Bäume – mehr als nur Holzlieferanten

Bäume – mehr als nur Holzlieferanten »Mitnichten ist der Baum zuerst Same, dann Spross, dann biegsamer Stamm, dann dürres Holz. Man darf ihn nicht zerlegen, wenn man ihn kennenlernen will. Der Baum ist jene Macht, die sich langsam mit dem Himmel vermählt.« Dieses Bewusstsein, dem der französische Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry (1900–1944) hier Ausdruck verleiht, scheint in unserer von Nützlichkeitserwägungen und analytischem Denken geprägten modernen Welt mehr und mehr abhanden zu kommen. Und dennoch: Der Anblick eines knorrigen, von Wind und Wetter gezeichneten Baumveteranen lässt kaum jemanden unberührt. Bäume gedeihen überall dort, wo es genügend Niederschläge gibt und die Sommer ausreichend warm sind. Finden sie optimale Bedingungen vor, besiedeln sie vielfach ausgedehnte Areale. Als Wälder bedecken sie mehr als ein Viertel der Erdoberfläche. Schon von ferne präsentieren sich viele Bäume majestätisch, mit oft ausladenden Kronen, die auf mächtigen Stämmen ruhen. Genau dies definiert einen Baum: eine aus verzweigten Ästen aufgebaute Krone auf einem Stamm. Im Lauf des langen Lebens eines Baums – Bäume können leicht mehrere Hundert Jahre alt werden – legt der Stamm beträchtlich an Länge und Umfang zu. Es gibt ausgesprochene Riesen, die mehr als 100 Meter hoch werden, etwa die kalifornischen Mammutbäume oder die australischen Eukalyptusbäume, die zu den größten Landlebewesen gehören. Ihre dicken, verholzten Stämme helfen ihnen, der enormen Kraft eines Sturmes zu widerstehen und die oft riesigen Kronen zu tragen, die nicht selten ein Gewicht von einer Tonne und mehr haben. Vielen Tieren bieten Bäume einen reich gedeckten Tisch. Vor allem Insekten fressende Vögel mit ihren spitzen, dünnen Schnäbeln können hier reiche Beute machen. Andere nutzen ihre Krone oder hohlen Stämme als Nistplatz. Aber auch Pilzen, Algen, Flechten und anderen Pflanzen dienen Bäume als Lebensraum – sei es als Kletterhilfe, um ans Licht zu gelangen, oder als Wasser- und Nährstofflieferant. Auch für den Menschen sind Bäume lebenswichtig. Sie liefern nicht nur Rohstoff für Möbel- und Holzindustrie, sondern wirken vor allem durch die stetige Verdunstung von Wasser ausgleichend auf das Klima. Nadelbäume: Immergrüne, dunkle Wälder Woran lassen sich Fichten und Tannen unterscheiden? An ihren Nadeln und Zapfen. Bei Fichten (Gattung Picea ) hinterlassen die Nadeln nach dem Abfallen deutliche, stielartige Blattkissen oder -höcker am Zweig, bei Tannen (Gattung Abies ) verbleiben dagegen nur runde, flache Narben. Wenn die Bäume schon reife Zapfen tragen, verraten sie auch hiermit ihre Gattungszugehörigkeit: Bei Tannen stehen die reifen Zapfen aufrecht, bei Fichten dagegen hängen sie mit der Zeit herab. Nach der Reife fallen sie bei den Fichten als Ganzes herab, während sie bei den Tannen zerfallen, die Zapfenspindel aber am Zweig verbleibt. Außerdem ist die Borke der Fichte von rotbrauner Farbe, weshalb sie auch Rottanne genannt wird, die der Tanne dagegen ist silbergrau. Weshalb sind Fichten beliebte Forstbäume? Weil sie nur geringe Ansprüche an den Boden stellen und vor allem sehr schnell wachsen. Die Gewöhnliche Fichte ( Picea abies ) beispielsweise nimmt in Deutschland als häufigster Waldbaum ein Drittel der Waldfläche ein. Sie ist nicht nur an ihren natürlichen Standorten zu finden, sondern wurde seit dem 18. Jahrhundert vielerorts gezielt zur forstlichen Nutzung angepflanzt. Der wegen seiner charakteristischen rotbraunen Schuppenborke auch Rottanne genannte Nadelbaum wächst schnell und kann bis 50 Meter Höhe erreichen. Mit dem enormen Massenzuwachs der Gewöhnlichen Fichte hält in Europa kaum eine andere Baumart Schritt. Das helle, leicht zu bearbeitende Holz lässt sich vielfältig verwenden, als Bau- und Möbelholz ebenso wie für die Herstellung von Papier oder Zündhölzern. Übrigens: Die Weißtanne ( Abies alba ) ist in der Waldflächenstatistik nur unter ferner liefen zu finden und ihre natürlichen Bestände gelten sogar als gefährdet. Die 30–50 Meter hohe Baumart war früher in mittleren Gebirgslagen Mittel- und Südeuropas weit verbreitet und wurde durchaus auch als Forstbaum angepflanzt. Doch ihre Ansprüche an den Boden sind recht hoch, außerdem braucht sie reichlich Luftfeuchtigkeit und reagiert sehr empfindlich auf Schadstoffe in Luft und Böden. Welche Nadelbäume produzieren essbare Samen? Verschiedene Kieferngewächse. Am bekanntesten sind hierzulande sicherlich die Pinienkerne. Sie stammen von der 15–20 Meter hohen Pinie ( Pinus pinea ), die im gesamten Mittelmeerraum, Kleinasien und auf den Kanarischen Inseln wächst und an ihrer schirmförmigen Krone leicht zu erkennen ist. Schon die alten Römer kultivierten die Pinie wegen ihrer essbaren Samen, die sie gerne in Honig einlegten. Die Italiener nennen sie »Pinoli«, stellen Süßigkeiten daraus her oder fügen sie geröstet Pastagerichten bei. Ähnlich wie Pinienkerne schmecken die Kerne der Zirbelkiefer oder Arve ( Pinus cembra ), die in den Alpen