Gleiches Recht für alle
Will ein deutscher Student sein Studium etwa in Frankreich, Großbritannien oder Italien aufnehmen, gilt heute: Die jeweilige Hochschule muss ihn unter den gleichen Bedingungen aufnehmen wie einen einheimischen Studenten. Für ein längeres Studium in einem anderen EU-Land ist lediglich eine Aufenthaltsgenehmigung erforderlich, und darauf besteht ein Rechtsanspruch. Die Genehmigung kann lediglich dann versagt bleiben, wenn keine Krankenversicherung und eigenen Einkünfte nachgewiesen werden können. Und wer in Deutschland einen Anspruch auf Förderung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) hat, erhält auch bei einem Auslandsstudium für begrenzte Zeit die BaföG-Hilfen – vorausgesetzt, die ausländische Hochschule ist mit einer inländischen vergleichbar und der Aufenthalt im Ausland lässt sich auf das Inlandsstudium anrechnen.
Unterstützung durch EU-Förderprogramme
Mit einem Förderprogramm unterstützt die Europäische Kommission seit langem Auslandsaufenthalte innerhalb der EU: mit dem Programm Sokrates. Neben den Staaten der EU sind auch Island, Liechtenstein und Norwegen in das Programm eingebunden. Anträge auf Teilnahme können jedoch nur Bildungsinstitutionen stellen. In Deutschland koordiniert die Nationale Agentur Bildung für Europa die Maßnahmen.
Hilfe bei Problemen
Ist das Studium in einem anderen Staat der EU noch einfach, so kann es bei der Anerkennung von Diplomen reglementierter Berufe (z. B. Anwalt, Ingenieur, Lehrer) noch Probleme geben. Zwar gilt in der EU das Prinzip der gegenseitigen Anerkennung. Doch wenn sich die Ausbildungsgänge von Heimat- und Gastland wesentlich unterscheiden, kann ein zusätzlicher Eignungstest oder Anpassungslehrgang erforderlich sein. Die Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen (ZAB) bei der Kultusministerkonferenz informiert darüber, ob ein ausländischer Studienabschluss in Deutschland problemlos anerkannt wird. Bei Fragen zu Diplomen oder anderen Nachweisen der Berufsbefähigung können auch die „Kontaktstelle Binnenmarkt“ im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) sowie die Bürgerberatung der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland weiterhelfen.
Europäischer Hochschulraum geplant
In wenigen Jahren dürfte es noch deutlich leichter sein, in Europa zu studieren und zu arbeiten: Die Bildungsminister von zunächst 30 Staaten Europas ― also nicht nur der EU ― hatten 1999 in Bologna (Italien) beschlossen, bis 2010 einen „Europäischen Hochschulraum“ zu schaffen. Diesem „Bologna-Prozess“ haben sich zwischenzeitlich weitere Staaten angeschlossen. Zu den Zielen gehört es, die Abschlüsse der Universitäten anzugleichen: Künftig soll es in allen Staaten Bachelor- und Masterabschlüsse geben; Europa folgt damit dem Vorbild USA. Der Vorteil für die Studenten: Ihr Abschluss wird dann in ganz Europa problemlos anerkannt sein ― und eine Arbeit außerhalb der Landesgrenzen zu finden, mithin leichter.
Marc Fritzler




