Asien – ein Weltteil mit sehr alten Traditionen
Asien – ein Weltteil mit sehr alten Traditionen Mit 44,7 Mio. km² ist Asien der größte Kontinent der Erde. Zudem beherbergt Asien mit über 3,9 Mrd. Einwohnern mehr Menschen als alle anderen Kontinente zusammen. Alle großen Religionen (Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus, Hinduismus, Konfuzianismus) haben in diesem Erdteil ihren Ursprung. Asien ist ferner ein Kontinent der Superlative: Hier liegt der höchste Berg der Erde (Mount Everest, 8846 m) und der größte Binnensee (Kaspisches Meer, 386 500 km²). Außerdem entstand im 4. Jt. v. Chr. im Süden Mesopotamiens die erste Hochkultur der Geschichte: das Reich der Sumerer. Nord- und Zentralasien haben ein ausgesprochen kontinentales Klima mit starken Temperaturgegensätzen zwischen Sommer und Winter. Von der Arabischen Halbinsel bis zur Wüste Gobi zieht sich ein ausgedehnter Trockengürtel. Vorder- und Hinterindien sowie weite Teile von China werden durch den Monsun beeinflusst. Vom Malaiischen Archipel bis nach Indien ist tropischer Regenwald verbreitet. In Süd- und Südostasien gedeihen Monsunwälder, die während der Trockenzeit ihr Laub abwerfen; in den trockeneren Gebieten dieser Region herrschen Savannen vor. Der innerasiatische Trockengürtel ist durch Steppe, Halbwüste und Wüste gekennzeichnet. In Sibirien dehnt sich das größte Waldgebiet der Erde, die Taiga, aus. Asien gehört zu den rohstoffreichsten Erdteilen. Besonders reich ist der Kontinent an Erdöl und -gas sowie Zinn. Zu den wichtigsten Agrarprodukten zählen Reis, Kautschuk, Jute, Baumwolle, Seide, Tee und Weizen. Die wirtschaftliche Entwicklung Asiens ist äußerst ungleich: Einem der reichsten Länder der Erde (Japan) steht mit Bangladesch eines der ärmsten gegenüber. Seit Ende der 1990er Jahre ist China das Land mit dem stärksten Wirtschaftswachstum. Die erste Verbindung zwischen der Mittelmeerkultur und dem westlichen Asien stellten phönizische Seefahrer her. Die Feldzüge Alexanders des Großen im 4. Jh. v. Chr. brachten eine starke Erweiterung der Kenntnisse von diesem Erdteil. Im 13. Jh. kam es durch die Mongolen zur unmittelbaren Berührung zwischen Europa und Asien. Reisende wie Marco Polo (1254 bis 1324) schilderten den Glanz bisher unbekannter Kulturen. Erst spät, mit Beginn des 19. Jh., wurde schließlich Innerasien erforscht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der europäische Einfluss durch den US-amerikanischen abgelöst. Kasachstan: Reich an Öl und Erdgas Kasachstan Amtlicher Name: Republik Kasachstan Fläche: 2 724 900 km² Einwohner: 14,8 Mio. Hauptstadt: Astana Amtsprache(n): Kasachisch Währung: 1 Tenge = 100 Tiin Welche Bedeutung hat das Land für die Weltraumfahrt? 370 km entfernt von der kasachischen Stadt Baikonur befindet sich der wichtigste russische Raketenstartplatz für bemannte Weltraumunternehmungen. Moskau hat ihn bis 2014 von Kasachstan gepachtet. Landesnatur Was ist die Kasachische Schwelle? Die bis auf 1559 m ansteigende Kasachische Schwelle erhebt sich als Gebirgszug im zentralen Teil des Landes. Sie schließt im Osten an die wüstenhaften Tiefländer der Kaspischen und Turanischen Senke an, die den Westteil Kasachstans dominieren. Bekannt ist die Kasachische Schwelle für ihre zahlreichen abflusslosen Salzseen. Der größte unter ihnen ist der 620 km lange und nur 27 m tiefe Balchaschsee, der vom Austrocknen bedroht ist und dessen Fläche zwischen 17 500 und 22 000 km² schwankt. Zudem weist er eine Besonderheit auf: Er ist der einzige See der Erde, der zur Hälfte salzhaltig ist (Ostteil) und zur Hälfte Süßwasser enthält (Westteil). Bevölkerung Sind die Kasachen heute noch Nomaden? Einst waren die Kasachen ein nomadisches Turkvolk, das auch in China und der Mongolei lebte. 1,3 Mio. fielen unter der Sowjetherrschaft der Zwangskollektivierung zum Opfer. Die vorwiegend islamischen Kasachen (Sunniten) stellen lediglich 53,4 % der Bevölkerung. Der Anteil der Russen beträgt 30 %. Außerdem leben noch Ukrainer (5,1 %), Deutsche (3,6 %), Tataren, Usbeken, Uiguren, Weißrussen und Aserbaidschaner im Land. Wirtschaft Welcher Sektor trägt das Wirtschaftswachstum? Der Öl- und Rohstoffsektor, der maßgeblich zum jährlichen Wirtschaftswachstum von rd. 9 % beiträgt. Die im Jahr 2000 entdeckten Lagerstätten zählen zu den größten Ölfunden der letzten 30 Jahre. Neben Erdöl verfügt das Land auch über Kohle, Erdgas, Eisen, Kupfer, Chrom, Zink, Gold, Silber und Mangan. Wie viel Fläche nutzt die Landwirtschaft? Ein Viertel. Das Land kann nicht nur den Eigenbedarf an Getreide decken, sondern sogar den Überschuss nach China exportieren. Die Landwirtschaft, in der 22 % der erwerbstätigen Bevölkerung beschäftigt sind, ist ausgesprochen vielseitig. Im Norden wird auf fruchtbaren Schwarzerdeböden Weizen-, Hirse- und Sonnenblumenanbau mit Fleisch- und Milchviehzucht betrieben. Geschichte Welche Wurzeln hat das kasachische Volk? Es entstand durch Vermischung türkischer und mongolischer Stämme. Im 11. Jh. beherrschte die Karachaniden-Dynastie das Gebiet Kasachstans, das 1219–1221 vom legendären Mongolen-Fürsten Tschingis Chan (1155 oder 1167–1227) erobert wurde. Ein kasachisches Khanat erreichte im 16. Jh. den Höhepunkt seiner Macht. In der Folgezeit wurde das Gebiet zwischen drei Stammesbünden aufgeteilt (Große, Mittlere und Kleinere Horde). Warum suchte das Land russischen Schutz? Ende des 17. Jh. und v. a. in der ersten Hälfte des 18. Jh. sahen sich die Kasachen fortwährenden Angriffen der westmongolischen Oiraten ausgesetzt. 