bis an die Baumgrenze emporsteigt. Zirbelnüsse dienten im Alpenraum früher als Nahrungsmittel. Die in den westlichen USA und in Mexiko heimische Zuckerkiefer ( Pinus lambertiana ), die stattliche 55 Meter erreicht, liefert nicht nur essbare Samen, sondern auch einen Zuckerersatz. Wird der Stamm der Bäume verletzt, scheiden sie eine zuckerhaltige Masse aus, das »kalifornische Manna«, das den nordamerikanischen Indianerstämmen einst als Süßstoff diente. Werfen Nadelbäume ihre Nadeln niemals ab? Doch. Bei den immergrünen Vertretern wie Kiefern, Tannen und Fichten geschieht dies nur relativ unauffällig. Sie werfen ihre Nadeln, die mehrere Jahre alt werden können, nach und nach ab. Dagegen verlieren Lärchen (Gattung Larix ) als einzige Nadelbäume in jedem Herbst ihre gesamten Nadeln. Auf diese Eigenart verweist z. B. der botanische Name der Europäischen Lärche, der Larix decidua lautet: Der Zusatz »decidua« bedeutet »abfallend«. Ihre volle Schönheit entfalten Lärchen im Herbst, wenn sich ihre Nadeln goldgelb färben. Übrigens: Im Wellnessbereich sind die ätherischen Öle der Nadeln und Zweige von Fichten besonders gefragt. Fichtennadelbäder helfen bei Nervosität, Schlafstörungen, Muskel- und Gelenkschmerzen. Für die medizinische Anwendung, etwa bei Sportverletzungen, hat sich besonders das Öl der Latschenkiefer ( Pinus mugo ) bewährt, das ebenfalls aus den Nadeln gewonnen wird. Zeigen Tannenzapfen tatsächlich das Wetter an? Ja. Nicht nur die reifen Zapfen der Tannen, sondern auch diejenigen von Kiefern, Fichten und Lärchen lassen sich als zuver lässige Wetterpropheten nutzen. Sie sind natürliche Hygrometer, also Luftfeuchtemesser. Bei hoher Luftfeuchtigkeit, die oft nahenden Regen ankündigt, bleiben sie fest geschlossen. Unter trockenen, warmen Bedingungen dagegen geben sie ein Schönwettersignal, denn dann spreizen sich die Schuppen weit ab, um die Samen freizugeben. Das kann sich aber innerhalb weniger Stunden wieder umkehren, falls ein Wetterumschwung bevorsteht. Die beschriebenen Reaktionen auf die Luftfeuchtigkeit lassen sich auch an einem abgetrennten Zapfen beobachten. Befestigt man ihn auf einem Holzbrett, steckt einen Trinkhalm zwischen die Schuppen und klebt diesen unten fest, wird er zum richtigen Wetterzeiger: Beim Schließen der Schuppen bewegt sich der Halm nach oben und verkündet nahendes Schlechtwetter, beim Öffnen wandert der Trinkhalmzeiger nach unten und lässt auf sonnige Tage hoffen. Wie entstehen die Jahresringe? Durch das unterschiedliche Wachstum im Sommer und im Winter. Mit Beginn der Vegetationsperiode im Frühling bildet die Wachstumsschicht (Kambium) nach innen große Zellen, die den Holzteil anwachsen lassen (Frühholz). Zum Herbst hin werden diese Tochterzellen immer kleiner (Spätholz), bis schließlich die Zellteilungen aufhören und der Baum sein Wachstum einstellt. Ein weiterer Jahresring beginnt zu entstehen, wenn im nächsten Frühling wieder größere Holzzellen gebildet werden, die an die kleinen aus dem letzten Herbst anschließen. An dieser Stelle ist die Jahresringgrenze als ein scharfer Übergang zu erkennen. Jahresringe stehen für das Alter eines Baums, verraten aber auch etwas über die spezifischen Umweltbedingungen, unter denen ein Baum herangewachsen ist. Breite Ringe zeigen z. B. ein kräftiges Wachstum an, schmale Ringe verweisen auf schlechte Jahre mit vielleicht hohem Schädlingsbefall oder wenig Regen. Ovale Ringe mit einem unterschiedlich starken Wachstum deuten darauf hin, dass der Baum an einem Hang gestanden hat oder starkem Wind von einer bestimmten Seite ausgesetzt war. Wo beherrschen Nadelbäume die Landschaft? In der Taiga. Entlang des nördlichen Polarkreises erstreckt sich das größte zusammenhängende Waldgebiet der Erde, das nur von Atlantik und Pazifik unterbrochen wird. Dabei handelt es sich um ein viele Millionen Hektar umfassendes, immergrünes Band, das überwiegend aus Nadelbäumen besteht und sich von Skandinavien über Sibirien bis zur Beringstraße und weiter über große Teile Kanadas und Alaskas hinzieht. Insgesamt wachsen in diesen Wäldern über 50 Prozent aller weltweit vorkommenden Koniferen, wobei Fichten-, Kiefern-, Tannen- und Lärchenarten den Hauptteil ausmachen. So artenarm die Taiga im Vergleich etwa zum tropischen Regenwald auch erscheinen mag, für das Leben auf der Erde haben die riesigen Nadelwälder des Nordens vermutlich eine sehr wichtige Bedeutung. Zwar ist die genaue Rolle, die die Taiga für das globale Klima spielt, im Einzelnen noch nicht erforscht, aber es steht fest, dass die gewaltigen, in weiten Teilen noch ursprünglichen Wälder der Luft tagtäglich durch Fotosynthese ungeheure Mengen Kohlendioxid entziehen und in ihren Stämmen, Ästen und Blättern speichern. Daher sieht man es auch mit einer gewissen Besorgnis, dass allein in Nordamerika zwischen 1990 und 2000 eine Waldfläche von der Größe der Schweiz durch Abholzung verloren gegangen ist. Auch im europäischen Teil Russlands fallen der Kettensäge jährlich etwa 15 000 Hektar Taigawald zum Opfer. Weshalb stirbt der