Wer auf der neuen Themenradroute „Steine und Mehr“ unterwegs ist, wird so manches Mal vom Rad absteigen und staunen. Denn die Landschaft zwischen Warstein im Süden und den Städtchen Geseke und Erwitte im Norden hat so Einiges zu bieten. Sie wurde seit langer Zeit vom Steinabbau mitgeprägt. Zeugen dieser stein-reichen Geschichte sind geologische Formationen und alte Steinbrüche ebenso wie Arbeitsstätten der Steinindustrie oder architektonische Sehenswürdigkeiten, erbaut aus Schätzen der heimischen Erde wie dem Grünsandstein.
Die Themenroute „Steine und Mehr“ lädt uns Radfahrer dazu ein, die erdgeschichtliche Basis der Landschaft und ihrer Naturphänomene auf ganz neue Weise zu entdecken. Aber hier können wir auch erkunden, was Menschen im Laufe der Geschichte mit diesem steinernen Reichtum geschaffen haben.
Trilogie aus Teilrouten
Der Themenroute „Steine und mehr“ zu folgen, ist kinderleicht: Fahren Sie einfach immer dem grünweißen Logo mit den Steinen nach. Zudem verläuft die Radroute auf den Strecken des Radnetzes Südwestfalen und ist somit auch bestens ausgeschildert. Entlang der 114 Kilometer langen Strecke laden 33 Info-Tafeln dazu ein, kurz Pause zu machen und die Besonderheiten dieser Stationen zu genießen und zu erkunden.
Damit es nicht zu anstrengend wird, ist die Themenroute in drei Teilstücke aufgeteilt. Während also die Gesamtstrecke teilweise topografisch herausfordernd ist und ambitionierte Radler ansprechen dürfte, kommen Genussradler bei drei einzelnen Radtouren auf ihre Kosten. Alle Ein- und Ausstiegspunkte zum Fahrradweg sind über die Fahrradbuslinie der RLG aus Richtung Soest oder über die Bahn zu erreichen.
Die Süd-Tour: Zwischen Korallenriff und Tropfsteinhöhle
Die südliche Tour führt auf 26 Kilometern durch das Wästertal und rund um Warstein und Suttrop. Eines der Highlights auf dieser Strecke: der Geopark Suttrop. Hier kann man beim Spazieren auf dem "Diamantpfad" erkunden, welche Gesteine es im Warsteiner Raum gibt. "Warstein liegt auf einem riesigen Korallenriff. Seine Entstehung ist zwar schon einige Millionen Jahre her, doch noch heute wird das Landschaftsbild davon maßgeblich geprägt“, erklärt Sylvia Lettmann, Leiterin des Stadtmarketing Warstein.
Und dass dieser Kalk hier schon seit Jahrhunderten abgebaut wird, daran erinnern historische Gerätschaften, darunter ein alter Kalkofen. Von Freiwilligen rekonstruiert, wird er noch immer regelmäßig angeheizt. Die Glut des Kalkofens taucht dann die ganze Umgebung in ein magisch anmutendes Licht. Schwindelerregend ist dagegen die Aussicht von der Kante eines noch aktiven Kalksteinbruchs – auch das eine der Sehenswürdigkeiten im Geopark.
Eine weitere Attraktion auf der Süd-Route: die Tropfsteinhöhle Bilsteintal. Auf 400 Metern Länge sind hier faszinierende Stalagmiten, Stalaktiten und andere Gebilde der Unterwelt zu bestaunen. Die Höhle gehört zu den bedeutendsten Tropfstein-Schauhöhlen Deutschlands. Wer mehr erfahren will, der kann sich zu einer Höhlenführung plus anmelden und wird dann in kleiner Gruppe i weitere Geheimnisse der Höhlenwelt eingeführt.
Der Mittelteil: Ausgangspunkt Steinmuseum
Die 24 Kilometer lange mittlere Teilroute der Thementour "Steine und Mehr" beginnt in Anröchte und führt über die Ortschaften Effeln, Belecke und Mellrich. Ein idealer Ausgangspunkt ist daher der Besuch im Anröchter Steinmuseum. Schon, wenn man die Treppen der alten Schule betritt, kann man in die Steingeschichte eintauchen und die ersten Ausstellungsstücke an den Wänden des Eingangs bestaunen. Der Eintritt ist frei.
„Mit der Radroute ,Steine und Mehr‘ werden die Gemeinsamkeiten unserer Region erlebbar. Anröchte ist dabei der ideale Ausgangspunkt, um Geseke und Warstein zu ‚erfahren‘“, so fasst Alfred Schmidt, Bürgermeister der Gemeinde Anröchte, das Erlebnis auf dem Radweg zusammen.
Die Nord-Route: Steinbruch und Kalköfen
Auf knapp 57 Kilometern geht es auf der nördlichen Teilroute „Durch die Hellwegbörde“ zwischen Geseke, Erwitte und Anröchte. Auch hier sind am Wegesrand zahlreiche Zeugen der besonderen Abbaulandschaft zu finden. Besonders eindrucksvoll: Der gewaltige Steinbruch im Dyckerhoff Park "Mythos Stein" bei Geseke. Hier kann man nicht nur den Steinabbau in Aktion erleben, man erfährt auch mehr über Zement und Beton, Flora und Fauna, Kunst und Geologie.
„Zu unserer Region gehören Steine und Steinabbau einfach dazu“, sagt Gesekes Bürgermeister Remco van der Velden. „Ob beispielsweise als Kalkstein für hochwertigen Zement für die Bauchemie, als Fliesenkleber oder Zahnpastabestandteil oder als Grünsandstein für Architektur und Gestaltung.“ Von der langen Geschichte des Kalkabbaus in Geseke zeugen auch unter Denkmalsschutz stehende alte Kalköfen. Schon seit dem Mittelalter wurde hier Kalk gebrannt.
Was aus Stein Kunstvolles entstehen kann, erfährt man bei einem Besuch in der Stiftskirche St. Cyriakus in Geseke. Denn die Anfänge dieser auf dem Gelände eines fränkischen Königshofes erbaute Klosteranlage stammen bereits aus dem 10. Jahrhundert. Reste eines romanischen Kreuzganges, Reliefs und Skulpturen und ein idyllischer Innenhof warten auf neugierige Besucher.
Service
Die Route „Steine und Mehr“ wird von einem umfangreichen Service-Angebot flankiert. Auf der Internetseite der Themenroute http://www.steineundmehr.eu können Sie Karten zum Verlauf der Strecke anschauen sowie alles Wissenswerte für die Planung einer Fahrt erfahren. Eine Smartphone-App begleitet Sie unterwegs mit Infos zu Erlebnispunkten und aktuellen Nachrichten während der Fahrt.




