Klima-Erwärmung: In den Winterurlaub ohne Winter?
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Klima-Erwärmung: In den Winterurlaub ohne Winter?

Bild: Foto: 4028mdk09, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Viele Skigebiete mussten den Saisonstart 2015 kurz vor Weihnachten angesichts fehlenden Naturschnees und hoher Temperaturen verschieben – wieder einmal. Auch wenn dieser Winter Zahlen des Deutschen Wetterdienstes zufolge mit dem mit Abstand wärmsten Dezember seit Beginn der flächendeckenden Messungen begonnen hat, ist der Schneemangel gerade um Weihnachten herum in den Skigebieten nichts Neues.

Viele Skigebiete mussten den Saisonstart 2015 kurz vor Weihnachten angesichts fehlenden Naturschnees und hoher Temperaturen verschieben – wieder einmal. Auch wenn dieser Winter Zahlen des Deutschen Wetterdienstes zufolge mit dem mit Abstand wärmsten Dezember seit Beginn der flächendeckenden Messungen begonnen hat, ist der Schneemangel gerade um Weihnachten herum in den Skigebieten nichts Neues.

In der Vergangenheit mussten Pistenbetreiber immer wieder auf Kunstschnee zurückgreifen, um die Pisten überhaupt befahrbar zu machen. Oft war es aber selbst für die Schneekanonen zu warm, wie auch dieses Mal. Für die Wintersportorte ist das ein großes Problem. Denn viele Gebiete sind auf das Geschäft mit den Ski- und Snowboardtouristen angewiesen.

Ausgerechnet die schneeunsicheren Monate sind laut Deutschem Skiverband die bedeutendsten des Jahres. Im Weihnachtsgeschäft erwirtschaften die Tourismusorte bis zu 30 Prozent der Umsätze des gesamten Winters. Wenn aber kein Schnee liegt, bleiben insbesondere die potenziellen Last Minute-Bucher sowie Tagesgäste lieber Zuhause. Und Urlauber, die lange im Voraus geplant haben, sind enttäuscht.

Saisongeschäft als Auslaufmodell

Um trotzdem attraktiv zu bleiben, müssen sich die Tourismusverbände etwas einfallen lassen. In der Not besinnen sich inzwischen viele auf die Werte ihrer Region jenseits blütenweiß beschneiter Pisten. Listen mit alternativen Unternehmungsmöglichkeiten sollen die Touristen bei Laune halten. Und so wirbt man statt mit Schneesicherheit nun mit kulturellen Sehenswürdigkeiten und schönen Wanderwegen, bietet Kutschfahrten an und setzt die Sommerrodelbahn in Gang. Oder wie wäre es mit einer Runde Rollski? Die gibt es inzwischen vielerorts zu leihen – eine gute Alternative für Langlauf-Fans.

Gerade angesichts der Klimaerwärmung steht das Credo der Stunde ohnehin eigentlich fest: Wer als Urlaubsort zwischen deutschem Mittelgebirge und Alpenraum Bestand haben will, muss seine saisonale Abhängigkeit verringern und auf Ganzjahrestourismus umstellen. Wie wichtig neben dem Fokus auf den Wintersport auch Aktivitätsmöglichkeiten ohne Schnee seien, betont etwa der Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte e. V. (VDS): „Das Augenmerk der Betreiber liegt auch auf den Sommeranlagen. Auf diese Weise können die Seilbahnen das ganze Jahr hindurch aktive Erholung bieten.“

Schnee bleibt Existenzgrundlage

Trotzdem sind die Skitouristen für viele Regionen schlicht zu wertvoll, um sie ganz aufzugeben. Wirtschaftlich gebe es keine annähernd gleichwertige Alternative, heißt es vom VDS: „Schnee ist und bleibt die Existenzgrundlage des Wintertourismus“, sagt der Präsident des Vereins Peter Huber.

Den Tourismus wie gehabt aufrecht zu erhalten, dürfte für viele Skiorte in den nächsten Jahrzehnten aber immer schwieriger werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des unter anderem von der Europäischen Union geförderten „ToPDAd“-Projekts, die mögliche Effekte des Klimawandels auf die Skigebiete in Europa untersucht hat.

Laut diesen Simulationen werden Ski- und Snowboard-Fans ihren Sport künftig immer öfter in höher oder nördlicher gelegenen Urlaubsorten ausüben müssen. Durch solche notgedrungenen Veränderungen bei der Urlaubsplanung büßen viele Regionen Übernachtungen ein. Am stärksten davon betroffen sind Gebiete in den südlichen Teilen der Alpen, zum Beispiel in Frankreich und Italien. Nördlicheren Regionen wie Skandinavien drohen im Vergleich weniger Verluste.

Teure Technik soll Pisten retten

Diesem Schreckensszenario wollen die Skigebiete mit teurer Technik entgegenwirken. Fehlender Naturschnee soll durch Investitionen in hochmoderne Beschneiungsanlagen kompensiert werden. Denn dank ausgefeilter Technik kann man Kunstschnee mittlerweile sogar bei Plusgraden rieseln lassen. Möglich machen das Bakterienproteine, die die Nukleationstemperatur des Wassers erhöhen, also jene Temperatur, bei der sich Wasser in Eis umwandelt.

Die Sache hat aber einen Haken: Solche Anlagen sind nicht nur in der Anschaffung extrem teuer. Die Erzeugung von Kunstschnee verbraucht auch jede Menge Wasser und Energie. Für einen Kubikmeter Schnee werden im Schnitt drei bis fünf Kilowattstunden Strom benötigt. Umweltschützer kritisieren den Einsatz der Technik nicht nur deshalb. Sie bemängeln auch, dass Tiere unter dem Lärm der Schneekanonen leiden. Zudem erstickten viele Pflanzen unter dem kompakten technischen Schnee.

Also doch lieber Rollskifahren? Wer darauf keine Lust hat und auf möglichst viel Naturschnee fahren will, dem bleibt wohl nur eins: In Gletschernähe buchen – solange es sie noch gibt.

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