Wald? Weil die Luftschadstoffe zunehmen. Eine der Hauptursachen des sog. Waldsterbens ist Schwefeldioxid (SO 2 ), das als Verbrennungsprodukt aus Kraftwerken, Industrieanlagen und Heizungen in die Luft entweicht. In höheren Konzentrationen kann es zum einen die Spaltöffnungen der Blätter und damit den Wasserhaushalt der Bäume beeinträchtigen; zum andern verursacht es beim Eindringen in die Blätter schwere Wuchsstörungen. Lösen sich die Luftschadstoffe im Regen, bilden sich Schwefel- und Salpetersäure, der Niederschlag ist folglich säurehaltig (»saurer Regen«). Dieser schädigt nicht nur Außenhaut und Wachsschichten der Blätter, sondern er führt auch dazu, dass der Boden nachhaltig versauert. Dadurch gehen wichtige Pflanzennährstoffe verloren, gleichzeitig werden pflanzenschädliche Stoffe freigesetzt. Darüber hinaus wird auch die Lebensgemeinschaft mit Bodenpilzen, auf die gerade Nadelbäume stark angewiesen sind, stark gestört oder gar zerstört. Gelbliche bis bräunliche Blätter, bei Nadelbäumen mehr oder weniger starker Nadelfall – das waren und sind die ersten, oft noch unspezifischen Anzeichen der Schäden. Zunehmend verkahlen dann die Äste, bei Nadelbäumen in Stammnähe, bei Laubbäumen an der äußeren Krone. In der Folge werden die Astspitzen von Laubbäumen dürr, Fichten lassen die Zweige schlaff herabhängen (»Lamettasyndrom«) und Tannen bilden ausgeprägte flache Storchennestkronen an der Stammspitze. Typische Symptome sind auch in großer Zahl gebildete »Angsttriebe« auf den Astoberseiten. Schließlich sterben bei Nadelbäumen die Wipfel ab, bei Laubbäumen große Teile der Krone. Was ist Harz? Ein Gemisch nichtflüchtiger Kohlenwasserstoffe, das an der Luft zu einer glasartigen, gelblich bis bräunlich gefärbten Masse erstarrt. Harz enthält immer auch ätherische Öle – flüssige und sehr leichtflüchtige Kohlenwasserstoffgemische. Als Balsam werden solche Harze bezeichnet, deren Gehalt an ätherischen Ölen besonders hoch ist und die lange zähflüssig bleiben, statt zu verhärten. Auf der Basis von Harzen und Balsamen werden z. B. Terpentin, Lacke, Firnisse und Kolophonium hergestellt. Bäume produzieren Harz vor allem dann, wenn sie verletzt werden. Denn der zähflüssige Stoff ist ein effektiver Wundverschluss, der verhindert, dass beispielsweise Bakterien eindringen und Krankheiten verursachen. Wussten Sie, dass … Lärchen das feinste Harz liefern? Als »venezianisches Terpentin« war es früher ein verbreitetes Volksheilmittel gegen Lungen- und Hautkrankheiten. Bernstein von Kiefern stammt? Er ist das fossile Harz von Kiefern, die vor 30–50 Millionen Jahren im heutigen Ostseeraum wuchsen. die Latschenkiefer ihren Namen ihrer Wuchsform verdankt? Sie gedeiht im Gebirge noch an der oberen Waldgrenze, allerdings dann meist niederliegend (»latschend«) bis verkrüppelt. Wussten Sie, dass … Kiefern den »Schwefelregen« verursachen? Sie verteilen im Mai und Juni ihre Pollen so zahlreich und weitläufig, dass sie in Kiefernwaldregionen fast wie gelber Niederschlag vom Himmel fallen. Tannen die Hitliste der Weihnachtsbäume anführen? Am beliebtesten ist inzwischen die Nordmanntanne ( Abies nordmanniana ), dann folgt der jahrelange Spitzenreiter, die Blaufichte oder »Blautanne« ( Picea pungens ’Glauca‘). Wo wächst der seltenste Baum der Erde? In Australien. Erst 1994 entdeckte man in einer unwegsamen, feuchten Sandsteinschlucht der Blue Mountains 20 ausgewachsene Exemplare der Wollemi-Kiefer ( Wollemia nobilis ). Weitere Vorkommen kennt man nicht, sie sind damit die seltensten Bäume der Erde. Ihren genauen Standort hält die australische Regierung geheim, damit ihr Vorkommen am Naturstandort nicht gefährdet wird. Bemühungen, den Baum in Kultur zu vermehren, sind erfolgreich, so dass interessierte botanische Gärten bald mit Jungpflanzen versorgt werden sollen. Die Gehölze wachsen schlank säulenförmig, bis 35 Meter hoch, ihre Rinde ist von unzähligen schwammartigen Knöllchen bedeckt. Die Bäume gehören zu den Araukariengewächsen, einer Familie, die in früheren Erdzeitaltern wesentlich weiter verbreitet war als heute. Zypressengewächse: Bäume des Lebens Weshalb sind Zypressen am Mittelmeer so häufig? Das hat verschiedene Gründe. Zum einen ist die Zypresse ( Cypressus sempervirens ), deren ursprüngliche Heimat die Gebirge des östlichen Mittelmeerraums sind, durch ihre Widerstandsfähigkeit gegen Trockenheit für das heiße, trockene Klima dort bestens geeignet. Zum anderen gilt sie dank ihrer immergrünen Erscheinung und ihres langen Lebens im mediterranen Raum seit alters her als Symbol der Trauer und der Ewigkeit. Deshalb werden die attraktiven Bäume in Südeuropa häufig auf Friedhöfen angepflanzt; man findet sie aber auch am Rand von Alleen oder in Parks. Doch Zypressen werden auch als Forstbäume kultiviert. Denn das duftende, schwere und sehr dauerhafte Holz ist als Tischler- und Werkholz sowie für Drechslerarbeiten sehr begehrt; so stellte man schon im alten Ägypten aus Zypressenholz Särge her. Übrigens: Nicht immer haben Zypressen die bekannte