Cleopatra und Titanic: Spektakuläre Funde
Die versunkene Insel Atlantis blieb bislang noch verschollen. Doch beweisen einige Funde der vergangenen 20 Jahre, dass die Suche der Archäologen nach legendären Stätten der Menschheit durchaus erfolgreich sein kann. Im Jahr 1996 entdeckte ein Team um den Unterwasserarchäologen Franck Goddio antike Siedlungsbauten im Hafenbecken von Alexandria. Die Funde vor der ägyptischen Küste stammen u.a. aus der Zeit der ptolemäischen Königin Cleopatra (69-30 v. Chr.). Goddio, als Entdecker von insgesamt 14 bedeutenden Schiffswracks der Top-Mann seiner Zunft, holte in den vergangenen fünf Jahren auch einen Großteil der Verwandtschaft von Cleopatra aus dem trüben Wasser des Hafenbeckens: Eine granitene Sphinx, deren Kopf vermutlich ihren Vater darstellt, sowie ein Bildnis ihres Sohnes Caesarion, die Frucht ihrer Verbindung zu Julius Caesar.
Ähnlich erfolgreich wie Goddio in Alexandria war sein Kollege Robert D. Ballard auf der Suche nach dem berühmten Wrack der Titanic. 1985 entdeckte er das 1912 gesunkene Schiff, in dem mehr als 1500 Menschen ihr Leben ließen. Vor einigen Jahren gelang Ballard ein zweiter historischer Fund. Vor der Küste der israelischen Stadt Aschkelon entdeckte er die Überreste zweier gesunkener phönizischer Frachtschiffe. Da diese vermutlich um das Jahr 750 v. Chr. gesunken sind, gehören sie zu den ältesten bislang gefundenen Schiffswracks.
Wo liegen legendäre Wracks?
Immer noch schlummern unermessliche Reichtümer auf dem Meeresgrund. Unzählige Schatzsucher in aller Welt fahnden nach den Wracks, die nach Schlachten oder in Stürmen sanken und die teilweise seit Jahrhunderten verschollen sind. Zahlreiche Schiffe, in denen man Schätze in Milliardenhöhe vermutet, havarierten vor den Küsten Nord- und Südamerikas. So sanken im Jahr 1553 nicht weniger als 16 spanische Galeonen vor der texanischen Küste. An Bord befanden sich Gold, Silber und Juwelen im Wert von geschätzten 1,5 Mrd. Euro. Ein Vermögen von umgerechnet “nur” 50 Mio. Euro verbirgt sich in der “La Madelena”, die 1563 vor Florida unterging und angeblich fast 300 Passagiere mit in die Tiefe riss. Die spanische Galeone “San José” wurde 1708 Opfer eines britischen Überfalls vor Cartagena, Kolumbien. Wert der Ladung: ca. 40 Mio. Euro. Mehrere Milliarden Euro in Form von Gold, Münzen und mit Edelsteinen besetzten Statuen sollen sich wiederum im Bauch der “Flora de la Mar” verstecken. Das portugiesische Schiff sank 1511 zwischen Indonesien und Malaysia.
Aber der Wunschtraum aller Schatzsucher ist mit Sicherheit die 1588 im Krieg gegen England gesunkene spanische Armada. Der Wert der rund 50 Schiffe, die zum Teil in englischen Küstengewässern vor sich hin modern, ist schlichtweg unschätzbar.
Professionelle Schatzsucher
“Geschichte ans Tageslicht bringen” lautet das Motto von “Deep Sea Exploration” (DSE). Die Ratinger Firma, die sich auf die Ortung und Bergung untergegangener Schiffe spezialisiert hat, ist eines der führenden Schatzsucher-Unternehmen in Europa. Zur Zeit ist die DSE an zwei Projekten beteiligt. Insgesamt vier historische Wracks werden vor Mosambique und den Kapverden betaucht. Finanziert werden die teuren Unterwasser-Expeditionen von privaten Sponsoren und Investoren, die vor allem aus Deutschland kommen.
Doch die Arbeit der DSE beginnt nicht erst unter Wasser. Vor dem Start ins eigentliche Abenteuer verschanzt sich das aus Tauchern, Archäologen und Historikern bestehende Team im Archiv. Um den ungefähren Standort eines Wracks zu benennen, werden Ladelisten und Logbücher durchforstet sowie Strömungen und Windverhältnisse berechnet. Und wenn ein versunkenes Schiff schließlich geortet werden kann, kommen nicht etwa die Taucher zum Einsatz – heutzutage erledigen modernste elektronische Suchgeräte den Großteil der Arbeit. Erst wenn das sogenannte ROV (Remote Operated Vehicle), ein ferngesteuertes Mini-U-Boot, Videos und Proben des Wracks zutage gefördert hat, erfolgt u.U. die anschließende Bergung.
Rechtliche Situation
Wie sieht die Rechtslage aus, wenn private oder professionelle Schatzsucher große Beute machen? Die “Deutsche Gesellschaft zur Förderung der Unterwasserarchäologie” (DEGUWA) sagt es deutlich: “Erkennt der Sporttaucher Denkmale unter Wasser, ist er laut Gesetz verpflichtet, Fundort und Zustand des Objektes unverändert zu lassen und die für das Gebiet zuständigen Denkmalschutzbehörden innerhalb einer Frist davon in Kenntnis zu setzen.” Unter anderem 100 Einzelteile wertvollen Ming-Porzellans fand die Ratinger “Deep Sea Exploration” auf einem Wrack vor Mosambique. Aber das Unternehmen durfte sich die reiche Beute nicht allein mit den Investoren teilen. “Vor Beginn eines Projektes setzen wir uns mit dem jeweiligen Land in Verbindung”, so der Sprecher der DSE, Iraklis Paschalidis.
Vor der Bergung eines Wracks müssen mit der jeweiligen Regierung zunächst Exklusivlizenzen vereinbart werden. Reine Geldwerte können die Unterwasserarchäologen zumeist behalten. Schätze von historischer Bedeutung wiederum wandern in der Regel in die Museen der Länder, aus deren Gewässern sie gefischt wurden. So möchte der Generalsekretär des Oberrates für Altertümer des ägyptischen Staates, Gaballa Ali Gaballah, die Funde im Hafenbecken von Alexandria in einem Unterwassermuseum ausstellen. Somit könnte man sich die Bergung der teilweise überdimensionalen antiken Statuen und deren anschließende Unterbringung im archäologischen Museum sparen.
Ballards letzter Traum
Wer einmal ein erfolgreicher Schatzsucher werden möchte, sollte sich den Titanic-Entdecker Robert D. Ballard zum Vorbild nehmen. Der Unterwasserarchäologe widmete sich bereits früh der Forschung und dem Abenteuer. Schon als junger Mann sammelte der Kalifornier an den Strand gespülte Muscheln und Treibholz. Fleißig studierte er die Meereskreaturen, die er in Prielen fand. Als Student jobbte Ballard in einem Meerespark und promovierte in Meeresbiologie. Nach all seinen beruflichen Erfolgen hat Ballard jetzt nur noch einen unerfüllten Traum: Die Überreste der Arche Noah zu finden.
Buch-Tipps
Online bestellen:




