Dass diese Bahnstrecke – der Lückenschluss der Verbindung von Wien nach Triest – statt durch Westungarn über den Semmeringpass und die Obersteiermark geführt wurde, galt damals wie heute als kühnste technische Leistung dieser Zeit. Für die Trassierung und Planung wurde Carl Ghega verpflichtet, ein Ingenieur aus Venedig, der bereits mit siebzehn Jahren seinen Doktor in Mathematik gemacht hatte und schon in den 1830ern bei Bahn- und Straßenbauten Erfahrungen sammeln konnte. Ghega war kein Mann des Konventionellen, sondern suchte bei all den ihm gestellten Aufgaben nach dem Neuen. Er reiste gemeinsam mit dem Architekten Moritz Löhr nach England und in die USA, um die dort übliche Trassierung von Bergstrecken zu studieren. Zu dieser Zeit überwand man Gebirgsstöcke in Europa noch mittels Seilebenen – einem System, dem heute noch am ehesten die Standseilbahnen entsprechen. Auch für den Semmering projektierte Ghega unter anderem eine Seilrampe mit 36 ‰, seine favorisierte Variante für die Nordstrecke war jedoch eine Trasse mit bislang nie da gewesenen Steigungen und engsten Kurvenradien. Der auf 984 Metern Seehöhe liegende Semmeringpass sollte mit einem 1,4 km langen Scheiteltunnel unterfahren werden.


Die „Bavaria“ gewann übrigens den Lokomotiv-Wettbewerb von 1851, wenngleich sie erst nach Verbesserungen am Antrieb der Räder durch den Wiener Ingenieur Wilhelm von Engerth (1814-1884) in die Serienproduktion für die Semmeringbahn ging und als „Engerth-Lok“ bis in die 1930er nicht nur in Österreich im Einsatz stand.
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Fakten in Kürze
Kulturdenkmal
Erste Hochgebirgseisenbahn der Welt
Österreich, Niederösterreich und Steiermark
Bereich zwischen Gloggnitz und Mürzzuschlag
Meilenstein im Tunnel-, Brücken- und Eisenbahnbau sowie bedeutender Einfluss auf den Lokomotivbau der Mitte des 19. Jahrhunderts
Zur Geschichte
1841 Carl Ghega (ab 1851 Carl Ritter von Ghega) wird Baudirektionsadjunkt der Österreichischen Staatseisenbahnen und beginnt mit den Planungsarbeiten für die Semmeringbahn
1842 Südbahn von Wien bis Gloggnitz fertiggestellt
1844 Südbahn von Triest bis Mürzzuschlag fertiggestellt
1848 Nach der Niederschlagung der Märzrevolution Auftrag zum Bau, ab Sommer erste Arbeiten
1851 am 12. Juni wird der 1.428 Meter lange Richtstollen für den Scheiteltunnel durchgeschlagen
1853 erste Befahrung der gesamten Strecke durch eine Lokomotive am 23. Oktober
1854 am 16. Mai fährt Kaiser Franz Josef mit Ghega die Strecke ab, im Juli erfolgt die Freigabe für den Personenverkehr (keine feierliche Eröffnung, da sie nur als Teilstrecke der Südbahn galt)
1857 Eröffnung der gesamten Südbahnstrecke Wien – Triest am 27. Juli
Literatur:




