Blumen – Verführung für Auge und Nase

Blumen – Verführung für Auge und Nase Obgleich Weinkenner mit Blume das Bukett, also den Geruch des Weins, bezeichnen und Jäger unter Blume den Schwanz des Hasen verstehen, steht die Blume im täglichen Sprachgebrauch für eine Pflanzenblüte samt Stängel, wie sie z. B. auf der Wiese zu finden ist oder wie sie in eine Vase gestellt wird. Normalerweise nennt man nur die Blüten von krautigen Pflanzen Blumen, in Zusammenhang mit Gehölzen ist der Begriff unüblich. Botanisch lässt sich Blume eigentlich nicht exakt definieren, allenfalls als eine Einheit der Blütenpflanzen, die der Bestäubung und letztlich der geschlechtlichen Fortpflanzung dient. Eine Blume darf nicht zwangsläufig mit einer einzelnen Blüte gleichgesetzt werden. Bei vielen Pflanzen stehen gleich mehrere Blüten dicht beieinander, teilen sich verschiedene Aufgaben und bilden in ihrer Gesamtheit eine Blume, z. B. die Körbchen der Sonnenblumen und Astern oder die Kolben samt Hüllblätter der Aronstabgewächse. Bei der Gestaltung scheint der Ideenreichtum der Natur keine Grenzen zu kennen. Da gibt es Blüten, die eine nach oben geöffnete Schale bilden, wie beispielsweise bei Hahnenfuß und Klatschmohn, gigantische Trompetenblüten wie bei der Engelstrompete, aparte Blütenglocken wie bei den Glockenblumen, unscheinbare wie beim Edelweiß, die durch farbige Hochblätter Größe vorspiegeln, oder die besonders raffiniert gestalteten der Orchideen, die bei manchen Arten Insekten täuschend ähnlich sehen. Auch die Farbenpracht kann sich sehen lassen: Rotblaue Anthocyane, orange gefärbte Carotinoide oder gelbe Flavonoide dienen als Ausgangsstoffe für eine große Farbvielfalt, die durch bunte Streifen und Tupfen bei vielen Blumen noch unterstrichen wird. Gewellte oder mit Wachsen überzogene Oberflächen reflektieren das Licht in unterschiedlichste Richtungen und lassen viele Blüten zusätzlich besonders intensiv leuchten. Hinzu kommt bei vielen Blumen ein unvergleichlicher Duft – sei es bei der Königslilie, die erst in der Dämmerung ihre schweren, sinnlichen Düfte verströmt, bei Maiglöckchen und Veilchen, deren Duftstoffe sogar Parfüms bereichern, oder bei Pfingstrosen und Taglilien, deren zarten Duft man nur in unmittelbarer Nähe wahrnimmt. Tulpen: Nicht nur aus Holland Wie kam die Gartentulpe nach Europa? Ogier Ghislain de Busbecq, ein Gesandter von Kaiser Ferdinand I. am Hofe des türkischen Sultans in Konstantinopel, brachte die Gartentulpe im 16. Jahrhundert nach Prag und Wien. Er nannte die Pflanze »Tulipan«, woraus dann später »Tulpe« wurde. Obwohl die Pflanzen nicht dufteten, erregten sie durch ihre Farbenpracht allgemeines Aufsehen. Nun war der Anfang gemacht und die Erfolgsgeschichte der Tulpe, die im Vorderen Orient bereits ab etwa 1000 n. Chr. in Gärten gezogen wurde, nahm auch in Europa ihren Lauf. Die ersten Tulpen, die in mitteleuropäischen Gärten wuchsen, blühten rot. Sie wurden zum ersten Mal von dem Schweizer Naturforscher Conrad Gesner beschrieben, der die neuartigen Pflanzen im Garten eines Augsburger Kaufmanns sah; von seinem Namen leitet sich im Übrigen die Bezeichnung Tulipa gesneriana ab, unter der heute alle Kultursorten zusammengefasst werden. Ende des 16. Jahrhunderts gelangte die Pflanze nach Holland, das sich wegen des milden Klimas und geeigneten Bodens rasch zum Zentrum der Tulpenzucht entwickelte. Noch heute sind die Niederlande das wichtigste Anbaugebiet und liefern 80 Prozent der Weltproduktion. Welche Tulpen sind in Europa heimisch? Die Weinbergtulpe ( Tulipa sylvestris ), die auch Waldtulpe oder Wilde Tulpe genannt wird. Diese 20 bis 40 Zentimeter hohe Tulpenart öffnet im April ihre gelben, duftenden Blütenkelche. Sie wächst in offenem, steinigem Gelände auf nährstoffreichen Böden. Einst war sie deshalb oft in Weinbergen zu finden, weshalb sie noch heute das Wahrzeichen der Baselbieter Rebberge ist, eines Weinbaugebietes rund um Basel. Die intensive Bodenbearbeitung und der zunehmende Gebrauch von Pflanzenschutzmitteln haben der Weinbergtulpe jedoch sehr zugesetzt. Inzwischen ist die Pflanze, deren Zwiebel und Spross das giftige Tulipanin enthalten, so selten geworden, dass sie vollständig unter Naturschutz steht. Um auf die seltene Schönheit aufmerksam zu machen – sie ist die einzige Tulpenart, die in Deutschland wild vorkommt –, wurde sie 1983 zur Blume des Jahres erkoren. Übrigens: Die Südalpine Tulpe ( Tulipa sylvestris ssp. australis ) ist eine Unterart der Weinbergtulpe. Ihre gelben Blütenblätter sind außen rot überlaufen und an der Spitze fein behaart. Sie wächst auf trockenen, nicht zu fetten Bergwiesen, auf feuchtem, felsigem Boden in offenen Lärchenwäldern und in der Nähe einzelner Bäume oder Gebüsche in Höhen von 1000 bis 2800 Metern. Sie kommt in allen europäischen Gebirgen vor, ist jedoch wie ihre Artgenossin äußerst selten und daher geschützt. Wie viel ist eine Tulpenzwiebel wert? Heute zahlt man für eine Tulpenzwiebel nur noch einige Cent; im 17. Jahrhundert allerdings löste sie in Holland die