Anfänge und Antike – der Mensch rückt in den Mittelpunkt

Anfänge und Antike – der Mensch rückt in den Mittelpunkt Obwohl der Mensch bereits vor 2,5 Millionen Jahren die ersten Steinwerkzeuge benutzte, können wir seine frühesten uns bekannten Kunstwerke erst auf eine Zeit datieren, die nicht länger als 35000 Jahre zurückliegt. Allerdings zeugen diese Höhlenmalereien und Skulpturen bereits von einer so hohen künstlerischen Reife, dass man sie zunächst für Fälschungen hielt, als sie in der Neuzeit entdeckt wurden. Mit der Entstehung der frühen Hochkulturen erreichte auch das Kunstschaffen des Menschen neue Höhepunkte. Es erlaubt uns tiefe Einblicke in das damalige Weltbild. Während in der Altsteinzeit das Tier bevorzugtes Thema der Kunst war, wurde sich der Mensch in den Hochkulturen zunehmend seiner Bedeutung und seines Wesens bewusst. Er rückte sich selbst und die menschengestaltig gedachten Götter in den Mittelpunkt seiner Kultur und seines Kunstschaffens. Zu den frühen Kunstzentren zählen neben Mesopotamien, Ägypten und Kreta die Indus-Kultur, das bronzezeitliche China sowie die Kultur der mexikanischen Olmeken. Fabeltiere spielten in der Kunst der Hochkulturen nach wie vor eine Rolle, der Greif etwa, der Sphinx oder der babylonische Schlangendrachen. Besonderes Interesse verdienen die bronzezeitlichen Gefäße Chinas, deren kunstvolles Dekor mythische Tiere wiedergibt, die in ihrer Ausführung einen engen Bezug zur Kunst der Steppenvölker aufweisen. Die verschiedenen Kulturen standen in engem Kontakt miteinander, was sich auch im Austausch von künstlerischen Motiven widerspiegelt. Griechenland nahm Anregungen aus Ägypten und dem Vorderen Orient auf, integrierte sie in seine Kunst und beeinflusste seinerseits die Kunst der Etrusker und Römer. Die römische Kunst dominierte ein Weltreich und wurde so grundlegend für das Kunstschaffen Europas. Höhlenmalerei der Altsteinzeit: Bilder im Herzen der Erde Wie alt sind die Höhlenmalereien? Erste Zeichnungen und Ritzungen von Tieren und stilisierten Frauen gab es schon seit rund 33000 v.Chr. im so genannten Aurignacien; doch im Magdalénien erlebte die Malerei eine 10000-jährige Blüte, vor allem im Südwesten Europas. Die Bilder wurden mit Erdfarben gemacht und sind mit Pinsel oder Blasrohr aufgetragen. Zumeist handelt es sich um einzelne Figuren ohne Beziehung zueinander und ohne einheitliche Größe. Oft überlagern sie sich in mehreren Schichten. Was wird dargestellt? Die häufigsten Darstellungen gelten der Jagdbeute: Mammut, Wisent, Auerochse, Pferd, Rentier, Hirsch, Fisch und Vogel, aber auch Raubtiere wie der Bär kommen vor. Daneben gibt es Jäger und seltsame Mischwesen sowie abstrakte Zeichen – die weibliche Scham als Fruchtbarkeitssymbol oder negative Handabdrücke – die vielleicht einen zeremoniellen Hintergrund haben. In der Höhle von Rouffignac (um 22000 v.Chr.) überwiegen noch Gravierungen und einfarbige Bilder vor allem von Mammuts und Nashörnern. In der etwas jüngeren Tropfsteinhöhle von Pech-Merle wurden zwei Pferde über eine längere Zeit hinweg immer wieder mit farbigen Punkten »getroffen«. Das bekannteste Bild in der nach ihren Entdeckern benannten Höhle Les Trois Frères (um 18000 v.Chr.) ist der aus verschiedenen Lebewesen zusammengesetzte »Zauberer«. Fand eine künstlerische Entwicklung statt? Ja, die Entdeckung der Höhle von Lascaux 1940 durch Jugendliche galt als Sensation. Dort waren seit etwa 16000 v.Chr. mehrfarbige Bilder in einem immer reiferen, plastischen Stil entstanden, vor allem Pferde, Auerochsen und Wisente in einer Größe bis über fünf Meter. Neu sind die Jäger, die zur gleichen Zeit auch in Le Portel und Niaux auftauchen. Dort wurde die Darstellung um 11000 v.Chr. zunehmend realistischer, es gibt viele Waffen und verwundete Beutetiere. Bis heute werden neue Funde gemeldet, so 1991 die nur per Tauchgang aus dem Meer zugängliche Cosquer-Höhle bei Marseille (17. Jahrtausend v.Chr.), in der viele Meerestiere, Robben und Riesenalken zu sehen sind. Warum wurden die Höhlenwände verziert? Mit Sicherheit verfolgten die Malereien einen konkreten Zweck. Fußabdrücke in der Galerie Noir von Niaux und in der Höhle Le Tuc d'Audoubert sowie Musikinstrumente deuten auf Tänze und kultische Handlungen hin. Da auch Jugendliche anwesend waren, könnten Initiationsriten eine Rolle gespielt haben. Viele Bilder und Tonreliefs wie in Le Tuc d'Audoubert und in Bédeilhac haben symbolische »Einstichwunden«, die nur mit einem Jagdzauber zu erklären sind. Gab es in der Steinzeit bereits eine Religion? Vieles deutet darauf hin. Ein wichtiger Hinweis auf religiöse Vorstellungen sind die seltsamen Mischwesen wie etwa der »Zauberer« in Les Trois Frères und Le Gabillou. Es handelt sich um verkleidete Menschen oder um verwandelte Wesen, die wie die Schamanen heutiger Naturvölker Kontakt zum Geist der Tiere aufnehmen. Die stilistisch recht einheitlichen Malereien dürften von einer solchen Priesterschaft stammen, die ihr Wissen und ihre Kunstfertigkeit nur unter sich weitergab. Zieht man