Rauschende Wasserfälle, heiße Geysire, schwarze Lavastrände und große Gletscherseen – wer Island bereist, den erwartet vor allen Dingen eins: atemberaubende Natur. Der rund 100.000 Quadratkilometer große Inselstaat nahe des nördlichen Polarkreises bietet nahezu unbegrenzte Möglichkeiten, spektakuläre Landschaften und eine vielfältige Tierwelt zu bestaunen, wartet in der Hauptstadt jedoch auch mit kosmopolitischem Flair und kulturellen Angeboten auf.
Für Island-Neulinge, die die Naturphänomene der Vulkaninsel zum ersten Mal entdecken wollen, beginnt das Abenteuer zumeist in Reykjavík. Ausgehend von der Hauptstadt führt eine der beliebtesten Reiserouten zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten des Landes: Der rund 300 Kilometer lange Goldene Kreis im Südwesten Islands bietet viel von dem, was die Insel ausmacht.
Hauptstadt Reykjavík
Doch bevor die Rundreise losgeht, lohnt sich ein kurzer Aufenthalt in Reykjavík selbst. Auch in der größten Stadt Islands mit ihren rund 120.000 Einwohnern zeigt sich die natürliche Schönheit der Insel. In der weit geschwungenen Atlantikbucht Faxaflói, in der Reykjavík liegt, tummeln sich nicht nur zahlreiche Fische – hier lassen sich auch das ganze Jahr über mit etwas Glück Wale beobachten. Wasservögel bekommt man sogar mitten in der Stadt zu Gesicht: am Tjörnin-See, einem der größten Brutplätze im Südwesten der Insel.
Genug der Natur? Architekturinteressierte besichtigen bei einem Stadtspaziergang zum Beispiel die im 18. Jahrhundert erbaute Domkirche und das Universitätsgebäude. Moderner mutet die berühmte Hallgrímskirkja an, die Reykjavík auf einem Hügel sitzend überragt. Die Kirche ist eines der höchsten Gebäude des Landes und bietet die beste Aussicht über die kleine Metropole. Ebenso lohnenswert: In den Straßen der Stadt kreative Streetart entdecken und am Hafen dem Treiben an und auf dem Wasser zusehen.
Historische Stätte Þingvellir
Mit dem Reisebus oder dem Mietwagen geht es nun entlang des Goldenen Kreises zur ersten Etappe unserer Rundreise: dem Nationalpark Þingvellir, der zum Welterbe der UNESCO zählt. In der vom Fluss Öxará durchzogenen Landschaft zeugen immer wieder Felsspalten, -risse und Schluchten von kraftvollen tektonischen Verschiebungen. Denn an diesem Ort treffen sich die Eurasische und die Amerikanische Kontinentalplatte und driften auseinander – gut zu sehen zum Beispiel an der Allmänner-Schlucht.
Doch auch geschichtlich hat Þingvellir für die Isländer eine besondere Bedeutung: Bereits ab 930 wurde hier von den Wikingern einmal im Jahr die traditionelle gesetzgebende Versammlung Althing abgehalten. Auch die Annahme des Christentums im Jahr 1.000 wurde hier beschlossen – und 1944 die Republik Island ausgerufen. Längst haben auch Filmmacher die historische Stätte für sich entdeckt: In Þingvellir wurden unter anderem einige Game of Thrones-Folgen abgedreht.
Geothermalgebiet Haukadalur
Weiter westlich warten die wohl bekanntesten Geysire der Insel mit beeindruckenden Wasserspielen auf. Im Heißwassertal Haukadalur befindet sich der Namensgeber aller wasserspeienden geothermalen Quellen: der Große Geysir. Er ist der älteste bekannte noch aktive Geysir, bricht jedoch nur gelegentlich aus. Wenn es passiert, ist das Spektakel dafür umso größer: Die bei dem Ausbruch entstehende Wasserfontäne kann mitunter 122 Meter hoch werden.
Kleiner, aber zuverlässiger ist der Geysir Stokkur. Circa alle zehn Minuten bildet sich an seiner Oberfläche eine Blase, die schließlich explodiert und eine bis zu 35 Meter hohe Fontäne in die Luft schleudert – ein Naturschauspiel, dass man sich immer und immer wieder ansehen kann. Wer davon genug hat, wendet sich unweit von Stokkur einem stilleren Highlight zu: Die Thermalquelle Blesi bezaubert mit ihrer schimmernden, tiefblauen Färbung.
Wasserfall Gullfoss
Die nächste Station des Goldenen Kreises führt zu einem der schönsten Wasserfälle Islands: Gullfoss fließt über zwei Terrassen in die Tiefe. Zunächst fällt er sanft etwa zehn Meter hinunter, wenig später stürzt das Wasser dann noch einmal mit ohrenbetäubendem Lärm gut zwanzig Meter hinab. Beeindruckend ist der Wasserfall dabei vor allem wegen seiner unfassbaren Breite.
Ein Gefühl für sein Ausmaß können Touristen aus nächster Nähe bekommen. Ausgehend von einem Parkplatz führt ein Weg auf eine Felsplattform direkt am Wasserfall. Tipp: Regenklamotten und einen Wasserschutz für die Kamera mitnehmen.
Kratersee Kerið
Auf dem Rückweg nach Reykjavík lohnt sich ein Abstecher zum Kratersee Kerið und dem nahegelegenen Schlackenkegel Kerhóll. Die Formationen gehören zu einer Reihe aus fünf Kratern im sogenannten Grímsnes-Vulkanfeld, die während ihrer eruptiven Phase vor 5.000 bis 6.000 Jahren große Lavamassen zu Tage befördert haben. Besucher können den Krater auf einem Wanderweg einmal umrunden und sich dabei am türkisfarbenen Wasser in seinem Inneren ergötzen.