sog. Tulpomanie aus, die in einen großen Börsencrash mündete. In den Jahren 1636 und 1637 erreichte die Tulpomanie ihren Höhepunkt: Einzelne Tulpenzwiebeln erzielten Preise von bis zu 10 000 Gulden. Das entsprach damals in etwa dem Wert eines der nobelsten Häuser Amsterdams. Ein unbekannter Käufer soll für eine einzige Zwiebel der Sorte »Viceroy« vier Tonnen Weizen, acht Tonnen Roggen, vier Ochsen, acht Schweine, zwölf Schafe, 500 Liter Wein, 250 Liter Bier, 100 Kilogramm Butter, 500 Kilogramm Käse, ein Bett, ein Gewand und einen silbernen Trinkbecher bezahlt haben. Dabei bekamen die Spekulanten die edlen Blumen gar nicht zu Gesicht, denn die gekauften Zwiebeln wurden umgehend weiterveräußert. Der Handel verlief ohne Sicht und auf Termin, ähnlich wie heutige Warentermingeschäfte. Am 3. Februar 1637 platzte die Spekulationsblase: Nachdem die Regierung der Vereinigten Niederlande die Tulpenpreise gesetzlich geregelt hatte, brach die gesamte Tulpenbörse zusammen und die Preise stürzten ins Bodenlose. Der Wert einer Zwiebel der Sorte »Semper Augustus« fiel an einem einzigen Tag von 13 000 auf 50 Gulden. Der Börsencrash konnte jedoch die Entwicklung der Niederlande zum Zentrum der Tulpenzucht nicht mehr aufhalten: Im 18. Jahrhundert zählte man dort bereits 1600 verschiedene Tulpensorten und derzeit sind etwa 3000 unterschiedliche Sorten auf dem Markt. Wie werden Tulpen klassifiziert? Tulpen werden vor allem nach dem Zeitpunkt ihrer Blüte in Klassen eingeteilt; so gibt es beispielsweise einfache frühe, gefüllte frühe, mittelfrühe und spät blühende Tulpen. Zu den einfachen frühen Tulpen gehören meist kleinere Sorten, die sich auch zum Vortreiben in Töpfen und Schalen eignen. Sie alle sind aus Tulipa suaveolens , einer Wildtulpe aus Südrussland, hervorgegangen. Gefüllte frühe Tulpen haben ähnliche Eigenschaften wie die einfachen Tulpen. Die mittelfrühen Sorten umfassen u. a. die bekannten Triumph-Tulpen, die vor allem für die Schnittblumenzucht bedeutsam sind, und die Darwin-Tulpen, die sich durch besonders kräftigen Wuchs und sehr große Blüten auszeichnen. Die Gruppe der spät blühenden Tulpen schließt neben den einfachen Sorten auch die auffällig geflammten Rembrandt-Tulpen, die bizarren Papageien-Tulpen und viele weitere Klassen ein, u. a. die Breeder-Tulpen, die sich durch gold- und kupferfarbene, ja sogar pflaumenblaue Farbtöne auszeichnen. Kann man Tulpen essen? Nein. Alle Pflanzenteile der Tulpe, also auch Blüten und Zwiebeln, enthalten das Alkaloid Tulipin sowie Tuliposide. Vier Zwiebeln sollen bereits ausreichen, um Erbrechen, Magen- und Darmbeschwerden sowie Untertemperatur hervorzurufen. Neben den pflanzeneigenen Giftstoffen lassen es darüber hinaus die Anbaubedingungen keineswegs ratsam erscheinen, Tulpenzwiebeln zu verzehren: Im kommerziellen Blumenzwiebelanbau wird nämlich nach der Baumwollproduktion das meiste Gift eingesetzt. Wussten Sie, dass … Tulpen Allergien auslösen können? Verantwortlich dafür sind Abwehrstoffe, die in den Knollen junger Tulpen vorhanden sind und die Pflanze gegen Pilzbefall schützen. Tulpen wetterfühlig sind? Die Liliengewächse nehmen bereits Temperaturunterschiede von nur 1 °C wahr und reagieren darauf mit Wachstumsbewegungen ihrer Kronblätter (Thermonastie). Warum haben manche Tulpen Streifen? Wegen einer Viruserkrankung. Viele Gartenfreunde schätzen besonders die unregelmäßig gefärbten, geflammten und gestreiften Tulpensorten, die als Rembrandt-Tulpen im Handel sind. Heute weiß man, dass die Musterung eigentlich eine Missbildung der Pflanzen ist, die von einer Infektion mit Viren hervorgerufen und zwischen den Pflanzen direkt übertragen wird. Andere Formen der Missbildung findet man bei den Papageientulpen, die sich durch tief gefranste Blütenblätter auszeichnen, und bei den Viridiflora-Sorten, die durch ihre grünen Blütenblätter auffallen. Lilien und Iris: Zeitlose Schönheiten Weshalb tragen Irisblüten Streifen? Um den bestäubenden Insekten den Weg in das Innere zu weisen. Das auffällige Muster, das von den Botanikern als »Saftmal« bezeichnet wird, führt Hummeln und andere Bestäuber zu den Nektarvorräten der Pflanze. Um ihn zu erreichen, müssen sie tief in die Blüte hineinkriechen. Auf ihrem Weg dorthin streifen sie die Narbe und laden dabei Pollen ab, den sie an den Staubbeuteln einer anderen Irispflanze aufgenommen haben. Nicht nur die Musterung, sondern die ganze Blüte der Iris ist auffällig und ungewöhnlich. Jede Blüte besteht aus drei äußeren, großen Blütenhüllblättern, die bei manchen Arten aufrecht stehen, bei anderen weit nach hinten umgeschlagen sind. Bei den Bartiris-Arten sind diese Blütenblätter mit kleinen Haaren versehen, eben dem »Bart«. Die inneren Blütenblätter sind schmaler und kürzer als die äußeren, stehen aufrecht und umschließen einen Innenraum, den sog. Dom. Am Grund der äußeren Blütenhüllblätter sind die drei Staubblätter befestigt. In der Blütenmitte sitzen drei blütenhüllblattähnlich ausgebildete Griffeläste (Stylodien) mit der Narbe auf der Unterseite. Jeder