Afrika – unruhiger Erdteil in den Tropen
Afrika – unruhiger Erdteil in den Tropen Von Norden nach Süden 8000 km lang und von Osten nach Westen 7600 km breit, umfasst Afrika etwa 20 % der Landfläche der Erde, aber mit 869 Mio. Einwohnern nur 14 % der Erdbevölkerung. Afrika ist ein Tropenkontinent, jedoch reicht es im Norden und Süden auch in die Subtropen hinein. Afrika ist der Kontinent mit dem größten Bevölkerungswachstum. Der Lebensraum der dunkelhäutigen Völker beginnt südlich der Sahara, während der Norden von hellhäutigeren Völkern besiedelt ist. Über 40 % der Menschen hängen dem Islam an, rd. 40 % sind Christen, der Rest Anhänger traditioneller Religionen. Ein Großteil der ärmsten Länder der Erde liegt in Afrika. Regelmäßig treten in einigen Ländern Hungersnöte auf, oft ausgelöst durch Dürren oder kriegsähnliche Wirren. Afrika gehört bei vielen Bodenschätzen zu den führenden Welterzeugern (Diamanten, Chrom, Kupfer, Gold u. a.). Die Industrie ist gegenüber der Landwirtschaft noch wenig entwickelt. Die bedeutendsten landwirtschaftlichen Ausfuhrgüter sind Kaffee, Kakao, Kautschuk u. a. In Afrika liegen die wichtigsten Fundstätten für frühmenschliche Überreste und Steinwerkzeuge (Oldoway in Tansania). Mit der Vereinigung von Ober- und Unterägypten (um 3000 v. Chr.) beginnt die Geschichte Afrikas im engeren Sinn. Die bedeutendsten Staaten der sudanesischen Kultur waren Ghana, Kanem, Songhai, die Hausa-Staaten und Mali. Weiter südlich bildeten sich u. a. die Reiche der Mossi und der Yoruba. Ashanti im heutigen Ghana und Dahomey (das heutige Benin) verdankten ihre Macht dem Sklavenhandel. Der wissenschaftlichen Erschließung Afrikas durch europäische Forscher und Reisende folgte Ende des 19. Jh. die politische Unterwerfung fast des ganzen Erdteils und seine Aufteilung unter westeuropäische Kolonialmächte. Die rasche Entkolonialisierung Afrikas seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs übertrug in der Regel den kolonialen Verwaltungsapparat in die Hände einheimischer Eliten. Sie stellten fast überall die Führer der nationalen Befreiungsbewegungen, die nach der Erlangung der Unabhängigkeit oft im Rahmen von Einparteiensystemen bzw. autoritären Präsidialregimen die Macht ausübten. Demokratisierungsprozesse in vielen afrikanischen Staaten zu Beginn der 1990er Jahre führten nicht überall zu einer positiven Entwicklung. Zu Beginn des 21. Jh. waren die Hauptprobleme des Kontinents wirtschaftliche Rückständigkeit, gewaltsame Konflikte (z. B. im sudanesischen Darfur) und soziale Krisen (Aids). Marokko: Königreich im Atlas Marokko Amtlicher Name: Königreich Marokko Fläche: 458 730 km² Einwohner: 31,5 Mio. Hauptstadt: Rabat Amtsprache(n): Arabisch Währung: 1 Dirham = 100 Centime Landesnatur Welches Gebirge durchzieht das Land? Die Ketten des Atlasgebirges, des einzigen Faltengebirges des Kontinents von alpinem Charakter, beherrschen den Landschaftsaufbau von Marokko. Hinter einer schmalen, gut beregneten und fruchtbaren Küstenebene sowie der 600 bis 1000 m hohen Hochfläche der Meseta erheben sich im Norden der Mittlere Atlas (3343 m), dann der Hohe Atlas (Jabal Tubqal 4165 m), der das höchste und schroffste der jung gefalteten Kettengebirge in Nordafrika ist, und im Süden der Antiatlas (2531 m). Zwischen den teilweise von Korkeichen, Zedern und Nadelbäumen in lichten Wäldern bestandenen Gebirgen erstrecken sich steppenhafte Hochbecken und Täler. Nach Südosten geht das Land in die Sahara über. Bevölkerung Was sind Souks? Souks nennt man, wie in anderen arabischen Ländern, die berühmten Basare. Der orientalische Charme und das exotische Angebot locken v. a. Touristen an. Viele Souks sind größtenteils überdacht, um die Besucher vor der starken Sonneneinstrahlung zu schützen. Die marokkanische Bevölkerung ist überwiegend islamisch und setzt sich zu mehr als 50 % aus Arabern und 35 % aus berberischen Volksstämmen zusammen. Der Anteil der Europäer, zumeist Franzosen und Spanier, ist nach Aufhebung des Protektorats 1956 stark zurückgegangen. Wirtschaft Welche Metropole war ein Filmschauplatz? Casablanca – die heute größte Stadt und das Wirtschaftszentrum des Landes war Filmkulisse und Namensgeber für den legendären Klassiker mit Humphrey Bogart (»Rick«) und Ingrid Bergman (»Ilsa«). »Casablanca« kam 1942 in die Kinos und erhielt 1944 drei Oscars. In der Stadt Casablanca sowie in Tanger befinden sich die wichtigsten Häfen des Landes. Internationale Flughäfen gibt es in Casablanca, Agadir, Tanger und Marrakesch. Übrigens: Marokko ist der drittgrößte Korkproduzent der Erde und der zweitgrößte Produzent von Sardinenkonserven. Für den Export baut die Landwirtschaft v. a. Gerste, Oliven, Zitrusfrüchte, Wein, Obst und Gemüse an. Der Bergbau liefert in erster Linie Phosphat sowie Mangan, Blei, Eisen und Erdgas. Die Industrie des Landes erzeugt u. a. Nahrungsmittel, Chemikalien, Textilien, Metallwaren und Baustoffe. Der Tourismus ist einer der wichtigsten Devisenbringer. Geschichte Wie hieß das Land im Altertum? Mauretania. Das Land wurde 42 n. Chr. römische Provinz. Nach der Herrschaft der Wandalen (429–534) kam es im 6. Jh. an das Byzantinische Reich; 680–700 unterwarfen die islamischen Araber das Land. Seit 890 herrschten selbstständige Dynastien. Welche Dynastie herrscht noch heute? Mit Mulai Ar Raschid (1667–1672) kam eine Seitenlinie der Scherifen, die Alawiten oder Aliden (auch Hassaniden), die noch heute herrschende Dynastie, an die Macht. Sein Nachfolger Mulai Ismail (1672–1727) vertrieb 1684 die Engländer aus Tanger, 1720 die letzten Portugiesen aus Ceuta. Durch die Flucht des Algeriers Abd Al Kader nach Marokko kam es 1844–1845 zu Auseinandersetzungen mit Frankreich. Im Krieg 1859/60 mit Spanien besetzten die Spanier Tetouan. Was geschah in der Marokkokrise? 