Litauen ist die südlichste und größte der drei Baltenrepubliken. Es ist ein eiszeitlich geformtes, nur im Moränenbereich hügeliges Land mit mehr als 3000 Seen, zahlreichen Mooren und lichten Wäldern. Größter Fluss des Landes ist die Memel, die mit einem mehrarmigen Delta in das Kurische Haff der Ostsee mündet. Das Klima ist gemäßigt kontinental.
Die Bevölkerung ist ethnisch wesentlich homogener zusammengesetzt als in den anderen beiden baltischen Republiken Estland und Lettland. Den größten Teil der Bevölkerung stellen mit 81 % die Litauer; außerdem leben noch Russen (8,3 %), Polen (6,9 %), Weißrussen (1,5 %) sowie Ukrainer (1 %) in Litauen. Aufgrund der langen historischen Verbindung mit Polen gehört die Mehrzahl der Litauer der römisch-katholischen Kirche an.
Wirtschaftlich gesehen war die Republik bis 1940 ein reines Agrarland. Noch heute kommt der Landwirtschaft, besonders der Milch- und Fleischerzeugung, große Bedeutung zu. Wichtig ist der Anbau von Zuckerrüben, Flachs, Kartoffeln und Gemüse. Litauen unterhält eine moderne Fischfangflotte. Insgesamt trug der Agrarsektor Ende der 1990er Jahre 10 % zur Wirtschaftsleistung bei. Wichtige Industriezweige sind die Nahrungsmittel-, Holz verarbeitende, Textil- und Elektroindustrie.
Geschichte
Im Gegensatz zu Estland und Lettland, die im Mittelalter über Jahrhunderte hinweg unter der Herrschaft des Deutschen Ordens und anderer Mächte standen, verfügten die litauischen Großfürsten Mitte des 14. Jahrhunderts über ein Reich, das von der Ostsee bis fast nach Moskau reichte und dessen südliche Grenze kurzzeitig am Schwarzen Meer lag. Die 1384 erfolgte Heirat des Großfürsten Jagiello mit Hedwig, der Königin Polens, hatte weit reichende Folgen. Das litauische Herrscherhaus sowie das litauische Volk wurden katholisch und gingen eine über 400 Jahre währende Union mit Polen ein. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der litauische Landesteil erst polnische Provinz und nach der dritten Polnischen Teilung 1795 von Russland besetzt.
Im Ersten Weltkrieg wurde Litauen von deutschen Truppen besetzt. Aus strategischen Gründen förderte der deutsche Oberbefehlshaber die Loslösung von Russland und die Trennung von Polen. Nach einem kurzen Zwischenspiel als Sozialistische Räterepublik Litauen und Weißrussland vertrieben polnische Truppen unter Pilsudski die Rote Armee aus Vilnius und dem umliegenden Gebiet. Die historische Hauptstadt Litauens blieb nach weiteren wechselvollen Kämpfen bis 1939 in polnischem Besitz, während Kaunas provisorische Hauptstadt der neu gebildeten Republik Litauen wurde (1923-1939 mit Memelland). Entsprechend dem geheimen Zusatzprotokoll zum Hitler-Stalin-Pakt vom 28.09.1939 stationierte die Sowjetunion Truppen in Litauen und "half" bei der Regierungsbildung. Im August 1940 wurde das Land zur Sowjetrepublik ernannt.
Die Loslösung von der Sowjetunion
Infolge der Homogenität der Bevölkerung waren die Ausgangsbedingungen für die Forderung nach weit gehender Autonomie im Rahmen der neuen Politik der Perestrojka recht günstig. Im Oktober 1988 wurde die litauische Volksfront "Sajudis" (Bewegung für die Perestrojka) gegründet. Ihre Zielsetzung war zunächst nicht auf die Loslösung von der UdSSR gerichtet, sondern es wurden unter anderem Forderungen nach Zweisprachigkeit auf der Basis der kulturellen Gleichberechtigung und nach wirtschaftlicher Unabhängigkeit erhoben. Dabei konnte sich Sajudis auf die Unterstützung der Bevölkerung verlassen. Die Zahl der Demonstranten wuchs über eine kleine Gruppe am 23.08.1987, die an den Hitler-Stalin-Pakt von 1939 erinnerte, binnen Jahresfrist zu einer Massendemonstration von ungefähr einer Viertelmillion an. Die Unabhängigkeitsbestrebungen gingen danach immer schneller voran, und im März 1990 erklärte Litauen seine Unabhängigkeit. Zum Parlamentspräsidenten wurde Vytautas Landsbergis (Sajudis) gewählt. Die UdSSR reagierte mit einer Wirtschaftsblockade. Nach dem gescheiterten Putsch in Moskau erkannte der sowjetische Staatsrat am 6.09.1991 schließlich die Unabhängigkeit Litauens an. Wirtschaftlich brachte die Selbstständigkeit große Probleme. Durch den Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft ging die Industrieproduktion um die Hälfte zurück, das Volkseinkommen sank drastisch, die Inflationsrate stieg rapide, es herrschte Lebensmittelmangel. Erst Mitte der 1990er Jahre folgte ein zunächst leichter, dann, im Zuge stärkerer Privatisierungen deutlicher Aufschwung, allerdings 1999 mit einem Rückschlag infolge der russischen Finanzkrise. 2004 trat Litauen der EU und der NATO bei.
