Amerika – spät entdeckter Doppelkontinent

Amerika – spät entdeckter Doppelkontinent Der Kontinent Amerika ist nach dem italienischen Seefahrer Amerigo Vespucci benannt worden und wird wegen der relativ späten Entdeckung durch die Europäer auch als Neue Welt bezeichnet. Die beiden Teile des Doppelkontinents (Nord- und Südamerika) sind durch die zentralamerikanische Landbrücke miteinander verbunden. Zentralamerika und Westindien werden zu Mittelamerika zusammengefasst. Sowohl auf der Nord- als auch auf der Südhalbkugel erstreckt sich Amerika über sämtliche Klimazonen. Vor der Erschließung durch die Europäer lebte in Amerika eine Urbevölkerung mit mongolischen Einschlägen (Inuit und Indianer). Die Hochlandbewohner Mexikos (Azteken), Yucatáns (Maya) und Peru-Boliviens (Inka) hatten schon vor der Entdeckung des Kontinents durch Christoph Kolumbus (1492) hohe Kulturen entwickelt. Durch die europäischen Einwanderer erhielt Nordamerika ein vorwiegend britisches Gepräge, während Mittel- und Südamerika kulturell von Spaniern und Portugiesen geformt wurden. Der Sklavenhandel mit Afrika brachte Schwarzafrikaner nach Amerika. Dank seiner reichen und verschiedenartigen Bodenschätze sowie der klimatisch bedingten zahlreichen Möglichkeiten landwirtschaftlicher Nutzung ist Amerika heute einer der wichtigsten Wirtschaftsräume der Erde. Auf der breiten Rohstoffbasis hat sich besonders in Nordamerika eine vielseitige und hochleistungsfähige Großindustrie entwickelt. Kanada: Wirtschaftlich stark und landschaftlich einzigartig Kanada Amtlicher Name: Kanada Fläche: 9 984 670 km² Einwohner: 32,3 Mio. Hauptstadt: Ottawa Amtsprache(n): Englisch, Französisch Währung: 1 Kanadischer Dollar = 100 Cent Welcher Fluss löste einen Goldrausch aus? Der Klondike. Der US-Amerikaner George Washington Carmack hatte 1896 an einem Nebenarm des Klondike, eines Nebenflusses des Yukon im Nordwesten Kanadas, ein ergiebiges Goldvorkommen entdeckt. Als diese Nachricht in den USA eintraf, brach ein legendärer Goldrausch aus, der letzte in Nordamerika und zugleich der kürzeste und stürmischste. Rd. 100 000 Menschen machten sich auf den beschwerlichen Weg zum Klondike. Mit einer Ausrüstung von fast 1 t Gewicht – die Lebensmittelvorräte eingeschlossen – mussten die Glücksritter von Südalaska aus eine Strecke von 880 km durch unwegsames Gebiet zurücklegen. Nur ungefähr 4000 waren erfolgreich, einige 100 wurden wirklich reich. Einen sicheren Gewinn verzeichneten hingegen die Geschäftsleute, die sich im 1896 entstandenen Ort Dawson City niederließen. Landesnatur Wie groß ist Kanada? Kanada ist flächenmäßig nach Russland das zweitgrößte Land der Erde. Der Staat, der fast so groß wie ganz Europa ist, erstreckt sich über fünfeinhalb Zeitzonen zwischen Pazifik und Atlantik. In der Sprache der Cree-Indianer bedeutet Kanada »sauberes Land«. Der gigantische Flächenstaat, der nicht nur über reiche Bodenschätze, sondern auch über die größten Süßwasserreserven der Welt verfügt, hat einzigartige und faszinierende Landschaften. Zur Hälfte baut sich das Land aus dem Rumpf des Kanadischen Schildes auf, einem alten Faltengebirge, das im Laufe der Erdgeschichte durch Erosion auf 400–500 m Höhe eingeebnet wurde. Wie viele Nationalparks gibt es im Land? 38 Nationalparks und sog. National Park Reserves. Allein in den Rocky Mountains gibt es sieben. Im Wood Buffalo National Park lebt die größte Bisonpopulation der Welt. Dieser und weitere Parks zählen neben historischen Orten wie die Altstadt von Québec zu den 13 Stätten, mit denen Kanada auf der UNESCO-Liste des Welterbes vertreten ist. Wo liegt die Hudsonbai? Die Hudsonbai, ein Binnenmeer von mehr als der doppelten Größe Frankreichs, trennt den Westen des Kanadischen Schildes von der Halbinsel Labrador im Osten. Im Norden löst sich das Festland im Polarmeer in die zahlreichen, teilweise vergletscherten Inseln des Kanadisch-Arktischen Archipels auf. Den bis zu 1500 m hohen nördlichen Appalachen im Osten Kanadas schließen sich am Atlantik die Hügellandschaften der Halbinsel Nova Scotia und der Inseln Prince Edward Island und Neufundland an. Westlich der Appalachen wird der mächtige Sankt-Lorenz-Strom von einem fruchtbaren Tiefland begleitet. Nach Westen schließen sich dem Kanadischen Schild die Großen Inneren Ebenen an, die als Tafellandschaft von Osten nach Westen von 300 m auf 1500 m Höhe ansteigen. Den Westen Kanadas beherrschen die 3000 bis 4000 m hohen Kordilleren der Rocky Mountains und der pazifischen Küstenkordillere. Bevölkerung Leben noch Indianer in Kanada? Ja. Rd. 780 000 Indianer leben im Land, verteilt auf den Süden und die bewaldeten Gebiete im Norden. Hinzu kommen noch 50 000 Inuit an den nördlichen Küsten und auf den arktischen Inseln. 