Mount Cook – der Wolkenstecher
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Mount Cook – der Wolkenstecher

Bild: Foto: Martin Lindner, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Mit 3764 Metern ist der Mount Cook der höchste Berg Neuseelands und etwa genauso hoch wie der Großglockner und andere Alpengipfel. Doch im Gegensatz zu den Dreitausendern der Alpen ziert kein Kreuz den Gipfel des Mount Cook. Das ist auch nicht nötig, denn er zeigt sich mit einem Heiligenschein - einem Kranz aus Wolken. Dieses meteorologische Phänomen ist so oft zu sehen, dass die Ureinwohner Neuseelands, die Maori, dem Berg den Namen “Aorangi“ gaben. Das heißt übersetzt der “Wolkenstecher“.

Der Berg

Mit 3764 Metern ist der Mount Cook der höchste Berg Neuseelands und etwa genauso hoch wie der Großglockner und andere Alpengipfel. Doch im Gegensatz zu den Dreitausendern der Alpen ziert kein Kreuz den Gipfel des Mount Cook. Das ist auch nicht nötig, denn er zeigt sich mit einem Heiligenschein - einem Kranz aus Wolken. Dieses meteorologische Phänomen ist so oft zu sehen, dass die Ureinwohner Neuseelands, die Maori, dem Berg den Namen “Aorangi“ gaben. Das heißt übersetzt der “Wolkenstecher“.

Seinen offiziellen Namen erhielt er vom englischen Weltumsegler James Cook, der im Jahr 1769 die neuseeländische Küstenlinie kartographisch aufnahm und das Land zu britischem Besitz erklärte. Entdeckt wurde Neuseeland allerdings schon 1642 vom niederländischen Seefahrer Abel Tasman. Er gab der Inselgruppe im Südosten von Australien den flämischen Namen “Nieuw Zeelande“.

Der Mount Cook ist Teil der Neuseeländischen Alpen, die sich als Ketten- oder Faltengebirge rund 450 Kilometer über die Südinsel Neuseelands erstrecken. Wie alle Kettengebirge sind auch Neuseelands Alpen das Ergebnis einer Kollision von zwei Lithosphärenplatten - in diesem Fall der Indo-Australischen und der Pazifischen Platte. Neuseeland liegt genau auf der Plattengrenze, und das seit der späten Kreidezeit vor 70 Millionen Jahren. Zuvor war die Inselgruppe noch mit Australien verbunden und Teil des Riesenkontinents Gondwana.

Die Gesteine des Mount Cook wurden einst als sandige Sedimente mit zahlreichen Bruchstücken von Schiefern und anderen Gesteinen am Rand eines Kontinentalschelfs abgelagert. Man bezeichnet diese oft grauen bis graugrünen Sedimentgesteine, die im Fall der Mount Cook-Region während der späteren Gebirgsbildung durch Druck und hohe Temperaturen teilweise noch zu Metamorphiten (von griechisch metamorphein = verwandeln) verändert wurden, als Grauwacken. Seine heutige Form mit scharfen Felsgraten und Karen gaben dem Berg die eiszeitlichen Gletscher. Faszinierend erscheinen auch die heutigen Gletscher im Gebiet um den Mount Cook. Sie reichen zum Teil - wie im Fall des Fox- und des Franz-Josef-Gletschers - bis auf eine Höhe von 300 Metern hinab. Und im Gegensatz zum allgemeinen Trend des weltweiten Gletscherrückzugs stoßen diese beiden Eisströme vor und werden größer.

