Wer die schroffe Inselgruppe bereisen will, steht zuerst vor einer folgenschweren Frage: Erkunde ich das fast 200 Kilometer lange Archipel von vorne oder von hinten? Es geht natürlich beides. Wer vom Norden kommt – mit dem Flugzeug oder der Arktisbahn über Narvik, nimmt am besten ein Mietauto. Soll die Südspitze der schroffen Inselgruppe als Startpunkt dienen, muss man eine Fährfahrt von Bodø nach Moskenes in Kauf nehmen. Der Vorteil: Weiße Sandstrände und pittoreske Fischerdörfer sind nur einen Steinwurf weit entfernt – selbst in Wanderschuhen.
Mitternachtssonne und Nordlichter – geht das gleichzeitig?
Die Hauptsaison auf den Lofoten ist ganz klar der Sommer, von Juni bis August. Für rund zweieinhalb Monate steht die Sonne dann 24/7 über dem Horizont – es herrscht Mitternachtssonne. Jetzt laufen Kreuzfahrtschiffe die Inseln an und Wohnwagen rollen über die filigranen Brücken. Trotzdem wird es nie zu hektisch, denn die Lofoten sind groß und bieten genug Ausweichmöglichkeiten. Wer es noch ruhiger mag, kommt schon im April oder September – mit warmer Kleidung im Gepäck.
Im Winter lockt die Inselkette dann mit Kontrastprogramm: Schneebedeckte Gipfel, grüne Nordlichter und eisverkrustete Bärte. Abgehärtete Abenteurer können Polarlichter jagen oder auf Skiern durch den Puderzuckerschnee pflügen. In der Polarnacht lässt sich die Sonne zwar für einen ganzen Monat nicht blicken, der blendend weiße Schnee sorgt jedoch für eine gewisse Beleuchtung.
Muss man also zweimal im Jahr nach Norwegen fahren um Mitternachtssonne und Polarlicht zu erleben? Höchstwahrscheinlich schon. Die für das Polarlicht verantwortlichen Prozesse laufen zwar auch im Sommer ab, es ist aber viel zu hell, um das farbenfrohe Spektakel zu sehen.
Die Spitze des Fingers
Viele Besucher zieht es zum letzten Fingerknöchel der Inselgruppe, auf die Insel Moskenesøy. Hier ballen sich die Vorzüge der Lofoten auf kleinstem Raum. Mit Zelt und Schlafsack im Gepäck kann der Wanderer hier von einem Strand zum nächsten "springen", auch als Beach-Hopping bekannt. Die drei Strände Bunes, Horseid und Kvalvika reihen sich in bequemen Tagestouren – inklusive Fährfahrt – aneinander und bieten atemberaubende Szenerien.
Wer es gerne gemütlicher mag, fährt bis zum absoluten Ende der Straße. Hier liegt das Dorf mit dem kürzesten Namen der Welt: Å. Fischerei und Stockfische – die traditionelle Spezialität der Lofoten – haben dort ihre eigenen Museen, eine Kostprobe in der Trankocherei inklusive. Ganz in der Nähe, bei dem kleinen Dorf Reine, kann man aber durchaus seine Kondition unter Beweis stellen und auf kurzer, aber steiler Strecke den Reinebringen erklimmen. Die Belohnung ist ein unvergesslicher Ausblick über den Kirkefjord.
Auf Moskenesøy hat man das Ende der Lofoten aber noch nicht ganz erreicht. Jenseits dieses Eilands rieseln die Inseln Værøy und Røst ähnlich zwei Blutstropfen vom Ende des Lofotenfingers. Beide Inseln locken jedes Jahr Scharen von Vogelbeobachtern an ihre Ufer, die mit Fernglas und Spektiv nach Papageientauchern, Sturmschwalben und Wellenläufern suchen.
Fischern und Wikingern auf der Spur
An der Südküste der Lofoten-Inselkette liegen viele der malerischen Fischerdörfer: Henningsvær und Nusfjord sind wahre Publikumsmagneten. Die roten Rorbuer – traditionelle Fischerhütten – von Nusfjord drängen sich auf Stelzen um den kleinen Hafen, von hier werden auch Bootstouren angeboten. Fast ganz Nusfjord ist ein Freilichtmuseum und Touristen können in den kleinen Rorbuer übernachten.
Rund um die Fischerdörfer stehen großflächige Holzgerüste wie Galgen in der Landschaft. In den kalten Monaten trocknet hier der Stockfisch. Schon die Wikinger haben den pergamentartigen, durch das Trocknen haltbar gemachten Kabeljau auf ihren langen Schiffsreisen im Gepäck gehabt. Wer mehr über den Alltag der Wikinger lernen will, besucht am besten das Wikingermuseum in Borg auf der Insel Vestvågøy. Die hier ausgegrabene Siedlung bot mindestens 115 Höfen und 1.800 Menschen Platz. Das Highlight: ein über 80 Meter messendes Langhaus, das nun als Wikingermuseum dient. Beim Axtwerfen, Bogenschießen und Rudern kann man hier seinen inneren Wikinger entdecken.
Fischen: Vom Ufer oder vom Boot
Die Lofoten ragen weit in den Atlantik hinein und ziehen dadurch große Fischschwärme an ihre Küsten – ein wahres Paradies für Meeresangler. Egal, ob kleine Makrelen vom Ufer oder der meterlange Heilbutt auf hoher See, hier beißt alles, fast ohne Köder. Um Seelachs, Pollack und Rotbarsch zu erwischen, mietet man sich entweder ein eigenes Boot oder nutzt einen der zahlreichen Anbieter.
Wer etwas Zeit mitbringt, kann auch mit der Fähre von Moskenes nach Bodø fahren und dort im berühmten Saltstraumen die Angel ins Wasser halten. Der stärkste Gezeitenstrom der Welt erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 40 Kilometern pro Stunde und drückt damit gewaltige Mengen von Fisch durch die Meeresenge. Bei der eigenen Rückreise weiß man dann auch, warum viele zufriedene Touristen große Kühlkisten durch den Flughafen schieben.