dieser Griffeläste liegt dachartig über einem äußeren Blütenhüllblatt. Welche Lilien duften nach Veilchen? Vor allem die Deutsche Schwertlilie ( Iris germanica ). Da ihre getrockneten Wurzelsprosse einen Veilchenduft verströmen, nennt man sie auch Veilchenwurzel. Für den Duft sorgt ein ätherisches Öl, das man in der Antike zum Würzen von Wein, aber auch gegen Mundgeruch verwendete. Im Rhizom, dem Wurzelstock, stecken außerdem Flavonoide, Zucker, Stärke, Schleim, Harz und Gerbstoffe. Die Volksmedizin empfiehlt die Wurzel bei Erkältungskrankheiten, da die Wirksamkeit jedoch nicht bewiesen ist, findet man sie heute hauptsächlich noch in Teemischungen zur Verbesserung des Aromas vor. Früher wurde die Wurzel auch zahnenden Kindern zum Kauen gegeben, wovon aus hygienischen Gründen aber abzuraten ist. Heute nutzt sie die Kosmetik- und Lebensmittelindustrie vor allem als »Irisbutter« zur Aromatisierung. Nach Veilchen duften auch die Rhizome von Iris germanica » Florantina« , einer weiß blühenden Sorte der Deutschen Schwertlilie, sowie die der Dalmatinischen Iris ( Iris pallida ). Letztere wächst wild in den Südalpen und in Teilen Kroatiens. Sie ist mit ihrem über einen Meter hohen Stängel und den lavendelblauen, gelbbärtigen Blüten eine prächtige Erscheinung. Woher stammen Lilien? Aus Asien oder Europa – das kommt auf die Art an. Einige der schönsten Lilien (Gattung Lilium ) sind im asiatischen Raum zu Hause. Sie erregten bei ihrer Einführung in Europa großes Aufsehen – z. B. die kirschrote, gesprenkelte Prachtlilie ( Lilium speciosum rubrum ), die der Japanforscher und Pflanzenliebhaber Philipp Siebold (1796–1866) 1830 aus Japan mitbrachte. Begeisterung lösten auch die großblütige Goldbandlilie ( Lilium auratum ) und vor allem die Königslilie ( Lilium regale ) aus, deren betörend duftende Trichterblüten außen rosa Streifen tragen und innen zartgelb gefärbt sind. Sie kommt ursprünglich aus China, ist aber inzwischen in unseren Gärten fest eingebürgert. In Europa heimisch sind etwa die Türkenbundlilie ( Lilium martagon ) und die Feuerlilie ( Lilium bulbiferum ). Erstere wartet mit turbanartig geformten, nickenden Blüten auf. Ihre purpurrosafarbenen Blütenblätter sind weit nach hinten gebogen und mit dunklen Flecken versehen. Die bis zu einem Meter hohe Schönheit wächst in lichten Laub- und Mischwäldern bis in 2000 Meter Höhe. Bergwiesen und Waldsäume als Lebensraum bevorzugt dagegen die Feuerlilie, deren große, leuchtend rote, schwarz gepunktete Blüten kaum zu übersehen sind. Übrigens: Wenngleich man Lilien auf der gesamten Nordhalbkugel antreffen kann, sind sie doch schwerpunktmäßig in den trockeneren, kühleren Regionen Eurasiens verbreitet. Welche Lilie gilt als Symbol der Reinheit? Die Weiße Lilie oder Madonnenlilie ( Lilium candidum ). Ihre edlen weißen Blüten, die einen betörenden Duft verströmen, bestimmten die Madonnenlilie nachgerade dazu, ein Sinnbild für makellose, überirdische Schönheit zu werden. Im Christentum avancierte die Blume zum Symbol der Reinheit und Keuschheit schlechthin. Zahlreiche Künstler haben die Lilie in ihren Tafelgemälden und Bildwerken als Attribut der jungfräulichen Gottesmutter Maria verewigt. Und auch in alten Darstellungen der »Verkündigung«, bei der Maria von der bevorstehenden Geburt des Gottessohnes durch den Erzengel Gabriel erfährt, trägt dieser häufig eine Madonnenlilie in seinen Händen. Aber die Verehrung der Pflanze reicht sehr viel weiter zurück. Bereits in der Antike verglich man die Blüten mit dem kostbarsten Marmor; bei den Griechen war die Weiße Lilie der Aphrodite und bei den Römern Diana, der Venus und Juno geweiht. Wussten Sie, dass … es essbare Lilienzwiebeln gibt? In China werden sie beispielsweise gedünstet und zusammen mit Cashewnusskernen serviert. die Iris nach einer griechischen Göttin benannt ist? Sie war eine Götterbotin, welche die Seelen der Sterblichen auf einem Regenbogen in die Unterwelt geleitete. die Iris auch Schwertlilie genannt wird? Diesen Namen verdankt sie ihren Blättern, deren Form an ein Schwert erinnert. Wer trägt eine Schwertlilie im Wappen? Unter anderem die französischen Könige und die Stadt Florenz. Ab dem 12. Jahrhundert führten die Bourbonen die Schwertlilie ( Iris ) in ihrem Wappen – fälschlich als Bourbonen-Lilie bezeichnet. Bei der im Stadtwappen von Florenz dargestellten Blüte handelt es sich ebenfalls eindeutig um eine Iris, wahrscheinlich sogar um die weiße Irissorte »Florentina«, die früher im Arnotal großflächig angepflanzt wurde. Ursprünglich zeigte das Banner eine weiße Lilie auf rotem Grund. Erst nach der Vertreibung der Ghibellinen, der kaisertreuen Anhänger, im Jahre 1266 vertauschten die Guelfen, die Anhänger des Papsttums, die Farben und machten daraus kurzerhand eine rote Iris auf weißem Grund. Krokusse: Frühlings- und Herbstblüher Wo wachsen wilde Krokusse? Wilde Krokusse kommen in den Alpen und im Alpenvorland, im Südschwarzwald und im Erzgebirge vor. Sie bevorzugen nährstoffreiche, kalkhaltige Böden, die im Frühling