Kleine Inseln – große Vielfalt
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Kleine Inseln – große Vielfalt

Bild: Foto: Roman Eisele, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Malta und Gozo erfreuen sich wachsender Beliebtheit als Reiseziel der Deutschen. Denn in Malta und Gozo gibt es mehr zu entdecken als Komfort und mediterrane Küche.

Valletta


Ein Muss für alle Kulturfans ist Maltas Hauptstadt Valletta (www.visitvalletta.com), benannt nach dem französischen Johanniter-Großmeister Jean Parisot de la Valette, der die Verteidigung der Inseln während der Großen Belagerung 1565 leitete. Die gesamte Stadt zählt zum Weltkulturerbe der UNESCO, hat ihre Kandidatur als Kulturhauptstadt Europas 2018 eingereicht (www.valletta2018.org) und auf ihren knapp 1 km² Gesamtfläche erstaunlich viel zu bieten. Die St. John’s Co-Cathedral, 1573 erbaut vom ersten maltesischen Architekten Gerolamo Cassar, setzt jeden Besucher in Erstaunen: Das reich geschmückte Innere der Kirche kontrastiert mit der eher nüchternen, festungsartigen Fassade. Im Oratorium befindet sich das wertvollste Gemälde der Insel, die “Enthauptung Johannes des Täufers” des italienischen Meisters Caravaggio.

Auf keinen Fall verpassen sollte der Besucher Vallettas den Großmeisterpalast, Sitz des maltesischen Parlaments, das barocke Manoel Theatre, das Nationalmuseum für Archäologie und das Centre for Creativity im St. James Cavalier. Vom Upper und Lower Baracca Garden genießt man einen wunderbaren Blick über den Grand Harbour, den größten Naturhafen Europas, und auf die gegenüberliegenden Three Cities Vittoriosa, Senglea und Cospicua. Diese drei Städte sind wie Valletta von eindrucksvollen Festungsmauern umgeben, die seinerzeit die Johanniter zum Schutz gegen muslimische Angriffe errichtet hatten.

Zum Shoppen laden die Republic und die Merchant Street in Valletta ein. Am Abend und bis in die Nacht ziehen neue Bars, Restaurants und Cafés ein unternehmungslustiges Publikum an. Am Kreuzfahrtterminal Valletta Waterfront (www.vallettawaterfront.com) finden sich zahlreiche angesagte Bars und Restaurants.

Wer es etwas ruhiger mag, sollte sich nach Mdina, der alten Hauptstadt und dem ehemaligen Adelssitz Maltas, begeben. Die sogenannte “stille Stadt” (“the Silent City”) ist für den öffentlichen Straßenverkehr gesperrt und hat von ihrem mittelalterlichen Charme bis heute wenig verloren. Mdina liegt auf einem der höchsten Punkte Maltas, ist ebenfalls von einer Festungsmauer umgeben und bietet den wohl besten Blick über die Insel. Ein Besuch der stillen Stadt lohnt vor allem in der Abenddämmerung, wenn die Paläste und St. Paul’s Kathedrale bereits stimmungsvoll beleuchtet sind und in den schmalen Gassen der Geist vergangener Zeiten erwacht.

Gozo und Comino: Maltas kleine Schwestern

Maltas kleine Schwester Gozo gilt als “grüne Insel” des Archipels und besticht vor allem durch seine reizvolle, ursprüngliche Natur und hügelige Landschaft. Von der hoch gelegenen Zitadelle der Hauptstadt Rabat (auch Victoria genannt) hat der Besucher einen sehr schönen Blick über Gozo und kann bei klarer Sicht bis nach Malta schauen. Zu den schönsten Sehenswürdigkeiten Gozos gehört das sogenannte Azure Window (“Blaues Fenster”) im Westen der Insel, ein natürlich entstandener, 20 Meter hoher Felsbogen im Meer.

