Gute Wintersportbedingungen in den Alpen – und alle Skifahrer, Skitourengeher, Winterwanderer und Langläufer schmieden Pläne für den nächsten Urlaub oder das kommende Wochenende. Viel Schnee bedeutet aber auch, dass bald wieder die ersten Lawinenabgänge und –unfälle gemeldet werden. Dabei ist die Rede von Lawinenkegel oder Schneebrettern, Gefahrenstufen und vielen weiteren Fachausdrücken, auch vom Leichtsinn der Wintersportler. Um ein „Gespür für Schnee“ und das damit verbundene Risiko zu bekommen, sollte man sich etwas genauer mit der besonderen Situation im winterlichen Gebirge auseinandersetzen; vor allem wenn man in freiem Gelände abseits von Pisten oder Loipen unterwegs ist.
Das heimtückische Schneebrett
Die „Großschadenslawine“ gibt es nur bei extremen Bedingungen und sie ist gut berechenbar. Schneebretter dagegen lauern an vielen Tiefschneehängen und können von einzelnen Skifahrern jederzeit ausgelöst werden. Bereits ein kleines Schneebrett hat in etwa eine Masse von sieben LKW-Ladungen. Vergangenes Jahr starben in den Alpen 60 Menschen in einer Lawine – fast alle waren Wintersportler.
Es sind also nicht „medienwirksame“ Katastrophenlawinen, von denen Wintersportler bedroht sind, sondern eher harmlos wirkende Schneebretter.
Risiko im Gebirge
Wer im winterlichen Hochgebirge unterwegs ist, setzt sich immer einem gewissen Risiko aus. Alle Methoden der Bergführer und alpinen Verbände haben zum Ziel, dieses Risiko möglichst zu minimieren. Dennoch muss man sich bewusst sein, dass es eine absolute Sicherheit im Gebirge nicht gibt – man kann nur den Grad der Sicherheit erhöhen.
Lawinengefahr: Beurteilen und Handeln!
Das Lehrteam des DAV hat in den vergangenen Jahren Strategien entwickelt, mit denen ein risikobewusstes Verhalten der Wintersportler erreicht werden kann. In diesem Zusammenhang spricht man auch vom „Umgang mit unsicherem Wissen“.
Da eine exakte Beurteilung der konkreten Situation vor Ort nicht möglich ist, stellt man dem Wintersportler einfache Regeln zur Verfügung, die ihm bei der Entscheidungsfindung – weitergehen, Route ändern oder umdrehen – helfen sollen. Die bereits im Jahr 2000 vom DAV entwickelte SnowCard ist dabei ein wichtiges Hilfsmittel. Auf Basis des Lawinenlageberichtes kann mit ihr das Risikopotenzial der geplanten Tour relativ einfach beurteilt werden.
Die Tourenvorbereitung
Bei der Tourenplanung sollte man mögliche Gefahrenstellen (steile Hänge, Mulden etc.) bereits auf der Karte ausfindig machen und bei zu hohem Risiko eine andere Route aussuchen. Bereits vor dem Start werden auf der Karte Checkpunkte festgelegt, von denen aus die tatsächlichen Verhältnisse im Gelände beurteilt und weitere Entscheidungen gefällt werden. Für alle Fälle sollte eine Ausweichtour geplant werden, denn eine reizvolle Alternative erleichtert den möglicherweise notwendigen Verzicht.
Vor dem Start sollte man auf jeden Fall nochmals die Ausrüstung checken: Verschüttetensuchgerät, Schaufel und Sonde gelten als Standard-Notfallausrüstung. Handy, ABS-Rucksack oder Avalung sind sinnvolle Ergänzungen. Vor dem Loslaufen werden die VS-Geräte gegenseitig gecheckt.
Auf Tour
Bei Schneeschuh- bzw. Skitouren sollte das Gelände vor Ort an den festgelegten Checkpunkten nochmals beurteilt und der eigene Aufstiegsweg festgelegt werden. Dabei sollte man auf jeden Fall auch der Versuchung widerstehen, bereits vorhandenen Spuren blind zu folgen!
Falls sich die Sichtverhältnisse unterwegs (z. B. durch Nebel oder Schneetreiben) verschlechtern, sollte man auf jeden Fall umkehren. Bei solchen Wetterlagen kann man sich nur schwer orientieren. Gefahrensituationen werden evtl. falsch beurteilt.
Entscheidungshilfe für Einsteiger – die SnowCard
Wintersportlern, die sich im ungesicherten alpinen Gelände bewegen, steht mit der „SnowCard“ eine gute Entscheidungshilfe zur Beurteilung der Lawinengefahr zur Verfügung. Die handliche Plastikkarte mit Hologramm kann bei der Planung und vor Ort helfen, eigenverantwortlich die richtigen, oft überlebenswichtigen Entscheidungen hinsichtlich der Lawinengefahr zu treffen.
Ausbildungsangebote im DAV
Der Deutsche Alpenverein e.V. bietet Bergsportlern mehrere Möglichkeiten, fit für die Herausforderungen des winterlichen Gebirges zu werden.
Als DAV-Mitglied kann man in den 354 über das gesamte Bundesgebiet verteilten Sektionen Kurse zur Beurteilung der Lawinengefahr, zum Skitourengehen, Skifahren und Schneeschuhgehen besuchen. Zentraler Bestandteil all dieser Veranstaltungen ist die Vermeidung von Lawinengefahr und - für den „Ernstfall“ - die Ortung und Bergung von Verschütteten.
Des weiteren können solche Kurse beim DAV Summit Club gebucht werden. Auch die Bergsteigerschule des DAV vermittelt in ihrem Winterprogramm alles Wissenswerte rund um den sicheren Wintersport in den Bergen.
Darüber hinaus gibt der DAV eine Reihe von Drucksachen zum sicheren Bergsport heraus. So enthält der 2003 erschienene „Tourenplanungs-Comic“ Tiefschnee TopInfo eine genaue „Anleitung“ zur richtigen Planung und Durchführung einer Skitour. Darüber hinaus werden im Mitgliedermagazin „Panorama“ regelmäßig wichtige Tipps und Erkenntnisse zur Sicherheit veröffentlicht.