gut durchfeuchtet sind. An ihren Standorten treten sie oft in großer Zahl auf, wobei der Anteil der violetten Arten von Jahr zu Jahr variieren kann. So sind manche Bergwiesen und feuchten Wiesen des Voralpenlandes im Frühling mit den zarten weißen oder violetten Blüten des Frühlingskrokus ( Crocus albiflorus ) übersät. Er ist mit zehn bis fünfzehn Zentimetern kleiner als die bekannten Gartenkrokusse und hat zudem schmalere Blütenblätter von zarterer Farbe als diese. Die Blüten erscheinen noch vor den Blättern im März oder April. In Deutschland ist er sehr selten geworden, weshalb er unter Naturschutz steht. An gleichen Standorten wächst der Violette Krokus ( Crocus neapolitanus ), der auch als Unterart des Frühlingskrokus angesehen wird. Er war ursprünglich eine Zuchtform, was vor allem seine breiteren, am Grunde dicht behaarten Blütenblätter und die kräftigere Farbe verraten. Er ist jedoch aus den Gärten »ausgebrochen« und verwildert. Übrigens: Als alpine Pflanze ist der Krokus an eine kürzere Vegetationsperiode angepasst und muss mit einem kälteren Klima und extremen Temperaturschwankungen fertig werden. Schnee ist ein wichtiger Faktor, der die Pflanze vor Frost schützt. Die Blätter bleiben unter der Schneedecke grün, so kann die Pflanze bereits mit dem ersten Tauwetter austreiben. Welche Krokusart öffnet als erste ihre Blüten? Der Dalmatiner Krokus ( Crocus tommasinianus ), der auch unter dem poetisch klingenden Namen Elfenkrokus bekannt ist. Er zeigt seine langen, spitzen Knospen bereits im Februar und blüht damit am frühesten von allen Krokusarten. Man findet die Art in Südosteuropa; sie sät sich selbst aus und breitet sich so recht schnell unter Sträuchern und Bäumen aus. Übrigens: Mit dem Dalmatiner Krokus eng verwandt ist ein anderer im Frühling blühender Krokus, der Crocus vernus . Er wird etwa zehn Zentimeter groß und trägt eine einzelne weiße, rosafarbene oder dunkelrote, trichterförmige Blüte, die sich bei Sonnenschein öffnet. Sind Krokusse pflegeleichte Pflanzen? Ja, Krokusse bereiten nicht nur deshalb dem Gartenliebhaber viel Freude, weil sie oft bereits im Februar bunte Farbtupfer setzen; sie sind auch unkompliziert zu pflegen. Wenn die Zwiebeln im Herbst erst einmal in die Erde gebracht worden sind, können sie viele Jahre am gleichen Standort bleiben; dieser muss allerdings sonnig sein, andernfalls gedeihen Krokusse nicht. Manche Sorten vermehren sich rasch und bilden bald größere Bestände. Krokusse danken es dem Gärtner, wenn er sie in Ruhe lässt, den Boden nicht hackt und die Wiese erst dann mäht, wenn die Laubblätter verwelkt sind. Ein gern gesehener Gast im Garten ist beispielsweise der Goldkrokus ( Crocus flavus ) mit seinen goldgelben, intensiv duftenden Blüten. Er wird bereits seit dem 16. Jahrhundert kultiviert und stammt ursprünglich aus Südungarn. Die meisten im Frühling blühenden gelben Gartenzüchtungen gehen auf den Goldkrokus zurück. Bei Gartenfreunden beliebt sind auch die vielen Hybridkulturformen, die vom Kleinen Krokus ( Crocus chrysanthus ) abstammen, der ursprünglich in Anatolien, im Kaukasus und im Iran zu Hause ist. Seine hellgelbe bis hellorangefarbene Blüte mit der bronzefarbenen Musterung erscheint im Spätwinter oder Frühjahr. Die Blätter sind bis zu 25 Zentimeter lang und treten gleichzeitig mit der Blüte auf. Wie wird der Safrankrokus genutzt? Der Safrankrokus ( Crocus sativus ) liefert nicht nur ein exklusives Gewürz, sondern wird schon seit alters zum Färben verwendet: Bereits um 1000 v. Chr. wurde er in Persien kultiviert. Sein Name leitet sich von dem arabischen »zafaran«, das »gelb sein« bedeutet, ab. Heute ist die im Herbst blühende Pflanze, die nur in Kultur bekannt ist, vom Mittelmeergebiet bis nach Indien verbreitet. Zum Würzen werden die getrockneten dreiteiligen Narbenstücke verwendet, die durch ihre kräftig orangerote Farbe auffallen und im Oktober geerntet werden. Für ein Kilogramm Safran müssen 150 000 Krokusblüten in mühsamer Handarbeit gepflückt und bearbeitet werden – kein Wunder, dass Safran das teuerste Gewürz der Welt ist. Er riecht intensiv aromatisch und schmeckt süßlich. Safran wird auch seit jeher zum Färben von beispielsweise Butter, Käse und Gebäck verwendet: »Safran macht den Kuchen gehl«, heißt es schon in einem alten Kinderlied. Im Mittelalter wurden mit Safran auch Tüll und andere Stoffe gefärbt, etwa die gelborangefarbenen Gewänder der buddhistischen Mönche. Und arabische Frauen verliehen mit Safran Augenlidern, Fingern und Zehen Farbe. Gehört die Herbstzeitlose auch zu den Krokussen? Nein, die Herbstzeitlose ( Colchicum autumnale ) gehört, obgleich sie Krokussen sehr ähnlich sieht, zur Familie der Herbstzeitlosengewächse (Colchicaceae). Im Herbst tauchen ihre zarten violetten Blüten in großer Zahl auf feuchten Wiesen und in Auwäldern auf; die Blätter erscheinen erst im kommenden Frühjahr. Das Besondere an dieser Pflanze ist ihre Giftigkeit; besonders reichlich ist das Zellgift Colchicin in ihren Blüten enthalten. Welche Krokusse blühen im