schmale, pyramidenartige Form, die wir als typisch für die Länder Südeuropas empfinden. Es gibt auch Varietäten mit schirmförmiger und sogar mit hängender Wuchsform. Was ist die »Zypresse des Nordens«? Es handelt sich um den Gemeinen Wacholder ( Juniperus communis var. communis ). Diesen volkstümlichen Namen verdankt er seinem säulenartigen Wuchs. Bis zu zehn Meter hoch und 100 Jahre alt wird dieser Charakterbaum der trockenen Heideflächen der norddeutschen Tiefebene, der auch an steilen Hängen der Schwäbischen Alb anzutreffen ist. Er braucht viel Licht, stellt jedoch wenig Ansprüche an den Boden – wie seine Verbreitung hierzulande zeigt. Die widerstandsfähigen Sträucher liefern ein begehrtes Gewürz: die Wacholderbeeren. Im Sauerkraut gelten sie als nahezu unverzichtbar, als Würze für Fleischgerichte wie Sauerbraten und Wild geben sie diesen Speisen erst den richtigen Pfiff. Geschmack und Würzkraft hängen jedoch stark davon ab, wo die Sträucher wachsen; die besten Qualitäten kommen aus Italien. Wer atmet mit dem Knie? Die Sumpfzypressen (Gattung Taxodium ). Rund um die Stämme mit zimtfarbener Rinde erscheinen seltsame, fast schon surrealistisch anmutende Gebilde. Es sind sog. Wurzelknie, senkrecht aufragende holzige Auswüchse, die sich aus den horizontal wachsenden Wurzeln entwickeln. Die Wurzelknie können bis zu 1,50 Meter über die Wasseroberfläche hinauswachsen und ermöglichen als Atemwurzeln dem Baum das Überleben auf überschwemmten Standorten, da sie wie Schnorchel die Sauerstoffversorgung sichern. Wie groß ist der höchste Baum der Erde? Mit über 112 Metern gilt der Küstenmammutbaum »Stratosphere Giant« als größter Baum der Erde. Er steht im Humboldt Redwoods State Park in Kalifornien. Küstenmammutbäume ( Sequoia semperviren s), auch Küstensequoien genannt, überragen zwar die ihnen verwandten Mammutbäume ( Sequoiadendron giganteum ), aber die Dicke ihrer berühmten Vettern erreichen sie mit einem durchschnittlichen Stammdurchmesser von sieben Metern nicht. Im Sequoia National Park an der Westküste der USA steht nämlich »General Sherman«, ein Mammutbaum mit einem Stammumfang von 25,9 Metern und einer Wuchshöhe von über 83 Metern. Mit einem Volumen von 1560 Kubikmetern ist er einer der mächtigsten Vertreter seiner Zunft – genauso wie der »General Grant« im King's Canyon National Park, der eine Wuchshöhe von über 81 Metern, einen Umfang von 27,7 Metern und ein Volumen von 1360 Kubikmetern erreicht. Die letzten Vorkommen dieser hölzernen Wolkenkratzer, deren Stämme gegen Insektenfraß und Pilzbefall immun sind und die selbst Feuersbrünste schadlos überstehen, müssen heute in Schutzgebieten vor den gefräßigen Kettensägen der Holzindustrie bewahrt werden. Wie werden Lebensbäume genutzt? Auf verschiedene Weise. Wie ihr intensiver Duft nach Kampfer und Salbei verrät, enthalten ihre Blätter und Zweige ätherische Öle; sie sind heute in der Parfümindustrie sehr gefragt. Hierzulande ist vor allem der Abendländische Lebensbaum ( Thuja occidentalis ) als Zierbaum beliebt, von dem es über 140 Kulturformen gibt. Anspruchslos, schnellwüchsig, schnittverträglich und vor allem auch kostengünstig zu erwerben, frieden Thujenhecken allerorten Gärten ein. Für die Indianer im pazifischen Nordwesten der USA waren Lebensbäume – genauer der Riesenlebensbaum ( Thuja plicata ) mit seinem schnurgeraden Stamm von bis zu 55 Metern Höhe – einst die wichtigsten Waldbäume. Aus seinem leichten, aber dauerhaften Holz mit den langen, geraden Fasern schnitzten sie Totempfähle und Kanus oder stellten sie lange Bretter her, und aus seiner Rinde flochten sie Netze und Decken. Urwälder aus Riesenlebensbäumen gibt es heutzutage nur noch als Reste in wenigen entlegenen Nationalparks. Hat die Wacholderbeere medizinischen Nutzen? Ja. Juniperi fructus , wie die blauschwarze Beere wissenschaftlich korrekt heißt, liefert die Droge, die Bestandteil vieler Tees ist. Man trinkt sie zur Anregung der Nierenfunktion und zur Entwässerung, außerdem wird sie Tinkturen gegen Gelenkentzündungen, chronischen Hautleiden und Blähungen zugesetzt. Das Wacholderbeeröl findet sich in Einreibungen gegen Rheuma wieder und wird zum Inhalieren bei Bronchitis genutzt. Übrigens: bei der »Beere« handelt es sich eigentlich um einen Zapfen, der von den miteinander verwachsenen, fleischigen Samenschuppen gebildet wird. Wann wurden lebende Urweltmammutbäume entdeckt? Im Jahre 1944. Bis dahin war Metasequoia glyptostroboides ausschließlich als fossile Konifere bekannt und galt als ausgestorben. Doch 1944 entdeckten Forscher im Westen Chinas einen lebenden Bestand der schnell wachsenden, bis 60 Meter hohen, widerstandsfähigen Bäume. Ihre Nadeln sind sommergrün und färben sich im Herbst auffallend gold- und rostfarben. Wussten Sie, dass … der Virginische Wacholder das rote Zedernholz liefert? Es wird für die Herstellung edler Bleistife verwendet. Wacholder als Hüter des Übergangs vom Diesseits zum Jenseits galt? Alten Überlieferungen zufolge wacht er deshalb an den Eingängen zu Zwergenhöhlen. »El Arbol« eine