1999 wurde ihnen mit Nunavat das erste weitgehend autonom verwaltete Gebiet übertragen, später noch Inuvialuit, Nunavik und Nunatsiavut. Darüber hinaus konzentriert sich die Bevölkerung auf einem bis zu 350 km breiten Streifen entlang der Grenze zu den USA. Weite Teile des Nordens sind nahezu unbesiedelt. Fast vier Fünftel der Kanadier leben in Städten, die meisten in Toronto, Montreal, Vancouver und Ottawa. Ist Kanada ein Einwanderungsland? Ja, bis heute wandern jährlich 200 000 Menschen legal ein. Die meisten Kanadier sind Weiße britisch-irischer oder französischer Abstammung. Die rd. 6 Mio. Frankokanadier gehen auf die französischen Immigranten des 17. und 18. Jh. zurück. Ihnen folgten im 18. Jh. britische Einwanderer. Anfang des 20. Jh. kamen auch Zentral-, Ost- und Südeuropäer ins Land, nach dem Zweiten Weltkrieg folgten weitere Südeuropäer. Viele Immigranten der 1960er Jahre stammten aus der Karibik und Südamerika, seit den 1970er Jahren aus Asien. Geschichte Wer erforschte das Land? 1497 erreichte der italienische Entdecker John Cabot (um 1450–1498/99) auf der Suche nach dem Seeweg nach Indien die Küste Kanadas. 1534/35 erforschte Jacques Cartier (1491–1557) den St.-Lorenz-Strom und nahm das Land beiderseits des Flusses für Frankreich in Besitz. Die Gründung der Hudsonbai-Kompanie 1670 verschärfte die britisch-französischen Rivalitäten. 1763 musste Frankreich alle nordamerikanischen Festlandsbesitzungen an Großbritannien abtreten. Die Engländer garantierten den Franzosen in Kanada Religionsfreiheit und ihr Eigentum. Im Ersten Weltkrieg kämpfte Kanada an der Seite des Mutterlands. Mit dem Westminsterstatut 1931 erhielt Kanada nahezu die volle Unabhängigkeit. Im Zweiten Weltkrieg näherte sich die Regierung unter William L. Mackenzie King den USA an, unterstützte aber auch Großbritannien. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Kanada Mitglied der UN und trat der NATO bei. 1949 schloss sich Neufundland dem Dominion an. Mit dem Constitution Act von 1982 konnte Kanada Verfassungshoheit von Großbritannien erlangen. Welches Problem hat die Provinz Québec? Die Autonomiebestrebungen der Frankokanadier in der größten und am stärksten bevölkerten Provinz (rd. 7,5 Mio. Einwohner) im Osten des Landes wurden zu einem innenpolitischen Problem. 1980 und 1995 scheiterten Referenden über die Eigenständigkeit der Provinz Québec mit der gleichnamigen Hauptstadt. 1995 gaben etwas mehr als 50 000 Stimmen den Ausschlag für den Verbleib bei Kanada. In Québec leben mehr als 80 % Frankokanadier. Die bedeutendste Industriestadt ist Montreal. Wirtschaft Ist Kanada eine Wirtschaftsmacht? Ja. Ein seit über zehn Jahren anhaltendes Wirtschaftswachstum, verbunden mit Überschüssen im Staatshaushalt, hat Kanada an die Spitze der G-8-Staaten gebracht. So stieg das BIP pro Kopf in der letzten Dekade um ca. 25 % – und damit schneller als in allen übrigen G-8-Staaten. Die kanadische Wirtschaft ist bis heute eng mit den USA verknüpft. 86 % der kanadischen Exporte gehen in das Nachbarland und 61 % der Importe kommen aus den Vereinigten Staaten. Was verbindet Kanada mit Saudi-Arabien? Erdöl. Kanada ist einer der größten Rohstofflieferanten der Welt: Seit Anfang des 21. Jh. die Technik zur Gewinnung der großen Schwerölvorräte in den Ölsanden Albertas rentabel wurde, ist Kanada nach Saudi-Arabien das Land mit den weltweit größten Erdölreserven. In der Weltgasförderung belegt es Platz drei, bei der Erdölförderung bisher Platz neun. Der Bergbau erwirtschaftet ein Viertel des Exportwerts. Kanada ist weltgrößter Uranförderer. Auf Basis der Rohstoffe hat Kanada eine breit gefächerte Industrie aufgebaut. Was exportiert die Landwirtschaft? Obwohl nur 8 % der Staatsfläche landwirtschaftlich genutzt werden, gehört das Land zu den größten Getreideexporteuren der Welt. Die Kornkammer des Landes ist der Südteil der Prärieprovinzen (Alberta, Saskatchewan, Manitoba – kurz »Alsama«). Hier wird v. a. Weizen angebaut. Neben Getreide werden auch Ölsaaten wie Raps und Leinsamen kultiviert. Die atlantische Fischerei – die Neufundlandbank zählt zu den ertragreichsten Fischgründen der Welt – und die pazifische Fischerei liefern Lachs, Kabeljau, Hummer, Hering u. a. Holz und Holzerzeugnisse stellen rd. 11 % des Ausfuhrwerts und stehen damit an 3. Stelle der Exportliste hinter Autos und Maschinenbauerzeugnissen (51 %) bzw. Produktionsgütern (16 %). Was geschah … um 1000? Der Wikinger Leif Eriksson landet an der Küste Neufundlands. 1497? Der italienische Seefahrer John Cabot erreicht die kanadische Küste. 1534/35? Jacques Cartier nimmt die Gebiete beidseitig des St.-Lorenz-Stroms für Frankreich in Besitz. 1663? Kanada wird königliche französische Kolonie. 1763? Im Frieden von Paris tritt Frankreich alle nordamerikanischen Festlandsbesitzungen an Großbritannien ab. 1867? Das Londoner Parlament verabschiedet den British North America Act, der das Dominion of Canada schafft. 1931? Kanada wird ein souveräner Staat im britischen Commonwealth. 1980/1995? In Québec scheitern Referenden zur Unabhängigkeit der Provinz. 