Herbst? Krokusse sind zwar bekannte Frühlingsblüher; weniger bekannt ist, dass es auch Kultursorten gibt, die im späten Herbst oder sogar im Winter ihre Blütenkelche öffnen – zu einer Zeit also, in der im Garten fast gar keine Blüten zu finden sind. Dazu gehört Crocus byzanthinus , der seine purpurroten Blüten erst sehr spät im Jahr öffnet, im November oder Dezember. Er gedeiht nur in geschützten Lagen an sonnigen Stellen, denn die Blüte verträgt keine Nachtfröste. Da die inneren Blütenblätter heller sind, wirkt dieser Krokus zweifarbig und damit besonders apart. Eine weitere herbstblühende Art ist Crocus speciosus , der schon im Frühherbst seine großen, leuchtend blauvioletten Blütenkelche öffnet. Etwas später erscheint dann Crocus ligusticus mit violetten Kelchen. Zartviolette Blüten mit roten Streifen findet man im Dezember oder Januar bei Crocus laevigatus . Wussten Sie, dass … manche Krokusarten, z. B. Frühlingskrokus und Violetter Krokus, sog. Zugwurzeln besitzen? Diese ziehen die Zwiebel im Boden in die richtige Tiefe, und zwar bis zu einem Zentimeter im Jahr. im Mittelalter häufig gefälschter Safran im Handel war? Verfälscht wurde das Edelgewürz etwa mit Blütenteilen der Ringelblume ( Calendula officinalis ), der Färberdistel ( Carthamus tinctorius ) oder auch der Gelbwurz ( Curcuma longa ). Orchideen: Beeindruckend raffiniert Wem verdanken die Orchideen ihren Namen? Den Knabenkräutern der Gattung Orchis . Diese sind nach dem griechischen Wort »orchis« (Hoden) benannt, an die ihre eirunden, paarweise zusammenstehenden Knollen erinnern. Nach Dioskurides, einem griechischen Arzt des 1. Jahrhunderts n. Chr., sollten Männer nach dem Verzehr der Knolle Jungen zeugen, Frauen nach dem Genuss Mädchen bekommen. Im Orient verwendet man heute noch gemahlene Orchideenwurzeln als Liebeszauber und Motor der Manneskraft. Dieses »Salep-Pulver«, das aus den Knollen verschiedener Orchideen, u. a. des Kleinen Knabenkrauts ( Orchis morio ), gewonnen wird, dient zudem als Beigabe zu Speiseeis und Backwaren. Tatsächlich enthalten die Wurzeln der Knabenkräuter Schleimstoffe, Stärke und Eiweißstoffe, die die Verdauung anregen. Als »Tubera Salep« wird das Pulver in der Kinderheilkunde bei Magen-Darm-Erkrankungen eingesetzt. Übrigens: Die Knabenkräuter bilden eine relativ große Gruppe innerhalb der Orchideen und sind auch in Deutschland heimisch. Charakteristisch sind ihre helmartigen Blüten, die in einer lang gestreckten Ähre rund um den Blütenschaft stehen. Die Lippen tragen einen nach rückwärts gerichteten, mehr oder weniger langen und auffälligen Sporn. Häufig ist das Mannsknabenkraut ( Orchis mascula ), das auf Wiesen und in lichten Wäldern wächst. Wie verschaffen sich Orchideen Nahrung? Durch die Hilfe von bestimmten Pilzen, die in der Rinde ihrer Wurzeln siedeln. Über diese erhalten sie Nährstoffe, Enzyme, Hormone und Vitamine. Manche Arten ernähren sich ausschließlich mithilfe von Pilzen. Diese Orchideen haben ihre Blätter auf wenige Schuppen reduziert und besitzen kein Chlorophyll. Die wachsartig bleiche Nestwurz ( Neottia nidus-avis ) beispielsweise ist ein solcher sog. Saprophyt, der sich von toten organischen Stoffen ernährt, die von Pilzpartnern aufgeschlossen wurden. Diese Symbiose mit Wurzelpilzen machte es lange Zeit unmöglich, Orchideen aus Samen heranzuziehen, denn zum Keimen benötigen die winzigen Samen die von den Pilzen produzierten Substanzen. Inzwischen haben die Züchter jedoch ein Kultursubstrat entwickelt, das die Nährstoffe enthält, die sonst von den Pilzen beigesteuert werden. Die meisten Orchideen, die heute in den Handel kommen, werden jedoch vegetativ vermehrt. Dazu zerlegt man ein bestimmtes Gewebe der Mutterpflanze, das sog. Meristem, in viele Teile, mit dem Resultat, dass jedes zu einer neuen, mit der Mutterpflanze identischen Pflanze heranwächst. Weshalb heißen Orchideen auch Täuschblumen? Weil sie die weiblichen Reize einer Insektendame so perfekt imitieren können, dass sie begierige Männchen magisch anziehen – und sie dann schamlos betrügen. Diese Taktik, die einzig der eigenen Liebe unter den Orchideen dient, beherrschen in besonders ausgefeilter Weise die Ragwurzarten (Gattung Ophrys ). Die Lippen ihrer Blüten ahmen ein weibliches Exemplar der Bestäuber nahezu perfekt nach. Nicht nur Färbung, auch Behaarung sowie höckerige Strukturen sorgen für ein detailgetreues Abbild. Doch dabei bleibt es nicht: Zusätzlich senden die Blüten Lockstoffe aus, die den Duftstoffen paarungsbereiter Weibchen in den entscheidenden seiner etwa 200 Komponenten gleichen. Der Duft ist wahrscheinlich ausschlaggebend, dass die Männchen »ins Schwarze« treffen und versuchen, an der Lippe zu kopulieren. Bis sie merken, dass sie auf einen Trick hereingefallen sind, haben die Tiere die Blüte bestäubt und neuen Pollen aufgeladen. Unfähig, aus ihrer Misere zu lernen, machen sie sich noch »liebestoller« zur nächsten Enttäuschung auf. Die Orchideenblüte indes hat bekommen, was sie wollte, und wechselt ihr Parfüm zur Marke »begattetes