berühmte Sumpfzypresse ist? Schon Alexander von Humboldt (1769–1859) war von der gewaltigen Mexikanischen Sumpfzypresse ( Taxodium mucronatum ) beeindruckt, die es auf einen Umfang von 58 Meter bringt. Eiben: Selten und giftig Wieso sind Eiben heute in freier Natur so selten? Weil ihr festes, aber nachgiebiges Holz bei den Bognern zur Herstellung von Bögen, Lanzen und Armbrüsten besonders gefragt war und ist. Auf diesen wichtigen Verwendungszweck verweist bereits der Name »Eibe«, denn das althochdeutsche »iwa« bedeutete sowohl »Eibe« als auch »Bogen«. Auch Robin Hood soll einen eibenen Langbogen – die wichtigste Kriegswaffe Englands während des Mittelalters – besessen haben! Der große Bedarf dezimierte die ausgedehnten englischen und schottischen Eibenbestände bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts so stark, dass Eibenholz aus dem Alpenraum, Polen und Spanien eingeführt werden musste. Eiben sind übrigens hauptsächlich über die nördliche Hemisphäre bis hin nach Südostasien verbreitet. Die Gemeine Eibe ( Taxus baccata) ist der einzige Vertreter dieser Familie in Mitteleuropa. In Deutschland sind Eiben in der freien Natur nur noch selten anzutreffen. Dabei müssen sie einmal weit verbreitet gewesen sein – noch heute zeugen Ortsnamen wie Eibelstadt, Ibenheim oder auch Eibsee davon. Durch den Raubbau in vergangenen Jahrhunderten sind die Bestände jedoch so dezimiert worden, dass die Eibe heute vollständig unter Naturschutz gestellt ist. Seit wann wird Eibenholz genutzt? Pfahlbautenfunde aus der Steinzeit zeigen, dass die Menschen bereits damals das schwere, elastische und sehr widerstandsfähige Eibenholz schätzten, um daraus Schüsseln, Löffel und Kämme herzustellen oder es als Bauholz zu nutzen. Im Mittelalter gab es dann einen regelrechten Raubbau an den vorhandenen Eibenwäldern. Unzählige Bäume wurden gefällt, um daraus Waffen herzustellen. Nürnberger Händler verkauften zwischen 1531 und 1590 mehr als eine halbe Million Eibenbögen, vorwiegend nach England. Das braunrote Eibenholz ist noch fäulnisresistenter als das der Eiche, lässt sich gut bearbeiten und dunkelt ebenholzartig nach. Bis ins hohe Mittelalter ließen Burgherren Eiben rings um ihre Wehranlagen pflanzen, um genügend Material für die Waffenherstellung verfügbar zu haben. Sind alle Teile der Eibe giftig? Ja, bis auf den roten Samenmantel sind alle Teile der Eibe giftig: 50 bis 100 Gramm Eibennadeln genügen angeblich, um einen Menschen zu töten. Verantwortlich für die toxische Wirkung ist das Taxin, eine Mischung verschiedener Alkaloide, das Herzstillstand hervorruft. Das Gift ist in allen Teilen des Baumes enthalten, auch in den Samen, nicht aber im roten Fleisch des becherförmigen Samenmantels, der die Samen umhüllt. Entfernt man diese, ist der klebrige, süßlich schmeckende Samenmantel sogar essbar. Im Alpenraum verarbeitete man ihn früher mancherorts sogar zu Mus. Auch Vögel, die von den leuchtend roten Beeren angelockt werden, können diese unbeschadet verzehren. Sie scheiden nämlich die Samen unversehrt wieder aus, die dann sofort zu keimen beginnen. Eibengift wirkt nicht auf alle Lebewesen in gleicher Weise: Wiederkäuern wie Kühen oder Ziegen schaden Eibennadeln im Allgemeinen nicht und Rehe fressen Eibenzweige sogar besonders gern. Für Pferde dagegen ist eine Menge von etwa 500 Gramm bereits tödlich. Seit wann weiß man um die Giftigkeit der Eibe? Die Giftigkeit der Eibe war schon in der Antike bekannt. Bei Kelten und Römern war der Baum den Todesgöttinnen geweiht. Die Kelten verwendeten Giftpfeile, die mit einem Absud aus Eibengrün getränkt waren. Dass jedoch schon der Schatten der Eibe schädlich sei, wie behauptet wurde, gehört ins Reich der Legenden. Verschiedene Eibenarten finden sogar in der Medizin Verwendung: In Japan beispielsweise werden die Nadeln der Japanischen Eibe ( Taxus cuspidata ) gegen Diabetes eingesetzt. Und die Rinde der Pazifischen Eibe ( Taxus brevifolia ) enthält einen viel versprechenden Wirkstoff gegen einige Krebsarten. Welcher Inhaltsstoff macht Eiben für die Medizin interessant? Taxol. Dieser Stoff, der eine erstaunliche Wirkung bei Brust- und Eierstockkrebs zeigt, findet sich in der Rinde der Pazifischen Eibe ( Taxus brevifolia ), die in den USA beheimatet ist. Es ist ein Zellgift, das das Wachstum und die Ausbreitung von Krebszellen verhindert. Für die Therapie einer einzigen Patientin werden etwa zwei Gramm Taxol benötigt – und um diese zu gewinnen, müssten zwei Bäume gefällt und die Rinde aufgearbeitet werden. Um die bereits bedrohten Bestände der Pazifischen Eibe zu schonen, wählt man deshalb einen anderen Weg: Die Nadeln von Taxus baccata enthalten nämlich eine verwandte Substanz, aus der Taxol künstlich hergestellt werden kann. Aus ihren – immer wieder nachwachsenden – Zweigen wird heute der Rohstoff für das Krebsmittel gewonnen. Wussten Sie, dass … die Eibe der einzige Giftbaum Europas ist? die Eibe der einzige Nadelbaum ist, der keine Zapfen besitzt? Eiben sehr alt werden? Das älteste Exemplar soll