Moos gehört zum Markt Burgheim und liegt im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Die Kleine Paar fließt durch den Ort, wenige Kilometer weiter westlich mündet der Lech in die Donau. Hochwasser aber hatte es bis 1999 hier nie gegeben. So erzählen es sich die Älteren im Dorf, die hier geboren wurden und seit Jahrzehnten hier leben. Dann aber schwappte an Pfingsten vor sieben Jahren plötzlich die schmutzige Brühe der angeschwollenen Flüsse durch ihre Dorfstraßen und in ihre Wohnzimmer. 1,50 Meter hoch stand es – und machte viel kaputt. Kaum war alles wieder hergerichtet, saßen die Mooser im Sommer 2002 erneut im Nassen. Den Rest gab ihnen dann das dritte Hochwasser im vergangenen August. „Das Dorf im Stausee“ haben sie unter ihre Ortstafel geschrieben. „Wir sind soweit, dass wir gehen wollen“, sagt Ortssprecher Johannes Weidner.
Hochwasser ist künstlich gemacht
Warum sich die Donau seit geraumer Zeit in Moos breit macht, darüber wird viel diskutiert. Aber die Leute im Dorf sind sich sicher: Das Hochwasser hier ist künstlich gemacht. Weil nämlich anderswo entlang des Flusses Hochwasserdämme gebaut wurden, suchen sich die Fluten nun den Ausweg in ihren Ort. In Moos sieht man sich als Überflutungsraum missbraucht. Auch glauben viele, dass der Stausee in Bertoldsheim eine Rolle spielt. Die Hochwassergeschädigten pochen darauf, dass der Stromerzeuger E.ON den See ausbaggert, um mehr Stauraum zu schaffen. Dann müsste allerdings der Pegel abgesenkt werden, wenn ein Hochwasser im Anmarsch ist. E.ON jedoch hat genau das Gegenteil beantragt, das Stauziel soll erhöht werden.
In Moos sieht man nun den Freistaat in der Pflicht, ihnen bei ihren Umzugsplänen finanziell unter die Arme zu greifen. Das bisherige Angebot aus München – 65 Prozent des Gebäudewertes und der Abrisskosten – ist ihnen zu wenig.
Bayern soll zahlen
Wenn die Grundstücke nicht entschädigt werden, dürfte ein Neuanfang 800 Meter weiter oben in Straß schwierig werden. Laut Bürgermeister Albin Kaufmann (Freie Wähler) fehlen fünf bis sechs Millionen Euro. Denn wer kauft schon noch Grund in Moos? Deshalb wollen sie mehr aus dem Topf für Hochwasserschutz in Bayern, aus dem 2,3 Milliarden Euro bis zum Jahr 2020 vergeben werden. Am liebsten die große Lösung: Entschädigung für Haus und Grund. Die SPD im Landtag ist auf der Seite der entnervten Dorfbewohner und hatte einen Antrag im Umweltausschuss eingereicht, der allerdings von der CSU abgelehnt wurde. „Wir sind besten Willens mit ihnen gemeinsam eine bezahlbare Lösung zu erarbeiten“, hatte Bayerns Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) kürzlich bei einem Besuch im Landkreis gesagt. Doch diese Absichtserklärung reicht den Leuten in Moos nicht – nicht um ihre sieben Sachen zu packen.
Auch Neuhaus zog um
Moos wäre nicht das erste Dorf, das vor dem Hochwasser flüchtet und an anderer Stelle einen Neuanfang wagt. Das niederbayerische Dorf Neuhaus am Inn hatte nach dem Hochwasser von 1954 beschlossen komplett zu übersiedeln. Zwischen 1962 und 1974 wurden 54 Anwesen mit 241 Menschen, Wohnhäuser, Geschäfte, Wirtshäuser, ein Kino, eine Limonadenfabrik und das Feuerwehrhaus in ein höher gelegenes Gebiet verlegt.