Insektenweibchen«. Was haben die Waldvögelein mit Vögeln zu tun? Nichts. Den Namen verdanken zwei Orchideenarten aus der Gattung Cephalanthera der Form ihrer Lippe, die an einen Vogelschnabel erinnert. Das Rote Waldvögelein ( Cephalanthera rubra ), das vorzugsweise auf eher hellen Waldstücken wächst, gilt als eine der schönsten Orchideen der heimischen Flora. Von Juni bis Juli entfaltet es viele große, dunkelrosafarbene Blüten. Seine Verwandte, das an dunklen Standorten anzutreffende Bleiche Waldvögelein ( Cephalanthera damasonium ), öffnet die elfenbeinfarbenen Blüten nur bei sommerlichen Temperaturen, andernfalls bleiben sie fest verschlossen. Die Pflanze befruchtet sich dann meist selbst. Die recht weit verbreitete Orchidee trägt im Mai und Juni nur wenige Blüten. Sie ist lebenslang auf die Hilfe von Wurzelpilzen angewiesen. Doch sie kann selbst an stockdunkle Standorte vordringen, dort erbleicht sie, verliert alles Blattgrün und ernährt sich vollständig über die Pilze. Welche Orchidee duftet nach Aprikosen? Der heimische Frauen- oder Venusschuh ( Cypripedium calceolus ). Dieser Name geht auf die auffällige pantoffelförmige Lippe zurück, die als Kesselfalle ausgebildet ist. Ihre gelbe Farbe und ihr Glanz, vor allem aber der süße Aprikosenduft, den die Blüte verströmt, verleiten Insekten dazu, in den »Schuh« hineinzufliegen. Die steilen, glatten Wände machen es jedoch unmöglich, dass sie auf gleichem Weg wieder herauskommen können. Sie müssen dem vorgegebenen Pfad folgen, der zuerst über die Narbenfläche und dann über die Staubbeutel ins Freie führt. Dabei beladen sich die Insekten mit Pollen, die sie bei der nächsten Pflanze wieder abstreifen. Manche von ihnen verfehlen jedoch das dünnhäutige Fenster an der »Ferse« des Schuhs – und verhungern in ihrem Gefängnis. Ihre Dienste müssen sie übrigens ohne Lohn verrichten, denn die Lippe des Frauenschuhs enthält keinen Nektar. Weshalb sind heimische Orchideen so selten? Weil ihre Lebensräume immer stärker beschnitten werden. In Europa fallen Erdorchideen dem Straßenbau, wachsenden Gewerbegebieten, intensiver landwirtschaftlicher Nutzung, Aufforstung, Entwässerungsmaßnahmen und weiteren Eingriffen in die Natur zum Opfer. Besonders gravierend wirkt sich der zunehmende Stickstoffeintrag aus. Bodenpilze, von denen das Überleben der Orchideen abhängt, reagieren empfindlich auf Überdüngung und verschwinden. Damit ist auch das Schicksal der Orchideen besiegelt. Immer größer wird zudem der Konkurrenzdruck durch andere Pflanzen. Extensiv bewirtschaftete Flächen schwinden oder fallen brach, wodurch Büsche und höher wachsende Kräuter die Orchideen von ihren Standorten verdrängen. Erheblichen Schaden richten aber auch Orchideenfreunde an, meist ohne es zu wissen: Sie betreten Wiesen zur Blütezeit und verdichten dabei den Boden oder zertrampeln durch ihre Unachtsamkeit den »Nachwuchs« der Orchideen. Noch schlimmer ist, dass viele von ihnen die Pflanzen unkontrolliert ausgraben, um sie im eigenen Garten auszupflanzen, auch wenn diese dort keine Überlebenschancen haben und nach einem Jahr zugrunde gehen. Alle heimischen Orchideen stehen mittlerweile unter Naturschutz und mit steigendem Umweltbewusstsein werden auch unseren Orchideen neue Chancen eingeräumt. Warum leben tropische Orchideen auf Bäumen? Weil sie dort als sog. Epiphyten bessere Bedingungen vorfinden als am Erdboden. Denn als Baumbewohner können sie dem Dunkel am Boden des Regenwaldes entkommen und das Sonnenlicht voll ausnutzen. Ihre Luftwurzeln verfügen in den Zellen über grüne Chloroplasten und betreiben Fotosynthese. Meist kranzförmig dem Spross entsprungen, klammern sie sich an die Äste und geben auch abgestorben den Pflanzen noch Halt. Orchideen sind jedoch keine Schmarotzer, die ihre Wirte schädigen. Sie leben vielmehr von der dünnen Humusschicht, die sich aus Pflanzenresten, Tierexkrementen und Staub angesammelt hat und die Baumrinde überzieht. Mit einer schwammartigen, weißlichen Außenhaut aus überwiegend abgestorbenen Zellen haben sich ihre dicken, oft drahtigen Wurzeln dem Leben an der Luft angepasst. Über die gesamte Oberfläche saugen sie Regen, Tau sowie Wasserdampf auf und speichern die Feuchtigkeit für trockene Zeiten. Darüber hinaus legen epiphytische Orchideen mithilfe verdickter Stängelknoten, der Pseudobulben, oder auch mittels sukkulenter Blätter Wasserreserven an. Welche Staaten wählten sich Orchideen als Nationalblumen? Beispielsweise Costa Rica und Brasilien. Das Wappen des mittelamerikanischen Staates ziert eine besonders seltene Vertreterin der Gattung Cattleya – Cattleya skinneri , die mit Rispen aus gut 30 purpurnen Blüten aufwartet, deren gekräuselte Lippen im Schlund orange gefärbt sind. Alle der etwa 35 Cattleya -Arten Mittel- und Südamerikas tun sich durch atemberaubende Blüten hervor. So auch Cattleya labiata , deren Blüten einen Durchmesser von 18 Zentimetern erreichen können. Bis zu fünf der rosa- bis lilafarbenen Riesen trägt sie an einem Stiel. Laelia purpurata ist die Nationalblume