über 2000 Jahre alt sein, es steht im schottischen Fortingall. die Eibe zusammen mit dem Buchsbaum das härteste Holz aller einheimischen Bäume aufweist? Ginkgo biloba: Ein lebendes Fossil Was ist einzigartig am Ginkgo? Seine Blätter und die männlichen Geschlechtszellen. Steht man einem Ginkgo ( Ginkgo biloba ) zum ersten Mal gegenüber, fallen seine ungewöhnlichen Blätter auf: Fächerförmig, mit feinen Nerven durchzogen und in der Mitte mit einem Einschnitt versehen, erinnern sie an die Fiederblätter mancher Farnarten. Auch die Tatsache, dass die männlichen Geschlechtszellen dank einer Geißel frei beweglich sind, rückt ihn eher in die Nähe der Sporenpflanzen wie Farne, Moose und Algen. Andererseits geht jedoch die Befruchtung wie bei den Samenpflanzen vonstatten: Gelangen die männlichen Geschlechtszellen auf die Samenanlage, wächst ein Pollenschlauch bis zur Eizelle. Auch die Struktur des Ginkgoholzes ist dem der Samen tragenden Koniferen sehr ähnlich. Übrigens: Die Samen des Ginkgo kann man essen; in China und Japan werden sie geröstet oder zu Suppen und anderen gekochten Speisen verarbeitet. Seit wann gibt es den Ginkgobaum? Die Urahnen des Ginkgobaums tauchten bereits vor rund 280 Millionen Jahren auf, seine direkten Vorfahren sind allerdings erst etwa 80 Millionen Jahre später belegt. Angesichts seiner altertümlichen Merkmale wurde der Ginkgobaum schon von Charles Darwin als »lebendes Fossil« angesehen, dessen Stammbaum weit in die Erdgeschichte zurückreicht. Ihre Blütezeit entfalteten die Ginkgogewächse im Erdmittelalter vor ca. 150 Millionen Jahren, als sie in schätzungsweise über 100 Arten auf der gesamten Nordhalbkugel, aber auch im heutigen Chile, in Südafrika, Teilen Australiens und in Neuseeland verbreitet waren. Vor rund 70 Millionen Jahren existierten bereits Arten, die sich von dem heutigen Ginkgo biloba nicht mehr unterscheiden. Sie waren noch bis vor rund fünf Millionen Jahren Charakterbäume der Laubmischwälder Nordamerikas und Europas. Heute gibt es nur wenige Überlebende an natürlichen Standorten: Das letzte Refugium liegt im Tien-Mu-Shan-Gebirge im Südosten Chinas. Was macht die Heilkraft des Ginkgo aus? Seine Inhaltsstoffe helfen bei vielen Altersbeschwerden wie Gedächtnis- und Durchblutungsstörungen. Mit Pflastern aus Ginkgoblättern heilt man Wunden. Tee aus Ginkgonüssen wird bei Asthma, Husten und bei Nervosität verordnet. Die Wirkungsweisen führen Mediziner auf ein Gemisch aus besonderen Pflanzenstoffen (Biophenole) zurück. Die Samen werden wegen ihres Gehalts an Ginkgolsäure auch als Heilmittel gegen Tuberkulose eingesetzt: Diese vermag noch in starker Verdünnung das Wachstum von Tuberkulosebakterien zu hemmen. Die Heilkraft des Ginkgo ist seit Jahrtausenden bekannt, denn so lange wird er bereits in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet. In der westlichen Medizin sucht man mit Ginkgo-Extrakt vor allem Konzentrations- und Lernstörungen, ein nachlassendes Gedächtnis und Altersverwirrtheit sowie periphere Durchblutungsstörungen zu behandeln. Auch bei Rauschen, Pfeifen, Schwindel oder Klingeln im Ohr (Tinnitus) erzielen Heilkundige mit Ginkgo Erfolge. Die Inhaltsstoffe dieses Baumes schützen die Nervenzellen und erhalten oder verbessern die Gehirnfunktion, indem sie kleine und kleinste Blutgefäße erweitern, welche die Nerven versorgen. Mit Ginkgopräparaten soll es sogar gelungen sein, bei Alzheimer-Patienten den Abbau der Hirnfunktionen erfolgreich hinauszögern. Wo wird der Ginkgo als heilig verehrt? In China und Japan. In Japan beispielsweise stehen die Baumveteranen unter Naturschutz, oft wachsen sie auf Anhöhen in der Nachbarschaft von Tempeln und Gräbern, manche überragen die Ortschaften als Wahrzeichen. Japaner verehren die Bäume wegen ihrer Lebenskraft und Wunderverheißung. Als Wohnort von Geistern ist der Baum hoch geschätzt und gefürchtet zugleich. Seit Jahrhunderten erbitten Menschen Hilfe beim Ginkgo: Bauern erflehen von ihm Regen für den Reisanbau, Frauen bitten um Milch zum Stillen der Kinder – Ginkgos fanden und finden sich auf diese Weise in Volkserzählungen, Mythen und Geschichten wieder. Auch in Kunst und Malerei hat er seinen festen Platz: In unzähligen Gemälden und Zeichnungen tauchen Ginkgomotive auf, und in vielen Gedichten wird er gepriesen. In der europäischen Dichtkunst hat ihm Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) ein literarisches Denkmal gesetzt: Er sah in dem zweilappigen Laub ein Sinnbild für das Eins- und Doppeltsein und verfasste mit »Ginkgo biloba« eines der schönsten Liebesgedichte. Wussten Sie, dass … der Ginkgo auch noch unter anderen Namen bekannt ist? Er heißt auch Entenfußbaum, Elefantenohrbaum, Silber- oder Hügelaprikose, Fächerblattbaum, Mädchenhaarbaum, chinesischer Tempelbaum, Vierzig-Taler-Baum oder Goethebaum. ein Ginkgo die Atombombe von Hiroshima überlebte? Bereits ein Jahr nach dem Abwurf der Atombombe 1945 schob sich aus der Wurzel ein neuer Spross, obwohl der Baum nur einen Kilometer vom Explosionszentrum entfernt gestanden