Das Land
Die Republik Lettland ist ein eiszeitlich geformtes, im Moränenbereich sehr hügeliges Land. Höchste Erhebung ist der Gaising (310 m) in den Livländischen Höhen im Osten des Landes. Kennzeichnend für die Landesnatur sind die rund 1000 Seen, die zahlreichen Moore und die ausgedehnten Wälder, die fast ein Drittel des Landes bedecken.
Nur wenig mehr als die Hälfte (55 %) der Bevölkerung sind Letten. Im Rahmen der Russifizierung wurden nach dem Zweiten Weltkrieg in großer Zahl Russen angesiedelt, die heute knapp ein Drittel (32,5 %) der Bevölkerung stellen. Außerdem leben noch 4 % Weißrussen, 3 % Ukrainer und 2 % Polen im Land.
Die Minderheitenpolitik der lettischen Regierung führte immer wieder zu innenpolitischen Kontroversen und zu Verstimmungen mit Russland. In dem Bestreben, die lettische Identität des Staates, wie er bis 1940 bestand, wiederherzustellen und die lettische Sprache zu fördern (Sprachengesetz 2000), wurden die meisten Nicht-Letten nach der Wiederherstellung der Souveränität von der Staatsbürgerschaft und damit dem Wahlrecht (vorerst) ausgeschlossen. Die Einbürgerung von Personen und Familien, die vor 1940 keine lettischen Staatsbürger waren, wurde nach dem Staatsbürgerschaftsgesetz von 1994 von bestimmten Voraussetzungen abhängig gemacht, z. B. das Alter, Sprachkenntnisse, Verzicht auf doppelte Staatsbürgerschaft, feste Arbeitsstelle.
Die Landwirtschaft Lettlands, ehemals die wirtschaftliche Basis des Landes, spielt heute nur noch eine untergeordnete Rolle, obgleich fast zwei Drittel des lettischen Territoriums genutzt werden und Mitte der 1990er Jahre noch 18 % der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft arbeiteten. Von Bedeutung ist dagegen der Fischfang - vor allem Sprotten und Heringe - und vor allem die äußerst vielseitige Industrie, die jedoch in hohem Maße mit der sowjetischen Wirtschaft verflochten war. Wichtigste Branchen sind der (allerdings an Bedeutung verlierende) Maschinen- und Fahrzeugbau; weitere wichtige Zweige sind Holzverarbeitung, chemische, elektrotechnische und Nahrungsmittelindustrie. Der Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft brachte große wirtschaftliche Schwierigkeiten mit sich. 1996 setzte aber ein Wirtschaftaufschwung ein, der sich Ende der 1990er Jahre verstärkte, aber 1999 infolge der russischen Finanzkrise einen Dämpfer erhielt. Lettland strebt eine EU-Mitgliedschaft an; 1995 trat ein Assoziierungsabkommen in Kraft, und 2000 wurden Beitrittsverhandlungen aufgenommen. 2004 wurde Lettland Mitglied von NATO und EU.
Geschichte
Der Deutsche Orden kolonisierte das Land seit Anfang des 13. Jahrhunderts und verbündete sich im Mittelalter gegen Russland mit Polen. Während das "überdünische Livland" zunächst an das polnisch-litauische Reich und danach an Schweden überging, konnte zumindest das südlich der Düna gelegene Gebiet als Lehen - Herzogtum Kurland und Semgallen - gesichert werden. Zar Peter dem Großen gelang es, die livländische Ritterschaft zu unterwerfen, und Zarin Katharina II. sicherte sich bei einer der Teilungen Polens Kurland. Da Lettgallen bereits mit der ersten Teilung Polens 1772 an Russland gefallen war, stand jetzt ganz Lettland unter russischer Herrschaft.
Vom Machtwechsel der Herrscher unberührt, lebte die lettische Bevölkerung bis ins 19. Jahrhundert weiter als Leibeigene der deutsch-baltischen Rittergutsbesitzer. Auch die Städte waren deutsch geprägt. Mit Beginn der Industrialisierung Ende des 19. Jahrhunderts nahm die Bedeutung der lettischen Bevölkerung in den Städten zu. Die nationale Unterdrückung seitens des Zaren und die soziale Benachteiligung durch die deutsch-baltischen Großgrundbesitzer trieb Teile der Letten in der ersten russischen Revolution von 1905 auf die Seite der russischen Revolutionäre.
Nach dem Sturz des Zaren 1917 begannen die Letten erneut um ihre nationale Unabhängigkeit zu streiten. Nach langen Kämpfen erreichte Lettland 1920 die Unabhängigkeit, jedoch nur für kurze Zeit. Als Resultat des Hitler-Stalin-Paktes wurde Lettland 1940 an die Sowjetunion angeschlossen.
Nach 1945 wandelten die Sowjets das ehemals agrarisch geprägte Land in eine moderne Industrieregion um. So war z. B. der Grad der Industrialisierung und der Verkehrserschließung von Lettland weit höher als der sowjetische Durchschnitt. Allerdings profitierten die Letten nicht vom Reichtum ihrer Republik. Im Rahmen der sowjetischen Wirtschaftsplanung musste der größte Teil der Fertigprodukte in die anderen Sowjetrepubliken "exportiert" werden.