ethnologische Studien bei Naturvölkern wie den australischen Aborigines zum Vergleich heran, wird deutlich, dass auch die Menschen der älteren Steinzeit an übernatürliche Kräfte geglaubt haben müssen. Ihre Rituale dienten dazu, sich in ihrer Welt zurechtzufinden. Gleichzeitig förderten sie die Abgrenzung zu benachbarten Stämmen und das Zugehörigkeitsgefühl zum eigenen Stamm – beides sollte sich als wichtiger Faktor für das Überleben und die kulturelle Weiterentwicklung bewähren. Wann lebten die Menschen der Magdalénien-Kultur? Als die letzte Eiszeit um 20000 v.Chr. ihrem Höhepunkt entgegenging und die nördliche Hälfte Europas bedeckte, entstand im wildreichen Tundragürtel von Frankreich bis zur Ukraine eine neue, an das Klima gut angepasste Kultur. Die Menschen machten entscheidende Fortschritte im sozialen Leben, in Kunst und Technik und produzierten vielfältige Werkzeuge wie Harpunen, Meißel und Speerschleudern. Nach der Felsüberhangsiedlung La Madeleine im südfranzösischen Vézère-Tal wird die ganze Epoche als »Magdalénien« bezeichnet. Günstige Lebensbedingungen vor allem in Südfrankreich und Nordspanien ließen die Bevölkerung wachsen, die sich nun in Stammesgruppen formierte. Zur Organisation, zum Austausch von Waren und zur Partnerwahl waren Treffen nötig, die möglicherweise im Zusammenhang mit den ausgemalten Höhlen stehen. Wussten Sie, dass … die steinzeitlichen Höhlenbilder auch modernen Künstlern noch etwas zu sagen haben? Picasso zum Beispiel sah in ihnen eine Brücke zur Ursprünglichkeit der Kunst. die kleine Tochter des Hobby-Gelehrten Don Marcelino de Sautuola die erschreckend naturnahen Tierbilder in der Höhle von Altamira in Spanien fand, als dieser 1879 nach vorgeschichtlichen Steinwerkzeugen suchte? Die Wandmalereien waren so ungewohnt, dass niemand an die Echtheit glauben mochte, bis Ausgrabungen das hohe Alter bestätigten. Prinz Rahotep und seine Gemahlin Nofret: Perfekte Herrscherstatuen Aus welchem Zeitalter stammen die Herrscherstatuen? Aus der Zeit des so genannten Alten Reiches. Das Alte Reich (um 2755–2255 v. Chr.) umfasst die 3. bis 6. Dynastie und darf als wohl großartigster Abschnitt der ägyptischen Geschichte gelten. Symbolisch für dieses goldene Zeitalter stehen die Pyramiden, die ab der 4. Dynastie entstanden. Doch nicht nur in der Baukunst wurden »Weltwunder« geschaffen, auch Malerei und Bildhauerei erreichten eine einzigartige Blüte. Die Kunst des Alten Reiches war nicht zuletzt Grabkunst. Auch eine ihrer bedeutendsten Schöpfungen, die Paarstatue von Rahotep und Nofret, wurde in einer Grabanlage gefunden: 1871 entdeckte sie der Ägyptologe Auguste Mariette in Meidum in einer Ziegelmastaba nördlich der Pyramide des Pharaos Snofru, des siegreichen Feldherrn und Begründers der 4. Dynastie. Rahotep dürfte einer seiner Söhne gewesen sein. Er erfüllte wichtige Aufgaben bei den königlichen Bauarbeiten, diente als General und Hoher Priester des Gottes Re in Heliopolis. Die Entstehung der Paarstatue wird auf die Zeit um 2620 v. Chr. datiert. Sie ist aus Kalkstein gearbeitet, etwa 1,20 Meter groß, 50 Zentimeter breit und farbig bemalt. Woher weiß man, wen die Statuen darstellen? Der breitschultrige Rahotep und seine Frau Nofret sitzen auf Blöcken mit hoher Rückenlehne, darauf befinden sich verschiedene Hieroglypheninschriften, die ihre Namen und Titel genau auflisten. Welche besonderen Merkmale haben die Figuren? Das einzige Kleidungsstück des Prinzen ist ein einfacher weißer Schurz, um den Hals trägt er eine Röhrenkette mit einem kleinen Amulett, dessen Form an eine Schildkröte erinnert. Der rechte Arm liegt angewinkelt vor seiner Brust, während die linke Faust auf dem Knie ruht. Der Name Nofret bedeutet »die Schöne« und schön ist ihr Bildnis gestaltet: Ein eng anliegendes Gewand unterstreicht die Weiblichkeit der »Königsbekannten«, wie ihr Ehrentitel lautet. Sie trägt eine schwere Strähnenperücke, die von einem mit Rosetten geschmückten Diadem gehalten wird. Solche Diademe sind auch als Originalstücke, aus Gold und mit Halbedelsteinen verziert, erhalten. Doch das Diadem der steinernen Nofret ist weiß bemalt, was den Schluss zulässt, dass das reale Vorbild aus Silber gearbeitet war. Dabei ist zu bedenken, dass Silber zu bestimmten Zeiten wertvoller, weil seltener als Gold war. Unterhalb der Perücke ist der Stirnansatz ihres eigenen Haars deutlich zu erkennen. Den Hals umfasst ein mehrfarbiger Kragen aus Perlenschnüren und tropfenförmigen Anhängern. Was bedeuten die unterschiedlichen Hautfarben der Herrscher? Mit der unterschiedlichen Hauttönung von Rahotep und Nofret – er dunkel, sie hell – folgt die Grabplastik einer allgemeinen Vorgabe, die für die altägyptische Kunst galt: Die dunklere Hautfarbe des Mannes weist auf seine Aktivitäten im Freien hin, die hellere der Frau dagegen auf ihr von Heim und Herd bestimmtes Leben. Warum strahlen die Augen der Figuren so? Die ungewöhnliche Lebendigkeit, die diese Plastik ausstrahlt, wird auch durch die lebhaft schimmernden Augen aus Quarz und Bergkristall