Gipfelstürmer

Wahrscheinlich hat der Mount Cook einen “Heiligenschein”, weil er erstmals an Weihnachten bestiegen wurde. Am 25. Dezember 1894 erreichten die Neuseeländer Tom Fyfe, George Graham und Jack Clark als erste den Gipfel des Dreitausenders. Wie so oft war bzw. ist des einen Freud des anderen Leid. Denn die Maori, die vor rund Tausend Jahren als polynesisches Volk in Neuseeland einwanderten, sehen in den Bergen der Neuseeländischen Alpen ihre Vorfahren. Die Berge sind damit versteinerte Ahnen der Ureinwohner. Und über allen ragt der Aoraki, der “Häuptling“ der Vorfahren. Auch heute noch denken viele Maori, dass es nicht richtig sei, die “Heiligen Berge“ zu besteigen und den Ahnen auf dem Kopf herumzutrampeln. Hätte sich der berühmteste Neuseeländer, Sir Edmund Hillary, das zu Herzen genommen, wäre er 1953 vielleicht nicht als erster Mensch auf dem Mount Everest gestanden. Denn Mount Cook & Co waren seine steinernen Sparringspartner vor dem Kampf gegen den höchsten Berg der Welt.

Wer den Mount Cook besteigen möchte, sollte dies während der europäischen Wintermonate tun, denn dann ist auf der Südhalbkugel Sommer. Am besten eignen sich die Monate Dezember bis Februar. Da der Berg recht abgeschieden liegt, benötigt man für die ganze Tour etwa eine Woche. Ausgangspunkt ist der Mount Cook-Nationalpark. Schon die Normalroute über den Tasman-Gletscher gilt als ernstzunehmende, hochalpine und recht schwierige Tour in Fels und Eis. Gebietsunkundige Gipfelaspiranten sollten sich daher lieber einem Bergführer anschließen.

Leben am Berg

Der höchste Punkt Neuseelands überragt eine einzigartige Insel- und Pflanzenwelt. Von den 2000 einheimischen Pflanzenarten sind 1500 endemisch, das heißt, sie existieren nirgendwo sonst auf der Erde. Bevor die Besiedlung durch europäische Einwanderer einsetzte, war die vorherrschende Vegetationsform in den tieferen Lagen ein immergrüner Mischwald. An der Westküste der Südinsel gibt es noch einige große Mischwaldbestände. Dort werden auch die meisten einheimischen Hölzer, darunter Kahikatea (Dacrycarpus dacrydioides) und Totara (Podocarpus totara) forstwirtschaftlich genutzt.

In den niedrigeren Höhenlagen der Neuseeländischen Alpen gedeiht die einheimische Scheinbuche (Nothofagus antartica). Die Bestände des als Zierpflanze genutzten Baums werden mit zunehmender Höhe von einer Hochgebirgsvegetation und einer Tussock-Gras-Landschaft abgelöst. Einen typischen Bergwald wie in den Alpen findet man in der Umgebung des Mount Cook nicht. Stattdessen sind hier alpine Pflanzen der Superlative heimisch. Im Sommer kann man die beeindruckende Mount Cook-Lilie bewundern, die immer wieder auch als größte Butterblume der Welt bezeichnet wird. Wie in vielen Hochgebirgen findet man auch in den Neuseeländischen Alpen verschiedene Enzian-Arten und natürlich das Edelweiß.

Im Gegensatz zur Pflanzenwelt Neuseelands ist die Tierwelt - sieht man einmal von den zahlreichen Vogelarten ab - nicht sehr artenreich. Bevor die Europäer die Inseln erreichten, gab es dort lediglich zwei Fledermausarten, Geckos, Brückenechsen und einige Froscharten. Die ersten weißen Siedler fanden Hunde und Ratten vor, die die Maori auf die Insel gebracht hatten. Zu den eingeführten Wildtierarten aus Europa zählen u. a. Wildschweine, Ziegen, Kaninchen und Marder. Da sie hier keine natürlichen Feinde haben, verursachen einige durch starke Vermehrung erhebliche Umweltschäden. Doch das Fehlen von einheimischen Raubtieren war für andere Artgenossen ein Glücksfall: Neuseeland wurde zur Heimat einer großen Zahl von Vogelarten, darunter 23 endemische. Auch straußenähnliche Vögel, die leider inzwischen ausgestorbenen Moas, waren in Neuseeland heimisch. Der bekannteste neuseeländische Vogel ist sicherlich der flugunfähige Kiwi.

Alexander Stahr/Lesestein.de

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