Wasserparadies für Urlauber
Inzwischen wurden die Kanäle jedoch tausendfach wiederentdeckt: Irland-Urlaub auf dem Hausboot ist in – und das hat Gründe: Die Wohnschiffe lassen sich nämlich ohne Bootsführerschein und ohne jegliche "maritime" Erfahrungen über die nicht allzu strömungsstarken Gewässer steuern. Eine fachkundige Einweisung, eine erste Fahrt unter Aufsicht, und schon sind selbst technische Laien fit für den Urlaub auf dem Wasser.
Außerdem erschließen sich dem Hausboot-Urlauber 750 Kilometer irischer Flüsse, Seen und Kanäle – Europas längste navigierbare Wasserstraße ohne Frachtverkehr. Eine saubere Umwelt, die nicht nur Stockenten, Forellen, Eisvögel und Reiher schätzen. Und ein attraktives blaues Band, das sich durch das grüne Land zieht: An den Ufern zeugen trutzige Festungen, noble Herrenhäuser und kunstreiche Klosterruinen von großer Geschichte.
Volles Programm am Ufer
Die Gegenwart lebt in den kleinen Städten und Dörfern, deren Stege zum kostenlosen Festmachen einladen. An Land lohnt sich dann der Bummel zu einem jener Restaurants, die von Irlands neuern kulinarischen Glanz zeugen, oder zu einem der Pubs, die Irlands traditionsreiche Gastfreundschaft symbolisieren. Und in den Sommermonaten werden die Wasserstraßen überdies zu Kulturboulevards, denn viele Theatergruppen zieht es dann zu Gastspielen in die Ufergemeinden.
Viele Captains und Crews nutzen ihre Boote aber auch als komfortable schwimmende Basen für aktive Urlaubstage. Sie haben ihre Golfschläger oder Angelruten mit an Bord, steigen auf Windsurfbretter, satteln an Land die Rösser für ihre Ausritte oder steigen auf ihre Fahrräder. Diese kann man schon im voraus mitbestellen und im Starthafen übernehmen.
Kurzum: Volles Programm. Und selbst die scheinbar unermüdlichen Junioren sinken abends beglückt und müde in die Kojen. Jetzt kommt die Stunde der Eltern, die nun auf ihren sanft wiegenden Planken bei Kerzenlicht Zeit für ein Guinness oder ein Glas Wein finden. Irgendwo im Schilf schimpft noch eine Stockente. Dann ist auch Ruhe in ihrem Kinderzimmer. Hinter dem Horizont eilt die Sonne um den Globus, einem neuen Ferientag auf Irlands Wassem entgegen.
Praktische Hinweise
Riesiges Revier für Skipper
Von den nordirischen Erne-Seen bis Waterford an der Südküste, von Dublin im Osten bis Killaloe unweit der Shannonmündung im Westen reicht das Revier der Urlaubsskipper in Irland. Die Fluss- und Kanalstrecken sind völlig problemlos zu befahren, auf den großen Seen geleiten rote und schwarze Bojen respektive rot-weiße Seezeichen sicher über das offene Wasser. Bei stürmischem Wetter wird vor der Einfahrt in die Seen gewartet, bis es am Himmel und auf dem Wasser wieder freundlicher ist. Wenn der Abend naht, heißt es "Anker werfen" oder an einen Steg festmachen, denn Nachtfahrten sind nicht erlaubt. Auf manchen Streckenabschnitten gelten Geschwindigkeitsbeschränkungen, generell werden gemächliche Tagesetappen von 30 bis 40 Kilometern empfohlen. Das gilt selbstverständlich für das noch wenig bekannte Revier im Südosten, den Grand Canal und den River Barrow.
Jachten und “Barges“
Zwei unterschiedliche Schiffstypen stehen den Urlaubsskippern zur Verfügung, die Jachten und die "Barges". Jachten sind schnittige Boote, die meist neben dem Steuerplatz im Inneren ein zweiten auf dem freien Oberdeck besitzen. Sie sind acht bis zwölf Meter lang und drei bis vier Meter breit, viele Jachten haben auch ein Doppelbett.
Die Barges, deren Vorgänger als Frachtschiffe dienten, können bis zu 13 Meter lang sein, entgegen ihrem Namen "narrowboats" sind sie bis zu drei Meter breit. Sie haben neben der Heizung auch einen Torf-Ofen mit Fenster für die Flammen an Bord. Alle Bootsarten sind umfassend ausgestattet. Empfehlenswert ist es, für zwei Personen ein 4-Betten-Boot und für fünf Personen ein 7-Betten-Boot zu mieten, um etwas mehr Platz zu haben.
Anmietung & Navigation
Für die Wohnboote auf den Inlandsgewässern benötigen Touristen keine Führerscheine, sie werden auf den Schiffen eingewiesen. Voraussetzungen für den Griff am Steuerrad: Es müssen mindestens zwei Personen an Bord sein und eine von ihnen muss 21 Jahre oder älter sein. Alle Boote haben ein Beiboot mit Rudern. An Bord liegen detaillierte Karten und Handbücher, mit denen die Navigation ganz einfach ist. Die Boote können am ersten Miettag um 16 Uhr, meist samstags, übernommen werden. Am letzten Tag sollen sie um 9 Uhr morgens wieder am Ausgangshafen abgeliefert werden. Wer mit dem Auto anreist, kann es am Starthafen kostenlos (auf eigenes Risiko) parken. Für Flugreisende lassen sich meist Transfers vereinbaren. Alle elektrischen Geräte außer Rasierapparaten können an Bord wegen der begrenzten Batteriekraft nicht angeschlossen werden.




