Reisen im besten Alter
An Mitteln fehlt es nicht. Ältere Menschen reisen gerne und geben dafür mehr als 15 Milliarden Euro aus. Die Senioren sind Wachstumsmotor des Tourismus, sagt die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reise (FUR). Die einst von RTL-Chef Helmut Thoma als “Kukident-Generation” Verspotteten werden heutzutage von der Wirtschaft als “Best Ager”, “Golden” oder “Master Consumer” hofiert – Menschen im besten Alter eben, die viel Zeit und ebenso viel Geld haben.
Im Jahr 2025 werden die über 60-jährigen fast ein Drittel der Bevölkerung ausmachen. Schon heute werden 43 Prozent aller Urlaubsreisen von den Älteren unternommen. Tendenz: steigend. Der Senioren-Tourismus wird noch auf lange Zeit ein Wachstumsmarkt sein, bestätigt auch die Studie “Senioren auf Reisen” der Universität Frankfurt. Demnach steigt die Zahl der Reisen deutscher Senioren bis zum Jahr 2005 auf rund 54 Millionen. 1995 waren es noch rund 40 Millionen gewesen. Im Jahr 2010, schätzt der Deutsche Hotel- und Gaststätten-Verband, werden 74 Prozent der 65- bis 75-Jährigen mindestens eine fünf- und mehrtägige Urlaubsreise pro Jahr antreten. Grund: Wer in jungen Jahren in der Welt unterwegs war, ändert sein Reiseverhalten im Alter nicht.
Auslandsreisen im Trend
Und dem trägt die Tourismusindustrie in zunehmendem Maß Rechnung: Das Angebot reicht von der Kurzreise bis zum mehrwöchigen Urlaub. Deutschland, Österreich und Schweiz gehören auf Grund fehlender Sprachbarrieren noch immer zu den beliebtesten Urlaubsregionen. Doch der Trend geht hin zu Ferien fern der Landesgrenzen. Laut FUR fahren bereits über 50 Prozent der Senioren zum Urlaub ins Ausland. Reiseziele in Europa sind dabei besonders beliebt, zusehends faszinieren aber auch Destinationen in Übersee. Selbst aufwändige Reisen mit langen Flugzeiten schrecken nicht mehr ab. Und so tauchen mittlerweile auch exotische Länder wie Indien oder China auf den Urlaubsplänen der “Best Ager” auf.
Beliebtestes Reiseziel jenseits der Bundesrepublik ist allerdings nach wie vor Spanien. Immer mehr Alte buchen nicht nur Entspannung oder Erlebnis für eins, zwei oder drei Wochen, sondern entscheiden sich für den Langzeit-Urlaub unter milden klimatischen Bedingungen – mitunter auf dem Festland, zumeist aber auf den Kanarischen Inseln oder den Balearen. Den Sommer verbringen sie in deutschen Landen. Und wenn es Herbst wird in Mitteleuropa, steigen sie in den Flieger, der sie nach Mallorca, Gran Canaria, Lanzarote oder Fuerteventura bringt.
Hauptsache aktiv
Die agilen Alten sind sehr eigen. Reiseveranstalter tun deshalb oft gut daran, Seniorenreisen nicht mit dem Stempel “Seniorenreise” zu versehen. Bezeichnungen wie “50plus Aktiv Reisen” oder “49on Top” kommen bei der Zielgruppe da schon besser an. Und: Wenn reiselustige Rentner eines nicht mögen, dann ausschließlich mit Rentnern unterwegs zu sein. Bevorzugt werden stattdessen Reisen in gemischten Gruppen, sagt der Verband der Deutschen Reisebüros und Reiseveranstalter (DRV). Dabei heißt es immer öfter: Abenteuer gesucht – etwa auf den Spuren der Siedler durch den Osten der USA mit Travel Service (http://www.travel-service.de) oder per Kamel durch Marokko mit 4x4 Touren (http://www.4x4touren.de). Hoch im Kurs stehen auch Bildung und Kultur. Das Spektrum reicht von den Sprachferien an der britischen Südküste über Gesangsstunden in der Toskana und Kochkurse in der Bretagne bis zu Museumstouren durch St. Petersburg. Auch vor neuen Technologien und Internet machen die jungen Alten nicht Halt. So bietet beispielsweise die Computerschule Dresden seit einiger Zeit erfolgreich ein “Computercamp” für Senioren an.
Sorgenfrei durch betreutes Reisen
Sich wieder jung fühlen, Jugendträume erfüllen oder ein Land neu entdecken – gute Gründe für eine Reise im Alter gibt es wie Sand am Meer. Auch wenn Finanzen oder Gesundheit nicht mehr so ganz mit spielen, ist das noch lange kein Grund, auf Urlaubsspaß zu verzichten. Eine Lösung: betreutes Reisen. Dabei kümmert sich in der Regel Fachpersonal um die Belange der pflegebedürftigen Menschen. Ob Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Asthma – im Notfall ist ein Helfer zur Stelle. Reiseveranstalter wie etwa HoPS Seniorenreisen bieten einen Haustür-zu-Haustür-Service an. Mit dem Reiseservice des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Karlsruhe können Gehbehinderte auf große Fahrt gehen. Auch Senioren selbst werden zu Reisebegleitern, etwa im Rahmen des Projektes “Gesund bleiben durch Reisen” des Deutschen Senioren Rings e.V. Und falls die Geldbörse nicht ganz so prall gefüllt sein sollte, kann man über die Reise-Angebote des Arbeiter Samariter Bunds oder Arbeiterwohlfahrt in die Ferne schweifen. Sie bieten – auch in Zusammenarbeit mit kommerziellen Reiseveranstaltern – Reisen für ältere Menschen an.
Claudia Haese H&A medien