1904 begann Frankreich mit der »friedlichen Durchdringung« Marokkos, um das Land in ein Protektorat umzuwandeln. Deutschland sah darin seine Handelsinteressen in Marokko gefährdet. Nach zwei Marokkokrisen (1905 und 1911) musste Deutschland 1912 das französische Protektorat über Marokko schließlich anerkennen. Spanien erweiterte im gleichen Jahr sein Schutzgebiet in Nordmarokko. Dort brach 1921 der Aufstand der Rifkabylen unter Abd Al Krim aus, den Spanien und Frankreich gemeinsam erst 1926 unterdrücken konnten. 1956 erhielt Marokko die Unabhängigkeit, der Sultan nahm als Mohammed V. den Königstitel (1957) an. Ihm folgte 1961 sein Sohn Hassan II. Außenpolitisch beanspruchte Marokko weite Wüstengebiete Nordwestafrikas. 1963 kam es darüber zu einem ergebnislosen Grenzkrieg mit Algerien. Die Kolonie Spanisch-Sahara, die Spanien 1975 räumte, teilten sich Marokko und Mauretanien. 1999 verstarb Hassan. Sein ältester Sohn Sidi Mohammed wurde als Mohammed VI. neuer König. Im Juli 2002 kam es wegen der Besetzung der Mittelmeer-Insel Perejil durch marokkanische Polizisten zu einem außenpolitischen Konflikt mit Spanien. Was ist die Polisario? Eine 1973 gegründete Guerilla-Organisation in der Westsahara, die für die Unabhängigkeit des früher spanischen, 1976 zwischen Marokko und Mauretanien geteilten, 1979 von Marokko annektierten Gebiets kämpft. 1991 stimmten Marokko und die Polisario einem UNO-Friedensplan zu, der u. a. die Abhaltung eines Referendums in dem umstrittenen Gebiet vorsieht. Mauretanien: Wüstenland am Senegal Mauretanien Amtlicher Name: Islamische Republik Mauretanien Fläche: 1 025 520 km² Einwohner: 3,1 Mio. Hauptstadt: Nouakchott Amtsprache(n): Arabisch Währung: 1 Ouguiya = 5 Khoum Landesnatur Wie heißt der wichtigste Fluss? Senegal. Er bildet die Grenze zum gleichnamigen Nachbarstaat im Süden und ist der einzige dauernd Wasser führende Fluss des Landes. Mit seiner alljährlich vom Hochwasser überschwemmten Niederung ist er ein günstiges Siedlungsgebiet. Der größte Teil des Landes gehört zur Sahara. An die zum Teil mit Dünen bedeckte Küstenebene im Westen schließen sich die Sandsteinplateaus Adrar und Tagant an, die mit Geröll bedeckt sind und sich nach Nordosten zum Dünengebiet El Djouf senken. Die Dornsavanne des Sahel im Süden geht nach Norden bald in vegetationslose Wüste über. Wirtschaft Was ist Gummi arabicum? Ein natürliches Polysaccharid, das aus dem Pflanzensaft von Akazien gewonnen wird und ein wichtiges Exportprodukt des Landes ist. Darüber hinaus führt Mauretanien Fischfangprodukte, Eisen und Kupfer aus. Die Industrie verarbeitet die Erzeugnisse der Viehzucht und des Fischfangs. Die wichtigsten Häfen und Flughäfen sind Nouadhibou und Nouakchott. Ackerbau ist nur im Überschwemmungsgebiet des Senegal und in den Oasen möglich. Geschichte Wann wurde das Land unabhängig? Mauretanien erlangte 1960 als Teil Französisch-Afrikas die Unabhängigkeit. In diesem Jahr erfuhr ein großer Teil des Kontinents einen Wandel: 17 Länder wurden von den Kolonialmächten Frankreich, Großbritannien und Belgien in die Selbstständigkeit entlassen. Algerien: Nur an der Küste fruchtbar Algerien Amtlicher Name: Demokratische Volksrepublik Algerien Fläche: 2 381 741 km² Einwohner: 32,9 Mio. Hauptstadt: Algier Amtsprache(n): Arabisch Währung: 1 Algerischer Dinar = 100 Centime Landesnatur Wie viel Fläche des Landes ist Wüste? 85 % des Staatsgebiets liegen in der Sahara-Wüste. Fruchtbares Land findet sich v. a. an der über 1000 km langen Küste am Mittelmeer. Parallel zu ihr liegen die Gebirgsketten des Tellatlas, begleitet von großen Längstälern und Küstenebenen. Der Lalla Kredidja im Jurjurah-Gebirge ist mit 2308 m die höchste Erhebung des Tellatlas. Häufige Erdbeben (z. B. 1954 und 1980 in Al Asnam, 2003 östlich von Algier) zeigen an, dass die Bewegungen der Erdkruste, denen das Gebirge seine Entstehung verdankt, noch andauern. Südlich schließt sich die Hochebene der Schotts an mit zahlreichen abflusslosen Senken, die im Sommer mit Salzkrusten bedeckt sind. Bevölkerung Was ist Tamazight? Ein Berberdialekt, der 2002 als nationale Sprache offiziell anerkannt wurde. Staatssprache ist Arabisch, daneben ist Französisch Verkehrs- und Bildungssprache. Neben Tamazight werden weitere Berberdialekte (Kabylisch