Ulrike ist bereits vor einigen Jahren aus der katholischen Kirche ausgetreten. Als sie ihrem Vater von ihren Plänen erzählte, eine Woche im Kloster verbringen zu wollen, schüttelte der nur verständnislos den Kopf. Doch was ein Kollege von seinen Aufenthalten bei den Mönchen berichtet hatte, klang für die Mittvierzigerin vielversprechend: „Immer kurz bevor er das Gefühl bekam, alles würde ihm über den Kopf wachsen, ist er eine Woche ins Kloster gegangen.“ Also meldete sie sich zu sieben Tagen Meditation bei den Benediktinern in Ottobeuren an. Hier, so hoffte sie, würde sie die dringend benötigte Auszeit nehmen können, zur Ruhe kommen und richtig entspannen. Ohne gleich wieder an die Arbeit denken zu müssen, an die neuen Aufgaben als Abteilungsleiterin, die Umstrukturierungen im Unternehmen, die Bewältigung des ständig steigenden Arbeitspensums, die kleinen und großen Sorgen der Mitarbeiter. Einfach mal einen Gang zurückschalten, durchatmen. An einem Ort, an dem der Takt der Zeit viel langsamer scheint als in der schnelllebigen Arbeitswelt. Und so war es dann auch.
Regelmäßiger Tagesablauf im Kloster
Dass man als Gast unter den Mönchen jeglichem Komfort abschwören muss, ist allerdings ein Irrglauben. „Die Zimmer waren groß, komfortabel und sogar mit Dusche. Einen Fernseher gab es natürlich nicht. Aber das will man auch gar nicht“, berichtet Ulrike. Anders als oftmals im Berufsleben, ist der Tagesablauf im Kloster ganz regelmäßig. Acht Uhr Frühstück, zwölf Uhr Mittagesessen, sechs Uhr Abendessen. Einfache, überaus schmackhafte Kost, viel Frisches aus dem Klostergarten. Das tut dem gestressten Menschen, der daran gewöhnt ist, sich zwischen zwei Konferenzen vor dem Computer schnell eine Pizza reinzuschieben, ziemlich gut.
Auch von den Meditationsübungen der Benediktiner zeigt sich Ulrike angetan. „Vorher habe ich zu Hause auch oft Musik benutzt, um zu entspannen. Hier habe ich gelernt, erst zu entspannen und dann die Musik zu hören.“ Man spüre dadurch die Musik im ganzen Körper. Und: „Nach zwei, drei Tagen ist die Anspannung weg, man beginnt eine gewisse Gelassenheit zu bemerken“, sagt Ulrike, „vorausgesetzt natürlich, man ist auch bereit, sich darauf einzulassen.“ Wie sehr ihr das gelungen sei, zeige, dass ihr nach drei Tagen sogar Lesen zu viel Aktivität war, „und ich lese sonst wirklich viel und gerne.“ Sie habe in dieser Woche viele nachgedacht und oft einfach nur dagesessen.“ Und sie habe sich im Kloster Woche einen ganz anderen Schritt angewöhnt. „Ich bin ja eigentlich jemand, der eher schnell unterwegs ist. Aber in diesen hohen, weiten Gängen kann man gar nicht anders als würdevolle zu schreiten. Ich kam mir vor, als hätte ich auch eine Kutte an.“ Nun ist Ulrike aber eine sehr sportliche Frau und einen Urlaub ganz ohne Bewegung kann sie sich so richtig auch nicht vorstellen. Aber deshalb hatte sie ihr Mountainbike mit ins Allgäu genommen. Zeit zum Radfahren fand sie jeden Tag genügend.
Urlaub bei den Mönchen
Vom eigentlichen Klosterleben ist der Urlaub bei den Mönchen, wie Ulrike ihn gemacht hat, allerdings ein ganzes Stück weg. „Ein bisschen bekommt man mit, kann auch an der Morgenandacht teilnehmen oder Gespräche führen.“ Die Einladung zum „Mitleben im Kloster“ wird in vielen Orden aber auch ohne eine Teilnahme an Kursen oder Seminaren ausgesprochen. Dann geht es tatsächlich darum, einen Woche lang das Leben mit den Brüdern oder Schwestern zu teilen, mit zu beten und Tätigkeiten im Garten oder Haus zu übernehmen.
Auf der anderen Seite aber gibt es auch Klöster wie Arenberg bei Koblenz, das Vier-Sterne-Hotels Konkurrenz macht und von Nordic Walking über Aromamassage und Aquafittraining bis hin zu Fernseher und Internetanschluss jegliche Annehmlichkeiten bietet und deshalb oft als das Wellness-Kloster bezeichnet wird. Die Dominikanerinnen haben ihr ehemaliges Kneipp-Sanatorium in ein modernes Vitalzentrum umgebaut. Zeit für Besinnung versprechen aber auch die Schwestern von Arenberg:“ Die Atmosphäre unseres Hauses und unsere Angebote wollen Ihnen Raum bieten, das zu finden, was Ihnen in Ihrer persönlichen Lebenssituation gut tut.“




