Von JFK bis Bush: US-Präsidenten in Berlin
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Von JFK bis Bush: US-Präsidenten in Berlin

Bild: Foto: Foto - Studio Weizsäcker, Stuttgart, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Amerikanische Präsidenten auf Deutschlandreise haben es schwer. Stets werden sie am legendären Besuch John F. Kennedys gemessen. Als der am 26. Juni 1963 seine berühmte Rede vor dem Schöneberger Rathaus mit den Worten „Ich bin ein Berliner“ garnierte, waren Millionen Deutsche hingerissen. Kennedy appellierte an den Stolz der Bewohner einer geteilten Stadt: „Alle freien Menschen, wo immer sie leben, sind Bürger von Berlin.“ Wer die Fernsehbilder von damals betrachtet, ist erstaunt über die beinahe messianische Wirkung, die der Besucher auf die Deutschen ausübte: der Präsident als Popstar. Im offenen Wagen fuhr Kennedy neben einem strahlenden Bürgermeister Willy Brandt und einem eher grimmigen Bundeskanzler Adenauer, dem der Rummel um den Stargast ein wenig unheimlich war. Die Westdeutschen und die Amerikaner anno 1963 - das war fast eine Liebesbeziehung.

Amerikanische Präsidenten auf Deutschlandreise haben es schwer. Stets werden sie am legendären Besuch John F. Kennedys gemessen. Als der am 26. Juni 1963 seine berühmte Rede vor dem Schöneberger Rathaus mit den Worten „Ich bin ein Berliner“ garnierte, waren Millionen Deutsche hingerissen. Kennedy appellierte an den Stolz der Bewohner einer geteilten Stadt: „Alle freien Menschen, wo immer sie leben, sind Bürger von Berlin.“ Wer die Fernsehbilder von damals betrachtet, ist erstaunt über die beinahe messianische Wirkung, die der Besucher auf die Deutschen ausübte: der Präsident als Popstar. Im offenen Wagen fuhr Kennedy neben einem strahlenden Bürgermeister Willy Brandt und einem eher grimmigen Bundeskanzler Adenauer, dem der Rummel um den Stargast ein wenig unheimlich war. Die Westdeutschen und die Amerikaner anno 1963 - das war fast eine Liebesbeziehung.

Ein Tag Germany muss reichen

Für Bundesaußenminister Joschka Fischer war JFK „fast eine Ikone“. Was für ein Unterschied zum Staatsbesuch von George W. Bush, der vom 22. bis zum 23. Mai 2002 für 19 Stunden nach Berlin reiste. Statt jubelnder Massen erwarteten den mächtigsten Mann der Welt abgesperrte Plätze und wütende Demonstranten. Selbst im Deutschen Bundestag, wo Bush eine Rede hielt, saßen nicht wenige Abgeordnete, die aus ihren Ressentiments kein Hehl machten. Bush wiederum hatte sein Besuchsprogramm radikal zusammengestrichen. Ein Tag Germany, das muss genügen - so als sei die Visite ein lästiger Bußgang. Von der Herzlichkeit von einst ist wenig geblieben. „Das deutsch-amerikanische Verhältnis ist so zwiespältig wie lange nicht mehr“, urteilte der Spiegel.

“Bush-Alarm“ im Internet

Im Internet machten Globalisierungsgegner gegen den US-Präsidenten mobil. „Bush-Alarm“ hieß die Devise auf der Homepage von „gipfelsturm.net“. Dort wurde ein „Spektakel des Widerstands“ angekündigt, „egal ob kreativ, durch Blockade, Sabotage, pink-silver oder militant“. Bush wurde als Kriegstreiber und Scharfmacher bezeichnet. Linke Gruppen machen die USA für nahezu alle Krisen, Kriege und Katastrophen in der Welt verantwortlich. Die Berliner Polizei machte sich auf einiges gefasst. Sie hatte vorsorglich 38 Hundertschaften aus anderen Bundesländern bestellt. Amerikanische Bodyguards und Scharfschützen sicherten alle Zufahrtswege ab. Gullys wurden versiegelt, Spürhunde beschnüffelten mehrfach das Hotel Adlon, wo Bush eine abhörsichere Suite bezog. Von den drei großen Demonstrationen bekam der Gast aus Washington aber kaum etwas mit - von der Atmosphäre in der Stadt auch nicht.