u. a.) in den Siedlungsgebieten der Berber gesprochen. Übrigens: Der Islam sunnitischer Richtung ist Staatsreligion. Daneben gibt es Reste vorislamischer Stammesreligionen. Rd. 50 000 Katholiken leben im Land. Wie viele Menschen leben in der Sahara? Die Wüste ist nur dünn besiedelt. In diesen Gebieten liegt die Bevölkerungsdichte bei unter einem Einwohner pro km². Im nördlichen Algerien beträgt sie über 100 Einwohner pro km². Der Anteil der städtischen Bevölkerung (2000: 60 %) nimmt ständig zu. Das jährliche Bevölkerungswachstum Algeriens betrug 1990–2000 durchschnittlich 2,4%. Wirtschaft Welche Exportfrucht wird in Oasen angebaut? In Südalgerien wachsen in den Oasen v. a. Datteln, die ausgeführt werden. Im Norden, wo die Landwirtschaft gute Bedingungen vorfindet, werden Weizen, Gerste, Hafer, Hirse, Mais, Kartoffeln, Gemüse, Tabak, Wein, Obst, Südfrüchte, Oliven und Baumwolle auf über 3 % der Staatsfläche angebaut. Wein, Olivenöl und Früchte werden ebenfalls exportiert. Außerdem werden Schafe, Rinder und Ziegen gehalten. Sonst wird nur nomadisch Viehzucht betrieben (Schafe, Ziegen, Rinder, Pferde, Esel, Maultiere und Kamele). Von Bedeutung sind auch die Korkeichenwälder, die Gewinnung von Alfagras und die Küstenfischerei. Was ist das »schwarze Gold« der Sahara? Erdöl- und Erdgasvorkommen. Ölleitungen führen von Hassi Messaoud und Edjélé zu den Mittelmeerhäfen und nach Tunesien. Erdöl und Erdgas machen zusammen ca. 97 % der Exportwerte Algeriens aus. In der Wüste befinden sich zudem noch andere umfangreiche Bodenschätze. Hochwertiges Eisenerz wird ebenfalls ausgeführt bzw. im Stahlkombinat von Annaba verarbeitet. Abgebaut werden außerdem Phosphat, Zink-, Blei- und Silbererze, Schwefelkies, Salz u. a.; weitere Vorkommen (besonders Platin, Zinn, Gold, Quecksilber und Uran) sind noch wenig erschlossen. Übrigens: Das Handwerk ist immer noch sehr verbreitet – wichtigste Zweige sind Teppichweberei, Verarbeitung von Leder, Keramik, Holz und Edelsteinen. Geschichte Seit wann ist das Land besiedelt? Das heutige Algerien war bereits zur Altsteinzeit besiedelt. Als die Phönizier um 1100 v. Chr. Handelsplätze anlegten, stießen sie auf die Zivilisation der Berber. Der phönizische Einfluss blieb auf die Küstenregion beschränkt. Später dominierte das Reich der Karthager, bevor es an die Römer fiel. 429–534 gehörte die Küste zum Wandalenreich, danach für mehr als ein Jahrhundert zu Byzanz. Während des 7. und 11. Jh. drangen in zwei großen Invasionswellen arabisch-muslimische Eroberer in den maghrebinischen Raum ein. Vom 11.–13. Jh. gehörte Algerien zum Reich der Almoraviden und Almohaden, bevor es 1519 an das Osmanische Reich fiel. 1830 besetzten französische Truppen Algier, 1847 wurde ganz Algerien französisch. Den erwachenden algerischen Nationalismus unterdrückte Frankreich. 1954 begann der Aufstand der »Nationalen Befreiungsfront« (FLN) gegen die Kolonialmacht. Im Jahr 1962 konnte die unabhängige Republik ausgerufen werden; Ahmed Ben Bella (* 1916) wurde zunächst Ministerpräsident, dann Staatschef. 1 Mio. Europäer verließen das Land. 1965 wurde Ben Bella gestürzt. Algerien verschrieb sich einem islamisch geprägten Sozialismus. Nach dem Wahlsieg der Islamischen Heilsfront trat der Staatschef Bendjedid Chadli 1992 zurück. Ein Oberster Staatsrat übernahm zunächst die Macht und verbot die Heilsfront. Es kam zum bürgerkriegsähnlichen Konflikt mit den Islamisten, der rd. 100 000 Tote forderte. Abdelaziz Bouteflika (seit 1999 Präsident, 2004 wiedergewählt) bemühte sich um eine Politik der Aussöhnung. Wer sind die Tuareg? Ein Berbervolk, dem rd. 1,2 Mio. Menschen im Westen der Zentralsahara angehören. Die Muslime leben in einer strengen hierarchischen Gliederung (Adelsschicht, Vasallen, Sklaven). Die Sprache der Tuareg ist das Tamashek, das zu den Berbersprachen gehört. Die Frauen haben eine starke gesellschaftliche Stellung und sollen die alte libysche Schrift Tifinagh überliefert haben. Bekannt ist die indigogefärbte Kleidung. Die Tuareg leben als (einst räuberische) Nomaden in Lederzelten und beherrschten lange Zeit den Karawanenhandel. Tunesien: Touristenziel am Mittelmeer Tunesien Amtlicher Name: Tunesische Republik Fläche: 162 155 km² Einwohner: 9,9 Mio. Hauptstadt: Tunis Amtsprache(n): Arabisch Währung: 1 Tunesischer Dinar = 1000 Millime Wirtschaft Was ist der wichtigste Devisenbringer? Der Tourismus hat sich zu einem immer bedeutenderen Wirtschaftszweig entwickelt, der Arbeitsplätze und v. a. viel Geld ins Land bringt. Insgesamt macht der Fremdenverkehr rd. 6 % des BIP aus. Touristen schätzen an Tunesien, das zu den wirtschaftlich entwickeltsten Ländern Afrikas zählt, die herrlichen Strände und antiken Sehenswürdigkeiten (z. B. das Bardo-Museum in Tunis, das die weltweit bedeutendste Sammlung römischer Mosaiken besitzt). Im Bereich der Landwirtschaft ist Tunesien das weltweit drittgrößte Olivenöl-Exportland. Die Ölbäume wachsen im Sahel. An der Mittelmeerküste wird v. a. Getreide und Wein angebaut, auf Bewässerungsland wachsen Gemüse