Mehr als 142 Mio. Einwohner auf 17 075 400 km2, fast 100 verschiedene Volksgruppen, 13 Millionenstädte, sechs Klimazonen von den Grenzen des Baltikums bis zur ostasiatischen Halbinsel Kamtschatka, 21 autonome Republiken – schon allein die bloße Ausdehnung dieses Landes ist beeindruckend. Russland ist 47-mal größer als die Bundesrepublik Deutschland – bei nicht einmal doppelt so vielen Einwohnern.
Der größte Teil Russlands gehört zu Asien, das europäische Russland erstreckt sich vom Nordpolarmeer über Zentralrussland zum Schwarzen Meer, dem Kaukasus und dem Kaspischen Meer. In diesem Gebiet wohnen auch drei Viertel der Gesamtbevölkerung. Kein Wunder, dass die potenzielle Kraft dieses riesigen Landes nicht nur die Fantasie bewegt, sondern auch Ängste weckt.
Russland ist ein Land voller Gegensätze. „Mit dem Verstand ist Russland nicht zu fassen“, schrieb im Jahre 1866 der russische Diplomat und Dichter Fjodor Tjutschew angesichts der ethnischen Verschiedenartigkeiten und regionalen Besonderheiten.
Kraftvoller Akteur auf der Bühne der Weltpolitik
Russland ist einer der größten Energieproduzenten der Welt und deckt ca. 20% des Erdöl- und 40% des Erdgasbedarfs der Europäischen Union. Der Staat kontrolliert Schlüsselunternehmen im Energie- und Rohstoffbereich und erschwert zugleich ausländische Investitionen in diesen Ressorts. Auf der Basis dieser ökonomischen Stärke verfolgt ein selbstbewusstes Russland aktiv seine außenpolitischen Interessen. Dabei ist die Pflege der Beziehungen zu den großen Staaten Asiens wie China, Indien und Indonesien mindestens ebenso wichtig wie die Partnerschaft zum Westen.
Russland ist eingebunden in eine Kooperation mit der NATO (NATO-Russland-Rat) und Mitglied der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) und des Europarats, außerdem seit 2002 Vollmitglied in der G8. Rechtliche Grundlage für die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Russland ist ein 1997 unterzeichnetes Partnerschafts- und Kooperationsabkommen.
Während die EU ihr Verhältnis zu Moskau nicht zuletzt von der Einhaltung demokratischer Standards abhängig macht, trifft Russland auf dem Wachstumsmarkt Asien auf keinerlei Vorbehalte dieser Art.
Moskau lässt die Muskeln spielen
Das Heranrücken der NATO an seine Grenzen bedroht nach Ansicht Moskaus das globale strategische Gleichgewicht. Westeuropa schreckte auf, als Putin im Februar 2007 auf der Münchner Sicherheitskonferenz der US-Regierung einen „ungezügelten Gebrauch militärischer Gewalt“ vorwarf.
Als Nuklearmacht und ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates mit Vetorecht sieht sich Russland auf Augenhöhe mit den USA und unternimmt verstärkte Anstrengungen, sein Waffenarsenal zu erneuern. Russische Langstreckenbomber unternehmen – nach längerer Pause – wieder regelmäßig Übungsflüge über dem Atlantik, dem Pazifik und der Arktis und das russische Militär testet Raketen und wirksame konventionelle Sprengkörper.
Allerdings sind die ökonomischen Möglichkeiten Russlands für die Modernisierung und den Ausbau seiner strategischen Raketenabwehr viel bescheidener als die der USA und es fehlt Russland in einer Welt, in der immer mehr Staaten nach Atomwaffen drängen, an einem verlässlichen nuklearen Verbündeten.