1999? Die Inuit erhalten mit Nunavut ein eigenes Territorium. Vereinigte Staaten von Amerika: Dominierende Weltmacht Vereinigte Staaten von Amerika Amtlicher Name: Vereinigte Staaten von Amerika Fläche: 9 631 418 km² Einwohner: 297 Mio. Hauptstadt: Washington Amtsprache(n): Englisch Währung: 1 US-Dollar = 100 Cent Geschichte Was war die Boston Tea Party? Der Ausgangspunkt der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung. Auf der Boston Tea Party 1773 wurde eine Ladung Tee als Protest gegen die englische Teesteuer vernichtet. Der Konflikt mit London entzündete sich an der Forderung der Kolonisten nach freiem Handel und dem Versuch der Krone, durch neue Steuern und Zölle mehr Geld aus den Kolonien zu bekommen. Die Kolonisten wollten der Mehrbelastung nur nachkommen, wenn sie mehr Rechte erhielten. Die Konfrontation gipfelte in der Konstituierung des 1. Kontinentalkongresses 1774 in Philadelphia. Der Einsatz britischer Streitkräfte gegen Massachusetts führte zum Unabhängigkeitskrieg 1775–1783. Die Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 zerschnitt das Band zwischen den Kolonien und England. Im Frieden von Paris 1783 gewannen die früheren Kolonien ihre volle Unabhängigkeit. Auf einem Verfassungskonvent wurde 1787 die bis heute gültige Verfassung der USA geschaffen. Wie hieß der erste US-Präsident? George Washington (1732–1799), der Oberbefehlshaber der amerikanischen Truppen im Unabhängigkeitskrieg war. Als erster Präsident verschaffte er der neuen Bundesregierung durch eine maßvolle Innenpolitik Autorität gegenüber den Einzelstaaten. Was war der Hintergrund des Sezessionskriegs? Als Abraham Lincoln (1809–1865), ein Gegner der Sklaverei, zum Präsidenten gewählt wurde, erklärte South Carolina seinen Austritt aus den USA (Sezession). Bis Mitte Mai 1861 folgten zehn weitere Südstaaten. Sie bildeten die Konföderierten Staaten von Amerika. Lincoln verweigerte ihnen die Anerkennung. Mitte April 1861 kam es zum Sezessionskrieg, der 1865 mit der Kapitulation der Südstaaten und Wiederherstellung der Union endete. Den 1863 durch Proklamation des Präsidenten frei gewordenen Schwarzen wurde das Wahlrecht zuerkannt. Was geschah am Little Bighorn? In der Schlacht am Little Bighorn (heutiges Montana) konnten 1876 indianische Stämme einen ihrer wenigen Siege über amerikanische Streitkräfte feiern. Es war einer der letzten großen Kämpfe zwischen Indianern und Weißen. Weiße Siedler vertrieben die Indianer vom Atlantik immer weiter in das Landesinnere. Welche Hoffnungen ruhten auf Kennedy? Mit der Wahl des Demokraten John F. Kennedy (1917–1963) 1960 zum bis dahin jüngsten US-Präsidenten machte sich Aufbruchstimmung in den USA breit: Der charismatische, mediengewandte Kennedy verkörperte für viele die Hoffnung auf Fortschritt, Freiheit, Frieden und Gleichberechtigung der Rassen. Der Mord an ihm 1963 schockierte die Welt. Sein Nachfolger Lyndon B. Johnson (1908–1973) bemühte sich, Kennedys Programm fortzuführen (Bürgerrechtsgesetz, »Feldzug gegen die Armut«). Welche Folgen hatte der Vietnamkrieg? Die militärischen und politischen Misserfolge in Indochina zerbrachen den gesellschaftlichen Konsens, indem sie die US-Bevölkerung in konservative Befürworter und Anhänger von teilweise radikalen Protestgruppen spalteten, die auch den »American Way of Life« per se in Frage stellten. Präsident Richard M. Nixon (1913–1994) konnte 1973 den Krieg in Vietnam durch einen Waffenstillstand und den Abzug der amerikanischen Truppen für die USA formell beenden. Als Erbe blieb ein massiver Vertrauensverlust der Gesellschaft in die eigenen nationalen Kräfte, aber auch in moralische Integrität und Anspruch der Regierung, gesteigert noch durch die Watergate Affäre, die Nixon 1974 zum Rücktritt zwang. Nixons Entspannungsbemühungen im Kalten Krieg, gekrönt von der Normalisierung der Beziehungen zu China und den Rüstungsbeschränkungen mit der Sowjetunion (SALT I 1972), setzten die Präsidenten Gerald R. Ford (* 1913) mit der Unterzeichnung der Schlussakte von Helsinki 1975 und James (Jimmy) E. Carter (* 1924) mit dem Abschluss der Salt-II-Verhandlungen fort. Welcher Ex-Schauspieler wurde Präsident? Ronald W. Reagan (1911–2004). Der Republikaner verkörperte die Hoffnung auf Rückgewinnung der Weltmachtstellung und Überwindung der Wirtschaftskrise. 1983 intervenierten die USA in Grenada. Reagan unterstützte die Opposition in Nicaragua und schloss 1987 mit der UdSSR ein Abrüstungsabkommen (INF-Abkommen). Unter Reagans Nachfolger George H. Bush (* 1924) befreiten die USA 1991 im Rahmen eines UNO-Mandats an der Spitze alliierter Truppen das im August 1990 vom Irak annektierte Kuwait. Das Ende der UdSSR machte die USA zur alleinigen globalen Führungsmacht. 1993 wurde der Demokrat Bill Clinton (* 1946) neuer Präsident (Wiederwahl 1996). Er versuchte neue wirtschafts- und sozialpolitische Schwerpunkte zu setzen. 