Es gibt fast schon zu viele gute Gründe für einen Besuch des Loire-Tals, und die Entscheidung, welche Sehenswürdigkeiten auf dem Urlaubsprogramm stehen sollen, gehört in der Tat zu den schwierigsten. So ist auch unsere Auswahl keineswegs vollständig, vielleicht aber doch so repräsentativ, dass mach eine(r) Lust bekommt, Frankreichs Märchenschlösser aus der Nähe zu bewundern.
Orléans
Wer dem Lauf der Loire von Osten nach Westen folgen will, beginnt die Reise zumeist in der geschichtsträchtigen Heimatstadt der legendären Jungfrau, die das Kriegsglück in der 100jährigen Auseinandersetzung mit England 1429 zugunsten Frankreichs wendete. Jeanne dArc ist in Orléans allerorten präsent, ansonsten wirkt die im Zweiten Weltkrieg großflächig zerstörte Stadt allerdings wenig einladend. Immerhin gehören die mächtige Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert und das im Renaissance-Stil erbaute Rathaus zu den eindrucksvollsten Zeugnissen hiesiger Baukunst.
Blois
Das gilt natürlich erst recht für das knapp 50 Kilometer flussabwärts gelegene Schloss Blois, das vom 13. Jahrhundert an in mehreren Planungs- und Arbeitsschritten errichtet wurde. Das imposante Gebäude gehört zu den schönsten Loire-Schössern und fiel eben deshalb während der Französischen Revolution marodierenden Gegnern des Hochadels zum Opfer. Seitdem sind die Räumlichkeiten aufwendig restauriert worden, so dass man im Kabinett der Katharina de Medici nicht nur die prachtvolle Holzvertäfelung, sondern ebenfalls ihr ausgetüfteltes System von Geheimfächern bestaunen kann, in dem die machtbewußte Dame unter anderem diverse Gifte gelagert haben soll.
Chambord
Unweit von Blois erhebt sich die gigantische Anlage des Schlosses Chambord, die über 5.000 Hektar umfasst und Anfang des 16. Jahrhunderts, als Jagddomizil König Franz I., ihre endgültige Ausprägung erhielt. Chambord diente mit seinen weit über 400 Zimmern nicht nur als eindrucksvolle Kulisse für wichtige Staatsbesuche, hier wurde sogar Weltliteratur, etwa Molières "Der Bürger als Edelmann", aus der Taufe gehoben. Aber auch im 21. Jahrhundert sind Besucher von einem Spaziergang über die verwinkelten Dachterrassen ebenso fasziniert wie von der weltberühmten Wendeltreppe, die das Zentrum der Schlossanlage bildet und immer nur in einer Richtung beschritten werden kann.
Cheverny und Chaumont
Neben Blois und Chambord gehören noch zwei weitere Schlösser zu den großen Attraktionen, welche die Landschaft des Blésois zu bieten hat. In Cheverny ist die Einrichtung aus dem 17. Jahrhundert wie durch ein Wunder fast vollständig erhalten geblieben. Bis heute werden von hier aus alljährlich Treibjagden unternommen, so dass der Trophäensaal, der bereits über 2.000 Geweihe beherbergt, möglicherweise noch weiter gefüllt wird. Die ehemalige Wehranlage von Chaumont diente schon im 18. Jahrhundert zivileren Zwecken. In ihren Mauern befand sich die Porzellanmanufaktur des Giovanni Battista Nini, dessen Porträtmedaillons weit über Frankreich hinaus bekannt wurden.
Chenonceaux
Einige Kilometer weiter beginnt die Touraine, und auch in der Region um die alte Handelsmetropole Tours reiht sich eine Sehenswürdigkeit an die nächste. So ist es für Touristen wiederum nicht leicht, zwischen dem heroischen Schloss Amboise, der mächtigen Festung Chinon, dem märchenhaften Panorama von Ussé und all den anderen Zeugnissen einer glanzvollen Vergangenheit zu wählen. Trotzdem stehen bei den meisten Chenonceaux, Villandry und Azay-le-Rideau ganz oben auf der Wunschliste.
Die prächtige Anlage von Chenonceaux verdankt die Nachwelt der Leidenschaft Heinrichs II. für die schöne Diana von Poitier. Ihre Freude über das imposante Präsent währte allerdings nicht allzu lange, denn nach Heinrichs Tod, wurde Diana von dessen Frau, der bereits erwähnten Katharina de Medici, aus naheliegenden Gründen des Hauses verwiesen. Das "Schloss der Damen" beherbergt übrigens eine Reihe wertvoller Gemälde von Rubens, Tintoretto und anderen alten Meistern.
Villandry
Villandry bildet einen reizvollen Gegensatz zur kulturellen Vielfalt von Chenonceaux, denn hier gilt die Aufmerksamkeit der Besucher weniger dem Schloss als der dreistöckigen Gartenanlage, die heute noch bewirtschaftet wird. Die symbolträchtige Formation aus Nutz-, Zier- und Wassergarten ist die einzige in Frankreich, die im Originalzustand wiederhergestellt werden konnte und selbst modernen Landschaftsarchitekten Respekt und Anerkennung abnötigt.
Azay-le-Rideau
Das malerisch im Indre, einem Nebenfluss der Loire, gelegene Wasserschloss ist ein Schmuckstück der besonderen Art. Die Spiegelungen auf der Wasseroberfläche haben das Anfang des 16. Jahrhunderts errichtete Gebäude ebenso berühmt gemacht wie die hochherrschaftliche Innenausstattung mit ihren verspielten Dekorationen, bedeutenden Gemälden und schweren Wandteppichen.
Das Anjou
Zwischen Angers und Nantes, im ehemaligen Herrschaftsgebiet der Plantagenets, nimmt die Dichte der Schlösser und Burgen allmählich ab, ohne dass man deshalb vollständig auf sie verzichten müßte. Denn im Verlauf der knapp 100 Kilometer erheben sich immerhin noch so prachtvolle Bauten wie die Abtei von Fontevrault, die stolzen Schlossanlagen von Saumur, Montreuil-Bellay, Angers, Serrant oder Montgeoffroy, das als eines der letzten Loire-Schlösser im klassizistischen Stil erbaut wurde.
Praktische Tipps
Um die Schlösser der Loire zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auf dem Wasserwege zu erkunden, empfiehlt es sich, eine der größeren Städte (Orléans, Tours, Angers, Nantes) als Ausgangspunkt zu wählen, bzw. denselben nach ein paar Tagen zu wechseln. Allerdings wurden im Laufe der Jahre auch viele ehemalige Adelssitze in Hotels unterschiedlicher Güteklasse und sogar Campingplätze verwandelt, so dass man ebenso gut auch direkt vor Ort logieren kann.




