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Spaniens Semana Santa
Bildquelle nicht angegeben
Reisen

Spaniens Semana Santa

Verhüllte Gestalten, die prunkvoll geschmückte Podeste mit barocken Heiligenstatuen meilenweit durch die Gassen tragen. Tausende von Gläubigen, klagende Gesänge. Die Karwoche von Palmsonntag bis Ostern wird in Spanien mit Hunderten von Prozessionen bei Tag und Nacht üppig gefeiert. Die berühmtesten Feierlichkeiten…
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Reisen

Verhüllte Gestalten, die prunkvoll geschmückte Podeste mit barocken Heiligenstatuen meilenweit durch die Gassen tragen. Tausende von Gläubigen, klagende Gesänge. Die Karwoche von Palmsonntag bis Ostern wird in Spanien mit Hunderten von Prozessionen bei Tag und Nacht üppig gefeiert. Die berühmtesten Feierlichkeiten finden in Sevilla statt.

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Ostern - eine Festwoche

Ostern ist in Spanien nicht nur ein Fest, es ist eine ganze Festwoche – und in Sevilla findet sie ihren Höhepunkt. Begonnen hat die Tradition der Semana Santa im 16. Jahrhundert, als die katholische Kirche der Bevölkerung die Passion Christi näher bringen wollte. Bekannte Künstler schufen Heiligenfiguren aus Holz, die, in prunkvolle Gewänder gekleidet, auf riesigen geschmückten Podesten, den Pasos, vor den Prozessionen hergetragen wurden. Von Sevilla aus wurde die Tradition ins übrige Spanien, nach Sizilien und Hispanoamerika überliefert, doch nirgendwo erreichte sie eine derart pompöse barocke Prachtentfaltung und so gigantische Ausmaße wie in der andalusischen Metropole. Seit rund 400 Jahren hat sich dabei am Prunk nicht viel geändert. Insgesamt 57 religiöse Bruderschaften mit jeweils Hunderten bis über Tausend Mitgliedern tragen in sieben Tagen und Nächten 116 Pasos durch Sevilla. Die Bruderschaften haben bedeutungsschwere Namen wie Jesus Despojado (der beraubte Jesus), La Cena (das Abendmahl), Beso de Judas (der Judas-Kuss), La Sed (der Durst), La Trinidad (die Dreifaltigkeit) oderLa Resurección (die Auferstehung), und ihre Mitglieder – die Costaleros – tragen die Pasos mit Madonnen, Christusstatuen oder Figurengruppen einer Kreuzwegstation Christi auf fest gelegten Routen von ihrer eigenen Pfarrkirche bis zur Kathedrale im Zentrum – manche Wege dauern bis zu zehn Stunden. Fast unglaublich, dass dabei jeder Einzelne von ihnen bis zu 100 Kilogramm Gewicht auf den Schultern hat.

Beliebtester Paso ist die Macarena

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Sevilla Congress & Convention Bureau / CC BY-SA 2.0

Dann öffnen sich die Pforten der größten gotischen Kathedrale der Welt, und die ersten Nazarenos der Bruderschaft „El Silencio“ schreiten ins Mondlicht. Schwarz und schweigend bilden sie einen Unterschied zur fröhlichen Macarena-Prozession, der größer nicht sein könnte. El Silencio ist die älteste und ehrwürdigste Bruderschaft Sevillas und wird auch „Madre y Maestra“ – Mutter und Meisterin – genannt. Gegründet 1340, beging sie ihre erste Semana Santa im Jahr 1356, und ihr von 50 Männern getragener „Paso del Cristo“ gleitet heute wie damals als goldene Barke durch die Menschenmenge – obenauf die Statue des „Cristo del Silencio“ in violetter, goldverzierter Tunika, umringt von unzähligen barocken Engeln.

Artikelbild

Ismael Olea / Public Domain

"Pestiños" zur Stärkung

So geht es stundenlang weiter. Eine Prozession folgt der anderen – bis ins gleißende Mittagslicht und wieder in die Nacht hinein. Kein Wunder, dass in Andalusien in der Karwoche nicht das Fasten im Vordergrund steht, sondern es gerade in dieser Zeit leckere Süßigkeiten wie die „Pestiños“ gibt, ein Gebäck, das in Olivenöl frittiert und dann einige Tage in einer Masse aus Honig und Zitrone eingelegt wird. Anders würde man diesen Gewaltakt als Nazareno oder Zuschauer wohl kaum überstehen. Und schließlich ist es am Ostersonntag gleichsam eine Erlösung für die ganze Stadt, wenn mit der einzigen und letzten Prozession der Bruderschaft „Resurección“ die Auferstehung gefeiert werden kann. Dann endlich können die Familien nach Hause gehen zum Osterlamm – und vermutlich eine lange Siesta machen.

Semana Santa – die schönsten Prozessionen

Weitere Regionen mit bedeutender Semana-Santa-Tradition

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