Gozo trägt den Beinahmen “Insel der Calypso”, denn der Legende nach soll die schöne Nymphe sieben Jahre lang Odysseus in ihrer Höhle im Norden Gozos gefangen gehalten haben. Vom Höhleneingang aus genießt man außerdem einen wunderschönen Blick über das türkisblaue Meer und den nahegelegenen Strand Ramla Bay.

Auf dem winzigen Eiland Comino leben gerade einmal vier Menschen. Die Insel eignet sich für ausgedehnte Spaziergänge, ihre Hauptattraktion ist jedoch die „Blue Lagoon“, eine Bucht mit flachem Wasser, das in der Sonne türkis leuchtet.

Geschichte

Malta ist bekannt für seine archäologischen Schätze, die zu den interessantesten der Welt gehören. Erste Spuren von Leben fanden Forscher in der Höhle Ghar Dalam, die eine Vielzahl fossiler Knochen von Zwergelefanten, Nilpferden und Riesenschildkröten aus dem Pleistozän birgt. Die ersten Menschen ließen sich um 5000 v. Chr. auf Malta nieder und kamen höchstwahrscheinlich aus dem 90 km entfernten Sizilien.

Etwa 1000 Jahre später entstanden auf Malta die ersten von insgesamt über 20 Tempelanlagen. Der Ggantija Tempel auf Gozo gilt als das älteste freistehende Bauwerk der Welt: Er entstand etwa 3500 v. Chr. und ist somit noch älter als die Pyramiden in Ägypten! Der Megalithtempel, von 1816 bis 1820 ausgegraben, besteht aus zwei Teilen, die von einer Mauer umgeben sind und eine gemeinsame Fassade besitzen.

Eine ähnliche Form weisen die Tempel aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. auf der Hauptinsel auf: Hagar Qim und Mnajdra im Süden Maltas bestehen aus getrennten, ovalen Räumen und werden von gigantischen Steinblöcken umsäumt, von denen der größte sieben Meter hoch ist und stolze 20 Tonnen wiegt. Der Tempel von Tarxien im Südosten Maltas zeichnet sich vor allem durch seine in die Steinblöcke gravierten Spiralmuster und Tierreliefs aus.

Einzigartig ist das Hypogäum von Hal Saflieni in Paola: Die Grab- und Tempelanlage ist etwa 5000 Jahre alt, liegt zwölf Meter unter der Erdoberfläche und besteht aus einem Netzwerk von Gängen und Kammern auf drei Etagen. Forscher entdeckten die unterirdische Anlage 1902 und fanden dort Tausende von Skeletten.

Als äußerst mysteriös gelten die Karrenspuren, die in den felsigen Landschaftsteilen Maltas und besonders auffällig nahe der Dingli Klippen auszumachen sind. Archäologen datieren sie auf die Bronzezeit. Über die Herkunft der parallelen Einschürfungen, die sogar Gabelungen aufweisen und an Gleisanlagen von Rangierbahnhöfen erinnern (daher auch der Beiname “Schleifspuren von Clapham Junction”, dem Londoner Rangierbahnhof), streiten sich die Forscher allerdings noch. Die Theorien reichen von Transportwegen für Schleifkarren mit Steinkufen bis hin zu Bewässerungskanälen oder – laut Erich von Däniken – Spuren von Außerirdischen.

Landschaft


Faszinierende Klippen und Steilküsten sowie blau-grünes Meer - das sind die ersten Eindrücke von Malta. Im Frühling grünt und blüht es in allen Farben auf Malta und Gozo. Selten dagegen sind auf Malta Wälder. Den fehlenden Baumbestand “verdankt” das Land den Römern: Sie entwaldeten die Insel weitgehend, um das Holz zum Bauen von Schiffen zu nutzen. Immerhin gibt es dennoch zwei kleine “Wälder” auf Malta, den Buskett Garden südlich von Rabat und den nahe Xemxija/St. Paul’s Bay gelegenen Il-Mizieb.


