Kurz nach Bekanntwerden der Bluttat beginnt in weiten Teilen Indiens eine Welle des Terrors gegen die Sikhs, die den Mord an Indira Gandhi als einen Racheakt für die am 5. Juni 1984 angeordnete Erstürmung des Goldenen Tempels, das Zentralheiligtum der Sikhs, in Amritsar rechtfertigen. Nach vorsichtigen Schätzungen werden in den folgenden zwei Tagen 4000 Sikhs von fanatischen Anhängern des Hinduismus abgeschlachtet, erschlagen oder lebendig verbrannt.
Eine umstrittene Politik
Indira Gandhi bestimmte seit 18 Jahren die politischen Geschicke ihres Landes, doch war ihre von Pragmatismus und Machtbewusstsein bestimmte Regierungstätigkeit von Anfang an umstritten. In wirtschaftspolitischen Entscheidungen sozialistischen Ideen verpflichtet, schloss sie 1971 einen Freundschaftsvertrag mit der UdSSR und rückte damit vom Prinzip der Blockfreiheit ab. In ihre Amtszeit fiel ebenfalls der Krieg in Bangladesch, dessen Grausamkeit internationale Empörung auslöste. 1975 wegen Wahlkorruption verurteilt, verhängte sie kraft ihrer Funktion daraufhin den Ausnahmezustand und ließ zahlreiche politische Gegner verhaften. 1977 trat sie nach der Wahlniederlage der von ihr geführten Kongresspartei zurück, konnte aber 1980 erneut die Mehrheit auf sich vereinigen.
Schnelle Nachfolgeregelung
Indira Gandhis Nachfolge übernimmt bereits zwölf Stunden nach dem Attentat ihr Sohn Rajiv Gandhi. An der Spitze eines aus vier Ministern bestehenden Notkabinetts verkündet er eine zwölf Tage dauernde Staatstrauer und ordnet die Beisetzung für den 3. November am Ufer des heiligen Jamuna in Delhi an. An der Zeremonie nehmen zahlreiche Spitzenpolitiker aus aller Welt teil. Die rasche Vereidigung von Indira Gandhis Sohn Rajiv zum neuen Ministerpräsidenten ohne Zustimmung der Abgeordneten stößt allerdings allgemein auf Kritik.