1999 scheiterte ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihn (Lewinsky-Affäre). Außenpolitisch blieb das Verhältnis zum Irak gespannt, im israelisch-palästinensischen Konflikt bemühten sich die USA vergeblich um eine dauerhafte Friedenslösung (Wye-Abkommen 1998/99; Verhandlungen in Camp David 2000). Im Jahr 1999 organisierten die USA nach der Eskalation der Kosovo-Krise den NATO-Luftkrieg gegen Jugoslawien. Die Präsidentschaftswahlen 2000 gewann der Republikaner George W. Bush (* 1946). Als Reaktion auf die Anschläge des 11. September 2001 rief Bush zur Bekämpfung des globalen Terrorismus auf und ging militärisch gegen das afghanische Taliban-Regime vor, weil es das islamistische Terrornetzwerk Al Qaida unter Führung von Usama Bin Ladin unterstützte. Im Rahmen einer neuen Nationalen Sicherheitsstrategie gegen den internationalen Terrorismus und die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen setzte die Regierung Bush 2002 eine verschärfte UNO-Resolution über Waffeninspektionen im Irak durch. Nach Kontroversen im UN-Sicherheitsrat über die Einhaltung der Resolution gingen die USA gemeinsam mit Großbritannien 2003 militärisch gegen den Irak vor und beendeten dort die Herrschaft Saddam Husseins. Bei den Präsidentschaftswahlen 2004 konnte sich Bush gegen den demokratischen Herausforderer John F. Kerry (* 1943) durchsetzen. Landesnatur Aus wie vielen Staaten bestehen die USA? Aus 50 Bundesstaaten sowie Washington D. C.; Alaska und Hawaii traten 1959 als 49. bzw. 50. Staat der Union bei. Der flächenmäßig drittgrößte Staat der Erde bietet eine ausgesprochen facettenreiche Landschaft. Den Landschaftscharakter bestimmen bewaldete Mittelgebirge im Osten, weite, von großen Strömen durchzogene Ebenen in der Mitte und Hochgebirge mit eingelagerten Plateaus im Westen. Fast das gesamte westliche Drittel der USA wird von dem bis 1700 km breiten, erdgeschichtlich jungen Gebirgssystem der Kordilleren eingenommen, das sich aus den Rocky Mountains im Osten, der Westkordillere mit Kaskadengebirge und Sierra Nevadas sowie der Küstenkordillere im Westen zusammensetzt. Westlich der Rocky Mountains schließen sich Hochplateaus und Becken an, im Norden das Columbia Plateau, südlich davon das Great Basin. Im Südteil liegt ein trockenheißer Wüstenbereich mit dem bis 86 m unter den Meeresspiegel reichenden einzigartigen Death Valley. Im Südosten liegen die unterschiedlich hoch gehobenen Blöcke des Colorado Plateau mit dem bis 1800 m tief eingeschnittenen Grand Canyon. Bevölkerung Woher kommt der Name Indianer? Von der irrigen Meinung des Seefahrers Christoph Kolumbus, Indien entdeckt zu haben. Die »Bewohner Indiens«, die Indianer, sind die Ureinwohner Amerikas. Weiße Siedler verdrängten alle Indianer des Ostens in ein Indianer-Territorium westlich des Mississippi und wiesen sie in Reservationen ein. Heute bildet die indianische Bevölkerung mit 0,9 % nur noch eine Minderheit in den USA. 75 % der Bevölkerung sind Weiße überwiegend europäischer Abstammung. Über die Hälfte der Schwarzen (13 % der Bevölkerung) leben in den 17 Südstaaten (1850: 97 %). Die Zahl der Hispanics (Einwohner aus Lateinamerika und ihre Nachkommen) sowie der Asiaten nimmt in den USA am stärksten zu. Nach der Einwohnerzahl stehen die Vereinigten Staaten, das weltgrößte Einwanderungsland, an dritter Stelle in der Welt. Wirtschaft Was war der »Schwarze Freitag«? Der Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929, die eine jahrelange weltweite Rezession einleitete. Der Sturz der durch wahnwitzige Spekulationsgeschäfte in die Höhe getriebenen Aktienkurse löste an der New Yorker Wall Street Panikverkäufe aus. Die Auswirkungen blieben nicht auf die USA beschränkt. Die Weltwirtschaftskrise, die 1932 ihren Höhepunkt erreichte, bekämpfte Präsident Franklin D. Roosevelt mit dem Programm des New Deal, wonach u. a. staatlich geförderte Wirtschaftsprogramme zur Überwindung der Krise umgesetzt wurden. Wie stark ist die Wirtschaftskraft? Die USA übertreffen nach ihrer Wirtschaftskraft alle anderen Staaten bei weitem: Sie erwirtschaften – mit 5% der Weltbevölkerung – rd. ein Drittel des Weltsozialprodukts. Die Industrie hat ihre Schwerpunkte in dem Streifen zwischen Boston–Baltimore im Osten und Chicago–Saint Louis im Westen. Landwirtschaft wird überwiegend in hochmechanisierten Großfarmen betrieben. Über die Hälfte des Ackerlands dient dem Getreideanbau. Die USA sind weltweit der größte Erzeuger von Sojabohnen. Der Produktionswert der Viehzucht (Rinder, Milchkühe, Schweine) übersteigt den des Ackerbaus. Im Fischfang stehen die USA weltweit auf Platz vier. Kultur Was verbirgt sich hinter dem Mythos Hollywood? Hollywood gilt als Synonym für die US-amerikanische Filmindustrie. Der Stadtteil von Los Angeles war zur Glanzzeit des Kinos mit rd. 250 ansässigen Filmgesellschaften die größte Filmproduktionszentrale der Welt. Begonnen hat diese rasante Entwicklung im Oktober 1911, als das erste Filmstudio in Hollywood – der Name bedeutet Stechpalmenwald – eröffnet wurde. Wussten Sie, dass … die Pop-Art in den 1960er Jahren von den USA aus Europa eroberte? Bekannte Vertreter dieser Kunstrichtung, die die Grenze zwischen Kunst, Reklame und Comic aufhebt, waren u. a. Andy Warhol und Roy Lichtenstein. der Schriftzug Hollywood (ursprünglich Hollywoodland) in Los Angeles 1923 als Provisorium angelegt war und für Grundstücksverkäufe werben sollte? Was geschah am 11. September 2001? Das World