Sobald Leute Fotos von einer Situation machen, vergessen sie schnell mal, was um sie herum passiert. Sie sind lediglich auf ihre Kamera und Motiv fokussiert. Die reinen Beobachter hingegen, erleben nicht nur das, was vor ihren Augen passiert, sondern nehmen noch die ganzen äußeren Einflüsse wahr. Da können kleinste visuelle Einflüsse eine große Ablenkung sein.
Wer nimmt Momente besser wahr?
Kristin Diehl von der University of Southern California führte zusammen mit ihren Kollegen eine Feldstudie durch, welche zeigen sollte, wer von beiden einen Moment besser genießt: der Fotograf oder der reine Beobachter.
Für die Studie baten die Wissenschaftler 2.000 Freiwillige um ihre Mithilfe. Diese sollten den verschiedensten Tätigkeiten nachgehen, zum Beispiel eine Bustour machen oder essen gehen. Während eine Gruppe dabei Fotos schießen sollte, konnte sich die andere vollständig auf die Tätigkeiten konzentrieren. Nachdem sie fertig waren, wurden sie danach gefragt, wie sehr sie Aufgabe genießen konnten, wie vertieft sie waren und wie sehr sie dabei fokussiert waren.
Die Teilnehmer ohne Kamera verloren schnell das Interesse
Das erstaunliche Ergebnis: Die Fotografen hatten die Momente mehr genossen als die Teilnehmer ohne Kamera. Entgegen der landläufigen Erwartung waren es diese, die sich nicht vollständig auf die Tätigkeit konzentrieren konnten.
In einem weiteren Experiment sollten die Probanden eine Museumstour machen und dabei einen Eyetracker tragen. Diese Brille misst automatisch, wie sich die Augen ihres Trägers bewegen und wohin er Träger schaut. Und auch hier schien das Fotografieren eher den Genuss zu steigern: Die Fotografen schauten sich länger die Ausstellungsstücke länger und intensiver an, während die anderen schnell das Interesse verloren.
Nicht alles war für die Fotografen besser
Wenn wir mit unseren Freunden unterwegs sind, ist leichtes Gepäck die beste Option, um seine Freizeit zu genießen. Eine Kamera mit all den Kleinigkeiten, um perfekte Bilder zu schießen, kann sich da eher als sperrig herausstellen. Das empfanden auch die Teilnehmer der Studie. Diese nahmen große Kameras mitsamt Ausrüstung als hinderlich wahr.
Ein weiteres Manko ist, dass die Fotografen unangenehme Situationen intensiver wahrgenommen haben. Das stellte sich heraus, als die Freiwilligen im Rahmen der Studie eine virtuelle Safari machten. Während dieser Safari mussten die Teilnehmer beobachten, wie ein Wasserbüffel von einer Gruppe Löwen angegriffen wurde. Die Fotografen wurden durch diese Bilder stärker geschockt als die Teilnehmer ohne Kamera.