1731 nahm der Stammesbund der Kleinen Horde den Schutz des russischen Zaren an, 1740 folgte die Mittlere Horde und 1742 Teile der Großen Horde. Bis 1848 verloren die drei Horden endgültig ihre autonome Stellung. In der Folgezeit begann ein Zustrom russischer Kolonisten sowie die Islamisierung durch Tataren aus Kasan. Ein Aufstand gegen die zaristische Herrschaft wurde 1916 blutig niedergeschlagen. 1920 wurde die Kirgisische Autonome Sozialistische Sowjetrepublik im Rahmen der RSFSR gegründet. Sie wurde 1925 in Kasachische ASSR umbenannt und 1936 zur Unionsrepublik erhoben. Die Kollektivierung der Landwirtschaft war begleitet von einer zwangsweisen Sesshaftmachung der nomadisierenden Kasachen. Wer ist Nursultan Nasarbajew? Der seit 1990 amtierende Präsident. Mit autoritärem Führungsstil führte der ehemalige KP-Vorsitzende das Land nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in die Unabhängigkeit. 2000 sicherte sich Nasarbajew (* 1940) per Gesetz weit reichenden politischen Einfluss auf Lebenszeit. Mit seinem autoritären Führungsstil stieß Nasarbajew bei der politischen Opposition sowie im Ausland immer wieder auf Kritik. Daran änderte auch die von ihm im Februar 2005 angekündigte Demokratisierungsinitiative nichts. Das Vertrauen gegenüber dem Präsidenten schwand rapide, nachdem im Februar 2006 der Oppositionspolitiker Altynbek Sarsenbajew ermordet worden war. Um das Land aus dieser Vertrauenskrise zu führen, rief Nasarbajew im März 2006 eine staatliche Reformkommission ein, der auch Oppositionelle angehören. Wussten Sie, dass … Kasachstan bis zu 5000 m hoch ist? Im äußersten Südosten hat Kasachstan Anteil an den Ausläufern von Tian Shan und Altai und erreicht dort seine größte Höhe von 4973 m. nur gut 40 % der Bewohner die offizielle Staatssprache beherrschen? Hauptverkehrssprache ist Russisch, das von 83 % der Bevölkerung gesprochen wird. Kirgisistan: Zerklüftetes Hochgebirgsland Kirgisistan Amtlicher Name: Kirgisische Republik Fläche: 199 900 km² Einwohner: 5,3 Mio. Hauptstadt: Bischkek Amtsprache(n): Kirgisisch, Russisch Währung: 1 Kirgisistan-Som = 100 Tyin Landesnatur Wo liegt eigentlich Kirgisistan? Kirgisistan liegt in Zentralasien. Das Hochgebirgsland grenzt im Norden an Kasachstan, im Westen an Usbekistan, im Süden an Tadschikistan und im Südosten an China. Die zum Teil vergletscherten Hochgebirgsketten des östlichen Alai und des Tian Shan gipfeln im 7439 m hohen Pik Pobedy. Die Hälfte der Landfläche liegt höher als 3000 m. Zwischen den meist westöstlich verlaufenden Gebirgsketten sind breite Täler (Fergana Becken, Tschu- und Talas-Tal) eingeschoben, in die zum Teil Seen eingebettet sind. Bevölkerung Zu welchem Volk gehören die Kirgisen? Kirgisen sind Angehörige des Turkvolks und bekennen sich mehrheitlich (75 %) zum sunnitischen Islam. Ein Konfliktpotenzial sind ethnische Spannungen zwischen Kirgisen und Usbeken. Es kam wiederholt zu Auseinandersetzungen zwischen beiden Volksgruppen. Die v. a. im Handel und in der Landwirtschaft tätigen Usbeken fühlen sich aufgrund ihrer städtischen Lebensweise den bis 1970 meist nomadisierenden kirgisischen Viehzüchtern überlegen. Wirtschaft Was ist die Basis der kirgisischen Wirtschaft? Die Landwirtschaft, die rd. 35 % zum BIP beiträgt. Auf dem zum größten Teil künstlich bewässerten Ackerland werden Baumwolle, Getreide, Obst, Tabak und Zuckerrüben angebaut. Ansonsten überwiegt die teilweise noch nomadisch betriebene Viehwirtschaft (Schafe, Ziegen), die v. a. der Wollgewinnung dient. Die wichtigsten Industriezweige sind die Nahrungsmittel- und Textilindustrie, in der Baumwolle und Wolle sowie die Seide aus der Seidenraupenzucht verarbeitet werden. Wussten Sie, dass … fast 50 % der Landesfläche als Gebirgsweiden genutzt werden können? der inoffizielle Name »Kirgisien« eine Eindeutschung der russischen Bezeichnung ist, wie sie in der Zarenzeit und der Sowjetzeit üblich war? Tadschikistan: Hoffnung auf Erdölreserven Tadschikistan Amtlicher Name: Republik Tadschikistan Fläche: 143 100 km² Einwohner: 6,3 Mio. Hauptstadt: Duschanbe Amtsprache(n): Tadschikisch Währung: 1 Somoni = 100 Diram Landesnatur An welche Länder grenzt Tadschikistan? Die vier Nachbarländer des zentralasiatischen Staates sind Afghanistan, Usbekistan, Kirgisistan und China. Besonders schwierig ist die Sicherung der über 1300 km langen Grenze zu Afghanistan. Den Drogenschmuggel aus dem Nachbarland kann Tadschikistan nicht aus eigener Kraft unterbinden. Tadschikistan ist ein sehr gebirgiges Land. Es umfasst die westlichen Gebirgszüge des Alai und das südliche Vorland beiderseits des Wachsch, die Südabdachung des Transalai, die waldlosen, stark vergletscherten Ketten des Pamir, die im 7495 m hohen Pik Somoni (bis 1998 Pik Kommunisma) gipfeln, sowie den westlichen Teil des fruchtbaren Ferganatals. Das Klima in Tadschikistan ist durch die Höhenlage relativ kühl. Bevölkerung Sind die Tadschiken Muslime? 