Ulrike ist bereits vor einigen Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten. Als sie ihrem Vater von ihren Plänen erzählte, eine Woche im Kloster verbringen zu wollen, schüttelte der nur verständnislos den Kopf. Doch was ein Kollege von seinen Aufenthalten bei den Mönchen berichtet hatte, klang für die Mittvierzigerin vielversprechend: „Immer kurz bevor er das Gefühl bekam, alles würde ihm über den Kopf wachsen, ist er eine Woche ins Kloster gegangen.“ Also meldete sie sich zu sieben Tagen Meditation bei den Benediktinern in Ottobeuren an. Hier, so hoffte sie, würde sie die dringend benötigte Auszeit nehmen können, zur Ruhe kommen und richtig entspannen. Ohne gleich wieder an die Arbeit denken zu müssen, an die neuen Aufgaben als Abteilungsleiterin, die Umstrukturierungen im Unternehmen, die Bewältigung des ständig steigenden Arbeitspensums, die kleinen und großen Sorgen der Mitarbeiter. Einfach mal einen Gang zurückschalten, durchatmen. An einem Ort, an dem der Takt der Zeit viel langsamer scheint als in der schnelllebigen Arbeitswelt. Und so war es dann auch.