erzielt. Man erzählt sich, dass die Arbeiter bei den archäologischen Ausgrabungen die Flucht ergriffen, als sie unerwartet mit dem »Blick« dieser Augen konfrontiert waren. Die ägyptischen Künstler bedienten sich eines aufwändigen Verfahrens, um diese Lebendigkeit zu erzielen: Aus undurchsichtigem weißem Quarz wurde der Glaskörper des Auges gefertigt. In dessen Zentrum bohrte man ein kleines Loch, das schwarz ausgefüllt wurde und die Pupille markierte. Ein durchsichtiges, rund geschliffenes Stück Bergkristall bildete die darüber liegende Iris. Was haben die Statuen mit dem Leben nach dem Tod zu tun? Das Bildnis sollte das Weiterleben nach dem Tod garantieren. So wurden die Personen in der sozialen Stellung oder Funktion, die sie zu Lebzeiten innehatten, abgebildet, im Sitzen oder im Stehen, nie jedoch in Bewegung. Wieso bildete Stein das Baumaterial der Ägypter? Bei den Ägyptern, die über ihre Lebenszeit weit hinausdachten und Bauten und Kunstwerke für die Ewigkeit schaffen wollten, war der langlebige Stein das bevorzugte Material. So entwickelten sie herausragende Fertigkeiten bei der Verarbeitung, wie die frühe Blüte der Steinskulptur und natürlich der Pyramidenbau belegen. Auch Schmuck wurde aus Stein gefertigt. Neben Kalkstein fand vor allem Alabaster Verwendung bei der Anfertigung von Gefäßen, die zur Aufbewahrung wertvoller Salben und Kosmetik dienten. Wussten Sie, dass … die realistisch wirkenden altägyptischen Grabfiguren Bestandteil eines ausgeprägten Totenkults waren? der Priester beim Bestattungsritual den Statuen auf magische Weise Leben einhauchte? So sollten die Verstorbenen an den Opfergaben teilhaben können. Die Pyramiden von Gizeh: Geheimnisvolle Weltwunder Warum wurden die Pyramiden von Gizeh erbaut? Sie dienten den Pharaonen als eindrucksvolle Grabstätten. Zwölf Kilometer von Kairo entfernt, westlich des Nils am Rande der libyschen Wüste, erheben sich die drei großen Pyramiden von Gizeh: die des Cheops, des Chephren und des Mykerinos. Die Königsgrabmäler wurden in der 4. Dynastie des Alten Reiches errichtet, also etwa zwischen 2560 und 2500 v.Chr. Wie alle ägyptischen Pyramiden waren sie Teil einer riesigen Totenstadt mit zahlreichen Kultbauten, Tempeln und Gräbern. Dazu zählten kleinere Pyramiden der königlichen Gemahlinnen und Grabanlagen für Beamte und Angehörige des Königshauses. Wie wurden die Monumentalbauten errichtet? Die technischen und logistischen Anforderungen auf der Großbaustelle waren immens. Der griechische Historiker Herodot meinte, dass allein am Bau der Cheopspyramide über einen Zeitraum von 20 Jahren 100000 Menschen gearbeitet haben müssten. Manche moderne Archäologen halten diese Zahl für realistisch. Nach wie vor diskutiert wird auch die Frage, wie die tonnenschweren Steine in bis zu 147 Meter Höhe gehoben werden konnten. Möglich scheint eine Kombination aus komplexen Rampensystemen und Hebevorrichtungen – die altägyptischen Quellen geben leider keine Auskunft. Darüber hinaus mussten die schweren Felsblöcke erst einmal aus den Steinbrüchen herantransportiert werden. Welches ist die eindrucksvollste Pyramide? Sicher die Cheopspyramide, die größte Pyramide, die jemals in Ägypten erbaut wurde. Sie entstand um 2560 v. Chr. und war ehemals 147 Meter hoch; Schätzungen zufolge wurde sie aus etwa 2,5 Millionen Steinblöcken mit einem Gewicht von jeweils 2,5 Tonnen erbaut. Ursprünglich bestand die Cheopspyramide aus 210 übereinander geschichteten Steinlagen. Heute sind es noch 201. Das Verkleidungsmauerwerk aus feinem Kalkstein ist nur an wenigen Stellen erhalten. Wie sieht die Cheopspyramide innen aus? Der heute benutzte Eingangsstollen wurde von Grabräubern angelegt und befindet sich nur knapp unterhalb des ursprünglichen Zugangs. Über einen engen Gang gelangt man in die Große Galerie, die 47 Meter lang und 8,5 Meter hoch ist, und mit einem Kraggewölbe aus riesigen Steinblöcken versehen ist. An das obere Ende schließt sich ein kurzer Gang an. Auf ihn folgt ein System von drei hintereinander liegenden Fallsteinen aus Granit. Die bis auf einen leeren Granitsarkophag ausgeräumte Grabkammer zeigt, dass das Hindernis umgangen wurde. Die Sargkammer des Cheops besteht aus Rosengranit, die Decke aus mehreren, je 40 Tonnen schweren Steinblöcken. Darüber sind fünf betretbare Entlastungskammern mit Giebeldach. Welche Rätsel gibt das Grabkammersystem auf? Unklar ist etwa die Bedeutung einiger enger Schächte, die sowohl von der Sargkammer als auch von der Großen Galerie schräg nach oben aufsteigen. Die Erklärungen reichen von einer symbolisch-magischen Bedeutung bis hin zur Belüftungsfunktion. Ebenso ungewiss ist die Bedeutung der so genannten Königinnenkammer, die den Abschluss eines von der Großen Galerie abzweigenden Ganges bildet. Ferner existiert unter der Pyramide ein in den Felsen getriebener unfertiger Gang. Wie heißen die beiden anderen Pyramiden? Die Pyramiden des Chephren und des Mykerinos. Die 143,5 Meter hohe Chephrenpyramide, die mittlere der drei großen Pyramiden, wirkt von fern