Brasiliens. Ihre zartrosafarbenen Blüten mit den tiefvioletten Lippen ständig zu verschönern, haben sich zahlreiche Züchter zur Aufgabe gemacht. Auf jährlichen Wettbewerben präsentieren sie ihre Ergebnisse. Von Laelia sind gut 60 Arten bekannt. Sie wachsen auf Geröll oder Steinen. Orchideen als Zimmerpflanzen: Was muss man beachten? Entscheidend ist zuallererst die richtige Auswahl der Pflanzen, die sich an dem vorgesehenen Standort orientieren muss. Direkte Sonne mag jedoch keine der vielen Arten. Allgemein sind viel frische Luft und eine Luftfeuchtigkeit zwischen 40 und 60 Prozent wichtig. Außerdem sollten die Pflanzen in einer speziellen, besonders durchlässigen Orchideenerde stehen, um vor Staunässe geschützt zu sein. Zum Gießen sollte man nur Wasser verwenden, das mindestens einen Tag bei Zimmertemperatur gestanden hat. Wussten Sie, dass … die erste tropische Orchidee als Verpackungsmaterial nach Europa gelangte? Der aufmerksame Pflanzenfreund und Empfänger der Sendung, William Cattley, topfte die seltsam verdickten Stängelstücke ein – mit Erfolg: Als Cattleya blühte, war sie das Tagesgespräch. es unterirdisch lebende Orchideen gibt? Die in Australien heimische Rhizantella beispielsweise gibt nur in der Trockenzeit ihren Standort preis: Wenn die Erdoberfläche aufbricht, werden die braunen Blüten in Erdspalten sichtbar und können dann von Fliegen bestäubt werden. Wussten Sie, dass … Orchideen den Germanen heilig waren? Geschmückt mit dem Knabenkraut ( Orchis mascula ), schickten sie die Kinder zum Frühlingsfest, das sie zu Ehren von Frigg, der Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit, feierten. es heute über 100 000 Orchideenzüchtungen gibt? So viele sind zumindest in dem erstmals 1901 angelegten Verzeichnis aufgelistet, das heute von der Royal Horticultural Society in Großbritannien geführt wird. Was sind Parfümblumen-Orchideen? Orchideenarten, die ihre Bestäuber durch betörende Düfte anlocken. In den Regenwäldern Süd- und Mittelamerikas sind Orchideen mit Prachtbienen (Gattung Euglossinae ) eine so enge Symbiose eingegangen, dass beide völlig voneinander abhängen. Die Bienenmännchen werden von dem Blütenduft angelockt, der von Härchen der Blütenlippe ausströmt. Wie besessen bürsten die Insekten die Dufttröpfchen ab und füllen damit Taschen an den Hinterbeinen. Das Orchideenparfüm dient ihnen dann zur Markierung ihrer Territorien. Natürlich bezirzen sie damit auch die Damenwelt, indem sie die Düfte mit sanftem Flügelfächeln verbreiten. Jede Prachtbienenart bevorzugt in der Regel ein ganz spezielles Parfümbukett, das nur eine bestimmte Orchideenart anbietet. Fremdgehen ist nahezu unbekannt, weil die Bienen andere Orchideen gar nicht riechen mögen. Seerosen: Leben über und unter Wasser Können Seerosen im Wasser atmen? Ja, denn an der Oberseite der Schwimmblätter sitzen Spaltöffnungen, und nur über diese ist der Austausch von Kohlendioxid und Sauerstoff mit der Umgebung möglich. Damit auch die untergetauchten Pflanzenteile mit Sauerstoff versorgt werden, haben die Pflanzen ein Lüftungssystem entwickelt, das die Luft bis zu den untersten Pflanzenteilen leitet, die sich meist im schlammigen Grund des Gewässers ausbreiten. Seerosen sind durch diese »Luftröhren« bestens an den Lebensraum Wasser angepasst. Die Weiße Seerose ( Nymphaea alba ) besiedelt stehende oder langsam fließende Gewässer wie Seen, Teiche und die Altwässer von Flüssen. Die schöne Pflanze ist selten und daher geschützt, aber dort, wo die Umstände besonders günstig sind, kommt sie auch in größeren Beständen vor. Ihr Wurzelstock kann bis in eine Tiefe von drei Metern reichen. Aus ihm entwickelt sie Blätter und Blüten, die dank der langen Stiele auf der Wasseroberfläche schwimmen. Diese Stiele sind elastisch, so dass sich die Pflanze an wechselnde Wasserstände anpassen kann. Ihre großen, herzförmigen Blätter sind auf der Oberseite mit Wachs überzogen: Von ihnen perlt das Wasser einfach ab. Die recht großen Blüten, die sich von Juni bis August zeigen, sind weiß mit auffallenden gelben Staubblättern und duften angenehm. Sie sind nur tagsüber geöffnet. In geschlossenem Zustand werden sie von vier braungrünen Kelchblättern umhüllt. Wie verbreitet die Teichrose ihre Früchte? Über das Wasser, denn die Früchte enthalten Luftblasen und sind deshalb schwimmfähig. Wie die Weiße Seerose ist auch die Gelbe Teichrose ( Nuphar lutea ) – auch »Große Mummel« genannt – selten und daher geschützt. Ihre gelben Blüten erscheinen von Juni bis September und erreichen einen Durchmesser von sechs bis zehn Zentimetern, die Blätter werden bis zu 30 Zentimeter groß. Die Teichrose gehört zum Schwimmpflanzenbestand stehender oder ruhig fließender Gewässer; ihre Wurzeln können bis in eine Tiefe von vier Metern reichen. Bestäubt werden die Pflanzen von Käfern, die durch den intensiven Geruch der Blüten angelockt werden. Die schwimmenden Früchte treiben auf dem Wasser, bis nach einer gewissen Zeit die Luft aus den Luftblasen entweicht. Dann sinken die Früchte auf den