und “umrouten, das heißt Maschinen von schwächer gebuchten Reisezielen auf andere Ziele verlegen. Das “Yield Management ist auch hier Hilfsmittel in schwieriger Zeit.

Reiseveranstalter, Hotelbetreiber und Fluganbieter haben trotz Branchenkrise ihren Optimismus nicht verloren. Nach dem Rückgang im Vorjahr rechnet die Welt-Tourismus-Organisation in diesem Jahr wieder mit einem Wachstum von rund drei Prozent. “Wir sehen Licht am Ende des Tunnels, meint der Generalsekretär der Organisation, Francesco Frangialli. Nach einer kurzen “Wachstumsdelle werde der Aufwärtstrend in der Branche weitergehen bis im Jahr 2010 dann rund eine Milliarde Menschen auf Reisen gehen. Diesen Markt, so Experten, werden dann wenige große Konzerne unter sich aufteilen, die in allen Segmenten der Touristik fest verankert sind.

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