Der Weg in die Unabhängigkeit
Die Reformpolitik unter M. Gorbatschow ermöglichte auch in Lettland Ende der 1980er Jahre erstmals wieder nationale Bestrebungen. Das verstärkte Streben nach Unabhängigkeit seit 1989 führte zu Konflikten mit Moskau. Doch nach dem Scheitern des Putsches in Moskau wurde dann die Unabhängigkeit am 21.08.1991 endgültig in Kraft gesetzt und am 6.09.1991 anerkannt.
Lettland: Daten und Fakten
| Das Land | |
| Lage | Osteuropa; zwischen 55° 30' und 58° 04' nördlicher Breite sowie 21° und 28' 12' östlicher Länge |
| Grenzen | Im N Estland, im O Russland, im S Weißrussland und Litauen, im W Ostsee |
| Zeitzone | MEZ +1 Stunde |
| Fläche | 64 589 km2 (44 % Wald, 43 % Acker- und Weideland) |
| Ausdehnung | W-O 450 km, N-S 200 km |
| Landesnatur | Eiszeitlich geformtes Land mit Hügellandschaften und Ebenen; zahlreiche Moore und Seen; Flachküste mit Dünen |
| Höchster Punkt | Gaising 310 m |
| Gewässer | Daugava (Düna), Gauja, Lielupe |
| Klima | Gemäßigtes Klima, nach O zunehmend kontinental; Riga 5,6 °C/566 mm |
| Sehenswürdigkeiten | Düna; Gauja-Nationalpark; Altstadt von Riga |
| Die Menschen | |
| Bevölkerung | 2,406 Mio. Ew. (58 % Letten, 33 % Russen, 4 % Weißrussen, 2 % Ukrainer, 2 % Polen, 1 % Litauer) |
| Bevölkerungswachstum | -1,5 % |
| Bevölkerungsdichte | 37 Ew./km2 |
| Stadtbevölkerung | 74 % |
| Analphabetismus | 1 % |
| Geburtenziffer | 0,8 % |
| Sterbeziffer | 1,4 % |
| Lebenserwartung | Frauen 76 Jahre, Männer 64 Jahre |
| Religion | Evangelisch-lutherische Kirche, römisch-katholische Kirche |
| Sprache | Lettisch; Russisch |
| Wichtige Städte | Daugavpils (Dünaburg), Liepaja (Libau), Jelgava, Jurmala, Ventspils (Windau) |
| Wirtschaft | |
| Währung | 1 Lats = 100 Santims |
| Bruttoinlandsprodukt | 6,396 Mrd. US-$ |
| BSP je Einwohner | 2430 US-$ |
| Anteil der Wirschaftssektoren am BIP | Landwirtschaft 5 %, Industrie 29 %, Dienstleistungen 66 % |
| Erwerbstätige | Landwirtschaft 18 %, Industrie 26 %, Dienstleistungen 56 % |
| Arbeitslosigkeit | 9,1 % |
| Inflationsrate | 2,4 % |
| Importgüter | Maschinen, elektrische Ausrüstungen, chemische Produkte, Transportmittel, Nahrungsmittel, Textilien |
| Exportgüter | Holz und -produkte, Textilien, Rohmetalle |
| Handelspartner | Deutschland, Russland, Großbritannien, Finnland, Schweden, Litauen, Estland |
| Eisenbahn | 2413 km (271 km elektrifiziert) |
| Straßen | 59178 km |
| Staat | |
| Amtlicher Name | Republik Lettland; Latvijas Republika |
| Hauptstadt | Riga |
| Regierungsform | Parlamentarische Republik |
| Staatsoberhaupt | Präsident |
| Legislative | Parlament mit 100 alle 4 Jahre gewählten Mitgliedern |
| Verwaltungsgliederung | 26 Distrikte, 7 Stadtverwaltungen |
| Nationalfeiertag | 18. November |
| Geschichte | |
| 1207 | Eroberung durch den Schwertbrüderorden |
| 18 Jh. | Das Land fällt an Russland |
| 1918 (18. Nov.) | Unabhängigkeitserklärung |
| 1934 | Lettland bildet mit Estland und Litauen die Baltische Entente |
| 1940 | Lettland wird Teil der Sowjetunion |
| 1988 | Gründung der Volksfront |
| 1989 | Oppositionelle Parteien werden zugelassen |
| 1990 | Lettland erklärt die Unabhängigkeit |
| 1991 | Das Land erhält die volle Unabhängigkeit und wird Mitglied der UNO |
| 1998 | Einbürgerung der russischen Minderheit wird erleichtert |
| 2000 | Sprachengesetz schränkt die Verwendung des Russischen in der Öffentlichkeit stark ein; Eröffnung der EU-Beitrittsverhandlungen |
| 2004 | Lettland wird Mitglied von NATO und EU |