80 % bekennen sich wie die Nachbarvölker zum Islam (Sunniten). Im Unterschied zu den benachbarten Turkmenen, Usbeken und Kirgisen, die zu den Turkvölkern zählen, sind die Tadschiken jedoch ein Teil der iranischen Völkerfamilie. Wirtschaft Was ist das wichtigste Agrarprodukt? Baumwolle, deren Anbau meist auf bewässerten Flächen erfolgt. Die Forcierung des Baumwollanbaus in Monokulturen erfolgte allerdings auf Kosten des Getreideanbaus und hat Tadschikistan von Nahrungsmittelimporten abhängig gemacht. Obwohl die raue, gebirgige Landesnatur die landwirtschaftliche Nutzung stark einschränkt, arbeiten rd. 66 % der Erwerbstätigen im Agrarsektor. Übrigens: 50 % der Staatseinnahmen werden durch Erdölförderung gedeckt, die maßgeblich zum Wirtschaftswachstum beiträgt. Geschichte Gehörte das Land früher zur Sowjetunion? Ja. Am 1991 erklärte sich Tadschikistan für unabhängig. Danach brach ein blutiger Machtkampf zwischen prokommunistischen und islamisch-demokratischen Gruppen aus. Bis 1997 forderte der Bürgerkrieg über 100 000 Todesopfer. Erst im Juni 1997 konnte auf Grund von russischen und iranischen Vermittlungsbemühungen ein Friedensabkommen unterzeichnet werden. Dennoch brachen auch in der Folgezeit wiederholt Gefechte aus, sodass eine Stabilisierung erschwert wurde. Usbekistan: Das Land der Wüsten Usbekistan Amtlicher Name: Republik Usbekistan Fläche: 447 400 km² Einwohner: 26,5 Mio. Hauptstadt: Taschkent Amtsprache(n): Usbekisch Währung: 1 Usbekistan-Sum = 100 Tijin Landesnatur Warum schrumpft der Aralsee? Verdunstung, geringe Niederschläge, sowie eine hohe Wasserentnahme zu Bewässerungszwecken aus den beiden Zuflüssen Amudarja und Syrdarja lassen den Wasserspiegel des Aralsees dramatisch sinken. Ehemals war der See rd. 68 000 km² groß, mittlerweile schrumpfte er auf 33 640 km². Er wurde bereits in einen großen und einen kleinen Aralsee gespalten und droht zu einem Salzsumpf auszutrocknen. Fischerei und Schifffahrt mussten inzwischen vollständig eingestellt werden. Zudem ist der ehemals riesige See stark mit Pestiziden und anderen Schadstoffen belastet. Durch die Austrocknung des Sees gelangen diese Giftstoffe über den Wind zunehmend in die Umwelt. Welche Wüste erstreckt sich in Usbekistan? Die Kies- und Sandwüste Kysylkum (»rote Wüste«), die fast die Hälfte der Landesfläche einnimmt. Ihren Namen verdankt sie dem roten Sand, der die zahlreichen Ebenen der Wüstenlandschaft bedeckt. Insgesamt bestehen drei Viertel des Landes aus Wüsten. Wirtschaft Warum ist Baumwolle für das Land so wichtig? Usbekistan entwickelte sich zum drittgrößten Baumwollexporteur. Knapp 80 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche entfallen auf den Baumwollanbau. Neben dem Baumwollanbau basiert die Wirtschaft auf der Erdgasförderung. Wichtigste Industriezweige sind Petrochemie und Textilindustrie. Von Bedeutung ist auch die Karakulschaf- und Seidenraupenzucht. An Bodenschätzen gibt es außer Erdgas noch Erdöl, Kohle, Buntmetalle und Gold. Geschichte Wer war Namenspatron der Usbeken? Die Usbeken leiten ihren Namen von Usbek (Ösbek) her, dem im 14. Jh. herrschenden Khan der Goldenen Horde, der sie zu einem Stammesverband zusammenschloss. Seit Ende des 16. Jh. kam es zu usbekischen Staatsgründungen (Khanate Buchara, Chiwa und Kokand). Im 19. Jh. geriet das Gebiet unter die Kontrolle des Zarenreiches, 1924 wurde es sowjetische Unionsrepublik. 1991 erklärte das Land seine Unabhängigkeit. Wussten Sie, dass … die Seidenstraße auch durch Usbekistan verläuft? Die Stadt Buchara war ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt der südlichen Seidenstraße. Turkmenistan: Republik am Kaspischen Meer Turkmenistan Amtlicher Name: Republik Turkmenistan Fläche: 488 100 km² Einwohner: 4,9 Mio. Hauptstadt: Aschchabad Amtsprache(n): Turkmenisch Währung: 1 Turkmenistan-Manat = 100 Tenge Wirtschaft Was ist der wichtigste Rohstoff des Landes? Turkmenistan verfügt über bedeutende Erdgasreserven sowie enorme Erdölvorkommen. Über die tatsächliche Größe der Reserven herrscht aber noch Unsicherheit. Wegen ausbleibender Investitionen ist ein Großteil der geschätzten Vorkommen noch nicht ausreichend erschlossen. Das Land ist wirtschaftlich noch wenig entwickelt. Wichtigste Industriezweige sind die chemische und die Textilindustrie. Landesnatur Ist das Land ein Wüstenstaat? Mehr als 85 % der Landesfläche werden von Wüste und Trockensteppe bedeckt. Der größte Teil entfällt auf die Sandwüste Karakum, die an den Rändern von den Flüssen Amudarja, Murgab und Tedschen durchflossen wird. Am Kaspischen Meer im Westen greift die weitgehend ausgetrocknete Bucht des rd. 13 000 km² großen Kara-Bogas-Gol tief ins Land. Das