hatte. Wann kam der Ginkgo nach Europa? Etwa 1750, nachdem ihn der Naturforscher Engelbert Kämpfer (1651 bis 1716) im Jahr 1712 erstmals beschrieben hatte. Zunächst als kostbarer Exot in den botanischen Gärten von Utrecht und Leiden gehegt, avancierte der Ginkgo im Laufe der Jahrhunderte zu einem beliebten Park- und Alleebaum; einer der ältesten Ginkgobäume Deutschlands – 1796 gepflanzt – kann übrigens im Schlosspark Dyck im Rheinland bewundert werden. Eichen: Brotbaum, Forstbaum und Symbol Was verstehen wir unter »der Eiche«? Wenn in Mitteleuropa von »der Eiche« die Rede ist, dann handelt es sich eigentlich um zwei Arten: die Stieleiche ( Quercus robur ) und die Traubeneiche ( Quercus petraea ). In Deutschland machen sie zusammen etwa zehn Prozent der Waldfläche aus. Bei der Stieleiche sitzen Blüten und Früchte (also die Eicheln) zu ein bis drei Paaren an einem langen grünen Stiel. Dies und die blaugrünen gelappten Blätter sind ihr Erkennungszeichen. Als Lichtbaum der mittleren und tiefen Lagen wächst sie häufig in lockeren Laubmischwäldern, zuweilen auch in Auen und Flussniederungen. Ihr Stamm bleibt nicht bis in den Wipfel erhalten, sondern verzweigt sich gewöhnlich in der Krone zu dicken, knorrigen Ästen. Die Blätter der Traubeneiche sind weniger tief gelappt als die der Stieleiche und sitzen an längeren, allerdings gelblichen Stielen. Wichtigster Unterschied zur Stieleiche: Bei der Traubeneiche erscheinen die Eicheln »traubig« zu mehreren an einem kurzen Stiel. Traubeneichen sind in ganz Europa und Anatolien verbreitet. Es sind anspruchslose Bäume, die auch auf trockenen, steinigen Böden gedeihen. Ein weiterer Unterschied zur Stieleiche ist der Stamm, der meist gerade bis zum Wipfel durchläuft. Beide Eichenarten werden etwa 20 bis 30 Meter hoch. Was zeichnet die Roteiche aus? Die Roteiche ( Quercus rubra ) ist eine nordamerikanische Eichenart, die besonders robust und schnellwüchsig ist. Wegen des rasanten Wachstums von bis zu zwei Meter pro Jahr wird sie in Europa nicht nur als Parkbaum mit herrlicher Herbstfärbung, sondern auch als Forstbaum gepflanzt. Erkennbar ist die Roteiche an ihren besonders großen Blättern, die eine Länge bis zu 20 Zentimeter erreichen und tiefer eingeschnitten sind als bei anderen Eichenarten. Außerdem erscheinen die Eicheln einzeln oder zu zweit an kurzem Stiel. Warum ist Eichenholz so begehrt? Vor allem, weil es dem Holz aller anderen einheimischen Bäume in Härte und Haltbarkeit überlegen ist. Eichenholz schwindet nur mäßig, es muss jedoch vor der Verarbeitung sehr lange trocknen, da es zur Rissbildung und zum Aufwerfen neigt. Es wird vor allem als Bauholz und für Möbel verwendet. Unentbehrlich sind auch Eichenfässer bei der Herstellung von Hochprozentigem, da sie Sherry, Whiskey und Barrique-Weinen ihren unverwechselbaren Charakter verleihen. Als »Mooreiche« wird Eichenholz bezeichnet, das über Jahrhunderte in Mooren und Sümpfen gelegen hat. Es wird meist zufällig, etwa beim Trockenlegen der Moore, entdeckt. Die in das Holz eingedrungenen Inhaltsstoffe des Moorwassers lassen es stark nachdunkeln und machen es ganz besonders hart. Bis in die Neuzeit war Eichenholz auch im Schiffsbau besonders gefragt. Bei den alten Seefahrernationen wie England, Holland oder Spanien waren Kriegs- und Handelsschiffe aus Eichenholz – und Eichenwälder damit die Grundlage ihrer militärischen und wirtschaftlichen Stärke. Wer nutzte Eichenrinde als Rohstoff? Die Gerber, denen die Eiche früher, wie vielen anderen Berufsgruppen, zum Lebensunterhalt verhalf: Schiffsbauer, Möbeltischler, Zimmerleute, Wagner und Küfer verarbeiteten das wertvolle Holz. Die Gerber nutzten die Gerbstoffe in der Rinde, um aus Tierhäuten Leder herzustellen. Ohne spezielle Behandlung würden Tierhäute hart und brüchig und wären damit unbrauchbar. Mithilfe der Gerbstoffe (Tannine und Gallussäuren), die Wasser entziehend und adstringierend (zusammenziehend) wirken, entsteht daraus jedoch weiches, haltbares Leder. Zur Gewinnung der Gerbsäuren wurden Stiel- und Traubeneichen im Mai, wenn der Saft zu steigen begann, geschält: Die Rinde wurde ringförmig um den Stamm eingeritzt und abgehoben; diese Gerberlohe enthält bis zu 15 Prozent Gerbstoffe. Manchmal wurden die Bäume auch »auf den Stock gesetzt«, also kurz über dem Boden abgesägt und dann entrindet. Die geschälten Holzstücke dienten noch als Brennholz. Die Wurzelstöcke schlagen wieder aus, wobei mehrere dünne Stämme heranwachsen. Durch diese Art der Bewirtschaftung entstand der charakteristische Niederwald, der heute noch in vielen Gegenden Deutschlands vorhanden ist. Warum mussten Gerber früher alle im selben Stadtviertel wohnen? Weil die Lederherstellung mit starken Geruchsbelästigungen verbunden war (und auch heute noch ist). Deshalb wurde die Gerberlohe an die Gerbereien geliefert, die oft in speziellen »Gerbervierteln« konzentriert waren. Dort wurden die Rindenstücke zunächst in Wasser eingeweicht. Dann legte man die enthaarten und entfetteten Tierhäute für viele Monate in diese