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Interkulturelle Kompetenz: Wie verhalte ich mich in China richtig?
Bildquelle nicht angegeben
Reisen

Interkulturelle Kompetenz: Wie verhalte ich mich in China richtig?

Zwischen Deutschland und China liegen nicht nur tausende von Kilometern, auch in vielen kulturellen und sozialen Aspekten trennen beide Länder in manchen Dingen Welten. Wer sich nicht auskennt, begeht daher leicht einen sozialen Fauxpas. Denn wenn es um Beziehungen geschäftlicher und persönlicher Art geht, gelten in…
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
4 Minuten
Rubrik
Reisen
Artikelbild

thinkstock

Zwischen Deutschland und China liegen nicht nur tausende von Kilometern, auch in vielen kulturellen und sozialen Aspekten trennen beide Länder in manchen Dingen Welten. Wer sich nicht auskennt, begeht daher leicht einen sozialen Fauxpas. Denn wenn es um Beziehungen geschäftlicher und persönlicher Art geht, gelten in China in vielen Dingen andere Regeln als bei uns.

Gerade für Menschen, die beruflich nach China reisen und dort beispielsweise Geschäftsbeziehungen knüpfen sollen, ist es daher wichtig, interkulturelle Kompetenz zu entwickeln - ein Gefühl für sein Gegenüber, dessen Bedürfnisse und erwünschte Verhaltensweisen. Markus Eidam, Experte für Interkulturelle Coachings von Eidam & Partner, stellt hier einige der wichtigsten Unterschiede vor. Aber wie überall gilt natürlich auch hier: "Den" Chinesen gibt es nicht, nicht jeder verhält sich gleich. Dennoch können die hier gegebenen Hinweise als erster Anhaltspunkt dienen.

Die Gruppe ist wichtig - das Danwei-System

In China herrscht ein eher kollektivistisches Gedankengut: Jeder Mensch gehört wenigen spezifischen Gruppen, zum Beispiel einer Familie oder einem Freundeskreis an. Dabei steht im chinesischen Kulturkreis nicht die einzelne Person, sondern die ganze Gruppe im Vordergrund. "Dementsprechend wird auch das Wohl der Gruppe über die Befindlichkeiten des Einzelnen gestellt", erklärt Eidam. Entscheidungen werden meist innerhalb der Gruppe getroffen.

In diesen Gemeinschaften verbleiben Chinesen oft ein Leben lang und hegen ihnen gegenüber sehr große Loyalität. Bevor man Fremde als Teil der eigenen Gruppe akzeptiert, müssen diese zunächst zeigen, dass sie ein solches Vertrauen verdient haben. Dementsprechend ist es durchaus üblich, dass Fremde zunächst skeptisch angesehen werden. Auch in ihren eigenen Familienstrukturen denken viele Chinesen oft gruppenorientiert. Familienbeziehungen werden auf enge und vertraute Weise gepflegt. Es ist meist selbstverständlich, dass ältere Menschen von den Jüngeren der Familie versorgt werden.

Lebenslange Loyalität

Hat man ein Vertrauensverhältnis jedoch erst einmal aufgebaut, gehört man meist lebenslang zu dieser Einheit und erhält von ihr Schutz/Hilfe. Im Gegenzug muss man aber auch allen Mitgliedern der Danwei seine ernstgemeinte Unterstützung anbieten und sich ihnen gegenüber loyal verhalten. "Wenn Sie als Ausländer in China langfristige Kontakte knüpfen oder gar Geschäfte machen möchten, sollten Sie möglichst schnell Teil des Vertrauensnetzwerkes werden", rät Eidam. "Hierfür müssen Sie vor allem viel Zeit für das Kennenlernen einplanen – mehr als bei westlichen Partnern." Dazu gehören mehrere Besuche sowie Gegenbesuche in Deutschland.

Das Gesicht wahren

Viele Chinesen kommunizieren eher indirekt: Das bedeutet, dass kritische oder negative Aussagen nicht offen ausgesprochen werden, sie werden eher angedeutet. Statt „Das hat mir gar nicht gefallen“ würde ein indirekter Mensch vielleicht „Das hat mir gut gefallen.“ sagen oder gar nicht auf eine Frage eingehen, wenn die Antwort negativ wäre.

Ist man diese indirekte Kommunikationsweise gewohnt, weiß man, dass ein „gut“ nicht unbedingt „gut“ heißen muss. "Wenn ich nämlich beachte, dass mein Gegenüber auch 'sehr gut' oder 'ausgezeichnet' hätte sagen können, ist ein 'gut' schon gar nicht mehr so positiv",  betont Eidam. Dieses Verhalten wird auch als „Gesicht wahren“ bezeichnet: Indem ich meinem Gegenüber negative Dinge nur andeute, verhindere ich, dass dieser an Ansehen verliert oder das er Scham empfindet.

Das aber bedeutet: Auch Sie selbst sollten im Umgang mit Chinesen negative Aussagen möglichst abmildern und verpacken, sonst laufen Sie Gefahr, Ihren Gesprächspartner zu beleidigen. Es bedeutet aber auch, dass Sie ganz genau hinhören sollten, was Ihr chinesischer Gesprächspartner sagt, denn Aussagen, die auf den ersten Blick positiv erscheinen, haben in Wahrheit vielleicht einen kritischen Kern, der sich einem westlichen Zuhörer nur auf den zweiten Blick eröffnet.

Die Position entscheidet - eine klare Hierarchie

Die chinesische Gesellschaft ist – sowohl im Beruf als auch im Privatleben – sehr viel stärker in klare Hierarchien unterteilt als bei uns. Wer älter ist, steht über einem jungen Menschen. Wer neu ist im Beruf, hat einen geringeren Rang als ein erfahrener Mitarbeiter. Männer stehen über Frauen. Eine gute Herkunft ist mehr wert als eine nicht-privilegierte Herkunft. Sprich: Es kommt nicht darauf, an was du kannst, sondern wer du bist.

Uns erscheint dies eher befremdlich. Denn ob jemand Recht hat oder nicht, spielt in chinesischen Hierarchien meist keine Rolle. Das Kritisieren von höher gestellten Personen ist bei traditionell denkenden Chinesen undenkbar. Dies ist auch dann der Fall, wenn offensichtlich ist, dass beispielsweise ein Vorgesetzter in einem gewissen Punkt falsch liegt. Würde man ihn kritisieren, wäre ein Gesichtsverlust die Folge. Für viele von uns ist dies gewöhnungsbedürftig, aber wenn man in China nicht anecken möchte, sollte man dies beherzigen.

Markus Eidam

http://www.eidam-und-partner.de/

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