Klima ist kontinental geprägt. Übrigens: Turkmenistan liegt bis zu 81 m unter dem Meeresspiegel. Das ganze Land ist recht eben, nur im Süden erhebt sich das Faltengebirge des Koppeh Dagh (bis 3191 m). Bevölkerung Seit wann gibt es ein turkmenisches Volk? Eigentlich erst seit dem 20. Jh. Zuvor waren die Turkmenen, die zu den Turkvölkern zählen, jahrhundertelang in zahlreiche Stämme zersplittert, die sich nur gelegentlich für kriegerische Unternehmungen zu Stammesbünden zusammenschlossen. Neben den rd. 73 % Turkmenen leben heute Russen (9,8 %), Usbeken (9 %) sowie zahlreiche andere Volksgruppen (u. a. Tataren) im Land. Aserbaidschan: Erdöllieferant am Kaspischen Meer Aserbaidschan Amtlicher Name: Republik Aserbaidschan Fläche: 86 600 km² Einwohner: 8,4 Mio. Hauptstadt: Baku Amtsprache(n): Aserbaidschanisch Währung: 1 Aserbaidschan-Manat = 100 Gepik Landesnatur Wie heißt der größte Binnensee der Erde? Das Kaspische Meer ist mit einer Fläche von 386 500 km² der weltgrößte Binnensee. Er ist damit größer als Deutschland. Im Südteil ist das abflusslose Gewässer bis zu 1025 m tief. Neben Aserbaidschan grenzen Turkmenistan, Kasachstan, Russland und Iran an den See. Wasserentnahme für die Landwirtschaft und Verdunstung senken den Wasserspiegel stetig und gefährden das ökologische Gleichgewicht. Der See ist ein bedeutendes Fischfanggebiet (u. a. Stör und Zander). Die wichtigsten Häfen sind die aserbaidschanische Hauptstadt Baku und die russische Stadt Astrachan. Am südlichen Westufer gibt es reiche Erdölvorkommen. Wirtschaft Wofür ist die Stadt Baku bekannt? Für Erdöl, das im Gebiet der Stadt gefördert wird. Die aserbaidschanische Ölindustrie erwirtschaftete 2005 rd. 67 % des BIP. Ende des 19. Jh. war das Land sogar der größte Erdölproduzent der Welt. Mit ausländischer Hilfe werden seit einiger Zeit neue Lagerstätten im Kaspischen Meer erschlossen. Neben Erdöl ist auch Erdgas eine wichtige Ressource. Die bedeutendsten Industriezweige in Aserbaidschan sind neben der petrochemischen die Textil- und Hüttenindustrie sowie der Maschinenbau. Die Stauanlage von Mingetschaur und ein weit verzweigtes Bewässerungssystem ermöglichen einen intensiven Ackerbau in der Trockensteppe. Angebaut werden Baumwolle, Getreide und Gemüse. Im wesentlich feuchteren Tiefland von Lenkoran gedeihen Tee und Zitrusfrüchte, in den Vorbergen und Tälern Obst, Wein und Tabak. Geschichte Was ist Bergkarabach? Eine mehrheitlich von Armeniern bewohnte, aber seit 1920 zur Aserbaidschanischen SSR gehörende autonome Enklave im Südosten des Kleinen Kaukasus. 1988 erklärte Bergkarabach seinen Anschluss an die Armenische SSR. Sowohl die Moskauer Zentralregierung als auch der aserbaidschanische Oberste Sowjet sahen diesen Beschluss als ungültig an. In der Folgezeit kam es zu militärischen Auseinandersetzungen. Im Zuge des Zerfalls der UdSSR erklärte Aserbaidschan 1991 seine Unabhängigkeit. Der Streit um Bergkarabach entwickelte sich zu einem Krieg mit Armenien. Russische Vermittlungsbemühungen führten 1994 zu einem Waffenstillstandsabkommen. Ein Jahr später wurde eine neue Verfassung verabschiedet. Georgien: Land im Kaukasus Georgien Amtlicher Name: Republik Georgien Fläche: 69 700 km² Einwohner: 4,5 Mio. Hauptstadt: Tbilissi Amtsprache(n): Georgisch Währung: 1 Lari = 100 Tetri Landesnatur Welches Gebirge prägt das Land? Der Kaukasus. Den Norden des Landes durchziehen die zum Teil dicht bewaldeten Gebirgsketten des Großen Kaukasus (im Kasbek 5047 m) mit ihren stark vergletscherten Kämmen. Den Süden Georgiens bestimmt der Kleine Kaukasus, dessen Gebirgszüge über 3000 m Höhe erreichen. Dazwischen liegen die dicht besiedelten und landwirtschaftlich genutzten Flusstäler des Rioni und der oberen Kura. Am Schwarzen Meer herrscht subtropische Vegetation. Über ein Drittel Georgiens ist bewaldet. Bevölkerung Welche Sprachen sprechen die Einwohner? Die Georgier, die mit rd. 72 % die Mehrheit bilden, sowie die Adscharen und Abchasen sprechen kaukasische Sprachen, die Armenier (8 %), Osseten und Griechen indoeuropäische Sprachen, die Russen (6 %) eine slawische Sprache und die Aseri (Aserbaidschaner, 6 %) eine Turksprache. Übrigens: Der nationalen Eigenständigkeit der Adscharen, Abchasen und Osseten wurde durch die Einrichtung eigener Verwaltungseinheiten Rechnung getragen. Geschichte Was leistete Eduard Schewardnadse? Der georgische Politiker war 1985–1990 Außenminister der Sowjetunion. Er suchte die Entspannung mit dem Westen und förderte die deutsche Wiedervereinigung. 