Weltbevölkerungstag: Wachstum ohne Ende?
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Weltbevölkerungstag: Wachstum ohne Ende?

Bild: Foto: Johann Jaritz, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Im Laufe des 20. Jahrhunderts hat sich die Weltbevölkerungszahl nahezu vervierfacht. Jede Minute steigt die Weltbevölkerung um mehr als 150 Weltbewohner und die Probleme wachsen im Gleichschritt mit: Immer mehr Menschen müssen mit immer weniger Land und sauberem Wasser auskommen. Nachdem am 11. Juli 1987 die Weltbevölkerung die Fünf-Milliarden-Schallmauer durchbrach, beschloss der Verwaltungsrat des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen 1989, jedes Jahr am 11. Juli den Weltbevölkerungstag zu begehen, um auf Probleme der globalen Bevölkerungsentwicklung hinzuweisen.

Wieviel Mensch verträgt die Erde?

Das Ausmaß und die Geschwindigkeit, mit denen sich die Menschheit scheinbar unaufhaltsam vermehrt, sind mehr als Besorgnis erregend. Im immer kürzeren Zeitspannen gibt es immer größere Zuwächse. Im Jahr 1804 beherbergte unser Planet noch eine Milliarde Menschen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten bereits 1,6 Milliarden Menschen auf der Erde, bis zum Jahre 1927 waren es zwei Milliarden, 33 Jahre später schon drei Milliarden. 1974 wurden vier und schon 1987 fünf Milliarden Menschen gezählt, 1999 sechs Milliarden Menschen und 2011 waren es sieben Milliarden.

Und unser Verbreitungsdrang scheint keine Grenzen zu kennen: Momentan wächst die Weltbevölkerung etwa um 1,2 Prozent oder 77 Millionen Menschen jährlich, laut UN-Prognose werden im Jahr 2050 rund 9,3 Milliarden die Welt bevölkern. Die bange Frage in diesem Zusammenhang lautet: Wie viel Mensch verträgt unser Planet?

Die Verbesserung der Gesundheitsversorgung in den Entwicklungsländern – die derzeit mit über 97 (!) Prozent für das Bevölkerungswachstum verantwortlich sind – und der Anstieg der Nahrungsmittelproduktion nach dem Zweiten Weltkrieg – die sogenannte “Grüne Revolution” – verursachten im 20. Jahrhundert weltweit einen plötzlichen Anstieg der Lebenserwartung und einen Rückgang der Säuglingssterblichkeit. Zwar weisen die meisten westlichen Industriestaaten mittlerweile stagnierende oder sinkende Geburtenzahlen auf (in Deutschland z.B. nimmt die Bevölkerung jährlich um etwa 0,1 % ab), aber das fällt bei der anhaltenden Bevölkerungsentwicklung in den Entwicklungs- und Schwellenländern kaum ins Gewicht.

In Afrika – 43 Prozent der Bevölkerung dort sind jünger als 15 Jahre – wird das relative Bevölkerungswachstum in Zukunft am höchsten ausfallen. Bis zum Jahr 2050 wird der Kontinent voraussichtlich eine Milliarde Menschen (dann ca. 1,8 Milliarden) hinzugewinnen – und dies trotz der verheerenden Folgen von HIV/Aids. Die größte absolute Zunahme wird jedoch in den Ländern Asiens stattfinden. Dort wird die Bevölkerung bis zum Jahr 2050 von heute 3,7 Milliarden auf 5,3 Milliarden Menschen anwachsen.

Düstere Aussichten für “Mutter Natur”

Überbevölkerung geht mit Umweltzerstörung einher. Industrialisierung, Konsumboom – auf 20 % der Weltbevölkerung in den reichsten Ländern entfallen 86 % des gesamten Privatverbrauchs – und Bevölkerungsexplosion sorgen dafür, dass die Energie-, Wasser- und Nahrungsmittelressourcen langsam aber sicher zur Neige gehen. Um im Jahr 2025 acht Milliarden Menschen ernähren zu können, bedarf es einer Verdoppelung der gegenwärtigen Nahrungsmittelproduktion. Dies wird sich jedoch in Anbetracht der zunehmenden Übernutzung, Erosion und Versalzung des verfügbaren Ackerlandes nur schwerlich realisieren lassen.

Auch in Sachen Wasser wird es eng: Besonders in den regenarmen Gebieten der Dritten Länder wird Wasser immer knapper. Experten gehen davon aus, dass sich Kriege und Krisen in Zukunft verstärkt am Verteilungskampf um das kostbare Gut Wasser entzünden werden. Ein weiterer Aspekt der Umweltzerstörung ist die Luftverschmutzung, die in “Megacities” wie Delhi und Mexiko City Atemwegserkrankungen verursacht. Naturkatastrophen – Folgen der globalen Erwärmung durch den Kahlschlag der Regenwaldgebiete – zwingen Millionen Menschen zur Flucht, was wiederum die Ausbreitung von AIDS und anderen Erkrankungen fördert.

Mütter- und Kindersterblichkeit

Insbesondere in den Entwicklungsländern mangelt es trotz nachweisbarer Fortschritte noch immer an Bildungsangeboten, ausreichender Nahrung, sanitären Einrichtungen und medizinischer Versorgung. Die Mütter- und Kindersterblichkeit ist viel zu hoch und vielerorts existieren weder Familienplanung noch Verhütungsmittel. Weil es an staatlichen Altersversorgungssystemen fehlt, glauben viele Eltern, sich in Form ihres Nachwuchses für ihr Alter absichern zu müssen: Angesichts der hohen Kindersterblichkeitsrate zeugen sie viele Kinder, damit eine ausreichende Zahl überlebt und später ihre Eltern finanziell unterstützen kann. Nur die Absenkung der Kinder- und Säuglingssterblichkeit infolge besserer medizinischer Versorgung kann diesem “Versicherungseffekt” entgegenwirken.

Zudem könnte beispielsweise adäquate Familienplanung und Sexualaufklärung Paaren helfen, ungewollte Schwangerschaften zu vermeiden. Ferner dürften vermehrte Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten für Frauen – internationaler Fachterminus: “empowerment of women” (etwa: Stärkung der Frauen) – den Kinderwunsch im Hinblick auf die eigenen Karriere erheblich reduzieren.

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