Truman in Potsdam

Bushs Desinteresse an Europa ist keinesfalls neu in der US-Geschichte. Bis Kennedy hatten die meisten seiner Vorgänger ein eher distanziertes Verhältnis zu Deutschland. Das galt auch für den ersten Präsidenten, der kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs deutschen Boden betrat. Harry S. Truman logierte bei seinem Gipfeltreffen mit den anderen Vertretern der Siegermächte 20 Kilometer vom zerbombten Berlin entfernt. Die „Großen Drei“ - Truman, der russische Diktator Josef Stalin und der britische Premier Winston Churchill - trafen sich zwischen dem 16. Juli und dem 2. August 1945 in Schloss Cäcilienhof bei Potsdam. Auf der Konferenz wurde die Entnazifizierung und Teilung Deutschlands sowie die Einrichtung eines Alliierten Kontrollrats beschlossen. Doch die Einigkeit zwischen Truman und Stalin war inszeniert: Wenig später zerbrach die Koalition gegen Hitler, der Kalte Krieg begann. Aus Berlin wurde die geteilte Stadt, die „Frontstadt der freien Welt“, wie westdeutsche Politiker in jeder Rede betonten.

Luftbrücke, Carepakete und Marshall-Plan

Nach der russischen Blockade 1948 konnte Berlin nur durch die Hilfe amerikanischer „Rosinenbomber“ überleben. Spätestens seit der Luftbrücke fühlten sich die Deutschen den Amerikanern nahe - geistig, moralisch und menschlich. Die Care-Pakete, die Familien irgendwo in Arkansas oder Idaho für die Deutschen schnürten, trugen maßgeblich zum guten Verhältnis bei. Auf politischer Ebene sorgte der Marshall-Plan für gute Stimmung: ein riesiges Investitionsprogramm der Amerikaner, mit dem das geschundene Europa wieder aufgebaut werden sollte.

Kennedys Triumphzug

Als US-Präsident Dwight D. Eisenhower am 26. und 27. August 1959 Deutschland besuchte, erneuerte er feierlich den Bestandsschutz für Westberlin. Statt in die Frontstadt flog der ehemalige General aber lieber zu Bundeskanzler Adenauer nach Bonn. Der erste offizielle Staatsbesuch eines US-Präsidenten diente der Vorbereitung des Treffens mit dem sowjetischen Staatschef Chruschtschow. Eisenhowers Nachfolger John F. Kennedy feierte in Deutschland einen der größten außenpolitischen Erfolge seiner Amtszeit (23. bis 26. Juni 1963). Aus dem ehemaligen Feind war längst ein verlässlicher Freund geworden. Und so ließ sich der Präsident denn auch Zeit für seinen Triumphzug: Er besuchte geschichtsträchtige Orte wie den Kölner Dom oder die Paulskirche in Frankfurt, doch der Höhepunkt war die Ansprache vor dem Schöneberger Rathaus: oft kopiert, viel zitiert, auf Postkarten, T-Shirts und Briefmarken verewigt.

“Was immer sei, Berlin bleibt frei“

Alle Nachfolger Kennedys fühlten sich später bemüßigt, ähnlich „historische“ Sätze wie „Ich bin ein Berliner“ auf Deutsch zu formulieren, wie dies Kennedy gelungen war. Auch der Besuch der Mauer und des Brandenburger Tores gehörten bald zum Standardprogramm. Lediglich Lyndon B. Johnson, Gerald Ford und George Bush sr. Verzichteten auf einen symbolträchtigen Auftritt in Berlin. Richard Nixon (26./27. Februar 1969) hielt sich ziemlich genau an Kennedys Drehbuch und bekannte sich vor Siemens-Arbeitern als Schutzpatron Berlins. Jimmy Carter (13. bis 17. Juli 1978) diskutierte mit den Berlinern im Stil der amerikanischen Townhall-Meetings, bei denen der Amtsinhaber ins Kreuzverhör der Bürger genommen wird. Wie stark damals noch die deutsch-amerikanische Verbindung war, zeigt auch seine Rede auf dem Platz der Luftbrücke. Carter scheute sich nicht, Berlin als einen im biblischen Sinne auserwählten Ort, als zweites Amerika auszurufen: „Als eine Stadt freier Menschen strahlt das Licht Berlins in die ganze Welt. Eine Stadt auf dem Berg, die nicht verborgen werden kann. Die Augen der Menschheit sind auf sie gerichtet: Was immer sei, Berlin bleibt frei!“

“Reißen Sie die Mauer nieder!“

Ein Jahrzehnt später musste Ronald Reagan bereits gegen Pfiffe von Demonstranten ankämpfen, als er seine Rede vor dem Brandenburger Tor hielt. Bei der 750-Jahr-Feier Berlins appellierte Reagan am 12. Juni 1987 an den sowjetischen Führer Michael Gorbatschow: „Reißen Sie diese Mauer nieder!“ Drei Jahre später konnte Reagan mit seiner Frau Nancy tatsächlich durch das geöffnete Brandenburger Tor spazieren. Mehr Sympathien als Reagan konnte Bill Clinton bei seinen beiden Deutschland-Besuchen 1994 und 1998 für sich verbuchen. Auch hier durfte eine deutsche Sentenz nicht fehlen. „Nichts wird uns aufhalten. Alles ist möglich“, sagte Clinton bei seiner Rede am Brandenburger Tor (12. Juli 1994).

Christian Mayer

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