und Südfrüchte. In den Steppengebieten überwiegt die traditionelle, z. T. noch nomadisch betriebene Viehwirtschaft. Landesnatur Welches Klima herrscht im Land? Die Küstenregion ist geprägt vom Mittelmeerklima mit milden, niederschlagsreichen Wintern und trockenwarmen Sommern, während im Rest des Landes Wüstenklima mit sehr niedriger Luftfeuchtigkeit herrscht. Diese beiden Klimazonen bestimmen auch die Vegetation in Tunesien. Die jährliche Niederschlagsmenge nimmt in den Bergländern von über 1000 mm im Norden auf über 500 mm im Süden und Osten ab. In Abhängigkeit davon gehen die Eichenwälder nach Süden hin in Aleppokiefern- und Steineichenwälder sowie schließlich Macchienbestände über. In den zentralen Steppen und der Sahel-Zone gedeihen Alfagras- und Artemisiasteppe. Wie heißt der wichtigste Fluss des Landes? Majradah. Er ist einer der wenigen ganzjährig Wasser führenden Flüsse im Norden und wird zur Bewässerung genutzt. Im südlichen Tafelland versickern fast alle Wasserläufe in Salzseen und Salzpfannen. Übrigens: Annähernd die Hälfte des Staatsgebiets liegt niedriger als 200 m ü. M., namentlich die Küstenebenen im Osten und die Tiefländer im Südwesten. Der Norden des Landes wird von den östlichen Ausläufern des Tell- und Saharaatlas (im Jabal Shahambi 1544 m hoch), zwischen denen fruchtbare Talzonen eingeschlossen sind, eingenommen. Während die felsige Nordküste steil zum Meer abfällt, ist die Ostküste flach und lagunenreich mit vorgelagerten Inseln im Golf von Hammamat sowie in der Kleinen Syrte (Djerba, Qarqannah). Bevölkerung Wie hoch ist der Anteil der Stadtbevölkerung? 63 % der Tunesier leben in den Städten des Landes. Die Bewohner des Landes sind fast ausschließlich Araber, daneben gibt es kleinere Gruppen von Berbern, besonders im Süden und auf der Insel Djerba. Die Zahl der Europäer (v. a. Franzosen, Italiener und Malteser) ist in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Übrigens: 99 % der tunesischen Bevölkerung gehören dem sunnitischen Islam an, der Staatsreligion ist. Geschichte Wer besiegte Karthago? Die Römer. Die im Altertum bedeutende Stadt, etwa 12 km nordöstlich vom heutigen Tunis gelegen, wurde 814 v. Chr. von Phöniziern als Kolonie zur Sicherung der Schifffahrt gegründet. Karthago besaß gute, sichere Häfen und später eine mächtige Burganlage. Ab dem 5. Jh. v. Chr. beherrschte Karthago den Handel im westlichen Mittelmeer vollständig. Als die Römer Süditalien eingenommen hatten, begann schließlich der Kampf mit Rom um die Vorherrschaft über das Mittelmeer (Punische Kriege). 146 v. Chr. wurde Karthago vollständig zerstört und der Restbestand des Hinterlands zur römischen Provinz (Africa) gemacht. In der Folgezeit wurde Tunesien von Wandalen (439–533 n. Chr.), seit 533 von Byzanz beherrscht. Ende des 7. Jh. eroberten die islamischen Araber das Land; es herrschten verschiedene Dynastien. 1574 fiel Tunesien an die Türken. 1871 erkannte die Türkei die Unabhängigkeit Tunesiens an. 1881 zwang Frankreich den Bei (Statthalter des Sultans), Tunesien der französischen Schutzherrschaft zu unterstellen. Wer herrschte im unabhängigen Tunesien? Habib Bourguiba (1903–2000) war der einflussreichste Politiker nach der Unabhängigkeit, die das Land 1956 erlangte. Er wurde Ministerpräsident, setzte 1957 den Bei ab und übernahm das Amt des Staatspräsidenten. Aufgrund des Widerstands der Bauern musste 1969 die Kollektivierung der Landwirtschaft abgebrochen werden. Nach mehrmaliger Wiederwahl ließ sich Bourguiba das Präsidentenamt 1975 auf Lebenszeit übertragen. 1981 ließ er weitere Parteien zu. Im Jahr 1987 wurde er wegen krankheitsbedingter Amtsunfähigkeit abgesetzt. Neuer Staatspräsident wurde daraufhin Zine al Abidine Ben Ali (* 1936). Bei den Wahlen 1994, 1999 und 2004 wurde er in seinem Amt bestätigt. Die außenpolitische Orientierung nach Westen und soziale Spannungen stärkten die Position des islamistischen Fundamentalismus. Wussten Sie, dass … viele Gebäude in Tunesien per Gesetz nur blau und weiß angestrichen sein dürfen? Weiß dient dazu, die Hitze aus dem Gebäudeinneren fernzuhalten, Blau soll angeblich Mücken abhalten. Hannibal, der berühmte Feldherr der Antike, seinen Alterssitz in der Verbannung auf einer der sieben Inseln vor der tunesischen Küste hatte, die heute Kerkennah-Inseln heißen? Libyen: Ölreicher Staat im Wandel Libyen Amtlicher Name: Sozialistische Libysch-Arabische Volks-Dschamahirija Fläche: 1 759 540 km² Einwohner: 5,9 Mio. Hauptstadt: Tripolis Amtsprache(n): Arabisch Währung: 1 Libyscher Dinar = 1000 Dirham Seit wann regiert Ghadafi? Seit 1969. Der Offizier Muammar Al Ghadafi (* 1942) stürzte in diesem Jahr die Monarchie und war danach bis 1979 unter wechselnden Bezeichnungen Staatschef. Anschließend trat er zurück, blieb aber als Führer der Revolution Machthaber. Lange Zeit verfocht Ghadafi eine radikal panarabische Politik und galt als Förderer des internationalen Terrorismus. Die Verwicklung in Aktionen des internationalen Terrorismus führten zu Spannungen mit dem Westen. 