größer als die Cheopspyramide, weil sie höher liegt und eine besser erhaltene, mit Kalkstein verkleidete Spitze besitzt. Das Grabkammersystem ist hier einfacher angelegt. Zwei Eingänge führen in absteigende Gänge, die beide in einen waagerecht verlaufenden Korridor münden, an dessen Ende sich die Sargkammer befindet. Die 66 Meter hohe Pyramide des Mykerinos besteht in ihrem Kern genauso aus Kalkstein, für die Verkleidung allerdings wurde in den unteren 16 Lagen roter Granit verwendet, nur in den oberen Lagen Kalkstein. Die im Felsgrund gebaute Grabkammer erreicht man durch einen absteigenden Gang mit Vorkammer und einem Falltorsystem aus drei Granitsteinen. Welche anderen Bauten befinden sich in der Nähe der Pyramiden? An der Ostseite jeder der drei großen Pyramiden befinden sich die so genannten Totentempel, die durch einen langen Aufweg mit dem Taltempel verbunden sind. Neben dem gut erhaltenen Taltempel des Chephren steht die berühmte Sphinx, die Kolossalstatue eines liegenden Löwen mit dem Kopf des Pharao. Warum die Statue und ein weiterer daneben liegender Tempel an dieser Stelle erbaut wurden, wissen wir nicht. Gut erforscht sind hingegen die weitflächigen Friedhöfe der Cheopspyramide. Sensationeller Fund: ein komplett erhaltenes königliches Schiff, das in einer von fünf Bootskammern geborgen wurde. Wussten Sie, dass … die Pyramiden von Gizeh die wohl berühmtesten Denkmäler der Erde sind? Sie waren und sind das Erste der sieben Weltwunder. das so genannte Pyramidion der Cheopspyramide, die etwa zehn Meter hohe Gipfelspitze, verschollen ist? ein Wissenschaftler berechnete, dass in der Cheopspyramide die fünf größten christlichen Kirchen des Abendlandes, den Petersdom eingeschlossen, Platz fänden? Der Schatz des Priamos: Das Gold von Troja Warum ist der Goldfund so geheimnisumwittert? Die Wiederentdeckung Trojas und des Goldhorts, der unter dem Namen »Schatz des Priamos« bekannt wurde, ist mit kaum weniger Dramatik verbunden als der Trojanische Krieg selbst. Bereits die spektakulären Umstände, unter denen Heinrich Schliemann 1873 diese Kostbarkeiten fand und anschließend aus dem Osmanischen Reich schmuggelte, begründeten den Mythos. Es folgte eine Klage des Sultans, worauf Schliemann eine großzügige Abfindung zahlte, die allerdings dem ideellen und historischen Wert dieses sensationellen Fundes gar nicht gerecht werden konnte. Doch die Geschichte war damit noch lange nicht zu Ende. Sie gipfelte im Verschwinden des Schatzes aus Berlin in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs, in seinem Wiederauftauchen nach der Wende in der ehemaligen Sowjetunion und in dem seither wogenden Streit um die Eigentumsrechte. Was enthält der Schatz? Der so genannte »Schatz des Priamos« umfasst mehr als 100 größere Objekte, darunter Gefäße aus Gold, Silber und Elektron – einer Gold-Silberlegierung –, außerdem goldene Ohrgehänge und Goldperlen, die ursprünglich an Schnüren zu Ketten aufgereiht waren. Glanzstücke sind die beiden aus Tausenden von feinen Plättchen und Ringen bestehenden Golddiademe und ein goldenes Stirnband. Wie alt ist der Fund? Die Lage des Horts in einer Mauernische nahe dem Skäischen Tor, die zu einer Brandschicht gehörte, wertete Schliemann als Beweis, dass es sich um einen Fund aus dem homerischen Troja handelte. Er brachte ihn mit dem trojanischen König Priamos in Verbindung. Wie sein Assistent Wilhelm Dörpfeld, der die Grabungen nach Schliemanns Tod fortführte, feststellte, gehörte die Fundlage des Schatzes aber zu Troja II, das um 2250 v. Chr. unterging und somit um mehr als 1000 Jahre älter ist als das Troja Homers. Neuere Forschungen haben den Fundort genauer definiert: in der Innenmauer einer Toranlage, die zu Schliemanns Zeit noch nicht entdeckt war. Daher wäre es durchaus möglich, dass es sich bei dem Hort nicht um einen in unruhigen Zeiten versteckten Schatz, sondern womöglich um ein Bauopfer handelte. Was erzählt der Schatz über die damalige Kultur? Die Beschaffenheit des Schatzes lässt darauf schließen, dass Troja in der Mitte und in der zweiten Hälfte des 3. Jahrtausends v.Chr. im engen Austausch mit den benachbarten Kulturen stand, mit der ägäischen Inselwelt und Griechenland, aber auch mit Anatolien, Syrien und sogar Mesopotamien. So stammen etwa die einzigen, wenn auch nur einhenkligen und einschnabligen, Vergleichsstücke für das zweihenklige Goldgefäß aus der Ägäis. Zum diademartigen Stirnband aus Gold gibt es Entsprechungen in der Ägäis, in Anatolien und Mesopotamien. Für die beiden Diademe, die möglicherweise als Schmuck für Götterbilder dienten, fehlen konkrete Vergleichsstücke, wenngleich einige Einzelheiten auf die Ägäis und Anatolien verweisen. Der zwischen 2500 und 2200 v. Chr. datierte Goldfund steht durch seine künstlerische Ausführung für den hohen Stand, den die trojanische Goldschmiede- und Metalltechnik um 2500 v. Chr. erreicht hatte. Die nicht weit entfernten Gold-, Silber- und Kupfervorkommen deckten den Bedarf an Rohmaterial. Die verschiedenen Techniken der trojanischen