1992 wurde er zum Vorsitzenden des georgischen Parlaments (Staatsoberhaupt) und 1995 zum Staatspräsidenten gewählt. Während seiner Amtszeit kam es zu Nationalitätenkonflikten mit Abchasien und Südossetien. Schewardnadse gelang es dennoch, den staatlichen Zusammenbruch des Landes zu verhindern. Im Laufe der Zeit verlor er aber durch Korruption und wirtschaftlichen Niedergang den Rückhalt der Bevölkerung. Im Jahr 2003 erzwang die Opposition durch unblutige Demonstrationen Schewardnadses Rücktritt. Die Bevölkerung wählte Michail Saakaschwili, den Gründer der Partei Nationale Bewegung und Führer bei den Massenprotesten gegen Schewardnadse, zum neuen Präsidenten. Wussten Sie, dass … sich im 9. Jh. unter der Dynastie der Bagratiden die Einigung des Landes vollzog? Georgien in der Sowjetära 95 % des Unionsaufkommens an Tee produzierte? das Land in georgischer Sprache »Sakartvelo« heißt? Armenien: Gebirgsland mit christlicher Tradition Armenien Amtlicher Name: Republik Armenien Fläche: 29 743 km² Einwohner: 3,0 Mio. Hauptstadt: Eriwan Amtsprache(n): Armenisch Währung: 1 Dram = 100 Luma Landesnatur Wo soll Noahs Arche gestrandet sein? Laut der Erzählung in der Bibel (Genesis 6,19) soll Noah nach der Sintflut mit seiner Arche in der weiteren Umgebung des Ararat, einem erloschenen Vulkan im Hochland von Armenien, gelandet sein. Obwohl der 5197 m hohe Große Ararat auf dem Staatsgebiet der Türkei liegt, gilt er als armenisches Nationalsymbol und ist auch im Wappen abgebildet. Warum ist das Land so erdbebengefährdet? Armenien liegt in einer tektonisch äußerst aktiven Region. Es befindet sich genau an der Linie, wo die Eurasische und die Arabische Platte zusammenstoßen, weshalb es häufig zu Erdstößen kommt. Das letzte schwere Erdbeben ereignete sich im Dezember 1988. Nach offiziellen Angaben kamen dabei 25 000 Menschen ums Leben. In Leninakan (dem heutigen Kumajri) wurden rd. 40 % der Gebäude zerstört. Wirtschaft Worauf basiert die Landwirtschaft? In erster Linie auf der Viehzucht (Rinder und Schafe), die auf Gebirgsweiden betrieben wird. Die Landwirtschaft trägt rd. 40 % zur Wirtschaftsleistung bei. In den Hochlandsteppen erfolgt der Anbau von Getreide. Auf bewässerten Feldern wachsen u. a. Zuckerrüben und Baumwolle. An Bodenschätzen gibt es u. a. Kupfer und Gold. Geschichte Wieso war Armenien der erste christliche Staat? Weil schon im Jahr 301 das Christentum Staatsreligion wurde. Dies wurde zu einem wichtigen Faktor für die Entwicklung einer eigenen Identität. Das Gebiet des heutigen Armenien war eines der ältesten Zentren der menschlichen Zivilisation. Das Volk der Armenier ist seit etwa 600 v. Chr. nachweisbar. Im 2. und 1. Jh. v. Chr. war Armenien ein bedeutendes Königreich, bis es 66 v. Chr. die Oberhoheit Roms anerkennen musste. Seit der 2. Hälfte des 7. Jh. war Armenien zum größten Teil arabischer Oberhoheit unterstellt. Seit Ende des 15. Jh. war es Streitobjekt zwischen Osmanischem und Persischem Reich. 1920 wurde das Land sowjetische Republik. 1991 erlangte Armenien schließlich die Unabhängigkeit. Türkei: Brücke zwischen Asien und Europa Türkei Amtlicher Name: Republik Türkei Fläche: 779 452 km² Einwohner: 72,3 Mio. Hauptstadt: Ankara Amtsprache(n): Türkisch Währung: 1 Neue Türkische Lira = 100 Neue Kuruş Landesnatur Zwischen welchen Meeren liegt das Land? Im Norden grenzt die Türkei an das Schwarze Meer, im Westen und Süden an das Mittelmeer (Ägäis). Das Marmarameer trennt die europäische und die asiatische Türkei. Insgesamt verfügt das Land über mehr als 8000 km Küsten. Den Großteil der asiatischen Türkei bildet das Hochland von Anatolien. Die flache, teilweise abflusslose, von Steppe bedeckte Schüssel wird von einzelnen, meist vulkanischen Gebirgsstöcken überragt. Das Hochland wird im Norden vom Pontischen Gebirge (3937 m) und im Süden vom Taurus (3734 m) gerahmt. Südlich des Antitaurus geht das Land in die Syrische Wüste über. Wie viel Prozent des Landes liegen in Europa? Der zum europäischen Kontinent zählende Teil der Türkei umfasst eine Fläche von rd. 23 000 km², also nicht einmal 3 % der gesamten Landesfläche. Er besteht hauptsächlich aus dem flachen, von Mittelgebirgen gesäumten Tafelland Ostthrakien. Bevölkerung Wo leben die meisten Menschen? Nach wie vor zieht es die Menschen von den ländlichen Gebieten in die Städte. So ist der Anteil der städtischen Bevölkerung von 24 % (1950) auf 75 % (2000) gestiegen. Am dichtesten ist der europäische Teil besiedelt, v. a. im Ballungsraum um Istanbul, im asiatischen Teil nimmt die Bevölkerungsdichte nach Osten ab. Sind die Türken religiös? Rd. 99 % der Bevölkerung sind Muslime (überwiegend Sunniten), etwa 1 % Christen verschiedener Bekenntnisse. Im alltäglichen Leben spielt die Religion eine wichtige Rolle. Seit Mustafa Kemal Pascha (der spätere Atatürk) sind Staat und Religion in der Türkei getrennt. Wirtschaft Mit welchen Gütern handelt die Türkei? Auf dem Gebiet der Landwirtschaft, die mehr als 15 % der Ausfuhr liefert, werden v. a. Baumwolle, Tabak, Südfrüchte, Getreide, Wolle, Obst und Gemüse exportiert. Von den umfangreichen Bodenschätzen werden in erster Linie Chrom und Kupfer ausgeführt. Die wichtigsten Industriezweige sind Textil- und chemische, daneben Metall-, Papier-, Nahrungsmittel-, Glas-, keramische, Zement- und Tabakindustrie sowie Eisen- und Stahlerzeugung. Die Industrie trägt rd. 25 % zum BIP bei. Bedeutend sind auch die Teppichknüpferei und der Tourismus u. a. am Marmarameer und der Südküste (»Türkische Riviera«). Geschichte Wer legte den Grundstein für das Osmanenreich? Osman I. Ghasi (1259–1326). Zunächst eroberte er als Vasall der Seldschuken byzantinisches Gebiet in Kleinasien, bevor er 1300 den Titel eines Sultans annahm und das Osmanische Reich gründete. Durch zahlreiche Eroberungen expandierte das Reich rasch. Mehmed II. konnte 1453 Konstantinopel einnehmen (Ende des Byzantinischen Reichs). 