2003 vollzog Ghadafi einen politischen Kurswechsel, um Libyen aus der internationalen Isolierung zu befreien. U. a. gab er den Verzicht auf Massenvernichtungswaffen bekannt und wendete sich vom Panarabismus ab. Landesnatur An welche Länder grenzt Libyen? Das nordafrikanische Land grenzt an sechs Länder: an Ägypten, Sudan, Tschad, Niger, Algerien und Tunesien (im Uhrzeigersinn). Übrigens: Libyen gehört zwar zu den 20 größten Ländern der Welt, ist aber nur in wenigen Gebieten bewohnbar. Bis auf einen schmalen Küstenstreifen mit Mittelmeerklima wird das ganze Land von Wüsten verschiedener Art (Sand-, Geröll-, Kies- und Lehmwüste) mit nur wenigen Oasen eingenommen. Bevölkerung Leben Libyer in der Wüste? Nur wenige – bis auf die Oasen sind die Wüstengebiete menschenleer. 90 % der Bevölkerung konzentrieren sich auf die Küstenregion. Libyen zählt zu den am dünnsten besiedelten Gebieten der Erde. – Die Bevölkerung besteht aus rd. 35 % Arabern, 25 % Berbern, 30 % arabisch-berberischen und 6 % arabisch-türkischen Mischlingen. Der Islam ist Staatsreligion. Wirtschaft Wie sichert Libyen die Trinkwasserversorgung? Die größten Wasservorkommen des Landes liegen nicht an der Küste im Norden, sondern unter der Wüste im Süden des Landes. 2000 m unter dem Sand bildete sich vor 30 000 Jahren ein Süßwasserreservoir, dessen Dimensionen noch nicht erforscht werden können. Im Rahmen des sog. Great Man-Made River Project wird der unterirdische Wassersee angezapft und über ein mehr als 3000 km langes Röhrennetz im Land verteilt. Übrigens: Hauptexportgüter sind Erdöl und Erdgas (über 90 % des Ausfuhrwerts). Geschichte Was war Libya früher? Im Altertum war Libya die Bezeichnung für ganz Nordafrika westlich von Ägypten. Das heutige Libyen wurde im 1. Jh. v. Chr. römisch. Im 7. Jh. begann die arabische Herrschaft, die im 16. Jh. vom Osmanischen Reich beendet wurde. 1911/12 besetzten die Italiener das Land, das im Zweiten Weltkrieg von britischen Truppen erobert wurde. Ägypten: Land mit großer Vergangenheit Ägypten Amtlicher Name: Arabische Republik Ägypten Fläche: 1 002 000 km² Einwohner: 74,0 Mio. Hauptstadt: Kairo Amtsprache(n): Arabisch Währung: 1 Ägyptisches Pfund = 100 Piaster = 1000 Milliemes Landesnatur Wo entspringt der Nil? Der mit 6671 km längste Fluss der Erde, die Lebensader Ägyptens, hat mehrere Quellen in der Mitte des Kontinents. Der schon im 19. Jh. als Oberlauf erkannte Kagera-Nil entspringt in Rwanda und Burundi, durchströmt den Victoria- und den Albertsee, nimmt den Gazellenfluss und den Sobat auf, trifft bei Khartum als Weißer Nil mit dem Blauen Nil zusammen, nimmt bei Atbara noch den Atbara auf und fließt dann nordwärts über fünf große Katarakte durch die Wüste nach Kairo. Mit Ausnahme der Stromoase des Nils und einiger weiterer Oasen ist das Land wüstenhaft. In der Libyschen Wüste hat Ägypten Anteil an der Sahara. Östlich des Nils fällt die Arabische Wüste (bis 2187 m hoch) zum Roten Meer ab. Höchste Erhebung ist der Jabal Katrinah (2637 m) auf der Sinai-Halbinsel. Bevölkerung Was sind Fellachen? Die Ackerbau treibende Landbevölkerung in Ägypten wird Fellachen genannt. Im Land am Nil sind etwa 80 % der Einwohner Fellachen, die als arabisierte Nachkommen der alten Ägypter gelten. In Oberägypten wohnen die Nubier. Die nomadisch lebenden Beduinen gelten als reine Araber. Daneben gibt es kleinere Gruppen von Berbern sowie Türken, Griechen, Italiener, Zyprer, Malteser und Sudanesen. Übrigens: Neben der Amtssprache Arabisch dienen Englisch und Französisch als Verkehrs- und Bildungssprachen. Die koptische Sprache, die aus dem Altägyptischen hervorgegangen ist, wird noch als christliche Kirchensprache gebraucht. Wirtschaft Wie viel Landfläche wird bewirtschaftet? Das fruchtbare Kulturland nimmt nur rd. 3 % der Landfläche Ägyptens ein. Es gestattet bis zu drei Ernten im Jahr. Die Bewässerung und Energieversorgung ist v. a. durch den Staudamm bei Assuan gesichert. Es werden besonders Baumwolle, Getreide und Zuckerrohr angebaut. Verbreitet ist noch die nomadische Viehzucht. Bodenschätze (Erdöl, Erdgas, Eisen-, Kupfererz, Phosphat) werden zunehmend gefördert. Die Industrie erzeugt Baumwollwaren, Nahrungs- und Genussmittel, Düngemittel sowie Maschinen und Fahrzeuge. Wo liegen die Touristenziele? Zu den wichtigsten touristischen Reisezielen gehören die Pyramiden von Gizeh sowie die Tempel von Karnak und Theben. Dem Tourismus kommt erhebliche wirtschaftliche Bedeutung zu. Über 4 Mio. ausländische Touristen besuchen jährlich das Land. Eisenbahnen und Straßen erschließen das Niltal bis nach Assuan, das Nildelta und die Mittelmeerküste. Von internationaler Bedeutung ist der Suezkanal. Internationale Flughäfen sind Kairo und Alexandria. Wann wurde der Suezkanal gebaut? Der strategisch und wirtschaftlich wichtige Kanal, der das Mittelmeer mit dem Roten Meer verbindet, wurde zwischen 1859 und 1869 errichtet. Der Suezkanal verkürzt die Seewege von London nach Abadan (Iran) oder nach Mumbai (Indien) um 42 % und von Neapel nach Mitsiwa (Eritrea) sogar um 80 %. Die