Goldschmiedemeister umfassten unter anderem das Schmieden von dünnem runden und quadratischen Draht sowie die Herstellung außerordentlich feiner Goldbleche. Dazu kam die Filigran- und Granuliertechnik, bei der Drähte und winzige Goldkügelchen auf Schmuckgegenstände gelötet werden. Auch diese kunsthandwerklichen Verfahren scheinen auf dem Weg über Handelsbeziehungen von Mesopotamien über Nordsyrien nach Troja und Kleinasien gelangt zu sein. Welche weiteren Funde machte Schliemann? Der »Schatz des Priamos« stellt nicht den einzigen, aber den größten zusammenhängenden Schatzfund dar. Insgesamt entdeckte Heinrich Schliemann in Troja 19 Schätze, die die wissenschaftliche Nummerierung A bis S tragen, wobei der »Schatz des Priamos« mit A gekennzeichnet ist. Die Funde umfassen unter anderem Gefäße und Schmuck aus Edelmetallen, Bronzewaffen sowie kleine Linsen aus Bergkristall. Letztere benutzte man wahrscheinlich als Lupe für die extrem feinen Goldschmiedearbeiten. Warum wurde die archäologische Sensation angezweifelt? Missverständliche Behauptungen und so manche nachgewiesene Lüge Heinrich Schliemanns rückten ihn selbst und seinen Schatzfund in ein ungünstiges Licht. Dies führte bei einigen Wissenschaftlern sogar zu dem Verdacht, dass ein zusammengehöriger Schatz ursprünglich gar nicht existiert habe. Vielmehr habe Schliemann Stücke aus dem Antiquitätenhandel und aus mehreren Grabungen zusammengetragen und als »Schatz des Priamos« ausgegeben, um seine Eitelkeit durch einen »Sensationsfund« zu befriedigen. Doch diese Mutmaßungen gelten heute als endgültig widerlegt. Der Minospalast von Knossos: Im Labyrinth des Minotauros Wann wurde der Minospalast ausgegraben? Der britische Ausgräber Sir Arthur Evans brachte den Palast von Knossos seit 1900 ans Tageslicht und begründete eine speziell minoische Forschung. Fast wäre ihm der berühmte Ausgräber Trojas, Heinrich Schliemann, zuvorgekommen. Diesem jedoch war das Grundstück zu teuer. So entging ihm der Ruhm, dem Minotauros auf der Spur gewesen zu sein. Welche Bedeutung hatte Knossos in minoischer Zeit? Es war das Machtzentrum Kretas. Seit etwa 6000 v. Chr. war der Ort durchgehend besiedelt. Seine größte Bedeutung erlangte Knossos während der »Palastzeit« etwa 2000 bis 1400 v. Chr. Damals wurde vielleicht ganz Kreta von hier aus regiert. Die Gründung von Knossos wird dem mythischen König Minos zugeschrieben, dem Sohn des Zeus und der Europa. Er soll den am kretischen Hof lebenden athenischen Handwerker Daidalos mit dem Bau des Palastes und eines unterirdischen Labyrinths beauftragt haben. Von den einzigartigen minoischen Palastanlagen auf Kreta ist der Palast von Knossos mit einer Fläche von 22000 Quadratmetern nicht nur hinsichtlich seiner Ausdehnung, sondern auch vom Bauvolumen und der politischen Bedeutung her der größte. Die minoischen Paläste dienten nicht nur als Residenz des jeweiligen Herrschers, sondern auch der Verwaltung, dem Warenaustausch, dem Gewerbe und als Magazine. Was hat die Architektur des Palastes mit der Sage vom Minotauros zu tun? Die verschachtelte Bauweise mit einem komplizierten Wege-, Korridor- und Rampensystem hat später die Sage von Theseus und dem Minotauros im Labyrinth beeinflusst. In Knossos konnten insgesamt nahezu 1200 Räume freigelegt oder nachgewiesen werden. Dabei gruppieren sich Repräsentations-, Wohn- , Kult-, Wirtschafts- und Lagerräume sowie Werkstätten und Magazine um einen großen rechteckigen Zentralhof. Die Ausstattung des Palasts zeugt vom hohen zivilisatorischen Stand der Minoer. So gab es komfortable Bade- und Toilettenanlagen mit Wasserspülung. Wodurch wurde der Palast zerstört? Lange Zeit war vermutet worden, dass die Zerstörung um 1550 v.Chr. Folge des verheerenden Vulkanausbruchs bei Thera (heute Santorin) war. Neuesten geologischen Untersuchungen zufolge fand dieser Vulkanausbruch aber etwa 200 Jahre früher statt als bisher angenommen, so dass er nicht die Ursache der Zerstörungen gewesen sein kann. Der erste Palast von Knossos war wohl um 2000 v.Chr. entstanden. Er wurde um 1700 v.Chr. entweder durch einen Krieg oder ein Erdbeben zerstört, jedoch bald wieder aufgebaut. Um 1550 v.Chr. kam es zur genannten Zerstörung, bald darauf ein weiteres Mal. Durch ein Erdbeben wurde der Palast um 1450 v.Chr. stark beschädigt, aber von den vom Festland eingewanderten Achaiern wieder aufgebaut. Bei einem Brand vermutlich im 14. Jahrhundert v.Chr. wurde er endgültig zerstört. Die Siedlung war zwar noch weiter bewohnt, verlor jedoch zunehmend an Bedeutung. Knossos musste seine Vormachtstellung an Gortyn im Süden Kretas abgeben. Was leistete der Ausgrabungsleiter? Sir Arthur Evans schuf nicht nur die immer noch gültige Periodisierung der minoischen Kultur, sondern vermittelte mit weit gehenden Rekonstruktionen der Gebäude und Fresken einem breiten Publikum auch ein anschauliches Bild der Epoche. Was war der »Ariadne-Faden«? Das ist eine lange Geschichte. König Minos soll einst vergeblich versucht haben, Athen einzunehmen. Seine hasserfüllten