Trade Center in New York, Symbol der Wirtschafts- und Finanzmacht der USA, und das Verteidigungsministerium in Washington, das für die militärische Potenz der einzig verbliebenen Supermacht steht, wurden am 11. September 2001 Ziel der verheerendsten Anschläge in der Geschichte des internationalen Terrorismus. Selbstmordattentäter flogen mit entführten Passagiermaschinen gezielt in die Zwillingstürme und das Pentagon. Die USA machten den islamistischen Extremisten Usama Bin Ladin und seine Organisation Al Qaida für die Anschläge verantwortlich und führten mit einer militärischen Offensive gegen Afghanistan den Sturz des mit Bin Ladin verbündeten Taliban-Regimes herbei. Was geschah … 1607? Erste englische Dauersiedlung 1776? Unabhängigkeitserklärung 1783? Friede von Paris: Anerkennung der Souveränität der USA 1789? Bill of Rights garantieren Grundrechte; George Washington erster Präsident 1861–1865? Sezessionskrieg; Abschaffung der Sklaverei 1898? Spanisch-Amerikanischer Krieg 1917? Kriegserklärung an Deutschland 1918? 14-Punkte-Friedensprogramm Präsident Wilsons 1941? Pearl Harbor; Kriegseintritt in den Zweiten Weltkrieg 1962? Kubakrise 1965? Eintritt in Vietnamkrieg 2001? Terroristen steuern Flugzeuge u. a. ins World Trade Center Mexiko: Stabiler Staat in Lateinamerika Mexiko Amtlicher Name: Vereinigte Mexikanische Staaten Fläche: 1 964 375 km² Einwohner: 105 Mio. Hauptstadt: Mexico Amtsprache(n): Spanisch Währung: 1 Mexikanischer Peso = 100 Centavo Warum riegeln die USA Mexikos Nordgrenze ab? Um illegale Einwanderung zu unterbinden. Viele Mexikaner wandern in die USA aus, um besser bezahlte Jobs zu finden. 2006 stimmte der US-Senat einem Antrag zu, die Grenze mit einem 600 km langen Zaun abzuriegeln. Landesnatur Was ist der »Popocatépetl«? Ein 5465 m hoher Vulkanberg. Der Popocatépetl (»rauchender Berg«) erhebt sich im Hochland – ebenso wie der Iztaccíhuatl (5286 m) und der höchste Vulkangipfel des Landes, der Citlaltépetl (5700 m). Welchen Naturkatastrophen ist das Land ausgesetzt? Erdbeben, Vulkanausbrüche und Hurrikans treten häufig auf. So wurde das Land 1985 von einem schweren Erdbeben heimgesucht, bei dem tausende Menschen starben. In der Hauptstadt Mexico wurden 35 % der Gebäude mit mehr als vier Stockwerken zerstört. Wirtschaft Wie wichtig ist Erdöl? Sehr wichtig. Mit einer Fördermenge von 189 Mio. t liegt Mexiko an vierter Stelle der Ölförderländer. Die verstaatlichte Erdölwirtschaft stellt rd. 7 % der Gesamtausfuhr. Die Industrie konzentriert sich in der Hauptstadt und im Grenzbereich zu den USA. Sie umfasst die Herstellung von Nahrungs- und Genussmitteln, Textilien, Eisen, Stahl, Maschinen, Kraftfahrzeugen, Elektro- und Chemieprodukten. Große Bedeutung hat der Tourismus. Für den internationalen Fremdenverkehr wurden entlang der Küsten und in der Nähe alter Ruinenstätten neue Touristengebiete erschlossen. Zudem ist Mexiko reich an Bodenschätzen. Neben Erdöl und Erdgas werden Eisen-, Blei-, Zink-, Kupfer- und Silbererze, Gold, Quecksilber, Uran, Schwefel und Kohle gefördert. Das Land ist der größte Silberproduzent der Erde. Geschichte Wer zerstörte das Aztekenreich? Der Spanier Hernando (Hernán) Cortés (1485–1547). Er landete 1519 an der Ostküste Mexikos und marschierte mit seinen Truppen zur aztekischen Hauptstadt Tenochtitlán. Die Azteken hatten seit dem 14. Jh. und auf der Grundlage reicher älterer Kulturen einen mächtigen und blühenden Staatenbund geschaffen. Den Konquistadoren hatten sie letztlich nichts entgegenzusetzen. Montezuma II. (Motecuzoma, Reg. 1502–1520), Herr über das Aztekenreich und Gefangener der Spanier, starb am 30. Juni 1520. Cortés zerstörte die herrliche Hauptstadt sowie das Aztekenreich und nahm das Land für Spanien in Besitz. 1535 wurde Mexiko das spanische Vize Königreich Neuspanien und erlangte durch seinen Silberreichtum große Bedeutung für das Mutterland. Die ersten Freiheitskämpfer blieben erfolglos, erst 1821 gelang es, die Spanier zu besiegen. Mexiko wurde unter Agustín de Itúrbide (Agustín I.) unabhängiges Kaiserreich. Innere Zwistigkeiten führten zum Rücktritt des Kaisers (1823) und zur Proklamation der Republik (1824). Aber die Rivalitätskämpfe der mexikanischen Generäle führten zu dauernden Unruhen und schwächten das Land erheblich. Mit US-amerikanischer Hilfe löste sich 1836 Texas von Mexiko. Im Krieg gegen die USA (1846 bis 1848) verlor Mexiko seine gesamten Nord-Provinzen. Wer war Porfirio Díaz? Mit Unterbrechung war er von 1877–1911 Präsident von Mexiko. Díaz (1830–1915) bekämpfte Klerikale, Franzosen und Kaiser Maximilian. Er befriedete mit diktatorischer Gewalt das bürgerkriegsgeschwächte Land, sanierte die Wirtschaft und baute das Eisenbahn- und Telegrafienetz auf. 1911 wurde er durch einen Aufstand unter Francisco I. Madero mit nordamerikanischer Hilfe gestürzt. Madero, der sich 1910 zum Gegenpräsidenten proklamieren hatte lassen, war Repräsentant der gemäßigten »Liberalen«, die eine Veränderung der politischen und sozialen Verhältnisse herbeiführen wollten. Die sozialistische