Fukushima – vier Jahre nach der Reaktor-Katastrophe
Reisen

Fukushima – vier Jahre nach der Reaktor-Katastrophe

Bild: Foto: JensKunstfreund, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Als am 11. März 2011 ein schweres Erdbeben die Küste Japans erschütterte und anschließend ein Tsunami die Küsten im Nordosten des Landes überschwemmte, traf es auch das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi. Das Kühlsystem fiel aus, drei der Reaktorblöcke überhitzten und eine Kernschmelze begann. Durch Wasserstoffexplosionen wurden radioaktive Gase und Stäube freigesetzt, die inzwischen selbst an Kanadas Pazifikküste angekommen sind.

Als am 11. März 2011 ein schweres Erdbeben die Küste Japans erschütterte und anschließend ein Tsunami die Küsten im Nordosten des Landes überschwemmte, traf es auch das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi. Das Kühlsystem fiel aus, drei der Reaktorblöcke überhitzten und eine Kernschmelze begann. Durch Wasserstoffexplosionen wurden radioaktive Gase und Stäube freigesetzt, die inzwischen selbst an Kanadas Pazifikküste angekommen sind.

Die Gefahr ist nicht vorbei

In Fukushima Daiichi sind auch die zerstörten Reaktorblöcke noch lange nicht ungefährlich. Noch immer kämpft der Betreiber Tepco hier mit den Folgen der Katastrophe. Allein im letzten Jahr waren hier bis zu 11.000 Arbeiter monatlich damit beschäftigt, aufzuräumen und zu dekontaminieren. Auch wenn das Atomunglück bereits vier Jahre her ist, sind viele der Probleme noch lange nicht im Griff. Fakt ist: Noch immer setzt die Ruine des Kraftwerks Radioaktivität frei – sowohl in Grundwasser und Böden, als auch in die Luft.

Yoh Kawano / UCLA

Yoh Kawano und Arfakhashad Munaim von der University of California in Los Angeles waren vor rund drei Monaten in Fukushima und Umgebung unterwegs, um selbst zu erfahren, wie die Arbeiten im zerstörten Atomkraftwerk vorangeht, aber auch, wie die Menschen der Umgebung heute leben und wie sie die Katastrophe sehen. Sie machten Fotos, filmten und sprachen mit Evakuierten, Regierungsvertretern und Arbeitern.

Mit Schutzanzug und Dosimeter

Dank einer Sondergenehmigung durften die beiden Forscher nicht nur im Sperrgebiet der Fukushima Präfektur umschauen, sie konnten auch die Anlage des Kraftwerks Fukushima Daiichi besuchen. "Sie sagen, ein Tag in der Evakuierungszone ist wie eine Röntgenuntersuchung beim Zahnarzt", berichtet Kawano. Dennoch muss jeder Besucher Schutzanzug tragen, im Bus bleiben und wird wiederholt auf die Strahlenbelastung hin gescannt.

Auf dem Gelände des Kraftwerks herrscht nach wie vor hektische Betriebsamkeit. Denn noch immer kämpft der Kraftwerksbetreiber Tepco vor allem darum, den schier unaufhaltsamen Strom von kontaminiertem Wasser aus den Reaktorgebäuden in den Untergrund und ins Meer aufzuhalten. Weil die Reaktoren nach wie vor gekühlt werden müssen, fällt jeden Tag aufs Neue verseuchtes Wasser an – insgesamt rund 700 Kubikmeter pro Tag. Das entspricht fast einem halben Schwimmbecken voll.

Eiswall und Unmengen Tanks

University of California Los Angeles / CC-BY-NC-SA 2.0

"Sie setzen dafür alle mögliche Technologie ein – sogar einen Eiswall, der verhindern soll, dass das kontaminierte Grundwasser in den Ozean abfließt", berichtet Kawano. Dafür wurden Leitungen im Boden vergraben, durch die minus 30 Grad kaltes Kühlmittel fließen soll. Dieses friert den Boden ein und damit auch das in ihm strömende Wasser – fertig ist die unterirdische Eiswand. Starten soll das Ganze allerdings erst im April 2015. Ein erster Testlauf im Sommer 2014 war bereits fehlgeschlagen.