Gebete bewirkten jedoch, dass eine Pestplage über die Stadt hereinbrach. Zur ihrer Abwendung musste der athenische König Aigeus sich verpflichten, alljährlich sieben Jünglinge und sieben Jungfrauen nach Kreta zu schicken. Dort wurden sie dem Minotauros, einem Ungeheuer mit Stierkopf und Menschenleib, zum Fraß vorgeworfen. Theseus, Sohn des Königs Aigeus und der größte Held Attikas, kam mit einer dieser Gruppen nach Kreta und tötete den Minotauros im Labyrinth. Ariadne, die Tochter des kretischen Königs, half Theseus, mit dem sprichwörtlich gewordenen »Faden der Ariadne« den Weg aus dem Labyrinth heraus zu finden. Gemeinsam flohen die beiden von Kreta. Obwohl Theseus Ariadne die Heirat versprochen hatte, ließ er sie beim ersten Halt auf der Insel Dia (später Naxos) zurück. Wussten Sie, dass … zum Palast auch eine Stadt gehörte? Sie lag unterhalb des Palasthügels und wurde um 3000 v. Chr. gegründet. Wahrscheinlich hatte sie um die 50000 Einwohner und stand in Verbindung mit zwei Häfen. in der Nähe von Knossos die Diktaiische Grotte lag, in der dem Mythos zufolge der griechische Gott Zeus geboren sein soll? Fachleute Sir Arthur Evans' Rekonstruktion kritisieren, weil sie den Palast zur Zeit seiner höchsten Blüte im 16. Jahrhundert v.Chr. zeigt und nicht zur Zeit seines Baus? Die Büste der Nofretete: Makelloses Bildnis einer Königin Zu welcher Zeit lebte Nofretete? Die Pyramiden von Gizeh standen bereits seit eineinhalb Jahrtausenden, als das Pharaonenpaar Nofretete und Echnaton ungefähr 300 Kilometer nilaufwärts anstelle des alten Theben um 1350 v. Chr. Achetaton (»Horizont des Aton«) als neue Hauptstadt Ägyptens gründeten. 17 Jahre lang dauerte ihre Herrschaft. Sie wird nach dem Ort Tell Al Amarna, an dem die Ausgräber seit dem Jahr 1891 die Residenz des Königspaares frei legten, »Amarna-Zeit« genannt. Wo wurde die Büste gefunden? Während der Grabungskampagne im Winter 1912/13 legten die Ausgräber von Amarna einen Gebäudekomplex frei, der sich als Bildhauerschule entpuppte. Der Rest einer Scheuklappe weist auf den »Oberbildhauer Thutmose« als Besitzer hin. Im Haupthaus stießen die Archäologen auf ein Depot von Bildnisköpfen, das den kunsthistorisch bedeutendsten Fund von Amarna bildete. Unter den Darstellungen der königlichen Familie befand sich die berühmt gewordene, lebensgroße Büste der Königin Nofretete. Der aus Kalkstein gehauene Porträtkopf war mit Stuck modelliert und mit Mineralfarben bemalt. Im Gegensatz dazu steht ein Porträtkopf, der wohl für eine Statue vorgesehen war. Im Vergleich mit der bemalten Büste sind die Gesichtszüge hier anders stilisiert. Einige wenige schwarze Linien setzen diese gegen den nicht stuckierten Stein ab. Wie sah Nofretete aus? Man weiß nicht genau, wie Nofretete ausgesehen hat. Zwar hielt der Künstler die Schönheit der Königin in verschiedenen lebensnah wirkenden plastischen Bildnissen fest. Allerdings zeigte eine Untersuchung mittels eines Quadratrasters, das über eine fotogrammmetrische Darstellung des berühmten Kopfes gelegt wurde, dass seine Proportionen idealtypisch konstruiert sind. Dennoch bestechen die Thutmose-Bildnisse durch eine äußerst individuell wirkende Physiognomie, die auch die Veränderungen durch das Alter miteinbezieht. So gehörte auch eine wundervolle Kalksteinstatuette der Königin zu diesem Fund, mit der der Künstler ganz offenbar ein stilisiertes Altersporträt schuf, wie sich aus den ungewöhnlich starken Mund-Nasen-Falten schließen lässt. Eine derartige Individualisierung gab es weder vor noch nach der Amarna-Zeit ein zweites Mal. Was weiß man über den Pharao Echnaton? Im fünften Jahr seiner Herrschaft führte der Pharao aus der 18. Dynastie, Amenophis IV., den Kult des Sonnengottes Aton ein und nannte sich selbst fortan Echnaton: »Aton ist gnädig«. Er verließ die Residenz des Neuen Reiches in Theben, um Achetaton zu gründen. Wir können nur ahnen, was ihn zu diesem Schritt bewog. Offenbar geschah es aus Unmut über die thebanischen Priester, die ihm eine »unvergleichliche Kränkung« zugefügt hätten. Damals war die Priesterschaft zu einer starken Macht gelangt, die den Pharaonen gefährlich werden konnte. So besaß sie ein Drittel des Landes und hielt mit einer unübersehbaren Zahl von Nebengöttern nicht nur das Volk, sondern auch die Pharaonen in Schach. Was für eine Stellung hatte Nofretete am Hof? Vieles deutet darauf hin, dass Echnatons Hauptfrau Nofretete oder Nefertiti eine glühende Verfechterin des neuen Glaubens wurde. Wie keine Ehefrau eines Pharaos vor oder nach ihr war sie an allen öffentlichen und kultischen Handlungen ihres Mannes beteiligt. Vielleicht erhielt sie das höchste Priesteramt, eine Position, die normalerweise den Königen vorbehalten war. Entgegen häufiger Meinung hatte Echnaton aber keine Ein-Gott-Religion eingeführt. So wurde in Amarna neben dem Sonnengott auch die ihm eng verbundene Uräusschlange verehrt; nach der Mythologie schützte sie den Sonnengott mit ihrem Feueratem vor den Feinden. Über politische Ereignisse während der Regierungszeit