Richtung setzte sich schließlich durch (Industrieverstaatlichung, Bodenreform, Bekämpfung der Kirche, Verfassung von 1917) und organisierte sich in der »Nationalen Revolutionären Partei« (PNR), die erst im Jahr 2000 nach 71-jähriger Herrschaft die Regierungsgewalt verlor. Die Präsidentschaftswahlen 2006 gewann Felipe Calderón von der konservativen »Partido Acción Nacional« (PAN) mit einem hauchdünnen Vorsprung vor dem gemäßigten Linkspolitiker López Obrador. Wer war Emiliano Zapata? Neben Francisco »Pancho« Villa führte der mexikanische Revolutionsführer Emiliano Zapata (* 1879 oder 1883 in Anenecuilco, Morelos, † 10. April 1919 Gut Chinameca, ermordet) die bürgerlich-demokratische Revolution gegen General Porfirio Díaz. Er vertrat die verarmten Bauern des Südens, die sog. Zapatistas. 1911 wurde Díaz als Präsident gestürzt. Im »Plan von Ayala« forderte Zapata eine Agrarreform. Er zählt zu den Nationalhelden Mexikos und ist eine Symbolfigur der lateinamerikanischen Bauernbewegungen. Villa und Zapata führten auch die Revolution gegen General Victoriano Huerta. 1914 eroberten sie die mexikanische Hauptstadt, ohne jedoch die Möglichkeit zur Machtübernahme im Bündnis mit der Arbeiterschaft zu nutzen. Präsident Venustiano Carranza verkündete 1917 eine bürgerliche Verfassung. Die von Villa und Zapata geführte Partisanenbewegung wurde systematisch zerschlagen. Guatemala: Kleinstaat zwischen den Ozeanen Guatemala Amtlicher Name: Republik Guatemala Fläche: 108 889 km² Einwohner: 12,6 Mio. Hauptstadt: Guatemala Amtsprache(n): Spanisch Währung: 1 Quetzal = 100 Centavo Landesnatur Wie groß ist Guatemala? Etwa so groß wie Bayern und Baden-Württemberg zusammen. Guatemala grenzt an Mexiko, Belize, Honduras und El Salvador sowie an den Atlantik und Pazifik. Bevölkerung Was sind Zambos? Mischlinge zwischen Schwarzen und Indianern. Sie bilden, ebenso wie die Weißen, eine kleine Minderheit in Guatemala. Mit rd. 60 % stellen die Indianer die größte Bevölkerungsgruppe. 30 % sind Mestizen, der Rest Schwarze und Mulatten. Vier Fünftel der Guatemalteken bekennen sich zum römisch-katholischen Glauben, bei den Indianern vermischt mit traditionellen Bräuchen. Wirtschaft Welche Bedeutung hat der Tourismus? Durch den langjährigen Bürgerkrieg konnte sich der Fremdenverkehr bislang nur wenig entwickeln, obwohl Guatemala in den zahlreichen Maya-Kultstätten und abwechslungsreichen Landschaften attraktive Reiseziele besitzt. Mit über 900 000 Touristen pro Jahr gewinnt er aber rasch an Bedeutung. Knapp die Hälfte der Erwerbstätigen arbeitet in der Landwirtschaft, die zu etwa 60 % am Export beteiligt ist. Vorherrschend sind kleinbäuerliche, überwiegend auf Selbstversorgung und auf den Binnenmarkt ausgerichtete Betriebe, denen nur wenige moderne Großbetriebe mit Plantagenwirtschaft gegenüberstehen. Hauptexportprodukte sind Kaffee, Zucker, Bananen, Baumwolle und Kardamom. Guatemala besitzt viele Bodenschätze, von denen Erdöl, Kupfer, Antimon und Nickel die bedeutendsten sind. Geschichte Wer sind die Maya? Eine indianische Stammes- und Sprachgruppe mehrerer Indianervölker und -stämme mit heute etwa 2 Mio. Menschen in Mexiko, Guatemala, Belize und Honduras. Sie bilden, trotz jahrhundertealter Geschichte, keine kulturelle und politische Einheit. Vor der Eroberung durch die Spanier 1524 war Guatemala Teil des Mayareichs. 1839 konnte sich Guatemala von seinem kolonialen Status befreien. Bis 1944 erlebte das Land unter der Herrschaft autokratischer Regenten eine Epoche der Stabilität. Nach einer kurzen demokratischen Übergangszeit übernahm 1954 die Armee die Regierung, die sie bis 1984 innehatte. 1985 erfolgte der Übergang zu Zivilregierungen. Belize Belize Amtlicher Name: Belize Fläche: 22 966 km² Einwohner: 270 000 Hauptstadt: Belmopan Amtsprache(n): Englisch Währung: 1 Belize-Dollar = 100 Cent Landesnatur Wo liegt Belize? Der Kleinstaat, der etwa so groß ist wie Hessen, liegt an der Ostküste Zentralamerikas im Südosten der Halbinsel Yucatán. Das Land wird von tropischem Regenwald, einzelnen Kiefersavannen und Sumpfwäldern bedeckt und hat fast durchgängig eine Mangrovenküste, der zahlreiche Koralleninseln vorgelagert sind. Bevölkerung Ist das Land dicht besiedelt? Nein, nur 10 Einwohner je km² wohnen durchschnittlich in Belize. Die Bevölkerung setzt sich zusammen aus 44 % Mestizen (indianisch-weiße Mischlinge), 30 % Kreolen, 11 % Indianern, 7 % Karifs (indianisch-negride Mischlinge), 4 % Weißen sowie 4 % Asiaten. Geschichte Wann wurde Belize unabhängig? Erst 1981 entließen die Briten das Land in die Unabhängigkeit. Seitdem ist es eine parlamentarische Monarchie im Commonwealth. Honduras Honduras Amtlicher Name: Republik Honduras Fläche: 112 492 km² Einwohner: 7,2 Mio. Hauptstadt: Tegucigalpa Amtsprache(n): Spanisch Währung: 1 Lempira = 100 Centavo Was war der Fußballkrieg? Eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen Honduras und El Salvador im Juli 1969 aus Anlass eines Fußball-Länderspiels. Nach den Qualifikationsspielen für die Fußballweltmeisterschaft 