Der Kilimandscharo liegt im Norden von Tansania, rund drei Grad südlich des Äquators. Mit seiner Höhe von 5896 Metern ist er die höchste Erhebung des schwarzen Kontinents. Sein eingedeutschter Name stammt von “kilima njaro“, was auf Swahili soviel wie “Weißer Berg“ bedeutet. Bei den Masai heißt er “oldoinyo oibor“, und das bedeutet ebenfalls “Weißer Berg“. Im Deutschen finden sich für den mächtigen Vulkan Schreibweisen wie Kilimanjaro, Kilimandjaro und Kilimandscharo, wobei letztere die gängigste ist.
Der Kilimandscharo hat eine Grundfläche von etwa 60 mal 40 Kilometern und ist damit der größte freistehende Berg auf den Kontinenten. Die Existenz des Berges hängt mit der Entstehung des nur 80 Kilometer entfernten Rift Valleys zusammen. Dieser ostafrikanische Grabenbruch markiert eine Zone, entlang derer der afrikanische Kontinent oder die afrikanische Platte eines fernen Tages vollständig auseinander brechen wird. Wie bei allen Plattentrennungen ist dies mit einem intensiven Vulkanismus verbunden. Zwei der aktivsten Vulkane in diesem Bereich sind der Nyiragongo und der Nyamuragira.
Das Kilimandscharo-Massiv besteht aus drei Ausbruchszentren oder Schloten: dem Shira, dem Mawenzi und dem Kibo. Nur zwei dieser Schichtvulkane aus dunkelgrauem Basaltgestein bilden heute noch einen Gipfel, da der des Shira durch die Erosion schon fast eingeebnet wurde. Die Lavaströme des Mawenzi und des Kibo vermischten sich nach dem Erlöschen des Shira und formten den so genannten “Sattel“ zwischen Kibo und Mawenzi. An den Hängen des Kilimandscharos bildeten sich zudem mehrere kleine Vulkane, die auch heute noch erkennbar sind. Nur die höchste Erhebung des Vulkanmassivs, der Kibo, übersetzt der “Helle“, trägt das ganze Jahr über eine Haube aus Eis und Schnee.
Der größte Gletscher ist der Penck-Gletscher, der etwa zwei Kilometer lang ist und bis in eine Höhe von 5000 Metern herabreicht. Moränen, die hauptsächlich an den südlichen Hängen in Höhenlagen bis unter 3700 Meter zu finden sind, zeigen die frühere Ausdehnung des Gletschereises am Kilimandscharo.
In der Gipfelregion Kibo öffnet sich eine Caldera von etwa zwei Kilometern Durchmesser und 200 Meter Tiefe. In dieser hat sich ein zweiter Krater gebildet, der einen Durchmesser von rund 800 Metern aufweist. In seiner Mitte erhebt sich ein Aschenkegel von 120 Metern Höhe. Der innere Krater des Kibo entstand wahrscheinlich erst vor einigen hundert Jahren und wird Reusch-Krater genannt, benannt nach seinem Erforscher. Man nimmt heute an, dass er vor etwa 400 Jahren das letzte Mal ausbrach. Heute wird der Kilimandscharo bzw. der Kibo weniger als erloschener, sondern eher als ruhender Vulkan eingeschätzt. Die Wahrscheinlichkeit eines neuen großen Ausbruchs wird jedoch als gering bezeichnet. Schwefel- und Dampferuptionen sowie neu entstehende Schwefelablagerungen sind aber Indizien für eine noch vorhandene Tätigkeit des Vulkans.
Gipfelstürmer
Der griechische Astronom und Geograf Claudius Ptolemäus beschrieb um 160 n. Chr. einen Schnee bedeckten Berg landeinwärts hinter Rhaphta, südlich von Hafun in Somalia. Gemeint war der Kilimandscharo. Als der deutsche Missionar Johannes Rebmann im Jahr 1848 davon berichtete, dass er in Äquatornähe einen Berg entdeckt habe, der schneebedeckt sei, wurde er von den Mitgliedern der Königlich-Geographischen Gesellschaft zu London ausgelacht. Denn Schnee am Äquator überstieg das Vorstellungsvermögen der Menschen in der damaligen Zeit.
Die englische Königin Victoria schenkte den Kilimandscharo im Jahre 1886 ihrem Neffen, dem späteren deutschen Kaiser Wilhelm II. Damit besaßen zwei europäische Weltmächte je einen schneebedeckten Berg in Afrika: Die Queen den Mount Kenya und der deutsche Kaiser den Kilimandscharo.
