Thailands Geisterhäuser – Leben zwischen Tradition und Moderne
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Thailands Geisterhäuser – Leben zwischen Tradition und Moderne

Bild: Foto: Lukas Beck, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Was für ausländische Touristen fremdartig scheint, ist für Thailänder ganz normal: Für sie sind die Menschenwelt und die Welt der Geister völlig verschiedene, aber real existierende Welten. Obwohl Thailand vorwiegend buddhistisch ist, haben sich damit Reste des alten animistischen Glaubens gehalten. Selbst buddhistische Mönche tolerieren die Geister, obwohl der Geisterglaube nichts mit der buddhistischen Lehre gemein hat.

Was für ausländische Touristen fremdartig scheint, ist für Thailänder ganz normal: Für sie sind die Menschenwelt und die Welt der Geister völlig verschiedene, aber real existierende Welten. Obwohl Thailand vorwiegend buddhistisch ist, haben sich damit Reste des alten animistischen Glaubens gehalten. Selbst buddhistische Mönche tolerieren die Geister, obwohl der Geisterglaube nichts mit der buddhistischen Lehre gemein hat.

Um diese Geister milde zu stimmen, finden sich in ganz Thailand die typischen kleinen Geisterhäuser. Sie sehen aus wie ein kleiner asiatischer Tempel, der auf einer Säule angebracht ist- in der Regel aus Teakholz, gelegentlich auch im Schnellgussverfahren aus Zement gefertigt. Mal sind sie holzfarben, mal bunt gestrichen, mit schönen Blumengirlanden geschmückt und von einer Räucherstäbchenwolke umgeben.

Schutz durch die Erdgeister

Eine Figur, meist an der Rückwand gegenüber dem Eingang, symbolisiert den Bewohner des Häuschens, einen der Erdgeister, der Phra Phum. Die Geisterhäuschen heißen nach ihnen auch San Phra Phum. Der Legende nach gehen diese Erdgeister auf die neun Söhne eines Königspaares zurück, das vor 5.000 Jahren in Thailand herrschte. Jedem der Söhne wurde die Herrschaft über einen bestimmten Lebensbereich übertragen.

Dem Erdgeist Chaiyamonkhon wurde die Obhut über Haus und Hof übertragen, daher findet er sich am häufigsten als Schutzgeist in den Geisterhäuschen. Elefantenfiguren symbolisieren sein bevorzugtes Transportmittel und als Dienerschaft oder zur Unterhaltung des Geistes werden häufig Figuren verstorbener Familienmitglieder aufgestellt.

Kein Neubau ohne Geisterhaus

Seinen Platz findet das Geisterhaus entweder an besonders markanten heiligen Orten wie Höhlen, Felsen, außergewöhnlichen Bäumen, auf Stadtmauern oder unfallträchtigen Straßen. Bei Wohn- oder Geschäftshäusern werden sie an einer ganz bestimmten Stelle des Grundstückes errichtet. Den genauen Standort darf nur ein Geisterdoktor festlegen. Nur östlich, nordöstlich oder südlich gelegen, in Augenhöhe, nicht im Schatten des Hauptgebäudes und keinesfalls gegenüber dem Eingang des Wohnhauses. Auch könnte ein falsch aufgestellter Schrein keinen vollständigen Schutz bieten.

Auch der Zeitpunkt ist wichtig: Wann das neue Geisterhaus errichtet werden soll, wird häufig schon beim Neubau eines Wohnhauses astrologisch berechnet. Das Aufstellen selbst erfolgt nach einer genau festgelegten Zeremonie, die der Geisterdoktor durchgeführt. Bei dieser feierlichen Handlung bittet er die Geister, die durch den Neubau von ihrem Platz verdrängt werden, um Vergebung. Und dass der Erdgeist Phra Phum einziehen möge, um das neue Haus und seine Bewohnern vor Unglück, Krankheit und Tod zu schützen.

Schweinsköpfe und rituelle Waschungen

Bei Sorgen oder Problemen bittet man den Erdgeist um Hilfe, das gleicht einem Beten. Dabei verspricht man eine besonders schöne Opfergabe, beispielsweise ein Huhn, eine Kokosnuss oder eine rituelle Waschung des Häuschens. So möge Phra Phum mögliches Übel abwenden. Löst man Versprochenes nicht ein, drohen dem Glauben nach Unglück oder böse Albträume.

Den Thailändern ist es  wichtig, dass es dem Hausgeist an nichts mangelt. So kümmern sie sich liebevoll um ihn und sein Haus, indem sie regelmäßig duftende Girlanden aus Jasminblüten gegen verwelkte wechseln und Räucherstäbchen anzünden.

Am wichtigsten ist jedoch das Essen. Bis 11 Uhr sollten die Speisen gereicht werden, denn ein Geist isst, wie ein Mönch, nicht nach Mittag. Dazu wird frisch zubereitetes Essen beispielsweise eine kleine Portion Reis, Gemüse, Geflügelfleisch oder auch Nachtisch angeboten. Als Getränk gibt es Wasser, gelegentlich Coca Cola oder Alkohol. Etwas ganz besonderes gibt es an Feiertagen oder besonderen religiösen Festtagen: Schweineköpfe.

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