Durchfahrt durch den Kanal dauert durchschnittlich nur 15 Stunden, da keine Schleusen zu passieren sind. Übrigens: Der Suezkanal ist 162,5 km lang, 38 km entfallen auf dazwischenliegende Binnenseen. An der Oberfläche ist er 300 bis 365 m breit und 21 m tief. Geschichte Seit wann gibt es Ägypten? Das Land am Nil gehört zu den am frühesten besiedelten Gebieten der Erde. Sichere Spuren erster Siedlungen stammen von den Nilterrassen und lassen sich auf ca. 40 000 Jahre zurückdatieren. Die entscheidenden Neuerungen beim Übergang zur Jungsteinzeit bestanden in der Einführung von Ackerbau und Viehzucht, v. a. am Überschwemmungsgebiet des Nils, womit Bevölkerungswachstum und Sesshaftwerdung einhergingen. Um 3000 v. Chr. wurden Unterägypten (das Nildelta) und Oberägypten (das Niltal von Kairo bis Assuan) zu einem Reich zusammengelegt. Etwa gleichzeitig wurden Schrift und Kalender ausgebildet. Wenig später entwickelte sich die Steinbaukunst, Plastik und Malerei. Es bestand ein absolutes Gottkönigtum mit einer straff organisierten Beamtenschaft. Wann wurden die Pyramiden erbaut? Im Alten Reich (4. Dynastie, um 2570 bis 2470 v. Chr.) wurden die Pyramiden von Gizeh errichtet. Die ägyptische Pyramide entwickelte sich aus der rechteckigen Form der Mastaba als ein über der Grabkammer errichtetes Königsgrabmal aus Naturstein oder Ziegeln. Die Übergangsform zwischen Mastaba und Pyramide ist die Stufenpyramide des Djoser in Saqqara (3. Dynastie). Wer war Thutmosis III.? Einer der bedeutenden Herrscher der 18. Dynastie. Thutmosis III. (1490 –1436 v. Chr.) unterwarf in vielen Feldzügen ganz Syrien und verschob die ägyptische Grenze bis an den Euphrat. Innerhalb Ägyptens straffte er die Verwaltung und ließ in großer Zahl Tempel errichten. Ein weiterer einflussreicher Pharao war Echnaton (1364–1347 v. Chr.), der versuchte, den Polytheismus durch eine monotheistische Religion zu ersetzen, in deren Mittelpunkt der Sonnengott Aton stand. Nach seinem Tod wurden alle Reformen rückgängig gemacht. Wann wurde der Islam eingeführt? 640/41 eroberten die Araber Ägypten, führten den Islam ein und machten das Land zur Provinz des Kalifenreichs. Mit der 970 gegründeten Universität Al Azhar in Kairo wurde das Land ein religiöses Zentrum des Islam. Bis heute zieht die Universität muslimische Studierende aus allen Ländern an. Wer stürzte die Monarchie? Gamal Abd An Nasser (1918–1970). Er war Mitorganisator des nationalistischen Geheimbundes »Freie Offiziere«, der 1952 in einem Staatsstreich König Faruk stürzte. Ab 1954 regierte Nasser als diktatorischer Staatspräsident. Im Jahr 1956 verstaatlichte er den Suezkanal, was zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit Großbritannien, Frankreich und Israel führte (Suezkrise). Nassers Nachfolger Anwar as Sadat (1918 bis 1981) lockerte das diktatorische Regime, wandte sich dem Westen zu und schloss 1979 als erster arabischer Staatschef Frieden mit Israel. Staatspräsident Hosni Mubarak (seit 1981) setzte die Zusammenarbeit mit dem Westen fort und bemühte sich, die durch den Frieden mit Israel herbeigeführte Isolierung Ägyptens im arabischen Lager zu überwinden. Literatur Was sind Totenbücher? Mit Bildern geschmückte Sammlungen von Sprüchen, Hymnen und Liedern, die den Toten bei der Bestattung mitgegeben wurden, um ihnen Anleitungen und Hilfe für das Weiterleben im Jenseits zu geben. Übrigens: Die bedeutendste Bibliothek des Altertums wurde von Ptolemaios I. († 283 v. Chr.) in Alexandria gegründet. Sie umfasste zu Cäsars Zeiten 700 000 Bücherrollen und wurde im alexandrinischen Krieg 47 v. Chr. zerstört. Was geschah … um 2000–1785 v. Chr.? Im Mittleren Reich führen die Pharaonen das Land zu neuer Blüte. um 1552–1070 v. Chr.? Zur Zeit des Neuen Reichs wird Ägypten durch die Eroberung Syriens und Nubiens Großmacht. 332 v. Chr.? Alexander der Große erobert Ägypten und verleibt es seinem Weltreich ein. 30 v. Chr.? Während der Regentschaft Kleopatras wird Ägypten Provinz des Römischen Reichs. 1171? Die von Saladin begründete Dynastie der Ajjubiden führt das Land zu neuer Macht und kultureller Blüte. 1517? Ägypten erliegt dem Angriff der Türken. 1805? Mohammed Ali verdrängt den türkischen Statthalter und übernimmt die Regierung. 1914? Ägypten wird britisches Protektorat. 1922? Das Land wird in die Unabhängigkeit entlassen. Sudan: Größtes Land in Afrika Sudan Amtlicher Name: Republik Sudan Fläche: 2 505 810 km² Einwohner: 34,3 Mio. Hauptstadt: Khartum Amtsprache(n): Arabisch Währung: Sudanesischer Dinar Landesnatur Welche Nachbarn hat Sudan? Die Republik grenzt an Ägypten, Eritrea, Äthiopien, Kenia, die Demokratische Republik Kongo, die Zentralafrikanische Republik, Tschad und Libyen (im Uhrzeigersinn). Das flächenmäßig größte Land des Kontinents gehört zu etwa zwei Dritteln zur afrikanischen Großlandschaft Sudan und reicht im Norden mit den Gebieten der Libyschen und Nubischen Wüste in die Sahara hinein. Von Süden nach Norden wird das Land vom Nil durchflossen. Er bildet im Süden, im großen Becken des Weißen