Das Erscheinungsbild der Inseln prägt vor allem der Sandstein (Globigerinenkalk). Maltas einziger Rohstoff dient als Baumaterial und verleiht den Häusern seine typische ockergelbe Farbe. Malta ist mit etwa 1170 Einwohnern pro km² das dichtbesiedelteste Land Europas. Der (Nord-) Westen Maltas dagegen ist nicht nur dünner besiedelt, sondern auch landschaftlich besonders reizvoll. Während sich an der Nordseite der Insel hauptsächlich flache, tief eingeschnittene Küsten mit Naturhäfen befinden, erstrecken sich entlang der Südküste steile Klippen (Dingli Cliffs, St. Thomas Bay).

Freizeitmöglichkeiten

Malta ist eine Insel der Buchten und kleinen Strände. Beliebte Sandstrände sind vor allem die Golden Bay im Westen und die Pretty Bay im Osten der Hauptinsel. Wer die Ungestörtheit einer abgeschiedenen Bucht bevorzugt, dem sind kleinere Strände (z. B. Ghajn Tuffieha oder Gnejna Bay bei Mgarr) oder eine der zahlreichen versteckten Felsbuchten (z. B. Peter’s Pool bei Delimara) zu empfehlen.

Den schönsten Sandstrand hat Gozo zu bieten: Der Sand des idyllisch gelegenen Ramla Bay leuchtet sogar Orangerot in der Sonne. Maltas wohl berühmteste Badebucht ist die Blue Lagoon auf Comino. Die Blaue Lagune wird ihrem Namen gerecht: Das Wasser ist glasklar und türkisblau. Zahlreiche Bootstouren-Veranstalter fahren von Malta aus die Blaue Lagune und andere versteckte Badebuchten an.

Malta und Gozo sind auch ein Dorado für Taucher: Kristallklares Wasser, eine vielfältige Mittelmeer-Fauna, Steilwände sowie Höhlen und Grotten werden jeden Unterwasserfreund begeistern. Dabei eignen sich viele Tauchreviere auch für Anfänger. Es gibt mehrere deutschsprachige Tauchbasen auf beiden Inseln, wo das Tauchen von der Pike auf erlernt werden kann.

Nachtleben und Veranstaltungen

Das Nachtleben von Valletta hat sich in den letzten Jahren prächtig entwickelt. Das Nachtviertel Maltas heißt nach wie vor Paceville und befindet sich in St. Julians. Hier reihen sich zahlreiche Bars, Clubs und Diskotheken aneinander und bieten für jeden Geschmack etwas. Maltas Kulturkalender ist das ganze Jahr über mit Veranstaltungen und Festen gefüllt. Inselbesucher sollten von Ende Mai bis September auf keinen Fall Maltas "Festa-Saison“ versäumen. In diesem Zeitraum ehren die Dörfer und Städte ihre Heiligen mit Prozessionen, Blasmusik und atemberaubenden Feuerwerken.

Zu den zahlreichen Festivals, die auf Malta stattfinden, gehören das Malta Jazzfestival (www.maltajazzfestival.org), Notte Bianca (www.nottebiancamalta.com) Isle of MTV und das Malta International Fireworks Festival. Einen ausführlichen Veranstaltungskalender findet man unter www.visitmalta.com (hier: Veranstaltungen).

Küche


Maltas Küche ist zwar stark beeinflusst von der italienischen (d. h. viel Pasta und Pizza), doch hat sich eine originale und eigenständige Mittelmeerküche mit typisch maltesische Köstlichkeiten entwickelt, die zahlreiche Restaurants (www.restaurantsmalta.com) anbieten. Auf keinen Fall verpassen sollten Besucher hobz biz-zejt: Mit Tomatenmark und Olivenöl bestrichenes knuspriges Weizenbrot, das mit Thunfisch, Oliven, Kapern oder gbejna, dem original Gozo-Käse aus Ziegen- bzw. Schafsmilch, serviert wird. An fast jeder Ecke kann man außerdem die sogenannten Pastizzi kaufen, Blätterteigtaschen, die mit Ricotta-Käse oder Erbsen (piselli) gefüllt sind.