Litauen: Daten und Fakten
| Das Land | |
| Lage | Osteuropa; zwischen 53° 54' und 56° 24' nördlicher Breite sowie 21° 06' und 26° 54' östlicher Länge |
| Grenzen | Im N Lettland, im O Weißrussland, im S Weißrussland und Polen, im W russische Exklave Kaliningrad und Ostsee |
| Zeitzone | MEZ +1 Stunde |
| Fläche | 65 300 km2 (31 % Wald, 47 % Ackerland, 17 % Wiesen und Weiden) |
| Ausdehnung | O-W 300 km, N-S 250 km |
| Landesnatur | Eiszeitlich geformtes Land, Hügelketten im SO und N, dazwischen Ebenen, Flachküste mit Sanddünen |
| Höchster Punkt | Juozapines (293 m) |
| Gewässer | Memel (Nemunas), Sventoji, Neris |
| Klima | Gemäßigtes, nach O zunehmend kontinentales Klima; Kaunas 6,5 °C/ 625 mm |
| Sehenswürdigkeiten | Altstadt von Vilnius, Wasserburg Trakai; Sanddünen am Kurischen Haff |
| Die Menschen | |
| Bevölkerung | 3,491 Mio. Ew. (81 % Litauer, 8 % Russen, 7 % Polen, 2 % Weißrussen, 1 % Ukrainer) |
| Bevölkerungswachstum | -0,3 % |
| Bevölkerungsdichte | 53 Ew./km2 |
| Stadtbevölkerung | 75 % |
| Analphabetismus | 2 % |
| Geburtenziffer | 1 % |
| Sterbeziffer | 1,2 % |
| Lebenserwartung | Frauen 76 Jahre, Männer 66 Jahre |
| Religion | Römisch-katholische Kirche |
| Sprache | Litauisch; Russisch |
| Wichtige Städte | Kaunas, Klaipeda (Memel), Šiauliai (Schaulen), Paneveschys |
| Wirtschaft | |
| Währung | 1 Litas = 100 Centas |
| Bruttoinlandsprodukt | 10,736 Mrd. US-$ |
| BSP je Einwohner | 2440 US-$ |
| Anteil der Wirschaftssektoren am BIP | Landwirtschaft 10 %, Industrie 33 %, Dienstleistungen 57 % |
| Inflationsrate | 111,5 % (1990-98; 2000:1 %) |
| Importgüter | Maschinen, elektrische Anlagen, Mineralprodukte, Fahrzeuge, chemische Erzeugnisse |
| Exportgüter | Mineralprodukte, Textilien, Textilerzeunisse, Maschinen, chemische Erzeugnisse |
| Handelspartner | Russland, Deutschland, Lettland |
| Eisenbahn | 2002 km |
| Straßen | 64 951 km |
| Staat | |
| Amtlicher Name | Republik Litauen; Lietuvos Respublika |
| Hauptstadt | Vilnius (Wilna) |
| Regierungsform | Parlamentarisch-präsidentielle Republik |
| Staatsoberhaupt | Präsident |
| Regierungschef | Ministerpräsident |
| Legislative | Parlament mit 141 Mitgliedern, Wahl alle 4 Jahre |
| Verwaltungsgliederung | 10 Bezirke |
| Nationalfeiertag | 16. Februar |
| Geschichte | |
| 14. Jh. | Litauisches Großreich |
| 1569 | Lubliner Union: Realunion zwischen Litauen und Polen |
| 1918 | (2. Nov.) Unabhängigkeitserklärung |
| 1940 | Litauen wird Teil der UdSSR |
| 1988 | Nationalbewegung (Sajudis) bildet sich |
| 1990 | Litauen erklärt seine Unabhängigkeit |
| 1991 | Sowjetische Truppen werden nach Litauen gesandt; Litauen erlangt die Unabhängigkeit |
| 1992 | Neue Verfassung |
| 2004 | EU- und NATO-Beitritt |
| 2008 | Andrius Kubilius bildet nach den Parlamentswahlen eine Mite-rechts-Koalition |