1970 zwischen beiden Ländern in Honduras und El Salvador kam es zu schweren Ausschreitungen zwischen den Fans. Honduras verhängte den Ausnahmezustand und begann, salvadorianische Bürger auszuweisen. Es kam zu Kampfhandlungen, in deren Verlauf Truppen El Salvadors auf honduranisches Gebiet vordrangen. Der Fußballkrieg wurde mit einem von der Organisation der amerikanischen Staaten (OAS) vermittelten Waffenstillstand beendet. Er forderte 2400 Tote. Hintergrund waren die stillschweigende Vorverlagerung der Siedlungsgrenze El Salvadors bis tief in das Staatsgebiet von Honduras und die Verschärfung des Konkurrenzkampfes um Arbeitsplätze. Landesnatur Wie ist das Klima? Die wechselfeuchte Pazifikküste hat eine Regenzeit von Mai bis Oktober. An der Karibikküste treten häufig Hurrikans auf, die große Verwüstungen anrichten. Bevölkerung Wo leben die Menschen? Die Bevölkerung konzentriert sich auf das Hochland im Nordwesten, das Gebiet um Tegucigalpa sowie den pazifischen Süden. Der Großteil der Honduraner (90 %) sind Mestizen, 7 % Indianer, 2 % Schwarze, 1% Weiße. Das hohe Bevölkerungswachstum verstärkt die Landflucht und lässt die Elendsviertel der Städte ausufern. Mehr als die Hälfte der Einwohner lebt unterhalb der Armutsgrenze, ein Fünftel sind Analphabeten. Wirtschaft Wie arm ist das Land? Honduras zählt zu den ärmsten Ländern Mittelamerikas. Eine hohe Arbeitslosenrate und eine extrem hohe Auslandsverschuldung kennzeichnen die wirtschaftliche Situation. Die meisten Familienbetriebe produzieren Mais und Bohnen für den Eigenbedarf. Auf den wenigen Großplantagen, die überwiegend in US-amerikanischem Besitz sind, werden Bananen und Kaffee für den Export angebaut. US-Konzerne machten Honduras Anfang des 20. Jh. zum weltgrößten Bananenexporteur. An Bodenschätzen baut ein US-amerikanisches Unternehmen Gold, Silber, Blei und Zink ab. Der Schwerpunkt der schwach entwickelten Industrie liegt in der Verarbeitung von Agrarprodukten. Dringend benötigte Devisen bringen die Überweisungen der etwa 1 Mio. im Ausland lebenden Honduraner sowie der Tourismus: Jährlich besuchen 670 000 Touristen Honduras, vor allem die Maya-Ruinen in Copán, die Naturreservate und die Karibikinseln. In den Hochtälern wird Viehwirtschaft betrieben. Von Bedeutung ist die Küstenfischerei. Geschichte Wann wurde Honduras entdeckt? 1502 wurden die Küsten von Christoph Kolumbus (1451–1506) entdeckt. 1524 eroberten die Spanier das Land, das dann zum Generalkapitanat Guatemala gehörte. Dieses erklärte 1821 seine Unabhängigkeit, schloss sich aber 1822 dem mexikanischen Kaiserreich an. 1823–1838 gehörte Honduras zur Zentralamerikanischen Konföderation. Was bestimmte die Geschichte? Die Geschichte des selbstständigen Staates Honduras (seit 1838) war durch Kämpfe zwischen Liberalen und Konservativen im Innern und Grenzstreitigkeiten nach außen gekennzeichnet. 1880 wurde Tegucigalpa Hauptstadt. 1911, 1913 und 1925 intervenierten die USA militärisch in Honduras. Erst das diktatorische Regime von Tiburcio Carias Andino (Reg. 1933–1948) brachte eine gewisse innenpolitische Konsolidierung. Nach seinem Sturz kam es wieder zu labilen Verhältnissen mit zahlreichen Putschen. Die Liberale Partei und die Nationale Partei dominierten dabei die Parteienpolitik. 1982 trat eine neue präsidiale Verfassung in Kraft. Das Militär blieb jedoch ein entscheidender Machtfaktor. Honduras unterstützte vorbehaltlos die US-amerikanische Mittelamerikapolitik und erhielt dafür Wirtschafts- und Militärhilfe. Ein Urteil des Internationalen Gerichtshofs legte 1992 den seit 1969 bestehenden Grenzkonflikt mit El Salvador bei. 2006 gewann Manuel Zelaya Rosales (* 1952) von der Liberalen Partei die Präsidentschaftswahlen und löste Ricardo Maduro an der Spitze des Staates ab. El Salvador: Kampf um die Macht El Salvador Amtlicher Name: Republik El Salvador Fläche: 21 041 km² Einwohner: 6,9 Mio. Hauptstadt: San Salvador Amtsprache(n): Spanisch Währung: 1 El-Salvador-Colón = 100 Centavo Wer war Romero? Erzbischof der salvadorianischen Hauptstadt. Oscar Arnulfo Romero y Galdamez (* 1917) wurde im März 1980 während eines Gottesdienstes erschossen. Der Mord an dem entschiedenen Gegner der Regierungsjunta ging vermutlich auf das Konto rechtsgerichteter Kreise. Romero trat seit seiner Ernennung zum Erzbischof 1977 unerschrocken gegen die Mächtigen in seinem Land an. Er setzte sich für die Armen und Rechtlosen ein und verurteilte öffentlich Repression und Gewalt. Der Regierung warf er vor, sie sei unfähig, ihre bescheidenen Reformen gegen die herrschenden »14 Familien« durchzusetzen. Wer kämpfte um die Macht in El Salvador? Bis zum Beginn des 20. Jh. war El Salvador Schauplatz von Machtkämpfen zwischen dem liberalen Bürgertum und der konservativen Landoligarchie. Nach einem Militärputsch im Jahr 1931 übernahm Maximiliano Hernández Martínez (1882–1966) die Macht, im Jahr darauf wurde ein Bauernaufstand blutig niedergeschlagen. Auch nach dem Sturz von Hernández Martínez 1944 bestimmte das Militär die politische Entwicklung. 