gerbstoffhaltige Brühe. Während des Gerbvorgangs lagern sich die Gerbstoffe zwischen die Eiweißfasern der Haut, entwässern sie und machen sie haltbar. Nach dem Aufspannen und Trocknen kann das Leder verarbeitet werden. Traditionell unterschied man die Lohgerber, die robustere Leder herstellten, von den Weißgerbern, die das Leder zu feineren Produkten verarbeiteten. Heute hat das Gerben mit Pflanzenstoffen überwiegend historische Bedeutung oder wird als Hobby gepflegt. Bei der industriellen Lederherstellung werden Chromsalze eingesetzt, die allerdings hochgiftig sind. Was unterschiedet »männlichen« von »weiblichem« Kork? Während der ersten 15 bis 20 Jahre ihres Lebens produziert die Korkeiche nur einen wenig brauchbaren »männlichen«, auch Jungfernkork genannten Kork. Er ist äußerst brüchig und nur wenig elastisch. Jungfernkork muss vorsichtig entfernt werden, bis darunter die junge, rotbraune Rinde zum Vorschein kommt. Sie bringt dann im Laufe von mehreren Jahren eine neue Korkschicht hervor, den »weiblichen« Kork. Dieser kann alle zehn bis zwölf Jahre abgeschält werden, bis der Baum etwa ein Alter von 150 Jahren erreicht hat. Er hat dann noch ein langes Leben vor sich, denn Korkeichen können bis zu 400 Jahre alt werden. Der geerntete Kork wird zunächst getrocknet und dann in kochendes Wasser gelegt, damit er geschmeidig wird. Dann kann er verarbeitet werden, wobei der Fantasie keine Grenzen gesetzt sind: zu Flaschenkork, Fußbodenbelägen, Tapeten, Rettungsringen, Schwimmhilfen und so weiter. Noch die Abfälle finden bei der Herstellung von Linoleum Verwendung. Auch Bauherren interessieren sich zunehmend für Kork, denn er ergibt ein hervorragendes Dämmmaterial, das außerdem völlig frei von Schadstoffen ist. Stammt der Kork aus der Rinde oder aus der Borke? Aus der Borke. Der Kork, den die Korkeiche so reichlich bildet, dass er regelmäßig geerntet werden kann, ist die äußerste Schicht des Baumes, die Borke. Sie besteht aus toten Zellen und ist wasserundurchlässig. Man kann sie einritzen und einschneiden, ohne dass es dem Baum schadet. Die Borke bildet die äußerste Schicht der Rinde, die den gesamten Spross und die Wurzeln des Baumes umhüllt. Ihre innere Schicht wird als Bast bezeichnet, ein weiches Fasergewebe, in dem die Wasser und Nährstoffe transportierenden Leitungsbahnen liegen. Abgestorbene Zellen des Bastes werden zu Borke. Zwischen Rinde und Holz liegt das Kambium, das nur eine Zellschicht dick ist. Seine Aufgabe ist es, neue Zellen zu bilden: An der Außenseite erneuern sie den Bast, an der Innenseite verstärken sie den Holzteil. Das Kambium sorgt also dafür, dass ein Baum allmählich dicker wird – von allen Pflanzen sind nur Bäume zu solchem Dickenwachstum fähig. Irgendwann wird die unelastische Borke zu eng für den wachsenden Baum: Sie platzt auf und reißt ein wie bei der Eiche, ringelt sich in Fetzen ab wie beim Kirschbaum, schält sich ab wie bei der Birke oder löst sich in Schuppen ab wie bei der Kiefer. So erhält jede Baumart ihr charakteristisches »Gesicht«, und das Aussehen der Borke wird damit zu einem wichtigen Bestimmungsmerkmal für Bäume. Wo findet sich Eichenlaub als Symbol? In der Bundesrepublik zierte unter anderem Eichenlaub die Rückseite des von 1960 bis 1989 gültigen 5-DM-Scheins, auf allen Pfennigmünzen, der 1-DM-Münze und auch auf den deutschen 1-, 2- und 5-Cent-Münzen findet man einen Eichenzweig mit Blättern und Früchten. Eichen gelten seit Jahrhunderten als Symbol der Standhaftigkeit, Tugend und Wahrheit. Man pflegte »bei der Eiche« zu schwören, und aus Böhmen wird berichtet, dass unter Eichen gegebene Eheversprechen absolut bindend waren. Loyalität symbolisierten dagegen die Blätter getreu der Redewendung »Wer grüne Eichenblätter trägt, der liebt mit fester, steter Treue«. Im Nationalismus avancierte das Eichenlaub zum Sinnbild des Sieges und Heldentums: 1813 schmückte es erstmals das Eiserne Kreuz, später auch die Siegermedaillen der Turnfeste. Die Nationalsozialisten bemächtigten sich schließlich seiner als Emblem der NSDAP und später als Hoheitszeichen des Dritten Reiches, das einen fliegenden Adler zeigt, der in seinen Fängen einen Eichenkranz hält. Gibt es einen »Lebensraum Eiche«? Ja, den gibt es tatsächlich, denn zahlreiche Tierarten leben auf und von den Eichen, was einige von ihnen schon durch ihren Namen signalisieren. Eichelhäher haben es ebenso wie die Eichhörnchen auf die Früchte abgesehen, die sie als Wintervorrat verstecken. Eichenwickler und Eichenspinner sind Schmetterlinge, deren Raupen am liebsten Eichenblätter fressen. Den Larven von Eichelbohrer und Eichenprachtkäfer dient das Holz der Bäume als Nahrung. Auf abgestorbenen Ästen lebt der Eichenwidderbock, und alte Baumstämme werden von einem Pilz mit Namen Eichhase besiedelt. Wussten Sie, dass … eine Eiche zu den ältesten Bäumen Deutschlands gehört? Sie steht in Erle bei Recklinghausen. Das Alter dieser Thingeiche (einer germanischen Gerichtseiche), schätzt man auf 1500 Jahre. die Germanen ihren Göttern in heiligen Eichenhain