1459 wurden Serbien, 1461 Griechenland, 1463 Bosnien und 1479 Albanien türkische Provinzen. Selim I. eroberte 1516/17 Syrien, Palästina, Ägypten und Gebiete Nordafrikas. Welche europäische Hauptstadt belagerte Süleiman der Prächtige? Wien. Die Türkenbelagerung der österreichischen Hauptstadt dauerte vom 27. 9. bis zum 14. 10. 1529. Trotz des Einsatzes von Artillerie konnte die 150 000 Mann starke Armee von Süleiman die schwer beschädigten Befestigungen nicht stürmen. Als ein letzter Sturmangriff scheiterte und ein Entsatzheer nahte, hoben die Türken angesichts des nahenden Winters die Belagerung auf. Die erfolglose Wienbelagerung konnte die Macht von Süleiman II., den Prächtigen (1494 bis 1566), nicht erschüttern. Unter ihm erreichte das Osmanische Reich seinen Höhepunkt. Er eroberte 1521 Belgrad, 1522 Rhodos und in der Schlacht bei Mohács am 29. 8. 1526 Ungarn. 1534 nahm er den Persern Tabriz und Bagdad und unterwarf Tripolitanien und Algerien der türkischen Oberhoheit. Süleiman förderte Architektur und Literatur – er selbst verfasste unter dem Namen Muhibbi etwa 3000 Gedichte – und gab dem Osmanischen Reich eine neue innere Organisation. Wie hieß Istanbul früher? Istanbul hieß bis zum Jahr 330 Byzanz, danach Konstantinopel und war seit 395 die Hauptstadt des Oströmischen Reichs. 1453 wurde sie von den Türken erobert und war bis 1923 die Hauptstadt des Osmanischen Reichs bzw. der Türkei. Die größte Stadt der Türkei ist eine pulsierende Metropole. Orientalischer Stadtcharakter, Residenzbauten im byzantinischen Baustil, zahlreiche Museen und Moscheen sowie der größte Basar der Welt locken jährlich zahlreiche Touristen in die Stadt. Als führendes Bildungszentrum der Türkei besitzt Istanbul sechs Universitäten, mehrere Hochschulen und ist Sitz des internationalen Forschungszentrums für islamische Geschichte, Kunst und Kultur. Wirtschaftlich sind vor allem Handel, Finanz- und Verlagswesen von Bedeutung. Wer war Atatürk? Mustafa Kemal Pascha (1881–1938), der 1934 den Ehrentitel Atatürk (»Vater der Türken«) erhielt. Kemal Pascha stellte sich zunächst an die Spitze der nationalen Bewegung und vertrieb 1921/22 die Griechen aus Anatolien. Nachdem die Nationalversammlung die Türkei am 29. 10. 1923 zur Republik erklärte, wurde Kemal Pascha der erste Staatspräsident. Er leitete umfangreiche Reformen ein, die die rückständige Türkei zu einem modernen Land formen sollten. Dazu zählten die Übernahme westeuropäischer Rechtssysteme, die strikte Trennung von Staat und Religion, die Einführung der Lateinschrift, die rechtliche Gleichstellung der Frau sowie der Aufbau einer eigenen Industrie unter Zurückdrängung des ausländischen Einflusses. Nach dem Tod Kemal Paschas wurde Ismet Inönü Staatspräsident und führte Atatürks Politik fort. V. a. die Armee verstand sich in der Folge als Hüter des sog. Kemalismus. Wann wird die Türkei EU-Mitglied? Im Jahr 2004 beschlossen die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Türkei, die seit Oktober 2005 laufen. Im Hinblick auf die angestrebte EU-Mitgliedschaft führte der seit 2002 amtierende Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan von der gemäßigt islamistischen Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) tief greifende Verfassungs- und Gesetzesänderungen durch. Geht es nach dem Willen der türkischen Regierung und der Mehrheit der Bevölkerung, soll das Land bald ein Teil der Europäischen Union sein. Einige Mitgliedsstaaten stehen einem türkischen Beitritt jedoch skeptisch gegenüber. Die Beitrittsgegner führen als Argumente v. a. zu große kulturelle und religiöse Unterschiede sowie die Frage nach Menschenrechtsverletzungen an. Wussten Sie, dass … die Tulpe die Nationalblume der Türkei ist? Sie symbolisiert Leben und Fruchtbarkeit. Erst im 16. Jh. kam die Tulpe nach Europa und wurde dort schnell zur Modepflanze. sich zwei antike Weltwunder auf türkischem Boden befinden? Der Tempel der Artemis wurde Mitte des 6. Jh. v. Chr. in Ephesos errichtet und die Reste des Mausoleums von Halikarnassos (um 335 v. Chr.) kann man im heutigen Bodrum bewundern. die Hagia Sophia in Istanbul seit 1934 ein Museum ist? Welches ist die größte Minderheit? Die Kurden, die rd. 20 % der Bevölkerung stellen und hauptsächlich in der östlichen Türkei leben. Sie waren früher Nomaden und sind heute v. a. sesshafte Ackerbauern und Viehzüchter. Berühmt sind ihre kunstvollen Knüpfteppiche. Die Türkei verfolgte gegenüber den Kurden eine stetige Türkisierungspolitik. Kurdische Aufstände wurden zwischen 1925 und 1937 mit Waffengewalt niedergeschlagen. Die kurdischen Autonomiebestrebungen radikalisierten sich in den 1980er Jahren aufgrund der anhaltenden Repressionen. Die 1978 gegründete PKK (Arbeiterpartei Kurdistans) begann einen Guerillakrieg gegen die türkische Armee, der sich 1991 verschärfte. 