Nordsee-Urlaub mal anders: Auf den Spuren alter Schiffswracks
Reisen

Nordsee-Urlaub mal anders: Auf den Spuren alter Schiffswracks

Bild: Foto: Flocci Nivis, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Holzplanken ragen aus dem schlickigen Boden, ein halbverwitterter Mast zeugt von vergangener Größe: Im Nordsee-Watt kann man noch heute einige alte Schiffswracks besichtigen. Bei Ebbe tauchen sie wie Geisterschiffe aus dem Meer auf. Ihre Geschichte und die geheimnisvollen Relikte selbst kann man bei Wattführungen hautnah erfahren – ein spannendes Urlaubs-Erlebnis.

Die von Sandbänken und Inseln durchsetzten Wattgebiete der Nordsee sind für Schiffe ein gefährliches Gebiet. Wer sich nicht auskennt, ist hier schnell auf Grund gelaufen. Das tückische Terrain wurde früher vielen Schiffen zum Verhängnis – davon zeugen bis heute ihre Wracks. Bei Ebbe gibt das Meer einige dieser gestrandeten Schiffrelikte wieder frei und man kann sie aus der Nähe besichtigen.

Tragödie im Watt

Der Wind jagt die Wolken über das Meer, die verbliebenen Wasserflächen im Watt sind beinahe kabbelig, in den Prielen läuft das Wasser ab. Eine kleine Gruppe von Besuchern marschiert schweren Schrittes durch diese wilde Wattenwelt, scheinbar unterwegs von Irgendwo nach Nirgendwo. Tatsächlich sind sie unterwegs von Amrum nach Föhr und wollen ein Wrack besichtigen: die "City of Bedford".

Nationalpark-Wattführer Dark Blome erzählt ihre Geschichte, während er zwischen den Holzspanten des Unglückschiffes steht: "Die ,City of Bedford´ verunglückte am 2. Februar 1825. Sie war unterwegs von England nach Dänemark und hatte vermutlich Salpeter geladen. Das Schiff geriet jedoch in einen Sturm und konnte offenbar nicht dagegen an manövrieren." Sturm und Strömung trieben Schiff und Besatzung ins Verderben.

Als das Schiff in das Labyrinth aus Prielen und Sandbänken zwischen den Inseln Amrum, Föhr und Sylt getrieben wurde, hatte es keine Chance – ein Freisegeln war nicht mehr möglich. "Drei Seeleute kamen ums Leben, sie sind auf dem Friedhof in Süderende auf Föhr bestattet. Drei Männer der Besatzung und ein Passagier haben das Unglück überlebt", erzählt Blome. Ein paar kümmerliche Überreste des Wracks hier draußen lassen das Schiff erahnen und erinnern an diese Tragödie.

Vor Nordstrand gesunken

Auch im Watt vor Nordstrand liegt ein Wrack, das im Rahmen geführter Touren von Mai bis Ende September besichtigt werden kann: Es geht über die Wattfläche nach Westen, Christine Dethleffsen führt ihre Gruppe bis an den Priel. Links liegt die Hallig Südfall, rechts die Insel Pellworm. Start der Wanderung war Nordstrand. Diese Gegend birgt manches Geheimnis im Wattboden – hier soll einst das legendäre Rungholt untergegangen sein.

Und hier liegt noch mehr: knietief das Wasser im Priel und plötzlich ragen ein paar Holzspanten wie ein Gerippe aus dem Wasser – ein unbekanntes Wrack. "Das gehört zum Bug eines Lastenseglers", berichtet Dethleffsen. "Der lief um das Jahr 1900 hier während eines Sturms auf Grund oder ging unter." Das Wrack liegt quer zum Priel, es geht mal unter und taucht dann wieder auf. "In manchen Jahren kannst Du das Wrack kaum erkennen, dann ist es total eingesandet", so die Wattführerin. "In anderen Jahren liegt es wieder deutlich zu erkennen im Priel – mal zeigt es sich, mal nicht."

Auch die Geschichte dieses Schiffes, den Namen und das genaue Datum der Havarie kennt niemand so genau. Das Schiff soll aber mit Schleusentoren beladen gewesen sein und war unterwegs von Husum zu den Halligen. Dann geschah das Unglück. "Den Schiffsjungen oder seine Leiche hat niemand gefunden. Der Kapitän aber kannte dieses Seegebiet: Als das Wasser stieg, hat er sich an den Mast gebunden und so das Hochwasser unbeschadet überstanden", erzählt Dethleffsen. "Bei Niedrigwasser ist er dann nach Nordstrand zurückgegangen."