des Pharaos Echnatons ist wenig bekannt. Offenbar übte er die gewonnene Macht unangefochten aus. Wie starb die Königin? Auch darüber gibt es bisher lediglich Vermutungen. Im zwölften Jahr der Regierungszeit Echnatons starb Nofretete – oder sie fiel in Ungnade, denn sie wurde von Meritaton, einer der sechs gemeinsamen Töchter des Regentenpaars, in ihrer Rolle als Königin abgelöst. Wahrscheinlicher ist es jedoch, dass Nofretete ihren Gemahl überlebte: In Amarna deutet nichts auf eine dortige Beisetzung noch auf eine frühere Bestattung zur Regierungszeit Echnatons hin. Im für sie bestimmten königlichen Grab in Amarna finden sich nur Reste von Beigaben für Echnaton und die im Alter von etwa 17 Jahren verstorbene Tochter Maketaton. Wussten Sie, dass … der Name Nofretete so viel wie »die Schöne ist gekommen« bedeutet? Echnaton seinem Selbstverständnis als Gottkönig auch dadurch Ausdruck verlieh, dass er die alte Hauptstadt Theben verließ, um – wie er selbst sagte – an einer Stelle, »die bisher noch keinem Gott oder einer Göttin gehört hatte«, seine neue Residenz Achetaton zu gründen? es auffallend viele private Darstellungen von Echnaton, seiner Gattin Nofretete und der gemeinsamen sechs Töchter gibt? Als wohl erstes Herrscherpaar machten sie so ihr Privatleben öffentlich. Der Schatz von Tutanchamun: Gold für einen altägyptischen König Wer entdeckte das Grab von Tutanchamun? Der Archäologe Howard Carter machte den sensationellen Fund. Er stieß mit seinem kleinen Arbeitertrupp am 4. November 1922 im Tal der Könige (beim oberägyptischen Theben) auf antike Treppenstufen. Nachdem die Stufen freigelegt waren, standen sie vor einer zugemauerten Tür. Die Tür war versiegelt. Carter ließ den Eingang wieder zuschütten und telegrafierte an seinen Auftraggeber Lord Carnarvon in England: »Habe endlich eine wundervolle Entdeckung im Tal gemacht. Ein Grab mit unbeschädigten Siegeln. Bleibt bis zu Ihrer Ankunft verschlossen.« Carnarvon traf drei Wochen später in Theben ein. Am 24. November, als sie erneut vor der Tür standen, entdeckten sie zwei weitere Siegel. Sie trugen den Namen Tutanchamuns (reg. 1346–1337), des Sohnes des Echnaton und jugendlichen Königs der 18. Dynastie, der unter ungeklärten Umständen mit 17 Jahren gestorben war. Was fanden die Archäologen im Grab? Carter und Carnarvon stießen auf einen Schatz. Als die Tür aufgebrochen war, gelangten sie in einen 7,60 Meter langen Eingangskorridor, an dessen Ende sich eine weitere Tür befand. Nachdem diese aufgebrochen worden war, blickten sie in eine Vorkammer, die mit zahlreichen Gegenständen gefüllt war. Dazu zählten drei große vergoldete Holzbetten mit Tierköpfen und -körpern, prachtvolle Stühle, Sessel und Hocker, Truhen mit Kleidungsstücken, Krüge mit wertvollen Ölen und Salben, Alabastervasen und vier zerlegte, mit Stuck und Blattgold verkleidete Streitwagen des Königs. Zu den kostbarsten Funden zählte eine bemalte Truhe, deren höchst detaillierte Szenen den Pharao als Eroberer und Jäger zeigen, und der so genannte Goldene Thron, eines der großartigsten und berühmtesten Kunstwerke des Grabes. Auf der Rückenlehne des Thrones ist der unter dem Sonnengott Aton thronende Tutanchamun dargestellt, der von seiner Gemahlin gesalbt wird. Es folgten noch drei weitere Räume, darunter die Sargkammer. Das Ganze fügte sich zu einem Ensemble von unermesslichem archäologischen und künstlerischen Wert. Insgesamt 5000 Gegenstände, fantastische Kunstwerke, rituelle und alltägliche Dinge, die noch niemand zuvor gesehen hatte (außer vielleicht auf altägyptischen Darstellungen), kamen nach über 3000 Jahren ans Tageslicht. Wo befand sich die Mumie Tutanchamuns? Sie lag in der Sargkammer, zu der von der Vorkammer ein vermauerter Eingang führt, den zwei Wächterfiguren mit einer Größe von zwei Metern flankieren. Als die Mauer durchbrochen war, sahen Carter und Carnarvon die goldene Wand eines riesigen Holzschreines vor sich. Der fünf Meter lange, 3,30 Meter breite und 2,75 Meter hohe Schrein enthielt drei weitere vergoldete und verzierte Schreine. Im vierten Schrein befand sich ein steinerner Sarkophag, der wiederum drei ineinandergestellte – mumienförmige – Särge enthielt. Die zwei äußeren Särge waren vergoldet, der innerste, 110 Kilogramm schwere Sarg war aus purem Gold. Darin lag der einbalsamierte Körper des toten Königs, dessen Gesicht und Oberkörper mit der weltberühmten Goldmaske, einem Meisterwerk ägyptischer Goldschmiedekunst, bedeckt war. In den Bandagen des Leichnams hatte man 125 wertvolle Schmuckstücke und Amulette eingewickelt. Welche Kostbarkeiten enthielt die Schatzkammer? Im Mittelpunkt der sich an die Sargkammer anschließenden »Schatzkammer«, die von dem schakalköpfigen Gott Anubis bewacht wurde, befand sich ein vergoldeter Schrein, umstanden von vier künstlerisch einzigartigen Göttinnenfiguren. In ihm entdeckte man eine Alabastertruhe mit vier goldenen Miniatursärgen, die die mumifizierten Eingeweide des Königs enthielten. In der »Schatzkammer« und in der an die Vorkammer grenzenden