1999 gelang die Festnahme des PKK-Führers Abdullah Öcalan, der wegen Hochverrats zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde. Zahlreiche PKK-Kämpfer setzten sich in den Nordirak ab. Syrien: Antike Handelsmacht in Vorderasien Syrien Amtlicher Name: Arabische Republik Syrien Fläche: 185 180 km² Einwohner: 18,2 Mio. Hauptstadt: Damaskus Amtsprache(n): Arabisch Währung: 1 Syrisches Pfund = 100 Piastres Landesnatur Was ist der Antilibanon? Ein Gebirge, dessen Bergketten stark verkarstet sowie weitgehend entwaldet sind und das die Grenze zum Libanon bildet. Die höchste Erhebung ist der Talaat Musa (2629 m). Am Ostfuß des Antilibanon liegt die Hauptstadt Damaskus in einer Oase. Südlich setzt sich der Antilibanon im Hermongebirge fort. Hinter der schmalen Küstenebene erhebt sich das Alauitengebirge. Östlich der Gebirge erstreckt sich das vom Euphrat durchflossene syrische Tafelland. Es geht nach Südosten in die Syrische Wüste über und reicht nach Nordosten an die Steppengebiete des Irak heran. Übrigens: Syrien gehört zum Gebiet der subtropischen Winterregenzone. Die Sommer sind niederschlagsfrei und heiß; im Winter sind Nachtfröste und Schneefall in klimatisch ungünstigen Lagen nicht selten. Wirtschaft Welche Rolle spielt Erdöl? Die Erdölförderung deckt rd. 50 % der Staatseinnahmen. Zum einen kommt den 1958 entdeckten und seit 1968 ausgebeuteten Erdölvorkommen bei Ayn Diwar im Nordosten eine große wirtschaftliche Bedeutung zu. Zum anderen ist Syrien ein wichtiges Erdöltransit- und -verschiffungsland. Grundlage der syrischen Wirtschaft ist bis heute die Landwirtschaft, in der 32 % der Erwerbstätigen beschäftigt sind und die 26 % des BIP erwirtschaftet. Wichtigste Anbauprodukte sind Baumwolle, Weizen und Gerste sowie Gemüse und Früchte. Die Viehwirtschaft ist Existenzgrundlage für die halb- und vollnomadischen Beduinenstämme. Wichtigster Industriezweig ist die Textilindustrie. Geschichte Gegen wen kämpfte das Land im Sechstagekrieg? Gegen Israel. Nachdem Syrien eine drohende Haltung gegenüber dem Nachbarstaat angenommen hatte, griff Israel am 5. 6. 1967 an und besetzte u. a. die syrischen Golanhöhen. Bis heute scheiterte eine Verständigung mit Israel u. a. am Problem der Golanhöhen. Auch mit dem Nachbarn Libanon gab es militärische Auseinandersetzungen. 1976 griffen syrische Truppen in den libanesischen Bürgerkrieg ein. Syrien wurde dort zur Besatzungs- und Ordnungsmacht. 2005 zog Syrien auf internationalem Druck hin seine Truppen aus dem Libanon ab. Libanon: Bürgerkriegsgeschütteltes Land am Mittelmeer Libanon Amtlicher Name: Libanesische Republik Fläche: 10 452 km² Einwohner: 3,6 Mio. Hauptstadt: Beirut Amtsprache(n): Arabisch Währung: 1 Libanesisches Pfund = 100 Piastres Geschichte Warum kam es zum Bürgerkrieg? 1975/76 entwickelte sich ein Bürgerkrieg zwischen christlichen Milizen und linken Muslimen sowie Palästinensern mit oft unklaren Fronten. Als »Friedenstruppe« der Arabischen Liga besetzte 1976 syrisches Militär große Teile des Landes. Welche Rolle spielte die PLO? Die PLO benutzte Libanon zunehmend als Operationsbasis für terroristische Aktionen gegen Israel. Von 1982 bis 1985 gingen israelische Truppen deshalb gegen PLO-Stellungen im Libanon militärisch vor. 1985 wurden die israelischen Truppen wieder abgezogen (bis auf eine »Sicherheitszone« im Süden). Die Kämpfe zwischen den einzelnen Bürgerkriegsparteien (darunter Amal und Hizbollah) flammten immer wieder auf. Erst durch den militärischen Einsatz Syriens endeten 1990 die Auseinandersetzungen. Danach begann der Wiederaufbau des durch den Bürgerkrieg schwer geschädigten Landes. 2000 gab Israel die »Sicherheitszone« im Süden auf. 2005 zogen die syrischen Truppen ab. 2006 kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen mit Israel. Landesnatur Woher kommt der Landesname? Vom arabischen Wort »lubnan« für Weiß. Damit sind die schneebedeckten Gipfel des Libanongebirges gemeint, die bis zu 3083 m in die Höhe ragen. Das weitgehend entwaldete Libanongebirge, das sich hinter einer schmalen, dicht besiedelten Küstenebene erhebt, wird durch die fruchtbare Beqa-Ebene vom sehr trockenen, überwiegend kahlen Antilibanon getrennt. Es herrschen trockenheiße Sommer vor; Niederschläge fallen hauptsächlich im Winter, im Gebirge als Schnee. Bevölkerung Welche Religionen herrschen vor? Die libanesische Bevölkerung ist religiös sehr gemischt. Sichere Angaben über die Stärke der einzelnen Religionsgemeinschaften liegen bislang nicht vor. Nach Schätzungen, die aber wegen der politischen Bedeutung der Sache äußerst umstritten sind, gibt es im Libanon 40 % Christen (davon 25 % Maroniten, 7 % Griechisch-Orthodoxe und 5 % Griechisch-Katholische) und 60 % Muslime (21 % Sunniten, 32 % Schiiten und 7 % Drusen) sowie rd. 6000 Juden. Israel: Umkämpfter Staat im Nahen Osten Israel Amtlicher Name: Staat Israel Fläche: 22 145 km² Einwohner: 6,7 Mio. Hauptstadt: Jerusalem