Sylt: Ein Segler brennt ab

Auch Sylt hat zwei Zeugen bewegter Seefahrt-Geschichte: Die Braderuper Heide auf Sylt ist wildromantisch, das Kliff fällt zum Wattenmeer ab, im Osten ist die dänische Küste zu erkennen. Und knapp 200 vor der hiesigen Küste ragen Planken aus dem Schlick – in der Form unverkennbar sind dies die Überreste eines Schiffes. Es ist das Wrack der "Mariann", ehemals ein stattlicher Drei-Mast-Schoner aus Schweden, ursprünglich transportierte dieses Schiff Getreide.

Die Geschichte der "Mariann" ist kurios: Anfang der 1960er Jahre schleppten Mitglieder einer Sylter Künstlergruppe das Schiff in den Hafen nach Munkmarsch. Dort wollten sie ein Café auf dem Segler eröffnen, doch das verboten die Behörden. Daraufhin gelangte die "Mariann" in das Braderuper Watt und wurde dort - halb gestrandet - bis 1981 als privates Partyschiff genutzt. Dann brannte die "Mariann" aus ungeklärten Ursachen fast völlig ab. Während die meisten Wracks ihr Ende durch das Meer fanden, wurde sie ein Opfer des Feuers. Zum Wrack zu laufen, lohnt sich allerdings nicht - es gibt nichts zu sehen und es lauert knietiefer Schlick.

Ein Wrack taucht auf

Dafür ist vor Hörnum auf Sylt vor Kurzem ein neues Wrack aufgetaucht: Plötzlich ragten meterlange Holzplanken aus dem Sand. Die Südspitze der Insel Sylt unterliegt derzeit einem deutlichen Abtragungsprozess. Dabei kann Verborgenes und Untergangenes wieder ans Licht kommen. Zu sehen ist das Wrack nur bei tiefer Ebbe. Das Holzschiff stammt vermutlich aus dem 17. Jahrhundert. Dabei handelt es sich um ein Plattbodenschiff aus Eiche und Nadelholz. Die sei typisch für diese Region, erklärte eine Sprecherin des Archäologischen Landesamtes.

Wahrscheinlich diente dieses Schiff zum Transport von Waren, solche Schiffe – Tjalks oder Ewer - waren einst die Arbeitstiere in den küstennahen Gewässern. Derzeit wird das gefundene Wrack untersucht und vermessen, eine 3-D-Ansicht soll erstellt werden, um mehr über dieses Wrack zu erfahren. "Bergen werden wir es wohl nicht", sagt Birte Anspach vom Landesamt. "Ausgrabung, Transport und Konservierung sind sehr aufwendig – deshalb untersuchen wir es vor Ort." Für Spaziergänger gilt hier und an anderen Wracks allerdings: Finger weg! Wer es beschädigt oder Teile davon abbricht, macht sich strafbar.

Mehr aus Reisen

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Reisen.

Alle Reisen-Artikel
Der Ursprung der Neujahrsnacht: Vom Papst zum globalen Feuerwerk
Reisen

Der Ursprung der Neujahrsnacht: Vom Papst zum globalen Feuerwerk

26. Oktober 2026

Vom kirchlichen Gedenktag des Papstes Silvester I. über germanische Rauhnachtsbräuche bis zum modernen Feuerwerk – die Silvesternacht vereint jahrhundertealte Traditionen, Aberglauben und die weltweite Freude am…

Urlaub in Indien auf besondere Weise
Reisen

Urlaub in Indien auf besondere Weise

14. Oktober 2026

Indien ist ein vielseitiges Reiseziel, das mit einer reichen Kultur, historischen Bauwerken und abwechslungsreichen Landschaften begeistert. Aufgrund seiner Größe bietet der Staat jede Menge Abwechslung für einen…

Unabhängige Landgänge auf Kreuzfahrten: Die individuelle Hafenzeit erfolgreich gestalten
Reisen

Unabhängige Landgänge auf Kreuzfahrten: Die individuelle Hafenzeit erfolgreich gestalten

30. September 2026

Das Einlaufen in einen neuen Hafen markiert für viele Kreuzfahrtpassagiere den Höhepunkt des Tages. Sobald die Gangway freigegeben ist, beginnt die wertvolle Zeit an Land. Immer mehr Reisende entscheiden sich bewusst…

Entdecke das Urlaubsglück direkt nebenan: Warum Holland das perfekte Reiseziel ist
Reisen

Entdecke das Urlaubsglück direkt nebenan: Warum Holland das perfekte Reiseziel ist

17. September 2026

Wer an Traumurlaub denkt, hat oft weit entfernte Inseln oder stundenlange Flüge im Kopf. Dabei liegt eines der vielseitigsten und schönsten Reiseziele direkt vor der Haustür. Die Niederlande begeistern seit Jahrzehnten…

← Zurück zu ReisenZur Startseite