Nachdem sich die strategische Führung der sowjetischen Armee nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion unfähig gezeigt hat, sofort wirkungsvolle Verteidigungsmaßnahmen einzuleiten, kommt es zu einer tiefgreifenden Neuorganisation.
Unter dem Vorsitz von Stalin war am 30. Juli ein Staatliches Verteidigungskomitee gebildet worden, dem u.a. Außenminister Wjatscheslaw M. Molotow, der Sekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU), Georgi M. Malenkow, und Marschall Kliment J. Woroschilow angehören. Zur Koordinierung der militärischen Einsätze und zur Erleichterung der strategischen Führung im Verteidigungskrieg wurde Mitte Juli die gesamte Front auf drei Oberkommandos aufgeteilt.
Auch in der Roten Armee werden umfangreiche Neuordnungen vorgenommen. Durch die Aufstellung neuer Nachrichteneinheiten kann das vor Kriegsausbruch vernachlässigte Informationswesen verbessert werden. Die Verständigung der einzelnen Truppenteile auf den weit auseinandergezogenen Abschnitten der Front ist eine grundlegende Voraussetzung für die Abwehr der angreifenden deutschen Verbände. Bis zum Jahresende werden neun Pioniereinheiten aufgestellt, deren Aufgabe der Ausbau der sowjetischen Verteidigungsanlagen ist. Durch eine intensive ideologische Schulung werden die Soldaten der Roten Armee auf Stalin als Heerführer eingeschworen. Spezielle Truppen sollen das Überlaufen zum Feind, wie es mehrfach vorgekommen war, notfalls mit Gewalt verhindern.
Auch die Zivilbevölkerung wird in die militärischen Maßnahmen einbezogen. In den großen Städten wie Moskau, Leningrad und Kiew werden Volkswehren aus Zivilisten gebildet, die bei der Verteidigung der Städte gegen die deutschen Truppen eingesetzt werden. Männer und Frauen sind zudem verpflichtet, Luftschutzdienst zu versehen.
Die Propaganda der sowjetischen Führung ruft die Bewohner der Großstädte darüber hinaus zu freiwilligen Arbeitseinsätzen in Rüstungsbetrieben auf. Trotz der Gebietsverluste im zweiten Halbjahr des Jahres 1941 kann die Produktion gegenüber den ersten sechs Monaten um über 300% gesteigert werden; die Zahl der produzierten Panzer steigt von 1800 auf 4740, die der Geschütze und Granatwerfer von 15 600 auf 55500.

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