Grund, um zu keimen. Zuweilen werden sie auch von Wasservögeln gefressen, die sie unverdaut wieder ausscheiden und auf diese Weise ebenfalls verbreiten. Eine sehr seltene, kleinere Verwandte der Teichrose ist übrigens die Zwergteichrose ( Nuphar pumila ) oder Zwergmummel. Ihre Blüten werden nur ein bis drei Zentimeter groß, die länglichen, herzförmig eingeschnittenen Blätter sind bis zu zwölf Zentimeter lang. Die Zwergteichrose ist in den gemäßigten Breiten zu Hause und liebt kalte, nährstoffarme Gewässer mit torfigem Untergrund. Welche Seerose besitzt wagenradgroße Blätter? Die Amazonas-Riesenseerose ( Victoria amazonica). Sie ist eine der imposantesten Pflanzen der Erde und wurde zu Ehren der englischen Königin Victoria benannt. Die Riesenseerose wächst im Einzugsgebiet des Amazonas in ruhigen Flussarmen. In botanischen Gärten sind die Vertreter dieser Pflanze stets von einer Besucherschar umringt, welche die riesigen, ausladenden Schwimmblätter bewundern. Sogar Kinder – sofern sie nicht schwerer sind als 40 Kilogramm– können auf ihnen stehen. In ihrer Heimat erreichen die eindrucksvollen Blätter bis zu vier Meter Durchmesser, in botanischen Gärten immerhin noch zwei Meter. Der Rand ist nach oben umgeschlagen und ragt bis zu zehn Zentimeter empor. Dadurch wird verhindert, dass sich die Blätter übereinanderschieben. Diese Blätter haben eine einzigartige Konstruktion: Kräftige Blattnerven verleihen ihnen wie ein Gerüst eine hohe Stabilität und Tragfestigkeit; außerdem enthalten sie Luft, was ihre Schwimmfähigkeit erhöht. Zwischen Ober- und Unterseite sind die Blätter von Poren durchzogen, die nur als kleine Punkte sichtbar sind. Durch sie kann das Regenwasser rasch abfließen, was bei den heftigen Regengüssen der Tropen besonders wichtig ist. Als Schutz gegen gefräßige Wasserbewohner sind Blattunterseiten und Stiele mit Stacheln besetzt. Warum sperrt die Amazonas-Riesenseerose Insekten ein? Damit sichert die Seerose ihre Bestäubung. Die zart rosafarbenen, bis 35 Zentimeter großen Blüten öffnen sich nachmittags, bleiben über Nacht offen und schließen sich am folgenden Morgen, wobei Insekten in der Blüte eingeschlossen werden, die nun die Bestäubung vollziehen. Bei der abendlichen Entfaltung werden die pollenbeladenen Gäste wieder freigelassen. Dann verändert die Blüte ihre Farbe zu einem kräftigen Rosa, am nächsten Tag welkt sie und versinkt. Unter Wasser entwickeln sich schließlich die Früchte. Diesem Geheimnis musste man erst auf die Spur kommen, damit die Zucht dieser Seerose aus Samen gelingen konnte, denn trocken transportierte Samen keimten nicht. Warum war die Riesenseerose früher ein Vorbild für Techniker? Weil ihre Blätter mit dem genialen Stützgerüst als Vorbild für den berühmten Kristallpalast dienten. Diese Ausstellungshalle mit einem Rippendach aus Gusseisen und Glas entstand anlässlich der ersten Weltausstellung im Jahr 1851 in London. Sir Joseph Paxton (1801 bis 1865), Gartenarchitekt des Herzogs von Devonshire, entwarf zunächst ein spezielles Gewächshaus für die tropische Wasserpflanze – er ahmte dabei die Blattkonstruktion der Riesenseerose nach. Das Gebäude mit dem charakteristisch gefalteten, frei schwebenden Glasdach war derart eindrucksvoll, dass Paxton danach auch den Kristallpalast gestaltete. Lange Walzstahlträger überspannten den Innenraum, auf denen der Architekt gläserne Satteldächer parallel dazu anordnete. In den Furchen dazwischen befanden sich Rinnen für den Ablauf des Regenwassers. Die Elemente ließen sich auch serienmäßig produzieren, so dass die Halle in weniger als sechs Monaten Bauzeit fertig gestellt werden konnte. Wussten Sie, dass … es Seerosen mit himmelblauen Blüten gibt? Die Ägyptischen Lotosblumen Nymphaea lotus und Nymphaea caerulea wachsen am Nil. eine Seerose das Wappen des Benediktinerklosters Tegernsee ziert? Sie sollte mittelalterlichen Mönchen und Nonnen helfen, ihre Keuschheit zu bewahren. manche Seerosen essbar sind? In Indien wächst Nymphaea stellata , die fast komplett verzehrt wird. Auch die Indianer Nordamerikas essen Samen und Rhizome dort vorkommender Seerosenarten. Lotos: Heilig und nützlich Wem ist die Lotosblume heilig? Hindus und Buddhisten. Den beiden Religionsgemeinschaften gilt sie als Symbol der Reinheit und Wiedergeburt. In den Tempelgärten Ostasiens wird die Lotosblume ( Nelumbo nucifera ) deshalb häufig kultiviert. In der Gedankenwelt des Fernen Ostens spiegelt die Lotosblume das menschliche Dasein wider: Sie wurzelt im Schlamm, steigt aus diesem empor, durchzieht dabei das reinigende Wasser und erreicht schließlich das Licht. Ähnlich ist auch der Mensch verhaftet in Schmutz, Sünde und Korruption, kann sich jedoch daraus erheben, sich reinigen und schließlich zur Vollendung gelangen. In der indischen Mythologie steht der Lotos für die junge Erde. Viele Gottheiten werden mit der Lotosblume dargestellt, so z. B. Vishnu, der Schöpfergott: Aus seinem Nabel sprießt eine Lotospflanze, aus der schließlich die Welt entsteht. Lakshmi, die Göttin von Reichtum u