Einstieg: Praktikum
Einen Einblick in die Arbeitsweise der Organe der Europäischen Union bietet ein Praktikum. Wer ein abgeschlossenes Hochschulstudium vorweisen kann, nicht älter als 30 Jahre ist und mindestens zwei Amtsprachen beherrscht (z.B. Deutsch und Französisch), kann sich beispielsweise für ein fünf Monate dauerndes Verwaltungspraktikum bei den Generaldirektionen und Diensten der Europäischen Kommission bewerben. Sie beginnen jeweils im März und Oktober eines Jahres. Auch die anderen Organe der EU bieten Praktika an, ebenso zwischenstaatliche Organisationen, die nicht zur EU gehören.
Die Plätze besetzen die Einrichtungen nach strengen Ausleseverfahren. Einfacher ist es, ein Praktikum bei einem Abgeordneten des Europäischen Parlaments (MdEP), den EP-Fraktionen oder den Vertretungen der Bundesländer und Lobby-Verbänden in Brüssel zu absolvieren. Hier empfiehlt es sich, Kontakt mit den Abgeordneten aus dem heimatlichen Wahlkreis aufzunehmen.
Aufstieg: Beamtenlaufbahn
Einen hürdenreichen Auswahlprozess müssen auch die Interessenten für eine Stelle als Beamter durchstehen. Vergleichbar mit dem höheren, gehobenen und mittleren Dienst in Deutschland unterscheidet die EU zwischen A-, B- und C-Laufbahnen; D-Beamte sind als Kraftfahrer oder Postausträger tätig.
Je nach Laufbahn sind die an die Bewerber gestellten Ansprüche verschieden. Für alle gilt jedoch, dass sie ein Auswahlverfahren bestehen müssen. Dieser “Concours” läuft in drei Phasen ab: Zunächst finden Vorauswahlen durch Multiple Choice Tests statt, die die Allgemeinbildung und Sprachkenntnisse der Bewerber prüfen. Wer hier sehr gut abschneidet, hat eine schriftliche Prüfung mit praxisrelevanten Aufgaben zu bestehen. Ist auch diese Hürde genommen, folgt die Einladung zur mündlichen Prüfung. Bewerber mit den besten Ergebnissen werden schließlich in eine Reserveliste aufgenommen – sie befinden sich in Warteposition für eine frei werdende Stelle.
Wer auf eine europäische Laufbahn einschwenken will, muss aber nicht zwingend nach Brüssel schielen: Auch die zahlreichen zwischenstaatlichen europäischen Organisationen bieten interessante Arbeitsplätze, mitunter ist der Einstieg bei ihnen sogar leichter als bei den EU-Organen. Zu diesen zwischenstaatlichen Institutionen gehören das Europäische Patentamt (EPA) in München, die Europäische Weltraumorganisation (ESA) in Paris und vor allem der Europarat in Straßburg: Dieser „Council of Europe“ ist nicht nur älter, ihm gehören auch mehr Staaten an als der EU. Dennoch steht er in der Öffentlichkeit im Schatten der EU, obwohl auch der Europarat in jüngster Zeit erheblich an Einfluss gewonnen hat.
Weitere Informationen
Über die Modalitäten der Personalauswahl informieren die Institutionen auf ihren Websites. Ferner hält das Auswärtige Amt (AA) zahlreiche Informationen auf Abruf bereit - im eigenen Interesse: Erklärtes Ziel der Bundesregierung ist es, den Anteil deutschen Personals in internationalen Organisationen zu steigern.
Marc Fritzler