Seitenkammer stieß man schließlich auf Kisten mit insgesamt 413 Figuren, so genannte Uschebtis (Dienerfiguren), die dem Pharao im Jenseits zur Seite stehen sollten. In anderen Kisten fand man Königsstatuen und zahlreiche tier- und menschengestaltige Götterfiguren. Ferner lagerten dort unter anderem unzählige Möbel, Bootsmodelle, Truhen mit Kleidung und Schmuck sowie Nahrungsmittel. Die Untersuchung des Grabes zeigte allerdings auch, dass viele Kostbarkeiten offenbar von antiken Grabräubern gestohlen worden waren, denn unzählige Schatullen hatte man eindeutig aufgebrochen und durchwühlt, bevor das Grab dann vor über 3000 Jahren endgültig verschlossen worden war. Wussten Sie, dass … das Grab des Tutanchamun das erste und bisher einzige nahezu vollständig erhaltene Grab eines altägyptischen Königs ist? Seine Entdeckung bedeutete den größten Schatzfund in der Geschichte der Archäologie. Die bis dahin entdeckten 25 Pharaonengräber waren allesamt schon in der Antike geplündert und ihrer wertvollen Beigaben beraubt worden. Howard Carter sechs Jahre lang im Tal der Könige nach dem Grab Tutanchamuns gesucht hatte – trotz der damals vorherrschenden Meinung, dass in diesem kleinen, abgelegenen Felstal keine weiteren Gräber mehr zu entdecken seien? Schatzhaus des Atreus in Mykene: Größte Kreiskuppel der Antike Aus welcher Zeit stammt das »Schatzhaus des Atreus«? Dieses Gebäude im griechischen Mykene gehört zu einer Gruppe von monumentalen Kuppelgräbern aus der Zeit von 1400 bis 1250 v.Chr. Mit ihnen erreichen die aus der Jungsteinzeit überlieferten Techniken der Kragkuppel und des Megalithbaus ihren Höhepunkt. Gibt es ähnliche Grabbauten? In gewisser Weise ja. Dieses Mykener Kuppelgrab weist große Ähnlichkeit mit einem Grabbau in Orchomenos in Mittelgriechenland auf, das der griechische Geograph Pausanias als »Schatzhaus des Minyas« bezeichnet hatte. Die baulichen Merkmale gleichen sich so sehr, dass Fachleute denselben Architekten beziehungsweise dieselbe Bauschule vermuten. Alle wesentlichen Elemente des ägäischen Grabbaus sind in den mykenischen Kuppelgräbern der späten Bronzezeit zwischen 1400 und 1250 v. Chr. erfasst: ein Tumulus (Hügel) als äußerlich sichtbare Form, ein gemauerter Dromos (Eingangsweg) als Zugang, die Kragkuppel als Überdeckung sowie Schacht- oder seltener Kammergräber im Innern der Anlagen. Als weiteres gemeinsames Kennzeichen findet sich ein Tor mit einem tonnenschweren entlasteten Türsturz. Dieser Grabtypus war im gesamten mykenischen Herrschaftsgebiet verbreitet; am häufigsten findet er sich im Kerngebiet, der Argolis, davon allein neunmal in Mykene selbst. Warum gilt das Mykener Kuppelgrab als architektonische Meisterleistung? Weil es das herausragende Beispiel seiner Gattung ist und 1400 Jahre lang, bis zum Neubau des römischen Pantheon, dem Bau für die römischen Staatsgötter und Heroen, unter Kaiser Hadrian (Reg. 118–138) die größte Kreiskuppel der Antike bleiben sollte. Das um 1250 v. Chr. errichtete Bauwerk ist das am besten erhaltene Grab dieses Typus. Welche Ausmaße hat das Gebäude? Der zum Eingang führende ungedeckte Gang von 35 Metern Länge und sechs Metern Breite wird flankiert von zehn Metern hohen Mauern aus rechtwinkligen Quadern. Das Tor erweckte ursprünglich den Eindruck einer Palastfassade. Insgesamt etwa elf Meter hoch, war der Eingang von grünen Halbsäulen flankiert und reich mit plastischen, farbigen Ornamentbändern sowie Reliefs dekoriert. Bei einem Durchmesser von 14,50 Metern erreicht der dahinter liegende bienenkorbförmige Raum aus strengen Quadern eine Höhe von 13,20 Metern. Wir haben hier die vollendete Umsetzung der Technik des »falschen Gewölbes« vor uns: Jeder der waagrecht gesetzten Steine ist so behauen, dass die innen sichtbare Seite entsprechend der Kreisform des Grundrisses gebogen ist. Nach oben hin überragen sie sich jeweils so weit, dass sich daraus die Bienenkorbform der Kuppel ergibt. Warum ist die Grabkammer nicht geschmückt? Vermutlich wurde sie nicht fertig gestellt. Die Grabkammer ist ein roh in den Felsen gehauener Raum. Der Zugang erfolgt durch ein Tor, das konstruktionsmäßig dem Eingangsportal ähnelt, aber viel kleiner dimensioniert ist. Welcher Fluch lag auf dem Haus des Atreus? Nach der griechischen Mythologie war das königliche Haus von Atreus vom Unglück verfolgt. Der Grund lag bei Großvater Tantalos: Dem König von Lydien war der lange Umgang mit den Göttern zu Kopf gestiegen. Um sie auf die Probe zu stellen, servierte er ihnen seinen Sohn Pelops zerteilt zum Mahl. Natürlich merkten die Götter das und setzten den Jungen wieder zusammen. Tantalos wurde mit ewigen Qualen im Hades bestraft und vererbte seine Schuld bis ins vierte Glied. Pelops wurde verflucht, blieb aber ansonsten verschont. Niobe, Tochter des Tantalos, straften die Götter für ihren Hochmut. Atreus, Sohn des Pelops und der Hippodeima, und seine Kinder und Enkel aber bekamen die ganze Last des göttlichen Zornes zu spüren. Die berühmtesten Söhne des Atreus, Menelaos und Agamemnon, mussten