Bereits einige Jahre nach der Entdeckung durch den Missionar Rebmann begann ein wahrer Ansturm auf den Vulkan. Bergsteiger und Wissenschaftler wollten auf den Gipfel. In den Jahren 1861 bis 1888 scheiterten alle Versuche einer Erstbesteigung bereits in einer Höhe von 4000 bis 5000 Metern. Im Jahr 1887 erreichte Hans Meyer, Geografieprofessor in Leipzig, die Höhe von 5500 Metern. Am 6. Oktober 1889 gelang ihm schließlich gemeinsam mit dem österreichischen Bergsteiger L. Purtscheller die Besteigung. Sie nannten den Gipfel “Kaiser Wilhelm Spitze“.
Da Deutsche den Berg entdeckt, ihn erforscht und auch erstmals bestiegen hatten, war es in der damaligen Zeit selbstverständlich, dass sie dessen höchsten Gipfel als Kaiser Wilhelm Spitze bezeichneten. Von der tansanischen Regierung wurde er später in “Uhuru Peak“ umbenannt, was soviel wie “Freiheitsgipfel“ bedeutet.
Heute schätzen die meisten Bergtouristen die so genannte “Machame Route“ als die schönste und spektakulärste Kilimandscharo-Besteigung – sie führt durch tropische Bergregenwälder zum schneebedeckten Gipfel.
Leben am Berg
Das gesamte Kilimandscharo-Gebiet oberhalb von 2000 Metern bildet seit dem Jahr 1973 den “Kilimandscharo National Park“. Dieser Park wurde 1977 offiziell eröffnet und umfasst mit 756 Quadratkilometern Fläche das Moorland, die Hochlandzonen und das Shira-Plateau sowie die Gipfel Kibo und Mawenzi. Ziel ist es, die Landschaft mit ihren Pflanzen, Tieren und Menschen rund um den Kilimandscharo zu schützen. Das Vulkanmassiv selbst hat auch große Beutung für die Völker, die am Fuße des Berges leben – für die Massai ist der Berg zum Beispiel das Haus Gottes.
Über die Trockensavanne erreicht man bei 1000 bis 1200 Metern den so genannten “Kaffee-Bananen-Wald“, einen Kulturwald der dort intensiv Landwirtschaft treibenden Kleinbauern. In den Wäldern zwischen 1500 und 2500 Metern Höhe finden sich Eukalyptus- und Nadelhölzer. Bei etwa 2000 Metern beginnt die Schutzzone. Bis 2800 Meter wächst ein feucht-tropischer Berg- und Nebelwald. In dieser Region fallen 95 Prozent des Gesamtniederschlags am Kilimandscharo. Über weite Strecken ist der Boden hier mit Bärlapp- und Moosfarnarten bedeckt, an den Bäumen wachsen Bartflechten.
Ab 3000 Meter Höhe erstreckt sich oberhalb der Waldgrenze das afro-alpine Grasland. In der am Kilimandscharo deutlich getrennten Heide- und Moorlandzone wachsen meterhohe Baumheiden der Gattung Erica und bis zu fünf Meter hohe Kreuzkräuter (Senecio kilimanjarica) sowie bis zu drei Meter hohe Lobelien (Lobelia burtii).
Ab 4000 Meter erreicht man die Fels- und Frostschuttregion. Die Temperaturen schwanken hier extrem. Minusgrade in den Nächten und bis zu 40 Grad Celsius am Tag sind “normal“. Infolge der extremen Temperaturwechsel tritt in dieser Region das so genannte Bodenfließen (Solifluktion) auf. Mit Wasser durchsetzter Schutt, der in der Nacht gefroren ist, bewegt sich nach dem Auftauen am Tag langsam bergab. Den Pflanzen erschwert dies, ein weitreichendes Wurzelwerk auszubilden. Dennoch wachsen etwa 50 verschiedene Pflanzenarten in dieser Zone, meist Moose und Flechten.
Bei 4600 bis 4700 Meter Höhe beginnt die nivale Stufe des Vulkans, die Schnee- und Gletscherregion des Kibo. Die einzige Pflanze, die über 4900 Meter vorkommt, ist die Krustenflechte, die nur einen Millimeter pro Jahr wächst und mehrere hundert Jahre alt werden kann.
Im Moorland um den Kilimandscharo behaupten sich unter den Säugetieren vor allem Ratten und Mäuse. Die Vogelwelt ist dafür umso artenreicher, unter anderem leben hier Mauersegler und Lämmergeier. Größere Säugetiere wie Servale, Hyänen, Büffel und Elefanten tauchen dagegen sehr selten auf. Auch Leoparden wurden schon gesichtet, sogar bis über die Schneegrenze hinaus. Im Jahr 1926 wurde der in Eis eingefrorene Kadaver eines Leoparden nördlich von Gillman's Point in fast 5600 Metern Höhe gefunden. Gelegentlich werden auch am Kraterrand, neben den vielen Spuren der Bergfreunde aus aller Welt, noch Tierfährten entdeckt.




