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Mexiko in der Hand der Drogen-Kartelle
Bildquelle nicht angegeben
Reisen

Mexiko in der Hand der Drogen-Kartelle

Gefährlich hingegen ist die Grenzregion zu den USA. Auch entlang der Pazifik- und Atlantikküste führen wichtige Schmuggelrouten für südamerikanisches Kokain – jeweils unter Kontrolle gegnerischer Kartelle. Die Pazifikroute wird vom Sinaloa-Kartell unter Joaquín alias „El Chapo“ Guzmán kontrolliert, einem der…
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Reisen
Artikelbild

Die Drogenkartelle bekämpfen sich bis aufs Blut

Gefährlich hingegen ist die Grenzregion zu den USA. Auch entlang der Pazifik- und Atlantikküste führen wichtige Schmuggelrouten für südamerikanisches Kokain – jeweils unter Kontrolle gegnerischer Kartelle. Die Pazifikroute wird vom Sinaloa-Kartell unter Joaquín alias „El Chapo“ Guzmán kontrolliert, einem der reichsten Männer der Welt laut Forbes-Liste. Die Golfroute ist in der Hand des Golfkartells und der Zetas, zur Mafia übergelaufene, ehemalige Elitesoldaten, die durch besondere Brutalität von sich reden machen.

Die drei bekämpfen sich bis aufs Blut, auch ein paar kleinere Kartelle mischen mit. Weil die Gewalt ausuferte und die Kartelle den Staat bis in höchste Ebenen infiltriert hatten, schickte Präsident Felipe Calderón 2006 die Armee gegen sie in den Krieg. Im Dezember endet die Amtszeit des Konservativen, seine Bilanz ist umstritten. In diesem Jahr sei die Gewalt deutlich zurückgegangen, verkündete die Regierung vor einigen Tagen triumphierend. So seien in Ciudad Juárez, einer der gefährlichsten Städte der Welt, 50 Prozent weniger Morde verübt worden als im Vorjahr. Insider freilich führen das mehr auf die Tatsache zurück, dass das Sinaloa-Kartell die Grenzstadt inzwischen unter seine Kontrolle gebracht hat.

"Mexiko ist ein Paradies für die Mafia"

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Und da liegt das eigentliche Problem: „Mexiko ist ein Paradies für die Mafia“, sagt der Sicherheitsexperte Edgardo Buscaglia. Die Bankenaufsichtsbehörde sei völlig überfordert damit, die vielen verdächtigen Kapitalbewegungen zu überprüfen. Die Abgeordneten seien bei ihrer Wahlkampffinanzierung auf Schwarzgeld angewiesen und drückten beide Augen zu; Geldwäscheverfahren seien selten und basierten wenn überhaupt auf US-Informationen. Sogar die Zahl der Morde wollte die Staatsanwaltschaft vor einigen Monaten geheimhalten, musste dann aber doch dem öffentlichen Druck nachgeben: über 50.000 Menschen kamen seit 2006 gewaltsam ums Leben. 90 Prozent seien ins Organisierte Verbrechen verwickelt, so die Regierung – doch belegen kann sie das nicht. Zwar sind den Leichen oft Bekennerbotschaften und Drohbriefe beigelegt, doch was und wer wirklich hinter den Morden steckt, wird in nicht einmal fünf Prozent aller Fälle aufgeklärt. Weil auch die Journalisten im Kreuzfeuer der Kartelle sind und sich selbst zensieren, kursieren die meisten Informationen über den Drogenkrieg anonym per Blog und twitter.

„Der Krieg hat uns drastisch vor Augen geführt, wie verrottet unser System eigentlich war“

Straffreiheit, Korruption, ein miserables Bildungssystem, Arbeitslosigkeit, Armut und jahrzehntelange staatliche Vernachlässigung  waren der Nährboden für die Gewalt. Der einst so autoritär daherkommende Staat, in dem eine einzige Partei, die PRI, über 70 Jahre lang mit eiserner Faust regierte, ist nach dem Machtwechsel im Jahr 2000 in sich zusammengefallen wie ein Kartenhaus. „Der Krieg hat uns drastisch vor Augen geführt, wie verrottet unser System eigentlich war“, so Pedro Torres, Chefredakteur der Zeitung „El Diario“ aus Ciudad Juárez. Im Dezember übergibt Calderón sein Amt an Enrique Peña Nieto von der PRI. Ob sich dann etwas ändern und endlich Ruhe einkehren wird, wie viele Mexikaner hoffen?

Die PRI gilt als eng verbunden mit den Drogenkartellen, einige ihrer Gouverneure sitzen deshalb im Gefängnis oder stehen vor Gericht. Peña Nieto posierte im Wahlkampf mit einem Drogenhändler, der später in Spanien verhaftet wurde. Die USA, die den Kampf gegen die Drogen-Kartelle finanziell und logistisch unterstützen und Mexikos wichtigster Handelspartner sind, sind entsprechend alarmiert. Den Verdacht, mit der Mafia zu paktieren, will der angehende Präsident deshalb auf keinen Fall aufkommen lassen: „Der Kampf gegen die Kartelle geht weiter“, verkündete Peña Nieto.

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