Amtsprache(n): Hebräisch, Arabisch Währung: 1 Neuer Schekel = 100 Agorot Landesnatur In welchem Meer geht niemand unter? Im Toten Meer, das eigentlich ein 80 km langer und bis zu 18 km breiter, abflussloser Salzsee ist. Durch die extreme Hitze und Trockenheit verdunstet besonders viel Wasser, sodass der Salzgehalt im Toten Meer (an der Oberfläche 30 %, in der Tiefe 33 %) ungefähr zehnmal so hoch ist wie z. B. im Mittelmeer oder im Atlantik. Dieser hohe Salzgehalt vergrößert die Dichte des Wassers, weshalb man nicht versinkt und gemütlich im Wasser liegend Zeitung lesen kann. Übrigens: Das Tote Meer ist die tiefste Depression (Eintiefung) der Erde. Der Seespiegel liegt 406 m unter dem Meeresspiegel. Wie heißt die Wüste im Süden des Landes? Negev. Dieses Wüstengebiet nimmt mit rd. 12 000 km² ca. 60 % der Landesfläche ein. Im Norden, in der Beer-Sheva-Senke, herrschen fruchtbare, aber erosionsgefährdete Lößböden vor. Durch Bewässerung konnte die Grenze des bebauten Landes um etwa 60 km nach Süden und Südosten vorgeschoben werden. Im zentralen Negev, einem stark abgetragenen, von Trockentälern durchzogenen Faltengebirgsland, erreichen einige Berge über 1000 m Höhe. Die Wüstenstädte und die alte Weihrauchstraße wurden 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Die durchweg sandige, flache Küste wird von einem Dünenstreifen gesäumt, hinter dem sich die eigentliche fruchtbare und wasserreiche, aber bei fehlender Entwässerung zur Versumpfung neigende Küstenebene erstreckt. Der See Genezareth im Jordangraben ist das Hauptwasserreservoir Israels. Bevölkerung Woher kommen die meisten Einwanderer? Aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion. Allein in den Jahren 1990 bis 2000 hat Israel rd. 1 Mio. jüdischer Einwanderer aufgenommen, davon 84 % aus den GUS-Staaten. Neben 79 % Juden gibt es 15 % islamische Araber (v. a. Palästinenser), 2 % Christen und über 2 % Drusen. In den besetzten Gebieten leben rd. 2 Mio. Palästinenser ohne israelische Staatsangehörigkeit. Für wen gilt die Wehrpflicht? Die unbeschränkte allgemeine Wehrpflicht gilt für alle 18- bis 26-jährigen Juden, Drusen und Tscherkessen. Christliche und islamische Bewohner können sich freiwillig melden. Die aktive, unter Umständen eine landwirtschaftliche Ausbildung einschließende Dienstzeit beträgt für Männer 39 Monate, für ledige Frauen 24 Monate. Neben den Streitkräften bestehen regionale paramilitärische Verteidigungseinheiten, meist auf Milizbasis, die eine ständige Bewachung der Grenzgebiete gewährleisten. Wirtschaft Was hat Israels Wirtschaft zu bieten? Unter anderem Diamanten. Trotz mancher Krisen ist die importierte Rohware verarbeitende Diamantenschleiferei ein wichtiger Industriezweig für den Export (5–6 % des Wertes der Industrieproduktion). Daneben sind viele andere Industriezweige systematisch entwickelt worden, u. a. die Lebensmittel-, Getränke-, Metall-, Maschinen-, Textil-, chemische, Flugzeug-, Fahrzeug-, elektronische und Elektrogeräteindustrie. Von besonderer Bedeutung ist auch die Baubranche. Mehr als 20 % der Industrieprodukte werden exportiert. Geschichte Wann wurde der erste jüdische Staat zerstört? Der von König David um 1000 v. Chr. gegründete selbstständige jüdische Staat Israel wurde endgültig im Jahr 70 n. Chr. von den Römern aufgelöst. Damit begann die Zerstreuung der Juden über den Mittelmeerraum. Eine kleine jüdische Bevölkerung blieb aber stets im Land, das seit 135 n. Chr. Palästina hieß. Größere jüdische Gemeinden bestanden in Jerusalem, Hebron, Safed und Tiberias. Die messianische Idee der Heimkehr und der Wiedererrichtung eines jüdischen Staates war wesentlich für den Zusammenhalt der Juden in der Diaspora (griechisch »Zerstreuung«). Was versteht man unter Zionismus? Eine nationaljüdische Bewegung, die die Lösung der so genannten Judenfrage durch die Gründung bzw. Wiedererrichtung eines jüdischen Staats in Palästina anstrebte. In Russland bildete sich Ende des 19. Jh. eine Bewegung, die die Rückkehr nach Israel und die Rückwendung zur Landarbeit als Mittel zur Erneuerung des jüdischen Volks ansah. Aus ihr ging die erste Einwanderungswelle hervor, die von 1881 bis 1903 rd. 25 000 Juden ins Land brachte. Starke Impulse gab der von Theodor Herzl (1860 bis 1904) begründete politische Zionismus, der die Errichtung eines Judenstaats anstrebte. In diesem Zeichen stand die zweite Einwanderungswelle, deren bestimmendes Motiv ein in sozialrevolutionärer Gesinnung wurzelnder Pioniergeist war. Durch die in der Folgezeit einsetzende organisierte Einwanderung von Juden nach Palästina kam es seit den 1920er Jahren zu Konflikten zwischen der jüdischen und der einheimischen arabischen Bevölkerung. Seit wann gibt es den heutigen Staat Israel? Am 14. 5. 1948 rief David Ben-Gurion (1886–1973) den Staat Israel aus. Ein Jahr zuvor hatte die UN-Vollversammlung die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat beschlossen. Worum geht es im Nahostkonflikt? Die Araber erkannten den Teilungsbeschluss nicht an. Am 15. 5. 1948 griffen die Armeen Ägypt