Das verseuchte Wasser, das erfolgreich aufgefangen oder abgepumpt werden konnte, wird zurzeit in großen Tanks auf dem Gelände gelagert. Eigentlich soll es dann schnellstmöglich dekontaminiert werden – doch die dafür installierten Anlagen kommen nicht hinterher. Im Moment stehen daher mehrere hunderttausend solcher Tanks dort in der Gegend herum. Das Problem: Viele von ihnen sind undicht und über die Lecks fließt weiteres verseuchtes Wasser in die Umwelt.

Geisterstadt im Sperrgebiet

Besonders unheimlich fanden Kawano und Munaim den Kontrast zwischen der hektischen Betriebsamkeit auf dem Gelände des Kernkraftwerks und der Leere in der evakuierten Stadt Namie, in der einst 21.0000 Menschen lebten. "100 Prozent der Bevölkerung musste die Stadt innerhalb eines Tages verlassen", schildert Kawano. Sie wurden dabei gleich doppelt getroffen: Erst durch den Tsunami, der weite Teile der Stadt zerstörte, dann durch die Strahlung, die das Gebiet zur Sperrzone machte.

"Es ist eine kleine Stadt, die nahezu ausgelöscht ist", so Kawano. "Man sieht noch die Fußabdrücke all der Gebäude – viele von ihnen wurden einfach abgehoben und weggespült." Inzwischen haben Arbeiter aber bereits begonnen, Trümmer wegzuräumen und die Reste der Stadt wieder bewohnbar zu machen. Denn offiziell gilt Namie heute wieder als soweit dekontaminiert, dass zumindest Regierungsvertreter hier arbeiten dürfen.

Die Bewohner der Stadt und ihrer Umgebung sind jedoch noch nicht zurückgekehrt. Ironie des Schicksals: Einige der evakuierten Menschen wurden von den Behörden in Gebiete geschickt, die sich später als noch stärker belastet herausstellten als ihr ursprünglicher Wohnort.

Weitere Artikel auf wissenschaft.de

Mehr aus Reisen

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Reisen.

Alle Reisen-Artikel
Der Ursprung der Neujahrsnacht: Vom Papst zum globalen Feuerwerk
Reisen

Der Ursprung der Neujahrsnacht: Vom Papst zum globalen Feuerwerk

26. Oktober 2026

Vom kirchlichen Gedenktag des Papstes Silvester I. über germanische Rauhnachtsbräuche bis zum modernen Feuerwerk – die Silvesternacht vereint jahrhundertealte Traditionen, Aberglauben und die weltweite Freude am…

Urlaub in Indien auf besondere Weise
Reisen

Urlaub in Indien auf besondere Weise

14. Oktober 2026

Indien ist ein vielseitiges Reiseziel, das mit einer reichen Kultur, historischen Bauwerken und abwechslungsreichen Landschaften begeistert. Aufgrund seiner Größe bietet der Staat jede Menge Abwechslung für einen…

Unabhängige Landgänge auf Kreuzfahrten: Die individuelle Hafenzeit erfolgreich gestalten
Reisen

Unabhängige Landgänge auf Kreuzfahrten: Die individuelle Hafenzeit erfolgreich gestalten

30. September 2026

Das Einlaufen in einen neuen Hafen markiert für viele Kreuzfahrtpassagiere den Höhepunkt des Tages. Sobald die Gangway freigegeben ist, beginnt die wertvolle Zeit an Land. Immer mehr Reisende entscheiden sich bewusst…

Entdecke das Urlaubsglück direkt nebenan: Warum Holland das perfekte Reiseziel ist
Reisen

Entdecke das Urlaubsglück direkt nebenan: Warum Holland das perfekte Reiseziel ist

17. September 2026

Wer an Traumurlaub denkt, hat oft weit entfernte Inseln oder stundenlange Flüge im Kopf. Dabei liegt eines der vielseitigsten und schönsten Reiseziele direkt vor der Haustür. Die Niederlande begeistern seit Jahrzehnten…

← Zurück zu ReisenZur Startseite