1969 kam es zur militärischen Auseinandersetzung mit Honduras (»Fußballkrieg«). Seit Ende der 1970er Jahre entwickelte sich ein blutiger Bürgerkrieg zwischen der von den USA unterstützten Armee und rechtsextremistischen Gruppierungen auf der einen sowie der linken Guerillabewegung FMNL auf der anderen Seite. Erst 1992 konnten die Auseinandersetzungen, die rd. 80 000 Tote forderten, beendet werden. Die UNO überwachte den Friedensprozess. Landesnatur Welche Katastrophen drohen? Erdbeben, Vulkanausbrüche, Hurrikans. Von 61 Vulkanen sind noch viele aktiv. Im Oktober 2005 brach der Ilamatepec nach 100-jähriger Ruhe aus, Hurrikan »Stan« löste Erdrutsche und Überschwemmungen aus. Nicaragua: Befreiung vom Clan Nicaragua Amtlicher Name: Republik Nicaragua Fläche: 119 838 km² Einwohner: 5,5 Mio. Hauptstadt: Managua Amtsprache(n): Spanisch Währung: 1 Córdoba = 100 Centavo Geschichte Welcher Clan beherrschte das Land seit 1937? Die Familie Somoza, die das Land auch wirtschaftlich dominierte. Anastasio Somoza Garcia übte mit nur einer Unterbrechung (1946–1950) die Gewaltherrschaft aus. Nach seiner Ermordung 1956 übernahm sein Sohn die Führung. Insgesamt brachte der Somoza-Clan rd. ein Viertel der landwirtschaftlichen Nutzfläche mitsamt Tabak-, Zuckerrohr- und Kaffeeplantagen in seinen Besitz. Mit dem Sieg der linksgerichteten Sandinisten im Bürgerkrieg 1979 endete die 42-jährige Herrschaft der Familie Somoza über Nicaragua. Wer waren die Sandinisten? Die Freiheitskämpfer in Nicaragua. Sie berufen sich auf den Guerillaführer Augusto César Sandino (1895–1934), der wegen seiner militärischen Erfolge und Unbestechlichkeit zur Legende wurde. Der Kampf des Sozialrevolutionärs gegen Fremdherrschaft und einheimische Oligarchie wurde wegweisend für Lateinamerika. 1927 setzte sich Sandino an die Spitze eines Guerillakriegs gegen die in Nicaragua als Besatzer auftretenden US-Truppen. Nach dem US-Abzug 1933 führte die Nationalgarde unter General Anastasio Somoza Garcia den Kampf gegen die Rebellen weiter. Somoza ließ Sandino ermorden. Landesnatur Wie groß ist das Land? Nicaragua ist das flächenmäßig größte zentralamerikanische Land. Den Kern bildet die Zentralamerikanische Kordillere (bis 1963 m). Nach Osten schließt sich eine breite Küstenebene, nach Südwesten die Nicaragua-Senke an. Klimatisch ist das Land in einen tropisch immerfeuchten Bereich im Osten und einen tropisch wechselfeuchten Bereich im Südwesten geteilt. Wirtschaft Wo liegt das Agrarzentrum? An der Pazifikküste. Die wichtigsten Anbauprodukte sind Maniok, Reis, Mais, Sorghum und Bohnen für den Eigenbedarf sowie Kaffee, Zuckerrohr, Bananen, Tabak und Baumwolle für den Export. Die Landwirtschaft ist der Hauptwirtschaftszweig Nicaraguas. Hier arbeiten 42 % der Erwerbstätigen. Die Agrarproduktion ist mit 32 % am Bruttoinlandsprodukt beteiligt. Fast die gesamte Fischfangmenge wird exportiert. Der Abbau von Gold und Silber ist von Bedeutung. Wichtigster Industriestandort ist Managua. Costa Rica: Stabiler Staat in Mittelamerika Costa Rica Amtlicher Name: Republik Costa Rica Fläche: 51 100 km² Einwohner: 4,3 Mio. Hauptstadt: San José Amtsprache(n): Spanisch Währung: 1 Costa-Rica-Colón = 100 Céntimo Was bedeutet Costa Rica? »Reiche Küste«. Diesen Namen gab der Entdecker Christoph Kolumbus dem Land, das er 1502 auf seiner letzten Reise betrat. Danach wurde Costa Rica von den Spaniern erobert und 1520 dem Generalkapitanat Guatemala angegliedert, das 1821 die Unabhängigkeit von Spanien erlangte. 1823 bis 1838 bildete Costa Rica mit Nachbarstaaten die Zentralamerikanische Konföderation. Geschichte Wann wurde Costa Rica ein selbstständiger Staat? 1838 wurde das Land endgültig unabhängig. Während Konflikte mit den Nachbarrepubliken und innere Unruhen den Fortschritt im 19. Jh. lähmten, setzte nach 1900 eine intensive wirtschaftliche und politische Entwicklung ein, die ein stabiles demokratisches Gemeinwesen begründete. Dabei verstärkte sich der ökonomische Einfluss der USA. Große außenpolitische Verdienste erwarb sich Präsident Oscar Arias Sanchez, Führer der sozialdemokratisch orientierten PLN, für einen Friedensplan für Zentralamerika. Landesnatur Welche Naturkatastrophe bedroht das Land? Vulkanausbrüche. Darüber hinaus sind Erdbeben eine ständige Gefahr für das Land, das in einem geologisch aktiven Raum liegt, der von Nordwesten nach Südosten von mehreren Gebirgsketten durchzogen ist. Wirtschaft Was zieht die Touristen an? Costa Rica lockt mit seinen weiten Sandstränden sowie den Nationalparks mit den Vulkanen Irazú und Poáls jährlich über eine Million Touristen aus dem Ausland an. Der Tourismus hat dazu beigetragen, die Wirtschaft, die früher einseitig vom Kaffee- und Bananenexport abhängig war, zu verbreitern. Tatsächlich hat sich der Tourismus zur wichtigsten Devisenquelle des Landes entwickelt. Die Landwirtschaft ist zu über 40% am Export beteiligt. In erster Linie werden für den Export Kaffee, Kakao, Bananen und Zuckerrohr angebaut. Daneben sind Rinder und Fleisch wichtige Ausfuhrprodukte. Die