Nils, die Überschwemmungslandschaft Sudan. Im Westen liegt das steppenhafte Bergland von Darfur mit dem Basaltgebirge Jabal Marrah (3088 m). Die Vegetation reicht vom tropischen Regenwald im äußersten Süden über Feucht-, Trocken- und Dornsavanne zu Halbwüste und Wüste im Norden. In den Überschwemmungssavannen herrschen Sümpfe vor. Bevölkerung Wie viele Menschen leben als Nomaden? Der Anteil der Nomaden wird auf 10 % geschätzt. Ein Drittel der Bevölkerung lebt in den Städten. Die Bevölkerung des islamischen Nordens besteht v. a. aus Arabern und Nubiern, ferner Kuschiten (Bedja) sowie Nuba und Fur. Dagegen leben im Süden des Landes Niloten (Dinka, Schilluk, Nuer) u. a. afrikanische Volksgruppen (z. B. die Zande auf der Asandeschwelle). Sie gehören vorwiegend traditionellen Religionen und dem christlichen Glauben an. Wirtschaft Wer erschließt die Bodenschätze? Ergiebige Vorkommen von hochwertigem Erdöl am Rande des Weißnilbeckens und vor der Küste des Roten Meeres werden von chinesischen Ölkonzernen zunehmend erschlossen. Bislang können viele Bodenschätze (Gold, Eisen, Kupfer, Blei, Chrom, Nickel, Silber, Wolfram, Zink, Mangan, Graphit, Asbest) wegen mangelnder Verkehrserschließung nicht optimal genutzt werden. Die Landwirtschaft liefert für den Export v. a. Sesam und Baumwolle. Im Sudan werden 80 % der Weltproduktion an Gummi arabicum gewonnen. Aus der Viehzucht gelangen lebende Tiere, Häute und Felle in den Export. Geschichte Was war das Reich Kusch? Kusch war ein zeitweise mächtiges Land am mittleren Nil. Es lag südlich von Ägypten und nördlich des heutigen Äthiopien. Seine hamitischen Bewohner waren den Ägyptern und Libyern verwandt. Schon in vorgeschichtlicher Zeit war es von Ägypten stark beeinflusst, das mit Nubien Handel trieb und zeitweilig auch über Nubien herrschte. Um 850 v. Chr. gründete ein einheimisches Fürstengeschlecht das Reich Kusch mit der Hauptstadt Napata. Es wurde so mächtig, dass es als 25. Dynastie (um 745–653 v. Chr.) über Ägypten herrschte. Danach dehnte das Reich Kusch seine Macht nach Süden über den Sudan aus. Um 300 v. Chr. wurde die Hauptstadt nach Meroë verlegt; seit 200 v. Chr. nahm der ägyptische Einfluss ab. Angriffe aus Äthiopien und nomadisierender Wüstenvölker ließen das Reich schließlich nach 350 in mehrere kleine Staaten zerfallen. Wer waren die Mahdisten? Anhänger von Mahdi Mohammed Ahmed (1844–1885), der einen erfolgreichen Aufstand gegen die ägyptische Herrschaft leitete. 1883 hatte er den Sudan in seiner Hand, 1885 eroberte er Khartum. Sein Nachfolger, Abdallah, dehnte die Macht der Mahdisten noch weiter aus: 1888/89 unternahm er Feldzüge gegen Äthiopien, 1888 wurde die Äquatorialprovinz besetzt. 1893/94 stießen die Mahdisten mit den Italienern zusammen und wurden geschlagen. Der britische Oberkommandierende der ägyptischen Armee zog schließlich gegen den Sudan und vernichtete in der Schlacht von Omdurman 1898 das Reich des Mahdi. Was führte zum Bürgerkrieg? Religiöse Gegensätze zwischen islamischem Nord- und christlichem Südsudan. Der 17-jährige Bürgerkrieg endete schließlich 1972 mit der Gewährung der Autonomie für die Südprovinzen. Nachdem 1983 das islamische Recht (Scharia) eingeführt wurde, entflammte der Bürgerkrieg unter Führung der Sudanesischen Volksbefreiungsbewegung neu. 1989 übernahm General Ahmad Al Bashir die Macht (seit 1993 ziviler Präsident). Die Verfassung von 1998 institutionalisierte die islamische Republik Sudan (Präsidialsystem). Während sich die Lage im Süden entspannte, eskalierten Auseinandersetzungen zwischen Regierungseinheiten und Rebellengruppen in der Region Darfur seit 2003 zu einem neuen ethnisch motivierten Konflikt, der von schweren Menschenrechtsverletzungen begleitet wurde und eine Flüchtlingskatastrophe auslöste. Regierung und Sudanesische Volksbefreiungsbewegung schlossen 2005 ein Friedensabkommen zur Beendigung des Bürgerkriegs im Südsudan, der seit seinem Beginn rd. 2 Mio. Tote gefordert hatte. Wer sind die Djandjawid? Die schwer bewaffneten arabischstämmigen Reitermilizen führen seit Februar 2003 einen Vernichtungskrieg gegen die schwarzafrikanische Bevölkerung in Darfur im Westen des Sudan. Erst nach Eingreifen des UN-Sicherheitsrates begann die Regierung die Djandjawid zu entwaffnen. Weitere Gewalttaten konnten jedoch nicht sofort unterbunden werden. Nach UN-Schätzungen starben bislang 300 000 Menschen infolge der Kampfhandlungen, an Hunger oder durch Krankheit. Tschad: Staat im Zentrum des Kontinents Tschad Amtlicher Name: Republik Tschad Fläche: 1 284 000 km² Einwohner: 8,9 Mio. Hauptstadt: N'Djaména Amtsprache(n): Arabisch, Französisch Währung: CFA-Franc Landesnatur Warum schrumpft der Tschadsee? Durch starke Wasserentnahme aus dem wichtigsten Zufluss Chari trocknet der maximal 3 bis 6 m tiefe Tschadsee seit Mitte der 1970er Jahre zunehmend aus. Die Größe des versumpften Endsees schwankt je nach Jahreszeit zwischen 11 000 und 22 000 km². Über dem Tschadbecken, das den größten Teil des Landes einnimmt, erhebt sich im Osten das Hochland von