Erzgebirge: Mehr als nur Schwibbögen und Holzfiguren
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Erzgebirge: Mehr als nur Schwibbögen und Holzfiguren

Bild: Foto: Lukas Beck, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Gerade jetzt im Advent und zur Weihnachtszeit haben sie Hochkonjunktur: die typischen figurenverzierten Lichterpyramiden und Schwibbögen aus dem Erzgebirge. Doch diese Region hat mehr zu bieten als nur traditionelle Holzfiguren: Historische Städte, alte Bergwerke und imposante Burgen laden zum Besichtigen ein und auf Aktivurlauber wartet ein ganzes Netz von Wanderwegen und Skipisten.

Das kennen die meisten vom Erzgebirge: Geschnitzte Nussknacker, Weihnachtsengel und Krippenfiguren, die typischen mit Kerzen und Figuren besetzten Schwibbögen oder kunstvoll mehrstöckige Weihnachtspyramiden, die sich von der Wärme der Kerzen angetrieben langsam drehen. Kaum ein Weihnachtsmarkt kommt ohne einen Stand mit dieser traditionellen Handwerkskunst aus.

Den Holzschnitzern über die Schulter schauen

Entstanden ist die Tradition der erzgebirgischen Holzschnitzerei vor gut 300 Jahren. Als die reichen Erzvorkommen in dieser Region allmählich zur Neige gingen, mussten sich die Bergarbeiter nach anderer Beschäftigung umsehen. Angesichts der dichten Wälder in dieser Mittelgebirgsregion lag es nahe, vom Metall auf Holz umzuschwenken. Die Erzgebirgler begannen, kleine Gebrauchsgegenstände, aber auch Spielzeug und schmückende Figuren aus Holz zu schnitzen und zu drechseln – und sie hatten damit durchschlagenden Erfolg. Heute ist die erzgebirgische Volkskunst in der ganzen Welt bekannt.

Wie die kunstvollen Figuren und Pyramiden entstehen, lässt sich bei einem Urlaub im Erzgebirge hautnah erleben. Denn in zahlreichen Schauwerkstätten kann man den Holzhandwerkern beim Arbeiten über die Schulter schauen. Unbedingt einen Besuch wert ist das Spielzeugdorf Seiffen. Hier ist der gesamte Ort vom traditionellen Holzhandwerk geprägt. Neben weit über hundert Schauwerkstätten und privaten Handwerksbetrieben lädt ein Spielzeugmuseum zum Besuch ein. Und jetzt, in der Adventszeit, findet man in fast jedem Ort auch einen Weihnachtsmarkt – die Volkskunst natürlich inklusive.

Bergwerke, Grotten und unterirdische Seen

Aber auch abseits des Weihnachtsschmucks gibt es im Erzgebirge einiges zu entdecken. Denn der jahrhundertelange Abbau von Erzen in der Region hat bis heute Spuren hinterlassen. Alte Gruben, mehr als 20 Schaubergwerke und mehrere Bergbaumuseen sowie zahlreiche Bergbau-Lehrpfade bieten spannende Einblicke in das Leben und Arbeiten der früheren Bergleute.

Besonders sehenswert sind die Rabensteiner Felsendome bei Chemnitz. Hier schufteten Bergleute insgesamt 30 Millionen Stunden lang mit einfachsten Werkzeugen, um den begehrten Kalk aus dem Berg zu holen. Übrig blieben faszinierende unterirdische Welten: der 35 Meter lange und neun Meter hohe Domsaal, ein Labyrinth von Gängen und Kavernen sowie gleich mehrere Grotten mit unterirdischen Seen.

Silberstraße und prächtige Villen

Lohnenswert ist auch eine Tour entlang der historischen Silberstraße: Auf rund 275 Kilometern verbindet diese Route von Zwickau über Dresden bis nach Tschechien hinein eindrucksvoll die vielen Zeugen der silberreichen Geschichte des Erzgebirges. Schon im 12. Jahrhundert wurde in der Umgebung des heutigen Freibergs das erste Silbererz entdeckt und sorgte in den folgenden 300 Jahren für, einen wahren Boom des Silberabbaus für die Region.

Der Reichtum, den die Silbervorkommen dem Erzgebirge brachten, führte zur Gründung wohlhabender Bergstädte wie Freiberg, Annaberg-Buchholz, Altenberg, Marienberg oder Johanngeorgenstadt. Ihre prachtvollen Patrizierhäuser und die berühmten gotischen Hallenkirchen zeugen noch heute vom damaligen Reichtum der Bewohner.

Die älteste und bedeutendste dieser Bergstädte ist das Ende des 12. Jahrhunderts gegründete Freiberg. Ihre historische Altstadt überstand die Zeit und zwei Weltkriege nahezu unzerstört und gibt einen lebendigen Einblick in die Blütezeit der erzgebirgischen Bergbau-Ära. Reste der Stadtmauer, ein Rathaus aus dem 14. Jahrhundert und der spätgotische Freiberger Dom mit seiner markanten Goldenen Pforte laden zu einem Besuch ein.

Übertroffen wird der Freiberger Dom jedoch noch von der 1499 erbauten St. Annenkirche in Annaberg-Buchholz: Mit 65 Metern Länge und 40 Metern Breite ist sie die größte spätgotische Hallenkirche in Sachsen. Sehenswert ist auch der in ihr stehendende Bergaltar: Er zeigt die erzgebirgische Landschaft und das bergmännische leben vor 500 Jahren.

Ski Heil und Wander gut

Wem der Sinn mehr nach Bewegung als nach Sightseeing steht, kommt im Erzgebirge ebenfalls voll auf seine Kosten. Herz des erzgebirgischen Wintersports ist das Skigebiet von Oberwiesenthal – es ist kein Zufall, dass hier schon die Wintersport-Profis der DDR-Zeit trainierten. Auf Ski-Langläufer warten hier mehr als tausend Kilometer gespurte Loipe, darunter die 36 Kilometer lange Kammloipe, die einmal den Erzgebirgskamm entlang führt – grandiose Ausblicke mit inbegriffen.

Aber auch Alpin-Skifahrer und Snowboarder könne sich hier, rund um den höchstgelegene Ort Deutschlands, reichlich austoben. Zehn Pisten verschiedener Schwierigkeitsgrade oberhalb von Oberwiesenthal und weitere Pisten im benachbarten Skigebiet Klínovec sorgen für genügend Abwechslung. Wer etwas Neues ausprobieren möchte, der kann in diesen Skigebieten auch das Snowkiten ausprobieren oder beim Snowtuben in einem gigantischen Gummireifen den Berg hinunterrutschen.

Liegt kein Schnee, dann bieten die mehr als 5.000 Kilometer markierten Wanderwege des Erzgebirges reichlich Gelegenheit, die eindrucksvolle Landschaft mit den dichten Wäldern, bizarren Granitformationen und verwunschenen Tälern zu Fuß zu erkunden. Gleich drei europäische Fernwanderwege führen durch die Region, aber auch Tagestouren oder geführte Wanderungen ohne Gepäck lassen sich hier bestens durchführen.

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