Die Inseln Skellig Michael und Little Skellig liegen am westlichsten Ende des europäischen Kontinents: Wie zwei kompakte Gipfel ragen sie zwölf Kilometer vor der Küste des County Kerry aus dem meist stürmischen Atlantik auf. Mit 21 und sieben Hektar sind diese Inseln ziemlich klein – aber das tut ihrer Bedeutung keinen Abbruch. Denn auf ihnen findet man einzigartige Zeugnisse der Vergangenheit – und eine ganz besondere Natur.
Rätselhafte Rundbauten
Betritt man die größere Insel Skellig Michael, fallen als erstes die schroffen, grauen Sandstein-Felsen auf, die wie spitze Zähne in die Höhe ragen. Bei näherem Betrachten zeigen sich jedoch zwischen diesen natürlichen Formationen auch menschengemachte Strukturen: eine lange Treppe aus 600 groben Steinstufen schlängelt sich den Berg hinauf und zwischen den Felsenliegen mehrere rundliche Steingebilde.
Diese Bauwerke sind die Überreste eines der ältesten und ungewöhnlichsten Klöster der Erde. Vor rund 1.400 Jahren kamen asketische Mönche auf die Insel, um in dieser kargen Wildnis die Einsamkeit zu suchen und in Einkehr und Gebet Gott näher zu kommen. Für ihre Unterkünfte bedienten sie sich ausschließlich von dem, was die Insel selbst hergab: die Steine.
Kloster aus Trockenstein-Mauern
In mühevoller Arbeit schichteten die Mönche grobe Felsstücke so aufeinander, dass runde Hütten mit Kuppeldach entstanden. Sie halten ganz ohne Mörtel oder Lehm zusammen – und das bis heute. Der Hauptteil der Klosteranlage mit den Mönchsbehausungnen, einer Resten einer Kapelle und einem Mausoleum auf dem breiten Plateau des Nordostgipfels der Insel, eine Einsiedelei liegt knapp unter dem 218 Meter hohen Südgipfel.
Entsprechend ihrem asketischen Lebenswandel benötigten die Mönche nicht viel zum Leben: Trinkwasser lieferte ihnen eine kleine Quelle, Gemüse und Kräuter zogen sie in kleinen Beeten auf der windabgewandten Seite des Berggipfels. Noch heute wachsen zwischen den Felsen die Nachfahren dieser Gartenpflanzen. Die reichlich umherfliegenden und brütenden Vögel haben vermutlich ebenfalls ihren Speiseplan bereichert.
Einzigartig und geheimnisvoll bis heute
Die einzigartige Architektur und die erstaunlich gut erhaltenen Überreste dieses frühchristlichen Klosters machen einen Besuch auf der Insel Skellig nicht nur einem ganz besonderen Erlebnis. Die Insel wurde auch von der UNESCO offiziell zum Weltkulturerbe erklärt. "Dieser Ort ist von herausragender universeller Bedeutung als ein einzigartiges Beispiel für eine frühe religiöse Ansiedelung, die absichtlich auf diesem pyramidenförmigen Stück Fels mitten im Ozean gebaut wurde", heißt es in der Begründung der UNESCO.
Bis heute finden auf der Insel auch archäologische Ausgrabungen statt, zuletzt rund um den Südgipfel und die an seinen Hängen liegenden Terrassen. Denn noch längst nicht alle Überreste und Geheimnisse der Mönche von Skellig sind bisher gelüftet. Bei diesen Ausgrabungen entdecken die Forscher unter anderem einen Steinbruch, der den Mönchen ihr Baumaterial lieferte und eine zuvor unbekannte Route zum Gipfel.
Ein Jedi auf der Felseninsel
Wer den Kinofilm "Star Wars – Das Erwachen der Macht" gesehen hat, der hat bereits einen ersten Eindruck von der Insel gewinnen können. Denn die letzte Szene des Films wurde auf Skellig Michael gedreht. Regisseur J.J Abrams wurde auf die Insel aufmerksam, als ihm der Produktionsdesigner des Films eine Link zu einer Webseite über Skellig schickte. Abrams schaute sich die Bilder an und war sofort begeistert. Er schrieb zurück: "Das ist das Beste!"
Im August 2014 begannen die Dreharbeiten. Von dem kleinen Dorf Portmagee an der irischen Küste setzte die Filmcrew per Boot zur Insel über. Der erste Eindruck der Mitwirkenden: Das ist ein Ort aus einer anderen Zeit und einer anderen Welt. Martin Joy, einer der Location Manager, beschreibt es so: "Das hat uns wirklich umgehauen, es ist ein so außergewöhnlicher Ort – und einer, der sehr gut in unser Star Wars Universum passt."
Wer die außergewöhnliche Atmosphäre auf Skellig Michael erleben möchte, kann dies aber auch in Person tun. Vom Dorf Portmagee kann man sich per Boot übersetzen lassen. Zudem gibt es in diesem Ort das Skellig Experience Centre, in dem viele Informationen über die Insel zusammengetragen wurden.