Ennedi (bis 1450 m), im Süden das Hochland von Ouadaï und im Norden das altkristalline Tibestigebirge (im Emi Koussi 3415 m). Bevölkerung Wie viele Volksgruppen leben im Tschad? Die Bevölkerung umfasst über 150 verschiedene ethnische Gruppen. Rund 50 % sind Sudanvölker, gefolgt von den Arabern oder arabisierten Völkern mit rund 45 %. Die stärkste Gruppe sind die zu den Sudanvölkern gehörenden Sara im Süden. Wirtschaft Warum ist das Land arm? Jahrzehntelang haben die immer wieder aufflammenden bürgerkriegsähnlichen Konflikte die Wirtschaft schwer geschädigt. Dürrekatastrophen und Misswirtschaft verschärften die Situation. Als eines der ärmsten Länder der Welt (durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen 240 US-Dollar) ist der Tschad stark auf ausländische Hilfe angewiesen. Wichtigster Wirtschaftszweig ist die Landwirtschaft, in der 76 % der Erwerbstätigen beschäftigt sind. Wichtigste Anbaukultur ist Baumwolle. Niger: Ex-Kolonie der Franzosen Niger Amtlicher Name: Republik Niger Fläche: 1 267 000 km² Einwohner: 12,4 Mio. Hauptstadt: Niamey Amtsprache(n): Französisch Währung: CFA-Franc Landesnatur Wo liegt Niger? Niger ist ein Binnenstaat in Westafrika. Das Land hat Anteil am Nigerbecken im Südwesten und am Tschadbecken im Südosten. Beide Beckenlandschaften werden durch die Aïr-Schwelle mit dem horstartigen Gebirge Aïr (Mont Greboun 1944 m hoch) voneinander getrennt und im Norden von der zentralsaharischen Schwelle begrenzt. Breitet sich die Sahel- Zone immer weiter aus? Ja, die zunehmende Zerstörung der Vegetation und Bodenerosion in der Sahel-Zone begünstigen die Ausbreitung der Wüste. Die Sahel-Zone, an der Niger Anteil hat, ist eine Landschaft am Südrand der Sahara und bildet einen Übergang zwischen Wüste und Savanne. Bleiben Regenfälle ganz aus, kommt es zu Dürrekatastrophen wie 1973. Bevölkerung Wo leben die meisten Menschen? Die Hauptsiedlungs- und -wirtschaftsgebiete sind der Süden, in dem noch Regenfeldbau möglich ist, und besonders der vom Niger durchflossene äußerste Südwesten, wo zum Teil auch Bewässerungsfeldbau betrieben wird. Die Weideregionen der Wanderhirten sind die Sahel-Zone und der Aïr. Wirtschaft Was exportiert das Land? Wichtigstes Exportprodukt ist Uran. Daneben werden Phosphat, Braunkohle, Eisenerz und Salz gewonnen. Die Industrie beschränkt sich auf die Verarbeitung von Agrar- und Fischereiprodukten, die Herstellung von Baumaterialien, Textilien, landwirtschaftlichen Geräten und chemischen Produkten. Geschichte Wer war Heinrich Barth? Ein deutscher Forscher, der u. a. das heutige Niger bereiste. Barth (1821–1865) durchquerte die Sahara und stieß bis zum Tschadsee vor. Er war der erste Forscher, der Karten von Sahara und Sahel erstellt hat. Niger wurde Ende des 19. Jh. von Frankreich besetzt. Seit 1960 ist das Land unabhängig. 1996 putschte das Militär. 1999 wurde Mamadou Tandja zum zivilen Präsidenten gewählt (2004 bestätigt). Mali: Nachfolgerstaat eines alten Großreichs Mali Amtlicher Name: Republik Mali Fläche: 1 248 574 km² Einwohner: 13,5 Mio. Hauptstadt: Bamako Amtsprache(n): Französisch Währung: CFA-Franc Geschichte Wann gab es das Großreich Mali? Bereits um 1100 entstand am oberen Niger ein Reich Mali, das durch Salz- und Goldhandel sehr reich wurde. Seine größte Ausdehnung erlangte das Reich unter Mansa (König) Kankan Musa in der ersten Hälfte des 14. Jh. Neben Kaufleuten lockte Musa auch weiße Gelehrte und Baumeister an den Niger. Übrigens: 1904 wurde das ganze Gebiet am Senegal und Niger als Französisch-Sudan ein Teil Französisch-Westafrikas. 1958 erhielt die französische Kolonie innere Autonomie. 1960 entstand die heutige Republik Mali. Landesnatur Wie heißt der wichtigste Fluss? Bedeutendster Fluss ist der Niger. An seinen Ufern sind die wichtigsten Siedlungen Malis entstanden. Oberhalb von Timbuktu bildet er ein großes Binnendelta. Den Südwesten des Landes nimmt ein Tafelland ein, das nach Norden in die Sahara übergeht. Im Nordosten erhebt sich das Gebirgsland von Adrar des Iforas. Die Feuchtsavannen im Süden gehen über die Dornsavannen des Sahel in Halbwüste und Wüste über. Bevölkerung Wie viele Anhänger von Naturreligionen gibt es? 18 % der Bevölkerung von Mali halten an Naturreligionen fest. Die Mehrheit, rd. 80 %, gehört dem islamischen Glauben an, rd. 1 % sind Christen. Die Bevölkerung setzt sich im dichter besiedelten Bereich des Niger aus Hackbau treibenden Völkern (Mande, Bambara, Soninke, Malinke) zusammen. Nomadische und halbnomadische Fulbe finden sich besonders im Westen von Mali. Das Bauernvolk der Senufo lebt v. a. im südöstlichen Landesteil. Den wüsten- und halbwüstenhaften Norden des Landes durchziehen berberische Tuareg und Mauren. Wirtschaft Was liefert Mali an Nachbarländer? Das afrikanische Land versorgt die südlich liegenden Länder der Guineaküste mit lebendem Vieh. Die weitgehend von Nomaden im mittleren und nördlichen Mali betriebene Viehzucht hat große Bedeutung. Die Landwirtschaft liefert v. a. Baumwolle, (29 % der Gesamtausfuhr). An Bodenschät