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Indien mal anders: Die Himmelsobservatorien von Jaipur
Bildquelle nicht angegeben
Reisen

Indien mal anders: Die Himmelsobservatorien von Jaipur

Doch so verschieden diese Bauwerke anmuten, ihre Architektur dient einem Zweck: der Vermessung des Himmels. Allen Instrumenten ist gemeinsam, dass sie Sichtlinien zu den Gestirnen nutzten, um die Zeit oder die Position bestimmter Himmelskörper zu bestimmen. Ihre enorme Größe ist dabei quasi ein Nebenprodukt, denn…
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
2 Minuten
Rubrik
Reisen
Artikelbild

M.baliga / CC-by-sa 4.0

Doch so verschieden diese Bauwerke anmuten, ihre Architektur dient einem Zweck: der Vermessung des Himmels. Allen Instrumenten ist gemeinsam, dass sie Sichtlinien zu den Gestirnen nutzten, um die Zeit oder die Position bestimmter Himmelskörper zu bestimmen. Ihre enorme Größe ist dabei quasi ein Nebenprodukt, denn nur sie gewährt die nötige Präzision der Messungen.

Artikelbild

Historisch

Erdacht und erbauen lassen hat sie vor rund 300 Jahren Jai Singh II., der Maharadscha des Fürstentums Amber in Rajasthan. Singh war schon als Junge wissbegierig und interessierte sich stark für Astronomie. Kein Wunder: Im alten Indien spielte der Lauf der Gestirne eine wichtige Rolle zur Bestimmung der Kalenderzeiten, aber auch für Religion und Astrologie. Gelehrte, aber auch der junge Fürst studierten daher islamische Astronomieschriften und nutzten die in Arabien und Europa gängigen Astrolabien und Sonnenuhren.

Dabei jedoch fiel Jai Singh etwas auf: Viele der in den astronomischen Tabellen verzeichneten Zeiten und Positionen der Himmelskörper stimmten nicht hundertprozentig mit seinen eigenen Messungen überein. Die bronzenen Instrumente waren ungenau, weil die weiche Bronze dieser Messgeräte mit der Zeit nachgegeben hatte, so dass die Instrumente ausleierten. Wegen der geringen Größe der Sonnenuhren ist es zudem schwer, präzise Messungen durchzuführen.

Jai Singh beschloss, bessere Instrumente zu bauen. Er wollte astronomische Observatorien konstruieren, die haltbarer und präziser sind als alle bisher gängigen. Sein Prinzip dabei: Präzision durch Größe, Haltbarkeit durch Geräte aus Stein statt aus Bronze. In gleich fünf indischen Städten begann der Maharadscha um 1720 mit dem Bau seiner neuen Observatorien - der Jantar Mantar. Auf Sanskrit bedeutet dies soviel wie "magische Instrumente". Sie wurden in Delhi, in Jaipur, der neuen Hauptstadt von Jai Singh errichtet, sowie in den damals heiligen Städten Ujjain, Mathura und Varanasi.

Artikelbild

Abhidwi / CC-by-sa 4.0

Die große Sonnenuhr von Jaipur

Und der Plan des Jai Singh ging auf: Die steinernen Observatorien sind bis heute größtenteils erhalten – und weltweit einzigartig. Das größte und vollständigste von ihnen, das Jantar Mantar in Jaipur, gehört heute zum UNESCO-Weltkulturerbe. In ihm stehen 14 verschiedene Instrumente, mit denen einst die indischen Astronomen den Lauf von Sonne, Mond und den Gestirnen verfolgten.

Artikelbild

GoldenSunAstrology / CC-by-sa 3.0

Durch die enorme Größe der Sonnenuhr lässt sich mit ihr die Zeit bis auf zwei Sekunden genau ablesen. Dazu benötigt man allerdings noch ein weiteres kleines Hilfsmittel: ein kleines Stück Draht oder Schnur. Der Grund: Wer den Schattenwurf der Sonnenuhr genauer anschaut, sieht, dass der Schattenrand wie ausgefasert wirkt – er bildet einen weichen, je nach Tageszeit bis zu drei Zentimeter breiten Übergang. Das macht es fast unmöglich festzustellen, auf welchem Skalenstrich der Schatten endet. Hier kommt nun das Hilfsmittel ins Spiel: Hält man den Draht dicht über die Skala wirft die Schnur eine scharfe, dünne Schattenlinie. An der Stelle, an der der Schnurschatten mit dem verwischten Sonnenuhr-Schatten verschmilzt, wird abgelesen.

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