"Overtourism" - wenn die Touristen einfallen
Reisen

"Overtourism" - wenn die Touristen einfallen

Bild: Foto: Lukas Beck, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Eine weitere Rolle spielen beispielsweise politische Konflikte. Sie sorgen dafür, dass Urlauber bestimmte Ziele meiden und sich daher immer mehr Touristen in den noch als unproblematisch geltenden Urlaubsregionen tummeln. Auch die sozialen Medien befeuern das Phänomen. Denn über Instagram, Facebook und Co geteilte Urlaubseindrücke können kleine Orte quasi über Nacht bekannt machen - und so zu einem regelrechten Run auf diese ehemaligen Geheimtipps führen.

iStock.com, Lichtwolke

Eine weitere Rolle spielen beispielsweise politische Konflikte. Sie sorgen dafür, dass Urlauber bestimmte Ziele meiden und sich daher immer mehr Touristen in den noch als unproblematisch geltenden Urlaubsregionen tummeln. Auch die sozialen Medien befeuern das Phänomen. Denn über Instagram, Facebook und Co geteilte Urlaubseindrücke können kleine Orte quasi über Nacht bekannt machen - und so zu einem regelrechten Run auf diese ehemaligen Geheimtipps führen.

Folgenreiche Überfüllung

Die Folgen für die betroffenen Orte sind bekannt: Viele Urlaubsgebiete haben vermehrt mit Überfüllung, steigenden Lebenshaltungskosten, Umweltproblemen und der Touristifizierung ganzer Stadtviertel zu kämpfen - zum Leidwesen der Einheimischen. In Orten wie Palma de Mallorca beschweren sich Anwohner inzwischen zunehmend über die Touristenplage und zum Teil passiert tatsächlich auch etwas. So versuchen sich Stadtverwaltungen unter anderem mit Benimmregeln, alkoholfreien Zonen und Nachhaltigkeitsabgaben gegen das Problem zu wehren.

Doch was denken eigentlich die Verursacher selbst über Overtourism? Forscher um Claudia Möller von der IUBH Internationale Hochschule in Bad Honnef haben nun erstmals die Sicht der Touristen, nicht die der Urlaubsorte, auf das Phänomen untersucht. Um herauszufinden, wie Urlauber das Problem der überlaufenen Orte wahrnehmen, befragte das Team 384 Jugendliche und Erwachsene mithilfe eines Online-Fragebogens.

iStock.com, venakr

Trotzdem reisen?

Das Ergebnis: Immerhin zwei von drei Befragten hatten schon einmal etwas von der Problematik Overtourism gehört. Konkret verbanden sie damit vor allem die Städte Venedig, Barcelona, Paris, Rom und Amsterdam. Von einer Reise in diese Orte würde sich die Mehrheit dennoch nicht abhalten lassen, wie die Untersuchung enthüllte.

Warum? "Viele der Studienteilnehmer interpretieren die Popularität einer Destination als ein 'Must see'", erklärt Möller. "Also als Beweis dafür, dass man diesen Ort einfach einmal gesehen haben muss." Als weitere Gründe für einen Besuch nannten die Befragten die "vielen und speziellen Attraktionen" vor Ort, "Kultur", "Geschichte" sowie "kostengünstiges Reisen". Immerhin: Viele Befragte würden die betroffenen Orte eher in der Nebensaison besuchen.

Sorge um das Urlaubserlebnis

Nicht jeder Befragte möchte dem Overtourism aber zusätzlich Nahrung geben: Ein Drittel aller Befragten würde eine Reise an überfüllte Urlaubsorte lieber vermeiden (30 Prozent) oder sogar klar ablehnen (5 Prozent). Als Grund gaben diese Personen jedoch nicht nur die negativen Folgen für die betroffenen Orte an - vor allem die Sorge um das eigene Urlaubserlebnis scheint für sie in diesem Zusammenhang eine Rolle zu spielen.

So zeigten die Auswertungen, dass die Befragten in erster Linie den Verlust von Authentizität, Stress und beeinträchtigten Urlaubsgenuss sowie erhöhte Preise und Lärm als wichtigste Auswirkungen des Overtourism betrachten. "Viele der Befragten befürchten das Gefühl der Massenabfertigung, das im Gegensatz zu einem gewünschten individuellen Service und Urlaub steht", sagt Möller.

Eine Frage des Geldbeutels

Ob sich jemand für oder gegen einen für seine Überfüllung bekannten Urlaubsort entscheidet, ist dabei offenbar vor allem eine Frage des Alters. Wie die Wissenschaftler berichten, tendierten Befragte aus der Gruppe der 15- bis 24-Jährigen deutlich eher dazu, von Overtourism betroffene Ziele aufzusuchen als ältere Studienteilnehmer.

"Hierbei spielt vermutlich der Geldbeutel eine Rolle", meint Möller. "Jüngere Reisende buchen häufiger Billigflugreisen oder günstige Kreuzfahrten, die dann genau die typischen überfüllten Urlaubsorte ansteuern. Wer dagegen etwas mehr Geld im Urlaub ausgeben kann, entscheidet sich eher für Exklusivität statt Massentourismus." Und noch ein Grund sei denkbar: "Die Älteren waren vielleicht auch früher einfach schon mal da."

Weitere Artikel auf wissenschaft.de

Mehr aus Reisen

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Reisen.

Alle Reisen-Artikel
Der Ursprung der Neujahrsnacht: Vom Papst zum globalen Feuerwerk
Reisen

Der Ursprung der Neujahrsnacht: Vom Papst zum globalen Feuerwerk

26. Oktober 2026

Vom kirchlichen Gedenktag des Papstes Silvester I. über germanische Rauhnachtsbräuche bis zum modernen Feuerwerk – die Silvesternacht vereint jahrhundertealte Traditionen, Aberglauben und die weltweite Freude am…

Urlaub in Indien auf besondere Weise
Reisen

Urlaub in Indien auf besondere Weise

14. Oktober 2026

Indien ist ein vielseitiges Reiseziel, das mit einer reichen Kultur, historischen Bauwerken und abwechslungsreichen Landschaften begeistert. Aufgrund seiner Größe bietet der Staat jede Menge Abwechslung für einen…

Unabhängige Landgänge auf Kreuzfahrten: Die individuelle Hafenzeit erfolgreich gestalten
Reisen

Unabhängige Landgänge auf Kreuzfahrten: Die individuelle Hafenzeit erfolgreich gestalten

30. September 2026

Das Einlaufen in einen neuen Hafen markiert für viele Kreuzfahrtpassagiere den Höhepunkt des Tages. Sobald die Gangway freigegeben ist, beginnt die wertvolle Zeit an Land. Immer mehr Reisende entscheiden sich bewusst…

Entdecke das Urlaubsglück direkt nebenan: Warum Holland das perfekte Reiseziel ist
Reisen

Entdecke das Urlaubsglück direkt nebenan: Warum Holland das perfekte Reiseziel ist

17. September 2026

Wer an Traumurlaub denkt, hat oft weit entfernte Inseln oder stundenlange Flüge im Kopf. Dabei liegt eines der vielseitigsten und schönsten Reiseziele direkt vor der Haustür. Die Niederlande begeistern seit Jahrzehnten…

← Zurück zu ReisenZur Startseite