Fischesser sind bei Maltas reichhaltigem Fischangebot bestens bedient: Der “Nationalfisch” der Insel heißt Lampuki und wird meist mit Oliven, Kapern und mediterranen Gewürzen verfeinert. Auf jeder Speisekarte findet man Cerna (Barsch) und Dentici (Zahnbrasse). Den frischesten und preiswertesten Fisch bekommt man in den zahlreichen Restaurants im Fischerdorf Marsaxlokk im Osten der Insel. (Tipp: Im Sommer sind hier die Preise abends niedriger.)

Auch Schleckermäuler kommen in Malta auf ihre Kosten: Viele Cafés haben eine gute Auswahl an Gebäck und Kuchen. Bekannt für sein Kuchensortiment und seinen einzigartigen Ausblick ist das Fontanella in Mdina. Das Café besitzt eine Terrasse direkt an der Festungsmauer, von wo aus man fast die gesamte Insel überblicken kann. Zum tollen Ausblick gibt’s Riesenmilchshakes, Cappuccino für ein paar Cent und einen Schokoladenkuchen, den man nicht so schnell vergisst...

Einzigartig ist auch Maltas Nationalgetränk Kinnie, das aus Orangenbitterschalen und Wermutkräutern hergestellt wird. Malta braut sein eigenes Bier (z. B. Hop Leaf, Cisk und Löwenbräu), und die beiden größten Weinkellereien der Insel, Marsovin und Delicata, haben einige hervorragende Weine im Angebot.

Checkliste


Reisezeit: Wer sich für Kultur interessiert und auf Entdeckungstouren gehen möchte, kann seine Reise nach Malta für das Frühjahr bis in den späten Herbst hinein planen. Oft ist es im November noch sommerlich warm. Von Ende März bis Anfang Juni ist das Gros der Urlauber noch nicht eingetroffen. Außerdem ist das Klima auf den Inseln sehr angenehm: Acht Sonnenstunden täglich, milde bis warme Temperaturen (etwa 20 bis 25 Grad) und wenig Niederschlag garantieren ideales Sightseeing-Wetter. Im Frühling präsentieren sich die Inseln farbenfroh: Wiesen und Felder sind von einem Blütenmeer überzogen, Klatschmohnwiesen und Löwenzahnteppiche leuchten unter mediterran blauem Himmel. Ab Mai erreicht die Wassertemperatur bereits die 20 Grad-Marke; bis Oktober ist das Meer durchschnittlich noch 22 Grad warm. Im Oktober und November ist die Lufttemperatur noch recht hoch, allerdings fällt in diesen Monaten auch der meiste Regen.

Kirche: Der katholische Glaube ist auf Malta allgegenwärtig: 98% der Malteser sind Katholiken, die Insel besitzt 365 (!) Kirchen. Die von der Kirche vorgegebenen Moralvorstellungen spielen eine große Rolle auf der Insel. Das heißt für die Gäste des Landes: dezente Kleidung und kein FKK an den Stränden. Bei Besichtigungen von heiligen Stätten sollten Schultern und Knie stets bedeckt sein.

Sprache: Maltesisch ist ein Gemisch aus Arabisch und Italienisch und die einzige semitische Sprache, die in römischen Lettern geschrieben wird. Aufgrund der langen Besatzung durch die Briten (1802 bis 1964) sprechen fast alle Malteser auch fließend Englisch. Und dank des italienischen Fernsehens versteht ein Großteil der Bevölkerung auch die Sprache des nördlichen Nachbarlandes.

Autofahren: Auf Malta herrscht Linksverkehr. Der öffentliche Nahverkehr ist gut ausgebaut und günstig. Seit Kurzem haben moderne, klimatisierte Busse (www.arriva.com.mt) die Oldtimer-Busse verdrängt. Auf Gozo ist ein Mietwagen zu empfehlen. Gut ausgebaut ist auch der Fährverkehr zwischen Malta und Gozo (www.gozochannel.com).

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